Montag, 29. Juni 2015

[Rezension] Zwei fürs Leben

Zwei fürs Leben

Julia Hanel

304 Seiten

Ullstein Verlag

8,99 €

Als Anni nach einem schweren Unfall im Krankenhaus erwacht, hört sie eine fremde Stimme in ihrem Kopf. Sie gehört zu Ben, einem jungen Architekten, der behauptet, im Koma zu liegen und ihre Gedanken zu hören. Anni ist anfangs skeptisch und versucht, Ben mit allen Mitteln loszuwerden. Doch schon bald werden die Gespräche mit Ben zum Höhepunkt ihres Tages. Die fremde Stimme lässt sie nicht mehr los, und Anni fragt sich, ob man sich wirklich in einen Unbekannten verlieben kann ...

Meine Meinung:

Durch Zufall bin ich auf dieses Roman-Debüt aufmerksam geworden und bin ein wenig skeptisch an die Geschichte herangegangen. Die Idee einer Liebesgeschichte die sich nur in zwei Köpfen ohne realen Kontakt abspielt - ich wusste nicht, was mich erwartet, was ich von solch einer Grundidee halten soll und war dementsprechend neugierig. 

Um was geht es? Anni ist Mitte Zwanzig, glücklich in ihrer Beziehung und unglücklich in ihrem Job als Lektorin eines kleinen Fantasy-Verlages. Eines Tages hat sie einen schweren Unfall, wacht nach zwei Wochen aus dem Koma auf und hat eine fremde Stimme in ihrem Kopf.

Diese Stimme gehört Ben, einem jungen Architekten, der ebenfalls im Koma liegt und ihre Gedanken hören kann. Sehr schnell bauen die beiden eine vertrauliche Atmosphäre auf, können es kaum abwarten miteinander zu "sprechen" bzw. sich einen Schlagabtausch zu liefern. Anni und Ben harmonieren auf eine ganz besondere Weise miteinander und lernen sich Schritt für Schritt besser kennen, bis eine tiefe Verbundenheit entsteht.

Doch eine gemeinsame Zukunft scheint unmöglich - Anni liebt ihren Freund über alles, Ben hofft auf eine zweite Chance für seine Ehe, und eigentlich kennen die beiden sich ja gar nicht...

Die Charaktere waren anfänglich für mich sehr schwer zu fassen, denn dadurch dass man als Leser so in das Geschehen geworfen wird und auch gleich die mentalen Zwiegespräche zwischen Anni und Ben beginnen, bleiben die beiden vorerst ein wenig blass und nebulös.

Das ändert sich dann jedoch ziemlich bald, denn durch kleine Einblicke in Annis Leben und Rückblicke in ihre Vergangenheit, bzw. wie sie ihren Freund kennen gelernt hat verleihen ihr den nötigen Charaktertiefgang und machen sie greifbarer für den Leser. Über Ben erfahren wir größtenteils etwas über die Gespräche der beiden, über seine tragische Liebesgeschichte und wie es dazu kam, dass er im Koma liegt.

Besonders gefallen haben mir die Dialoge zwischen den beiden, sie haben dem Roman eine gewisse Leichtigkeit und Note gegeben und mich so quasi durch die Geschichte hindurch getragen. 

Mal sind sie lustig, mal etwas ernster angehaucht - je nachdem, zu welchem Zeitpunkt sie in die Gedanken des anderen eintauchen, denn das können beide nicht kontrollieren; sie wissen nicht wann sie in den Kopf des anderen katapultiert werden und wann sie wieder hinausgeworfen werden.

Die Geschichte war voller unerwarteter Wendungen, als Leser erhofft man sich die ganze Zeit ein Happy-End und fragt sich dann gleichzeitig "Bloß wie?!", denn Anni und Ben haben beide ihre Päckchen im Leben zu tragen und passen so augenscheinlich gerade gar nicht zusammen.

Beide wollen etwas an ihrem momentanen Leben ändern und sind doch so gefangen in ihrem Trott, dass man als Leser verzweifeln möchte.

Mein Fazit:

Eine wunderbartolle Liebesgeschichte mit einer außergewöhnlichen Plot-Idee. Mit an den See, ins Schwimmbad nehmen oder an einem lauen Sommerabend auf der Terrasse anfangen zu lesen, darin versinken und durch schmökern, denn das geht bei diesem Roman unglaublich schnell. Ich vergebe

4 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte

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