Donnerstag, 6. März 2014

[Kurzrezension] Lebenshungrig und Kontrolliert außer Kontrolle

Lebenshungrig

Laura Pape

238 Seiten

Schwarzkopf & Schwarzkopf

9,95 €

Mit 17 Jahren beschließt Laura Pape, ein bisschen abzunehmen, weil sie sich in ihrem Körper nicht wohlfühlt. Doch was als harmlose Diät beginnt, gerät bald außer Kontrolle. Laura rutscht in kürzester Zeit in die Magersucht, hungert sich ins starke Untergewicht.
Es ist ihre Mutter, die schließlich die Notbremse zieht und Laura in eine Klinik bringt. Nach einem halben Jahr wird sie wieder entlassen, doch der Kampf gegen die heimtückische Krankheit ist noch lange nicht vorbei.

Meine Meinung:

Ich möchte diese zwei Bücher euch vorstellen, ohne Wertung und Fazit, denn ich finde dass das "Thema" Magersucht sehr feinfühlig ist, was ich nicht bewerten möchte und auch nicht kann. Wie bin ich zu diesem Buch und auf diese Thematik gekommen? Ich habe "Lebenshungrig" beim Aufräumen in unserer Buchhandlung das erste Mal in der Hand gehalten und nur mal kurz reingelesen - und war schockiert, gefesselt und wollte wissen, was Laura Pape widerfahren ist.

Als ich das Buch beendet hatte wollte ich mehr über das Thema wissen. Also gestöbert und vom gleichen Verlag "Kontrolliert außer Kontrolle" gefunden und ebenso gelesen. Beide Geschichten haben mich sehr berührt und ein wenig mehr für das Thema sensibilisiert - und nachdenklich gestimmt. Doch was genau hat mich nachdenklich gemacht?

Im Fall von Laura Pape hat die Magersucht mit einer Wette zwischen ihr und ihrer Freundin begonnen, welche für Laura dann immer mehr zur Sucht und zum Zwang wurde. 

Ich esse tagsüber immer weniger und werde mit der Zeit ziemlich erfinderisch , was die Wahl meiner Lebensmittel betrifft. An einem Tag teile ich mir ein einziges Glas Baby-Grießbrei (136 Kalorien) so ein, dass es für Frühstück und Abendbrot reicht, zu Mittag esse ich zwei Teller Möhrensuppe (108 Kalorien). [...] Die Tage verbringe ich damit, mich mit meiner letzten Kraft zu bewegen, um noch mehr Kalorien zu verbrennen.

Auch Lauras Freunde und ihre Familie kommen in ihrem Buch zum Sprechen und runden das ganze Krankheitsbild von Laura ab. Ich als Leser war schockiert - aber auf eine andere Art und Weise konnte ich Laura auch verstehen - und habe mitgefühlt, mitgelitten. Ein sehr bewegendes Buch über Magersucht!



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Kontrolliert außer Kontrolle

Hanna-Charlotte Blumroth von Lehm

343 Seiten

Schwarzkopf & Schwarzkopf

9,95 €

Mit 16 Jahren erkrankt Hanna-Charlotte Blumroth vom Lehn an Magersucht. Ihre Gedanken kreisen fortan nur noch darum, wie sie Essen vermeiden und ihre Gewichtsabnahme beschleunigen kann. Sie zieht sich immer mehr in sich zurück und ihre Familie und Freunde reagieren hilflos und voller Sorge auf Hannas körperliche und seelische Veränderungen. Als ihr Untergewicht lebensbedrohlich wird, wird sie von ihrer Mutter in eine Klinik gebracht der erste von vier stationären Aufenthalten und der Beginn eines langen Leidensweges. Die Tagebuchaufzeichnungen von Hanna-Charlotte Blumroth vom Lehn sind die schmerzhafte Auseinandersetzung mit ihrer Krankheit und ihr Versuch, sie zu verstehen. In ihnen zeigen sich immer wieder die zwei Seiten ihrer Persönlichkeit, die kranke Seite, die sie zum zerstörerischen Hungern antreibt, und die gesunde Seite, die immer wieder an ihren Lebenswillen appelliert.

Meine Meinung:

Hannas Geschichte fängt eher im Verborgenen an - sie selbst kann nicht sagen, was genau der Auslöser für ihre Magersucht war. Aber während einem Urlaub mit ihrer Familie fängt sie das erste Mal an sich zu übergeben und so beginnt ihr langer Leidensweg.

In diesem Buch merkt man als Leser sehr stark Hannas Verzweiflung, ihre Hilflosigkeit und ihren Widerwillen, in eine Klinik zu gehen, bzw. überhaupt jemals wieder gesund zu werden. Eine ganz andere Grundstimmung schwingt in "Kontrolliert außer Kontrolle" mit - als Leser war ich sehr befangen und teilweise Hannas Reaktionen nicht verstanden. 

Aber Hanna kämpft und tritt sogar mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit, was meinen größten Respekt verdient. Ein schockierender Bericht über ein Mädchen, dass die Kontrolle über ihr Leben verliert.

Man ist sieben Tage die Woche, von morgens bis abends, 24 Stunden, 1.440 Minuten, 86.440 Sekunden am Tag kontrolliert. Kontrolliert darin, nichts zu essen, nichts zu trinken, Sport zu machen. Doch wenn einem bewusst wird, dass das nicht normal ist, merkt man plötzlich: Eigentlich ist alles "Außer Kontrolle"!

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