Sonntag, 5. Oktober 2014

[Rezension] Der Satan schläft nie

Der Satan schläft nie

Robert Pleyer

280 Seiten

Droemer Knaur

14,99€ 

Die Hälfte seines Lebens verbrachte Robert Pleyer bei den Zwölf Stämmen, einer radikal-christlichen Sekte, die Gewalt gegenüber ­Kindern für ein göttliches Gebot hält. Sein Bericht über das Innen­leben dieser mysteriösen Gemeinschaft ist eine schockierende Geschichte über religiösen Fundamentalismus mitten in Deutschland.


Meine Meinung:

Interessiert am Thema "Sekten" war ich ja schon immer - doch deutsche Sekten, über die auch noch Bücher geschrieben wurden gibt es sehr wenige. In dieser Geschichte zeigt der Aussteiger Robert Pleyer auf, wie Menschen die eigentlich Zugang zu Gott gesucht haben manipuliert und abhängig gemacht werden und aus eigener Kraft kaum in der Lage sind, dort wieder auszutreten.
  
Die Zwölf Stämme wurden 1972 in den USA von Elbert Eugene Spriggs gegründet. Sie haben heute 2.500 Mitglieder weltweit, von denen die Hälfte jünger als achtzehn Jahre ist. Der Gründer wird von seinen Anhängern als Apostel bezeichnet und gibt die Lehre für ein urchristliches Leben vor.


Doch was unterscheidet diese Gemeinschaft von anderen?


Innerhalb der "Zwölf Stämme" leben die Mitglieder unter totaler Kontrolle. Es gibt die Ältesten, welche sich um das Wohl der Gemeinschaft kümmern; sie entscheiden wie das verdiente Geld zu verwalten ist, wer wen und vor allem wann heiraten darf ( um überhaupt heiraten zu können müssen Anträge gestellt werden und nach einer 1 Jährigen Probezeit wird entschieden ob geheiratet werden darf ) und ob ein Sektenmitglied es noch würdig ist, in der Gemeinschaft zu leben.


Die Jünger der Zwölf Stämme dürfen nicht selbst entscheiden, wann und wohin sie reisen, wo sie wohnen und wann sie ihre Familien sehen. Sie besitzen kein Privateigentum und der Lohn ihrer Arbeit wird ihnen nicht ausgezahlt. Es ist ihnen verboten, jederzeit das Wort zu ergreifen und zu sagen, was sie denken.


Mich hat Roberts Geschichte aufgerüttelt, fassungslos gemacht und zum Nachdenken gebracht. Was veranlasst Menschen, sich solch einer Gruppierung zuzuwenden? Warum machen sie sich abhängig von einer derartigen Gemeinschaft? Ist es eine christliche Glaubensgemeinschaft, die sich nach und nach in eine religiöse Sekte verwandelt hat?


"Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt jeden, den er gern hat ..." 


Doch noch viel mehr als alles andere schockierte mich der Umgang mit den Kindern, den diese Sekte pflegt; an den sie glaubt und der von Gott "vorgeschrieben" wurde.

Die Kinder werden von klein auf gezüchtigt; z.B. schon als Baby eng gewickelt in ein Tuch, damit sie sich nicht mehr bewegen können und somit ihr Wille nach und nach gebrochen wird. Auch später sind Schläge mit Weidenruten und Bestrafungen gern gesehen unter den Anhängern und MUSS in der Kindererziehung.



Eltern müssen die unterschiedlichen Phasen der Kindererziehung verstehen: 1. Kontrolle; 2. Erziehung. Wenn Eltern wahrhaft nach Gottes Wort leben, haben sie die Kontrolle über ihre Kinder. Wenn die Kinder nicht gehorchen, habt ihr sie nicht richtig erzogen. Das wichtigste Ziel ist es, die Kinder unter Kontrolle zu bringen. Der Wendepunkt ist erreicht, wenn das Kind die Herrschaft der Eltern anerkennt.


Alles in allem hat das Buch die Sekte von allen Seiten beleuchtet, aufgezeigt und mir gezeigt, wie schnell man in den Händen einer solchen Gemeinschaft gefangen sein kann und wie hilflos man dabei ist; auch wenn man es gar nicht meinen würde.

Kleiner Kritikpunkt: Der Schreibstil hat mich ab und an ein wenig durch das Buch geschleift und es mir an manchen Stellen nicht leicht gemacht, die Geschichte flüssig lesen zu können.

Mein Fazit:

Ein interessanter Bericht über eine deutsche Sekte, die aufgrund ihrer Kindererziehung stark in der Kritik der Öffentlichkeit stand; mit diesem Buch kann sich jeder seine eigene Meinung darüber bilden und die Hintergründe der Gemeinschaft "Zwölf Stämme" kennen lernen. 

Kommentare:

  1. Liebe Antonie,
    ich finde die Rezension ist eine runde Sache. Ich weiß, was mich beim Kauf erwarten würde, aber auch was deine Meinung zu dem Thema ist. Ich wüsste jetzt nicht wo ich inhaltlich was anzumäkeln hätte. Liebe Grüße und schönen Sonntag, Bröselchen ^_^

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  2. Hallo Antonie,

    ich finde die Rezension jetzt wirklich rund und gelungen :) diesmal kommt viel klarer raus womit sich das Buch genau beschäftigt und was diese Sekte ausmacht!
    Ich finde da hast du dir ein wirklich spannendes Thema herausgesucht, sowas geht in der Masse der Sachbücher sonst leicht unter. Wirklich interessant hier bei dir darüber etwas zu erfahren!

    Viele liebe Grüße
    Alex

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  3. Habe die Sendung "Unter uns" gesehen mit jen. Geschichte von Robert P. Sehr mutig, da? er sich auch selbstreflektierend dem Publikum stellte.Letzteres ist eher seltener als Kritik an sich.
    Auch ich habe Ähnliches erlebt.Es ist ein Dilema: die großen Kirchen entfernen sich immer mehr vom reinen Evangelium. Was Gemeinschaften betrifft, so habe ich selbst viel Verletzung, Machtmissbrauch erlebt.Es ist so, wie Robert P. äußerte: Jene, die sich bedingungslos nach den Worten der Bibel ausrichten wollen, sind auch ganz besonders gefährdet , mit Worten aus der Bibel beherrscht, unterdrückt und mißbraucht zu werden. So erging es ja Robert P.
    Jene Gemeinschaft der 12 Stämme handelt nicht nur unbiblisch hinsichtl. der Kindererziehung ( Jesus würde nie Kinder prügeln , auch wenn sie gefehlt haben) sondern mißbraucht hier den Namen der 12 Stämme Israel u. das Alte Testament.
    Ich vermute, dass ein großer Tei der Mitglieder, sich mit der Geschichte des Judentums weder auskennen noch Jesu Worte im Herzen erkannt haben,so dass auch ich hier für das Eingreifen des Staates bin. Jesus sagte, wir sollen keine Angst in der Welt haben. Auch er erlebte staatl. Willkür ( Pontius P.)-; dennoch hielt Jesus sich immer an Gottes Gesetze dabei. Nie stellte er sich gegen den Staat ("Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist...).
    Für uns Christen sollte auch in diesem Punkte Jesus ein Vorbild sein, auch wenn es manchmal nicht einfach ist im Alltag.Das Leben jener Sekte ist eine einz. Provokation vor den Augen des Staates, für den wir Christen ja eigentlich lt. Bibel beten sollen u. dürfen u. gleichzeitig ein Ausnutzen der bürgerl. Rechte in uns. Land . Das ist inakzeptabel u.Widerstand des dt. Staates förmlich herausfordern.
    Nein, das würde Jesus nie wollen.
    Getrennt sein von der Mutter, wie es nach den Polzeieinsätzen in jen. Sekte war ,ist schlimm, aber lag letztlich in der Mitverantwortlichkeit und MItverschuldung der Mütter , in der ständ. Provokation der staatl. Behörden.
    Ich habe es aber auch schon erlebt, dass eben solche Kinder später auch total ausbrechen und Jesus den Rücken kehren oder eben dasselbe tun wie ihre Eltern damals.
    Heute prüfe ich alles immer nur am Wort der Bibel u. stelle mir bei jeder Sache immer die wichtigste Frage: WAS WÜRDE JESUS DAZU SAGEN?" u. vor allem gehe ich nicht nach Menschenwort und Menschenlehre, Das zu unterscheiden ist eigentlich das schwierige ( so auch bei Robert P.)
    Die Zugehörigkeit zu einer Kirche o. Gemeinde bringt mich nicht in den Himmel.
    Letztlich frage ich mich, warum ist diese Sekte der 12 Stämme nicht gemeinschaftlich nach den USA ausgewandert. Dort hätten sie auf alle Fälle den entsprechenden Bundesstaat für ihre Lebensweise gefunden. Deutschland ist eben doch für sie wahrscheinl.viel angenehmer u. wahrscheinl. kostengünstiger.

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