Mittwoch, 29. Juli 2015

[Rezension] Effortless - Einfach verliebt

Effortless - Einfach verliebt

S. C. Stephens 

672 Seiten

Goldmann Verlag

9,99 €

Kieras und Kellans Beziehung begann mit Schmerz und Verrat. Doch nun steht eines fest: Kellan ist Kieras große Liebe. Um nicht wieder die gleichen Fehler zu begehen, konzentriert sie sich nun lieber auf die Uni und auf sich selbst. 

Sie lebt mit ihrer Schwester in einem winzigen, aber gemütlichen Apartment. Mit Kellan versucht sie diesmal, alles richtig zu machen – in ganz kleinen Schritten. Das geht so lange gut, bis Kellan Seattle für eine Tournee verlässt, und die Vergangenheit Kiera wieder einholt ...

Meine Meinung:

ACHTUNG: Dies ist ein zweiter Teil einer Trilogie - wer den ersten Teil Thoughtless noch nicht kennt, sollte diese Besprechung nicht lesen!

Irgendwie hat es mir diese New-Adult-Reihe ja angetan, doch gleichzeitig hege ich wüste Gefühle gegen sie - denn während diesem zweiten Teil der Trilogie ist so einiges passiert, was mir nicht immer ganz so gut gefallen hat. 

Die Charaktere hatten so ihre Eigenheiten, die Handlung hätte auch ein wenig schneller in Fahrt kommen können; und doch habe ich mitgefiebert mit Kellan und Keira. 
Eine kleine Hass-Liebe entwickelte sich während dem Lesen ... wie es dazu kam, könnt ihr gleich in der folgenden Rezension nachlesen.

Um was geht es? Kiera und Kellan sind nun seit fast einem Jahr zusammen und könnten nicht glücklicher sein. Ihre Beziehung meistert die kleinen und großen Hürden des Alltags, Keira ist bei ihrer Schwester im kleinen, aber feinen Apartment zufrieden und ihr Uni-Abschluss nähert sich mit großen Schritten.

Doch dann bietet sich für Kellans Band, die D-Bags, eine unfassbare Möglichkeit: Sie können als Vorband auf einer Tournee quer durch die USA mittouren und somit das erste Mal ernsthaft im Musik-Business Fuß fassen. Keira fällt dieser Abschied nicht leicht und als dann auch noch Denny unangemeldet wieder bei ihr auftaucht ist das Liebeschaos perfekt ...

Wo soll ich anfangen?! In diesem Band stehen natürlich Kellan und Keira mit ihrer Beziehung im Mittelpunkt des ganzen Geschehens, anfangs erlebt der Leser ganz alltägliche Situationen mit den beiden zusammen. 
Und gleich da spürt man, dass Keira sich so kein bisschen charakterlich weiterentwickelt hat - denn ihre Eifersucht sprüht geradezu aus ihren Augen und vergiftet jeden in ihrer näheren Umgebung.

Kellan dagegen ist der Fels in der Brandung, auch wenn er ab und zu seine Ausraster hat; welche in meinen Augen jedoch meist gerechtfertigt sind! Als sich dann für die Jungs DIE Möglichkeit bietet, ihre Band zu promoten und weitläufig bekannt zu werden, überlegt Kellan erstmal ob er diese lange Trennung Keira überhaupt zumuten kann .... ähm ja. 

Keira leidet während der gesamten Tour unter extremen Angstzuständen, Kellan könnte sie betrügen ( so wie jeder anständige Rockstar das anscheinend tut ) und beteuert aber gleichzeitig, dass ihr das alles gar nichts ausmacht und sie Kellan von ganzem Herzen ( NICHT ) vertraut. Dieses ganze Hin und Her hat es für mich zwar unterhaltsam gemacht, gleichzeitig aber auch wahnsinnig genervt.

Spätestens da war die Hass-Liebe geboren. Während Kellan also unterwegs ist, dürfen wir als Leser Keira bei ihrem Uni-Alltag begleiten, erfahren viel über Telefonsex und lernen ihre Schwester und ihre Eltern näher kennen. Alles in allem hat Effortless weniger Drama, weniger Biss als Thoughtless und das hat mir doch ein wenig gefehlt; aber ich hoffe einfach, dass der dritte Band dies nochmal toppen wird.

Als dann auch noch Denny wieder in der Stadt auftaucht, erzählt Keira natürlich NICHTS ihrem Freund, trifft sich vor aller Augen mit ihrem Ex und trichtert allen ein, Kellan ja nix zu erzählen - dass da ihr die meisten mit Unverständnis entgegenkommen hat mich nicht gewundert. 

Dass diese Situation dann natürlich auch noch in einem dramatischen Glitzer-Finale geendet hat, in dem mal wieder so ziemlich alles passiert war klar und für meinen Geschmack ein wenig ZU übertrieben. Und trotzdem freue ich mich auf den letzten Teil der Reihe, werde ihn lesen und mich wieder köstlich darüber aufregen - warum? 

Naja, so ein bisschen gefällt mir das ganze ja auch und man kann während dem Lesen wunderbar den Kopf abschalten. Leichte Kost für zwischendurch und Lacher bzw. Aufreger sind ebenfalls garantiert - eine herrliche Erfrischung zwischen den ganzen anderen Geschichten.

Mein Fazit:

Lest diesen Band wirklich nur dann, wenn ihr unbedingt wissen wollt, wie es mit Keira und Kellan weitergeht - denn sonst könnte es passieren, dass ihr das Buch vor lauter Verzweiflung aus dem Fenster schmeißt. 

Kurzweilige Unterhaltung für den heißen Sommer mit prickelnden Szenen; mehr gib es über diesen Roman dann auch nicht mehr zu sagen. Ich vergebe 

3 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte

Sonntag, 26. Juli 2015

[Rezension] ZweiundDieselbe

ZweiundDieselbe

Mary E. Pearson

336 Seiten

Fischer KJB

7,99 €

Wie weit würdest du gehen, um einen Menschen zu retten, den du liebst? Körperlich unversehrt, aber ohne Erinnerung erwacht Jenna aus dem Koma. Verzweifelt versucht sie herauszufinden, wer sie einmal war. Denn der Mensch, als den ihre Eltern sie beschreiben, bleibt ihr fremd. Die Spannung verdichtet sich bis ins Unerträgliche, ja fast Klaustrophobische. Denn die Wahrheit, der Jenna Stück für Stück auf die Spur kommt, ist ungeheuerlich: 

Jenna hatte einen furchtbaren Unfall. Ihre Eltern haben alles medizinisch Mögliche getan, um sie am Leben zu erhalten. Doch was von ihr übrig war, waren nicht mehr als zehn Prozent ihres Gehirns. Wie viel Persönlichkeit steckt in diesen zehn Prozent? Wie viel davon ist Jenna? Mit seiner schlichten, poetischen Sprache geht dieser Roman direkt unter die Haut und wirft ethische Fragen auf, die noch lange nachhallen.

Meine Meinung:

Ich habe vor circa 5 Minuten dieses Buch beendet, habe einen riesigen Kloß im Hals und mich umschwirren meine Gedanken. Selten berühren mich Geschichten so nachhaltig, selten denke ich so intensiv über Handlungen nach und versuche mich, in gewisse Situationen hineinzuversetzen. 

Und doch passiert genau das von Zeit zu Zeit und dieser Roman hat es geschafft: Er hat mich mitgenommen, sich in meinem Kopf festgesetzt und wird dort noch länger herumspuken, denn dieses Thema lässt garantiert keinen kalt.

Um was geht es? Jenna erwacht aus einem einjährigen Koma und kann sich kaum an ihr Leben zuvor erinnern. Auch ihre Eltern sind ihr fremd, ihre Erinnerungen sind wie ausgelöscht und auch fühlt Jenna sich irgendwie ... nicht richtig an. Was steckt hinter ihrem ominösen Unfall und warum verhält sich ihre Oma Lily ihr gegenüber so seltsam? 

"Was wäre wenn?" Diese Frage habe ich mir früher gerne gestellt, habe Möglichkeiten durchgespielt und meinen Spaß dabei gehabt, mir vorzustellen was wohl passiert wäre und welche Richtung mein Leben genommen hätte, hätte ich diese oder jene Entscheidung getroffen.

Für Jennas Eltern ist dieses lustige Spiel zur grausamen Wirklichkeit geworden, denn ihre einzige Tochter hatte einen schrecklichen Autounfall und so mussten sie eine Entscheidung treffen, die Jennas Leben um 180 Grad dreht und verändert. 

[ACHTUNG SPOILER!!] Mit einem Serum können sie Jenna komplett wiederherstellen, denn durch den Unfall hat sie solch starke Verletzungen erlitten, dass sie in absehbarer Zeit sterben wird. Dieses Serum umhüllt ihre kompletten Organe und ihr Gehirn mit einer Schicht, die sie rettet und somit quasi unsterblich macht, bzw. ihr eine Lebenserwartung von 200 Jahren schenkt. [ACHTUNG SPOILER!!]

Eine verzweifelte Tat von liebenden Eltern, eine schreckliche Ungewissheit für Jenna und der Leser stellt sich ständig die Frage: Wie würde ich entscheiden? Mary E. Pearson hat für diese Geschichte einen sachlichen Erzählstil gewählt, welcher Jenna zwar etwas blass als Charakter erscheinen lässt, ihre Verzweiflung und Gefühle aber komplett dadurch in den Vordergrund stellt.

Während des kompletten Buches reißt die unheilvolle, bedrückende Stimmung nicht ab. Die Gedanken kreisen um das Thema und eine Keule nach der anderen rast auf den Leser nieder, zerdrückt ihn unter diesem Gewicht und verkeilt sich in dessen Gedankenstrom.

Die Geschichte zeigt auf, was der Wissenschaft und Forschung alles möglich wäre, doch nur ein Gedanken dominierte meinen Kopf: Wollen wir das wirklich? Und wie könnte man jemals die Grenze ziehen zwischen Leben und Tod? 

Ich bin froh, dass die medizinischen Möglichkeiten noch nicht so weit sind, denn eins würde immer hinten runterfallen - und das wäre die Selbstbestimmung über das eigene Leben. Denn wenn man schon im Koma liegt und nur die nächsten Angehörigen die Entscheidungskraft haben, ob sie einen geliebten Menschen retten wollen oder ob sie ihn gehen lassen .... wie würde sich wohl der Großteil entscheiden?

Mein Fazit:

"ZweiundDieselbe" hat mich in seinen Bann gezogen gehabt und mir eine eiskalte Realitätsdusche verpasst. Hat mir aufgezeigt, was wäre wenn und habe festgestellt, dass ich über manche Themen so gar nicht nachdenken möchte - bis sie mir ins Gesicht geschlagen werden und ich darüber nachdenken muss. 

Keine leichte Kost und doch sollte jeder einzelne von euch das gelesen haben, sich seine Gedanken darüber machen und dann entscheiden, ob er diese wegschließen oder noch länger darüber nachdenken möchte. Ich vergebe

5 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte

Freitag, 24. Juli 2015

[Ankündigung] Leserunde "Margos Spuren"

Hallihallo meine Lieben!

Ich habe ja gefühlte Ewigkeiten an keiner Leserunde mehr teilgenommen. Warum? 1.) Hatte ich oft die Zeit und die Lust nicht dazu, mich jeden Tag an EIN bestimmtes Buch zu setzen und dann auch noch mit anderen darüber zu diskutieren und 2.) weil oft ein gewisses Lesetempo vorgegeben wurde, was mir ebenso nicht gepasst hat.

ABER jetzt werde ich wieder an einer Leserunde der besonderen Art teilnehmen, die die liebe Lotta von Lottasbuecher ins Leben gerufen hat. Dabei handelt es sich um das Buch "Margos Spuren" von John Green und WARUM es eine etwas andere Leserunde ist ... das verrate ich euch gleich.

Hier erstmal die Eckdaten:

Start der Leserunde ist der 01.08.2015 - jeder der mitmachen möchte, kann sich bei Lotta auf dem Blog per Kommentar anmelden.

Jeder kann in seinem Tempo lesen, dazu wurde das Buch in mehrere Abschnitte aufgeteilt und seinen Senf kann man dann in das jeweilige Kommentarfeld schreiben.

Wer keinen Blog hat, kann auch über Twitter oder Instagram unter dem Hashtag #LRMargosSpuren mitmachen, oder eben rein über das kommentieren bei Lotta.



Hier könnt ihr die einzelnen Abschnitte der Leserunde nochmal sehen - da ich zu faul war alles abzutippen, habe ich es für euch exklusiv gescreenshotet - ein Hoch auf die Faulheit! Den Ausschlag für mich zu sagen, ich mache mit, hat 1.) das eigene Lesetempo ausgemacht; niemand ist verpflichtet eine gewisse Seitenanzahl schneller als normalerweise zu lesen UND 2.) das Buch um das es geht.

Denn bisher habe ich ( und das schon vor Jahren! ) "Eine wie Alaska" und "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" gelesen und freue mich somit, ein anderes John Green Buch lesen zu können ... wehe es ist nicht so gut wie die anderen!!

Die FETTE Besonderheit:

Nach dem gemeinsamen Lesen will Lotta es schaffen, dass jeder bei sich im Ort am gleichen Tag in den Film "Margos Spuren" geht und möchte danach mit uns darüber diskutieren - quasi ein Vergleich "Verfilmung VS. Buch". 

Ich finde es ja immer spannend zu sehen, was im Film wie umgesetzt und im schlimmsten Fall weggelassen wurde und danach dann auch noch mit Fachleuten ( wie wir es nach dem Lesen sein werden :D ) darüber zu reden ... ach, das wird einfach herrlich.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich und ein paar andere Blogger, ein kleines Schmankerl vom Verlag direkt bekommen haben: Uns wurde das Buch zugesandt UND ein Kinoticket. Also voll VIP. Natürlich hoffe ich, dass für die anderen Mitleser der Kinobesuch trotzdem erschwinglich sein wird und wir somit viel Freude daran haben werden.

ALSO wer von euch ist mit bei der Leserunde dabei? Schreibt es mir in die Kommentare und vergesst nicht, euch bei Lotta HIER anzumelden, denn dort werden alle Lesermeinungen zusammengetragen. Fröhliches Lesen!

Mittwoch, 22. Juli 2015

[Rezension] Mein Leben für deins

Mein Leben für deins

Amber Kizer

384 Seiten

cbt Verlag

9,99 €

Ein schrecklicher Autounfall setzt Jessica Chains Leben ein Ende. Und doch lebt sie weiter, denn ihre Eltern entscheiden sich, ihre Organe zu spenden. An Samuel, Vivian, Leif und Misty. Vier Teenager, vier Schicksale voller Schmerzen, Ängste, Einsamkeit und Hoffnung . 

Und über allen schwebt Jessica, begleitet und beobachtet sie: »Mein Leben hatte eine Bedeutung, aber nicht, als ich noch lebendig war, sondern erst durch meinen Tod … «

Meine Meinung:

Ich finde es gibt Themen, welche viel viel öfter in Jugendbüchern vorkommen sollten. Warum? Weil diese Themen zum Nachdenken anregen, Diskussionen lostreten können und dadurch perfekt als Schullektüre geeignet sind. Oder was meint ihr? 

Um was geht es eigentlich?  Jessica ist ein unscheinbares Mädchen, welches auf ihrer Highschool regelmäßig gemobbt wird und dem Spott der "coolen" Mädchen ständig ausgesetzt ist. Als sie an Halloween mit ihrem Wagen ins Schleudern gerät, prallt sie gegen einen Baum und ihr Leben ist schneller vorbei als ihr lieb ist, denn die Ärzte können nur noch ihren Hirntod feststellen.

Doch ihr Tod ist nicht sinnlos, denn durch ihre Organspende an vier Jugendliche macht Jessica ihnen das größte Geschenk ihres Lebens: Diese vier können dadurch weiterleben, können erwachsen werden und bekommen dadurch eine Zukunft geschenkt. Jessica bekommt dies alles mit, denn sie schwebt seit dem Unfall über den Geschehnissen und ist mit ihren Organempfängern verbunden.

Und was sie dabei alles erlebt zeigt ihr, dass ihr Tod alles andere als sinnlos war. 

Gerade zu Anfang dieser Geschichte muss man als Leser sehr viel schlucken, denn man erlebt Jessicas Alltag in der Highschool. Sie wird heftig gemobbt, fühlt sich als graues Entlein und muss viele Schläge einstecken. Doch dann eskaliert die ganze Situation, ihr werden ihre hüftlangen Haare abgeschnitten für einen guten Zweck ( ohne dass sie was dagegen tun kann oder es überhaupt will ).


Es gibt tausend Millionen kleine Wunder, die einem Menschen das Leben schenken, wenn sie auf die richtige Weise passieren. Und trotzdem kann keines von ihnen einen lebendigen Körper in ein lebenswertes Leben verwandeln. Leben werden jenseits der Zahlen gelebt. In dem Raum zwischen den Wundern.


Mir hat Jessica so unglaublich leid getan und ihre Society-Mutter hat in meinen Augen auch völlig versagt. Als dann der Unfall passierte hatte ich einen dicken Kloß im Hals; die Autorin hatte mich komplett in diese Situation hineingezogen mit ihrem Schreibstil. 

Danach bin ich nur noch so durch das Buch geflogen, wollte wissen wie es mit den vier Jugendlichen weitergeht nach der Organspende und was Jessica wohl über das ganze denkt, denn selbst nach ihrem Tod bleibt sie schwebend über den Ereignissen dabei und erkennt, dass nicht immer alles so ist, wie sie es bisher dachte. 

Es war spannend Vivian, Misty, Samuel und Leif zu begleiten. Jeder von den vieren hat ein anderes Päckchen, eine andere Krankheit mit sich zu tragen und natürlich geht jeder damit anders um. Diese vier Charaktere werden sehr eindringlich beschrieben, ich habe jeden einzelnen von ihnen in mein Herz geschlossen und mitgefiebert.

Er betete für ein Wunder, aber er würde nicht dafür beten, dass jemand starb, um ihn zu retten. Wie konnte er ein langes Leben mehr verdient haben als jemand anders?

Misty hatte dabei eindeutig das schwerste Los gezogen und mit ihr habe ich am meisten mit gelitten, denn ihre Familie ist sehr arm und sie können die hohen Rechnungen, welche Mistys Behandlung mit sich ziehen, kaum leisten. 

Wie oft habe ich eine Träne beim Lesen verdrückt, wie bedrückend war für mich die Vorstellung, dass Misty in ihrem jungen Leben bereits die ganze Verantwortung auf ihre Schultern nehmen muss und sich für die Verschuldung ihrer Eltern mehr als nur schlecht fühlt.

Die Handlung mag für manche an gewissen Stellen vielleicht zu künstlich, zu gewollt erscheinen, denn was für ein Zufall vermag alle vier Spendenempfänger zusammen zu führen und ihre Leben somit zu verbinden? Aber für mich hat Amber Kizer damit genau ins Schwarze getroffen, denn sie schafft es eine wunderbar atmosphärische Geschichte rund um das Thema Organspende zu spinnen. 

"Ganz egal, was passiert, an diesem Tag werden wir Jessica von all dem Mehr in unserem Leben berichten."
"Mehr Atemzüge."
"Mehr Geburtstage", fügte Sam hinzu.
Leif lächelte. "Mehr Küsse."
"Mehr Gekicher." [...]

Auch wenn es ab und zu sehr emotional wurde und die ganze Thematik einen zu erdrücken schien, sie hat in meinen Augen immer die Kurve bekommen und es nicht zu düster werden lassen. Und die Idee, Jessica weiterhin mit in die Geschichte einzubeziehen, konnte mich ebenso überzeugen. Daumen hoch!

Mein Fazit:

Ein emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle, ein Thema was jeden von uns was angeht und über das sich jeder auch mal Gedanken gemacht haben sollte. Lest diese Geschichte und lasst euch darauf ein, erzählt anderen davon und diskutiert darüber - es lohnt sich. Ich vergebe

5 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte.

Sonntag, 19. Juli 2015

[Redestoff #12] Vom Ebook wieder zum Buch?

Hallihallo meine liebsten Bücherwürmer da draußen!

Vor ein paar Tagen überrannte mich quasi eine Erkenntnis, ausgelöst durch einen Gedanken meinerseits und heute nochmals durch einen Blogartikel, den ich leider nicht mehr aufstöbern konnte. Ich habe hin und her gedacht, mich damit auseinandergesetzt und werde euch nun über diese fundierten Gedanken informieren .... Spaß beiseite, lest einfach diesen Artikel und sagt mir in den Kommentaren, wie ihr die ganze Sache seht.

Vom Ebook wieder zum Buch?

Die letzten Tage habe ich mich durch die verschiedensten Seiten wie Rebuy und Medimops geklickt, habe Dutzende von Büchern in meinen Warenkorb geschmissen und nach einem verzweifelten Blick auf die Gesamtrechnung wieder aussortiert, auf die Merkliste verfrachtet und abgewägt. Welche Geschichten sollten sofort einziehen und auf welche Titel konnte ich vorerst verzichten?

Die Krux an der ganzen Sache allerdings ist eine viel größere Überlegung im Hintergrund: Welche Ebooks sollten bei mir in Buchform einziehen, OBWOHL ich sie schon auf meinem Reader hatte? Denn eines ist mir in letzter Zeit wieder klar geworden: Ich liebe es ein Buch in den Händen zu halten! Ziemlich simpel? Im Gegenteil. 

Seit fast 2 Jahren nun liebe ich meinen Reader und mein Tablet, über das ich eine Leseapp beziehe. Ich liebe es, auf Reisen viele Bücher zur Hand zu haben und nicht nur auf ein paar Geschichten beschränkt zu sein. Doch mir fehlt das Gefühl beim Lesen, ich will durch die Seiten blättern können, an ihnen riechen und das Buch auch dann noch sehen, wenn ich es längst geschlossen habe.

Ich bin niemand, der seine ganzen gelesenen Bücher behält. Die meisten verkaufe ich weiter, es sollen noch mehr Leute da draußen Spaß mit diesem Buch haben. Nur die Titel, die mich völlig von sich überzeugen konnten und mit Merkzetteln gespickt sind bleiben hier und bekommen hin und wieder ihre Streicheleinheiten. 

Und noch eines ist mir klar geworden bei der Überlegung, wieder mehr zu den Papierbüchern zu greifen: Auf meinem Reader versauern oft Geschichten, die ich einfach vergessen habe, denn ganz ehrlich - wer von euch blättert sich durch die vielen Seiten der Bibliothek und guckt sich regelmäßig alle Bücher an? Da passiert es dann auch mal, dass Bücher, die ich am besten schon gestern gelesen haben wollte, vergessen werden.

Habe ich allerdings diesen Titel bei mir zuhause und stolpere regelmäßig darüber ( natürlich nicht im übertragenen Sinne - die armen Bücher! ), ist die Bereitschaft bei mir höher, es auch in die Hand zu nehmen und in die ersten Seiten hineinzulesen; meist wird es dann auch zu Ende gelesen!

Aus diesem Grund möchte ich wieder mehr gedruckte Bücher in die Hand nehmen. Sie müssen bei mir keinesfalls neu sein, nein ich kaufe lieber gebraucht im Internet oder auf dem Flohmarkt. ODER ich gehe in die Stadt zu einer klitzekleinen Buchhandlung und kaufe da meine Bücher, denn die Kleinen brauchen das Geld dringender als die ganz Großen. 

Mein Fazit:

Ich möchte wieder ein vollwertiges Leseerlebnis haben, möchte mit allen Sinnen in die Bücher eintauchen und dort versinken - auch wenn es bedeutet, nochmal Geld für Geschichten auszugeben, die ich bereits besitze. Aber so ist das nun mal und das Gefühl, was mir bei gedruckten Büchern mitgeliefert wird ist eh unbezahlbar!!!

Freitag, 17. Juli 2015

[Abgebrochen #10] Kaninchenherz / Zertrennlich


Warum? Ich habe 50 Seiten in diesem Krimi verbracht und war mehr als verwirrt, ich konnte so rein gar nichts mit der Protagonistin und der Handlung anfangen. Ein kurzes Lese"vergnügen", dass mich mit seinem Setting, welches auf dem Friedhof beginnt, eher abschrecken als für sich gewinnen.

Für wen? Puh, das ist eine sehr gute Frage. Ich kann aufgrund der kurzen Lesezeit kaum sagen, wem das denn gefallen könnte. Am besten ihr lest bei Interesse einfach in die Leseprobe hinein und seht, ob ihr mit dem Schreibstil und dem Setting klar kommt.

Was wäre besser? Es wäre besser, ich würde nicht mehr zu solchen Krimis greifen :D Aber meine Arbeitskollegin hatte es mir quasi auf die Augen gedrückt und so war ich praktisch gezwungen es anzulesen -für die Viel-Krimileser unter euch: Finger weg!



Warum? Ich hatte mich so wahnsinnig gefreut, als ich mich neu in der Bücherei angemeldet hatte und mir dieses Buch in die Hände fiel. Hatte ich doch schon bei erscheinen damit geliebäugelt und die Geschichte konnte mich auch schnell anfixen.

Doch dann fing ich an zu lesen ( nach einem anderen Jugendbuch, welches mir sehr gut gefallen hatte - demnach war mein Anspruch an dieses hier sehr hoch ) und kam einfach nicht in diesen ominösen Schreibstil hinein.

Dadurch, dass die Geschichte so lange im nebulösen bleibt, die Charaktere zwar stark sind, aber eher grau in grau erscheinen und man als Leser durch die ganze Geheimniskrämerei abgeschreckt und mit vielen Fragezeichen über dem Kopf zurückgelassen wird die ersten 60 Seiten, habe ich es sehr schnell aus der Hand gelegt und mich auch weiterhin nicht mehr für die Geschichte interessiert.

Für wen? Das eigentliche Thema des Buches ist Magersucht. Wer Jugendbücher mit solchen Thematiken nicht lesen kann, sollte hier nicht zugreifen. Ich kann mir denken, dass mir "Zertrennlich" zu einem anderen Zeitpunkt sehr gut gefallen hätte, daher:

Lest es, wenn ihr kein temporeiches Buch wollt, sondern nehmt euch Zeit dafür und fühlt euch in die Geschichte ein - vielleicht braucht man als Leser nur ein wenig Geduld und wird dann reich belohnt ... wer weiß.

Was wäre besser? Mehr Klarheit für den Leser. Es muss nicht direkt alles aufgedeckt werden, aber wenn man so gar nichts erfährt und nur im Dunkeln tappt, dann kann es schnell zu einer Leseunlust kommen und das wollen weder Leser noch Autor - oder?!

Sonntag, 12. Juli 2015

[Rezension] Wo steckst du, Bernadette

Wo steckst du, Bernadette

Maria Semple

384 Seiten

btb Verlag

9,99 €

Bernadette Fox ist chaotisch, überfordert – und ungeheuer liebenswert. Ihr Ehemann Elgie, der neue Hoffnungsträger bei Microsoft, mag ihren Witz. Und ihre verrückten Ideen. Irgendwie auch ihre Unsicherheit, wenn sie mal wieder von quälenden Ängsten heimgesucht wird. Die anderen Mütter, allesamt perfekt organisiert, halten Bernadette allerdings für eine Nervensäge. Verantwortungslos. 

Schließlich beschäftigt sie online eine indische Assistentin, die den Alltag für sie regelt. Zum Stundensatz von 0,75 Dollar reserviert Manjula den Tisch im Restaurant, erledigt mal eben die Bankgeschäfte und bucht den Familienurlaub in die Antarktis. Und für ihre 15jährige Tochter Bee, die kleine Streberin, ist Bernadette, na ja, eine Mutter. Bee kennt ja keine andere. Doch irgendwann beschließt Bernadette auszubrechen. Ihr wird das alles zu viel. Und auf einmal ist sie verschwunden …

Meine Meinung:

Aus irgendeinem fehlgeleiteten Grund hatte ich angenommen, es ginge in diesem Buch um das Thema Demenz - dem ist aber nicht so und trotzdem hatte ich meinen Spaß an der Geschichte. Trotzdem? Ja, kennt ihr das nicht? Ihr nehmt an, in einem Roman ginge es um das und das Thema, ihr fangt an zu lesen und es ist etwas komplett anderes. 

Mich kann sowas richtig aus der Geschichte reißen und mir das Buch madig machen; doch Maria Semple konnte mich mit Bernadette so sehr unterhalten, dass ich meinen fehlgeleiteten Gedanken keine Beachtung mehr geschenkt habe.

Ich applaudierte ihr innerlich. Es ist nämlich so: Egal was die Leute jetzt über Mom sagen, sie verstand es, das Leben lustig zu machen.

Um was geht es? Bernadette lebt mit ihrer Tochter Bee und ihrem Mann Elgie in Seattle. Ihr Mann arbeitet bei Microsoft, Bee wird aufgrund ihrer Herzschwäche mit Samthandschuhen angefasst und Bernadette ... ja Bernadette ist eine angesehene, etwas schrullige Architektin, die sich nach einem herben Schicksalsschlag völlig von allem zurückgezogen hat.

Deswegen ist es für Bernadett-Maßstäbe auch nicht verwunderlich, dass sie ihr komplettes Leben ihrer indischen Assistentin überlässt und via Internet diese mit Hotelbuchungen, Tischreservierung etc. beauftragt. Und da gibt es dann auch noch die Gnitzen von Bees Schule; die perfekten Übermütter, die sie so gar nicht leiden kann und die ihr oft das Leben zur Hölle machen.

Um Bees größten Traum wahr werden zu lassen, organisiert Bernadette eines Tages kurzerhand ( bzw. Manjula ) eine Reise in die Antarktis. Doch es kommt anders als alle denken und auf einmal ist Bernadette verschwunden ...

Gleich wenn man das Buch aufschlägt merkt man, dass dieser Roman nicht den normalen Maßstäben folgt, denn die komplette Geschichte setzt sich aus Dokumenten, Briefen und Nachrichten zusammen. So erlebt man den Werdegang der Familie aus den verschiedensten Sichtweisen, was ihn für mich zu etwas sehr unterhaltsamen und gleichzeitig sehr besonderen gemacht hat. 

Von: Ollie-O
An: Eltern-Brunch-Komitee
Krise. Riesiges Schild prangt über Audreys Haus. Über Nacht aufgestellt von verrückter Nachbarin. Audrey hysterisch. Ehemann ruft Staatsanwaltschaft an. Für Unvorhergesehenes bin ich nicht zuständig. 

Da wäre zum Beispiel Audrey Griffin, die perfekte Übermutter von nebenan. Sie versteht es wie keine andere, Bernadetts Leben mit einer einzigen Bemerkung ins Chaos zu stürzen und hat an allem und jedem etwas auszusetzen. Von ihr erfahren wir alles über einen Email-Austausch zwischen ihr und ihrer besten Freundin Soo-Lin Lee-Segal. 

Dann hätten wir da noch Manjula, die indische Assistentin von Bernadette, die mit einer inneren Ruhe deren Leben managt, organisiert und so ziemlich alles tut, was ihr aufgetragen wird. Diese Beziehung sorgt im Laufe des Buches noch für einigen Aufruhr, was mich ehrlich gesagt ein wenig genervt hat zum Schluss, weil es ZU viel war in meinen Augen, aber wenn ihr Details wissen wollt .... tja, dann müsst ihr wohl alles selbst lesen.

Und dann mischen natürlich noch ihr Mann Elgie, die Schuldirektorin Ms. Goodyear und einige andere in der Geschichte fleißig mit, doch Haupterzählerin ist dennoch Bree, die auf ihre ganz eigene Weise die Geschichte kommentiert und mir oft die Tränen vor lauter Lachen in die Augen getrieben hat.
 

Ich schob Mom weg und schlug Audrey voll ins nasse Gesicht. Ich weiß! Aber ich war so wütend. "Ich bete für dich", sagte Audrey. "Beten Sie für sich selbst", sagte ich. "Meine Mutter ist zu gut für sie und diese anderen Mütter. Sie sind die, die keiner leiden kann. Kyle ist ein Nachwuchskrimineller, der weder Sport macht noch sonst irgendwelche freiwilligen Aktivitäten. Die einzigen Freunde, die er hat finden ihn gut, weil er ihnen Drogen verschafft und weil er witzig ist, wenn er sich über sie lustig macht. [...]!" 


Gerade diese vielen Sichtweisen haben zur Vielschichtigkeit dieses Romans beigetragen, denn er kommt einem  nicht wie 384 Seiten vor, sondern viel viel viel länger. Was an sich nicht schlecht ist, denn wir erfahren sehr viele Details aus dem Leben von Bernadette, Bee und Elgie, die einem mit der Zeit wie richtig echte Menschen von nebenan vorkommen.

Wir erfahren wie die beiden sich kennengelernt haben, wie aus Bernadette diese schrullige und zurückgezogene Persönlichkeit wurde, warum Bee in manchen Situationen mit Samthandschuhen angelangt wird und warum sie in einer ziemlich heruntergekommenen alten Mädchen-Erziehungsanstalt leben, obwohl sie fast schon in ihrem Geld schwimmen und sich eindeutig etwas anderes leisten könnten.

Doch die klare Hauptperson, die den roten Faden fest in der Hand hält während der gesamten Geschichte, ist Bernadette. Anfangs wirkte sie auf mich nicht gerade sympathisch bzw. manche ihrer Launen habe ich nicht gleich verstanden. Wenn man aber der Geschichte aufmerksam folgt und sich völlig darauf einlässt, lernt man sie UND ihre Macken lieben. 


"Euch ist langweilig. Und ich will euch jetzt etwas über das Leben verraten. Ihr findet es jetzt schon langweilig? Ich sage euch, es wird nur noch langweiliger. Je früher ihr lernt, dass es an euch ist, das Leben interessant zu machen, desto besser für euch." Es war das erste und letzte Mal, dass Bee sagte, ihr sei langweilig.

Denn eigentlich führt Bernadette "nur" ihren eigenen kleinen Krieg gegen die Vorgaben der Gesellschaft, gegen die Gnitzen und vor allem gegen sich selbst, denn so richtig glücklich mit ihrem Leben ist sie seit einiger Zeit auch nicht mehr. 

Sie kann stundenlange Tiraden über Fünffachkreuzungen halten und schreckt damit so ziemlich jeden ab - doch hat man einmal hinter ihre Fassade geblickt, versteht man sie völlig und steht zu 100% hinter ihr, egal was kommen mag.

Ab Mitte des Buches geht es dann drunter und drüber. Audrey muss einsehen, dass auch perfekte Mütter nicht immer die Kontrolle haben können. Bee muss einsehen, dass sie nicht immer die perfekte Tochter sein kann und Elgie ... ja Elgie tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste. 

Was die russische Mafia und eine verschwundenen Bernadette, die eigentlich in eine psychiatrische Anstalt verfrachtet werden soll, damit noch zu tun haben? Verraten werde ich es nicht, nur soviel: Es geht noch richtig rund, unterschätzt dieses Buch auf keinen Fall!!

Mein Fazit:

Ich könnte noch viel mehr über diese Geschichte schreiben, könnte euch die großen und kleinen Lacher meinerseits aufzeigen und euch an dieser brillant ausgedachten Erzählung teilhaben lassen, doch irgendwann muss auch gut sein und ihr überzeugt, diesen Roman sofort haben zu müssen. 

Seid ihrs?! Dann ab in die nächste Buchhandlung ( JEDER einzelne von euch!! ) und los geht die Reise mit dem Bernadette-Express; bitte anschnallen, Turbulenzen sind vorherzusehen. Ich vergebe

4 1/2 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte

Samstag, 11. Juli 2015

[Rezension] Noch so eine Tatsache über die Welt


Noch so eine Tatsache über die Welt

Brooke Davis

280 Seiten

Antje Kunstmann Verlag

19.95 €

Millie Bird ist sieben, als sie ihr erstes totes Ding findet, Rambo, ihren Hund. Von da an führt sie Buch über alles, was auf der Welt verloren geht: die Stubenfliege. Die Großmutter. Der Weihnachtsbaum. Darauf, dass sie auch ihren Dad in ihr Buch der Toten Dinge eintragen muss, war sie überhaupt nicht vorbereitet, und auch nicht darauf, dass ihre Mom sie im Kaufhaus stehen lässt und nicht wiederkommt. Karl ist siebenundachtzig, als sein Sohn ihn ins Altersheim bringt. 

Hier wird er nicht bleiben, denkt Karl, als er seinem Sohn nachschaut, und kurz darauf haut er ab. Erst mal ins Kaufhaus, bis sich was Besseres findet. Dort trifft er Millie. Agatha ist zweiundachtzig und geht nicht mehr aus dem Haus, seit ihr Mann gestorben ist. Halb versteckt hinter Gardine und Efeu, sitzt sie am Küchenfenster und beschimpft die Passanten. Bis das kleine Mädchen von gegenüber zurückkommt, allein Von Verlust und Trauer erzählt Brooke Davis in diesem berührenden Roman und zugleich von einem Abenteuer voll furiosem Witz: Wie drei, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aufbrechen, um Millies Mutter zu suchen, und dabei zurück ins Leben und die Liebe finden.

Meine Meinung:

Brooke Davis hat mit diesem Roman eine federleichte und zarte Geschichte geschrieben über ein Thema, was man sonst eher selten in Büchern vorfindet. Es geht um den Tod, auf welche Art und Weise jeder Mensch anders damit umgeht und was er mit den Hinterbliebenen anstellt. Ein melancholisches Buch, das auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit verdient und das man am besten ganz langsam und Seite für Seite lesen, ja fast schon genießen sollte.

Um was geht es? Millie ist sieben und hat es sich zur Aufgabe gemacht, all die toten Dinge in ihr Notizbuch zu schreiben, die ihr begegnen. Und schon sehr bald muss die kleine Millie Bird auch ihren Dad dort eintragen; ihre Mutter kommt mit dem Verlust ihres Mannes nicht zurecht und lässt Millie eines Tages im Kaufhaus alleine zurück und kommt nie wieder.

Da hätten wir auch noch Karl den Tastentipper, welcher freiwillig ins Altersheim gegangen ist, um seinem Sohn nicht mehr auf der Tasche zu liegen. Karl hat ebenfalls einen geliebten Menschen verloren, seine Frau Evie und nun bereut er all die kleinen und großen Dinge, die er nie getan hat. Kurzerhand türmt er aus dem Altersheim und eine abenteuerliche Reise beginnt.

Und zu guter letzt wäre da noch Agatha Pantha. Sie hat ihren Mann Ron vor sieben Jahren sterben sehen und hat sich seitdem in ihrem Haus verschanzt. Nichts und niemand kann sie dort rausholen und mit jedem verstreichendem Jahr verbittert Agatha immer mehr. Doch dann trifft sie auf Millie und muss einsehen, dass es so nicht weitergehen kann.

Wie diese drei zusammenfinden und zusammenpassen und was für Abenteuer sie gemeinsam erleben - tja, das müsst ihr selbst lesen. Ich gebe euch nur einen kleinen Einblick in Millies Universum und das ist auf jeden Fall mehr als nur einen Blick wert!

Das Leben war nicht mehr als ein Wimpernschlag, ein Atemzug und eine Pinkelpause gewesen, und jetzt saß er hier auf diesem Bett, in einem Zimmer mit lauter alten Männern, die ihre eigene Scheiße nicht bei sich behalten konnten. 

Wir erleben drei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch haben sie alle eine Sache gemeinsam: Sie haben einen Menschen verloren an den Tod. Brooke Davis zeigt uns auf, wie jeder von ihnen anders damit umgeht, wie vielschichtig der Verlust und die Einsamkeit danach sein kann. An manchen Stellen haut sie einem die unschöne Wahrheit um die Ohren und auch Millie hat sie tief in sich verinnerlicht: "Wir werden alle irgendwann sterben. Alles ist gut!" 

Und an anderen Stellen zeigt sie die leise, innerliche Verzweiflung der Hinterbliebenen auf. Wie ein Schmetterlingsflügel umschweben einen ihre Worte und legen sich wie eine warme Decke um die schreckensbleichen Glieder des Lesers. Schöner könnte solch eine Thema nicht verpackt sein.

Millie ist ein außergewöhnliches kleines Mädchen. Anstatt an dem Verlust ihres Vaters zu zerbrechen wie ihre Mutter, versucht sie dem ganzen Aufruhr rund um den Tod auf die Schliche zu kommen. Egal wo sie hingeht, sie erkundigt sich bei jedem der ihr begegnet, wie er sich seine Beerdigung vorstellt, wo tote Menschen hinkommen und ob er schon mal ein totes Ding gesehen hat. Und eines fällt auf: Kinder gehen mit dieser Frage ganz anders um als Erwachsene.

Sie fühlen sich nicht gekränkt, nicht ertappt oder ängstlich nach diesen Fragen, nein sie überlegen und antworten ganz sachlich. Ist es nicht überall so? Sollten wir unsere Scheu vor dieser Thematik nicht ein wenig ablegen und denken: "Okay, wir werden alle irgendwann sterben, aber was wollen wir zuvor erreicht haben?" 

Diese Frage stellt sich Karl auf ihrer Reise und muss feststellen, dass er viele Gelegenheiten mit Evie verpasst hat. Er war nie spontan, hat nie etwas verbotenes oder aufregendes getan und bereut es jetzt ungemein. Kaum ist diese Erkenntnis in ihm aufgegangen ( und Millie hat da auch ihren Teil zu beigetragen ) wächst Karl über sich hinaus und lässt seine Einsamkeit hinter sich, auch wenn sie in stillen Momenten wieder hervorbricht.


Karl seufzt. "Was soll ich denn sagen?" "Was wünscht du dir denn, was auf deiner Beerdigung gesagt werde soll?" Karl starrt auf seine Füße. "Ich glaube kaum, dass da jemand etwas sagen wird." 

Tja, sagt Millie und verschränkt die Arme. "Jedenfalls musst du etwas sagen." "Wieso kennst du dich mit diesen Dingen so gut aus?"

"Wieso du nicht?" sagt sie

Agatha ist da noch ein anderer Fall. Sie will keine Hilfe von ihren Nachbarn annehmen nach Rons Tod, verschanzt sich in ihrem Haus und entwickelt eine feste Routine, die sie nicht durchbrechen kann. Agatha wird eine grantige, alte Schachtel und sie selbst kann nichts dagegen tun. Ihre Trauer wandelt sich in Wut um, sie verflucht alles und jeden ... bis Millie in ihr Leben tritt, sie zwingt aus dem Haus zu gehen und wenigstens ein wenig aus ihrem Schutzwall herauszukommen. 


21.23 - gestattet sich Agatha Pantha, einsam zu sein.

Ein atemberaubendes Buch, welches mich oft sprachlos zurückließ. Es gäbe noch so viel darüber zu schreiben, zu sagen und in die Welt hinauszutragen. Ich war in einer Gefühlsachterbahn gefangen, habe viel über mein eigenes Leben nachgedacht und darüber, dass wir alle ein wenig mehr wie Millie sein sollten.

Mein Fazit:

Ein Roman, der nicht jedem gefallen wird, denn er hält uns den Spiegel vor und kratzt an unserer empfindlichsten Stelle. Gleichzeitig ist er aber nicht allzu bedrückend, er lebt von seinen leisen Momenten und seiner Eindringlichkeit. Taucht ein in diese Seiten, nehmt euch die Zeit und liest oft die Stellen mehrmals, denn es hat uns viel zu erzählen. Ich vergebe

5 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte

Freitag, 10. Juli 2015

[Redestoff #11] Begeisterte Empfehlungen und Rezensionen

Hallihallo meine liebsten Buchwürmer da draußen!!

Ihr kennt das garantiert. Ihr seid auf Twitter, auf Facebook, in einem Bücherforum oder auf einem Buchblog unterwegs und werdet tagtäglich mit einer Vielzahl von Rezensionen fast schon erschlagen. Und es grenzt ja fast schon an einer Unmöglichkeit, all diese Besprechungen ( die einen dazu auch noch interessieren! ) zu durchstöbern. Also was tun?

Ich entscheide immer intuitiv was ich lesen möchte. Entweder weil mir a) das Buch schon länger am Herzen liegt und ich endlich mal eine Lesermeinung dazu hören möchte, oder weil b) mir der Stil einer Rezension gefällt. Dazu muss natürlich auch der Draht zum Schreiber da sein, wir müssen den gleichen Buchgeschmack teilen oder einen völlig entgegengesetzten Geschmack haben - denn die Kunst besteht ja darin, den Leser für dieses EINE Buch zu begeistern. 

Und wie man dass schafft, zumindest bei mir, könnt ihr im folgenden Beitrag lesen!

Begeisterte Empfehlungen und Rezensionen

Jaja die Flut der Rezensionen erschlägt mich fast täglich, ich wühle mich durch die verschiedensten Blogs oder Facebook-Links durch ... und doch werde ich selten fündig. Woran liegt das? Ohne das ich jetzt jemanden hier anprangern möchte oder jemanden schlecht machen möchte, würde ich behaupten es liegt an der mangelnden Begeisterung mancher Rezensenten. 

Es ist völlig in Ordnung bei weniger gut ausfallenden Rezensionen einen neutralen Ton beizubehalten. Oder wenn der Leser kaum noch Erinnerungen an ein Buch hat ( obwohl dass dann eh für ein nicht unbedingt gutes Buch spricht oder? ) und kurz seine Meinung aufzeigt - knackig, das Wichtigste enthalten und gut ist. 

Doch was mir oft fehlt ist die wahre Begeisterung, die einen niederstreckt. Die einen dazu veranlasst, anderen die Geschichte in jeglicher Form aufzuzwingen, über sie zu schwärmen und spürbar in die Buchempfehlung sein ganzes Herzblut hineinzulegen. Denn diese Empfehlungen sind es, die mich tief im Inneren erreichen. 

Die es schaffen, dass ich am nächsten Tag in die Buchhandlung stürme und nicht eher gehe, bevor ich diese Geschichte in meinen Händen halten darf ... oder sie eben dort bestelle. 

"Ach, das schafft man als Buchblogger oder Twitterer oder Facebooker doch eh nie!" sagt ihr jetzt?! Falsch! Denn es gibt da so einige Menschen, die mich immer wieder zu diesem Punkt treiben an dem ich denke "Gib mir das Buch .... ABER ZACKIG!!" Und hier nur ein klitzekleines Beispiel dafür, dass mich zu diesem Artikel getrieben hat.


Ich muss mich ja selbst an der Nase packen - auch ich schreibe nicht immer die besten, kreativsten oder ansprechendsten Rezensionen. Doch gleichzeitig kann eine Geschichte auch nicht soooo gut sein, wenn ich mir nicht die Mühe gebe eine einzigartige Buchempfehlung zu schreiben und nicht kräftig dafür die Werbetrommel rühre.

Mein Fazit:

Deswegen sollten wir uns wieder alle an unsere Mission erinnern, die wir doch hoffentlich noch verfolgen; nämlich jeden mit unseren ( ACHTUNG das sind die Worte der hauptsachebunt! ) Leseviren zu infizieren und unsere liebsten Lieblingsbücher an den Mann bzw. die Frau zu bringen. 

Also los!! Die Welt braucht mehr einzigartige, wundervolle und berührende Bücher, die den Leser in ihren Bann ziehen und nicht so schnell wieder loslassen - streut LESEVIREN! ( ebenfalls die Worte der hauptsachebunt :D )

P.S.: Die Rezensionen müssen auch gar nicht so lang sein um zu begeistern, wie dieser wunderbarschöne und inspirierende Blog zeigt:


P.P.S.: Natürlich gibt es dort draußen ( vor allem auf Twitter! ) die besten Buchempfehlungs-Menschen der Welt - an euch habe ich während des Artikels auch stark gedacht:


UND viele viele mehr - danke!!

Mittwoch, 8. Juli 2015

[Rezension] Nacht im Central Park

Nacht im Central Park

Guillaume Musso

384 Seiten

Pendo Verlag

14,99 €

New York, acht Uhr morgens. Alice, eine Polizistin aus Paris, und Gabriel, ein amerikanischer Jazzpianist, wachen auf einer Bank im Central Park auf – mit Handschellen aneinandergefesselt. Und sie sind sich nie zuvor begegnet. Wie in aller Welt sind die beiden hierher gekommen? Und vor allem: Warum? Alice und Gabriel wachen aneinandergefesselt auf einer Parkbank auf und haben keine Ahnung, wie sie in diese Situation geraten sind. Zumal sie sich nicht einmal kennen. 

 Alice und Gabriel bleibt nichts anderes übrig, als gemeinsam herauszufinden, was passiert ist. Ihre Suche führt sie auf die Spur eines Serienmörders, der Alice schon einmal um ein Haar das Leben gekostet hätte und sie nun ein weiteres Mal bedroht. Doch auch Gabriel hat ein Geheimnis ...:

Meine Meinung:

Wie ihr bereits wisst vergöttere ich Musso, seine Geschichten und seine Fähigkeit, mich komplett an ein Buch zu fesseln und dort so lange zu halten, bis ich die Geschichte inhaliert habe. 

Aus diesem Grund freue ich mich über jede Neuerscheinung aus seiner Feder und habe monatelang auf "Nacht im Central Park" hingefiebert. Doch es gibt klitzekleine Kritikpunkte in diesem Roman, die mich zwischenzeitlich fast schon zweifeln ließen - mehr dazu in der Rezension.

Um was geht es? Alice wacht nach einer durchzechten Nacht völlig verwirrt in einem kleinen Waldstück auf, gefesselt durch Handschellen an einen Mann namens Gabriel. Beide wissen nicht wie sie dort hingekommen sind, noch wer oder was sie in diese Situation gebracht hat. Eingeritzte Zahlenfolgen, eine Schusswaffe und mehrere Hinweise führen die beiden auf eine heiße Spur.

Doch ziemlich schnell merken die beiden, dass sie sich schon bald daran die Finger verbrennen könnten. Eine abenteuerliche Verfolgungsjagd beginnt ...

Als Leser wird man sehr schnell in das Geschehen katapultiert, man hat genauso wenig Ahnung wie Alice und ermittelt Seite an Seite mit ihr. Musso schafft es auch immer wieder einen an der Nase herumzuführen - glaubt man endlich zu wissen, was Sache ist reißt er das Ruder herum und präsentiert einem etwas völlig anderes. UND das LIEBE ich! 

Die Charaktere sind zu Anfang ebenso nebulös und mysteriös wie die Handlung selbst. Doch durch kleine Rückblenden in Alice´ Vergangenheit lichtet sich nach und nach der Nebel ... trotzdem scheint sie ein dunkles Geheimnis zu hüten; was es ist wird relativ spät erst aufgelöst und hat mir so ein klitzekleines bisschen die Geschichte versalzen.

Auch kommt es in der Mitte des Buches zu einer kleinen Durststrecke. Die Handlung steckt irgendwie fest, es kommt zu langatmigen Passagen und ein kleiner Gähner hatte sich bei mir gelöst. Doch dann schlägt der Autor wieder in gewohnter Härte zu und konnte mich wieder an die Geschichte fesseln.

Mein Fazit:

Ein perfekt ausbalancierter Roman, der zwischen Krimi und einer behutsamen, aber eher nebenbei aufblühenden, Liebesgeschichte schwankt. Musso gelingt es auf wunderbare Art und Weise Verwirrung zu stiften und so den Leser in ein Gedankenlabyrinth zu schicken. Achtung, Suchtgefahr! Ich vergebe

4 1/2 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte

Montag, 6. Juli 2015

[Rezension] Der Marsianer

Der Marsianer

Andy Weir

512 Seiten

Heyne Verlag

14,99 €

Der Astronaut Mark Watney war auf dem besten Weg, eine lebende Legende zu werden: Als einer der ersten Menschen in der Geschichte der Raumfahrt betritt er den Mars. Nun, sechs Tage später, ist Mark auf dem besten Weg, der erste Mensch zu werden, der auf dem Mars sterben wird: 

Bei einer Expedition auf dem Roten Planeten gerät er in einen Sandsturm, und als er aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, ist er allein. Auf dem Mars. Ohne Ausrüstung. Ohne Nahrung. Und ohne Crew, denn die ist bereits auf dem Weg zurück zur Erde. Es ist der Beginn eines spektakulären Überlebenskampfes ...

Meine Meinung:

Kennt ihr das? Ihr habt seit Ewigkeiten ein bestimmtes Buch im Blick, ihr wollt es unbedingt lesen und die Zeit verrinnt euch in den Fingern .... UND plötzlich seht ihr den Trailer dieses Buches und könnt nicht anders, als die Geschichte an euch zu reißen und diese so schnell wie möglich zu inhalieren?!

Genauso ging es mir mit "Der Marsianer" und ich bereue es wirklich, diesen Roman solange nicht zur Hand genommen zu haben. Denn was mir Andy Weir da präsentierte konnte mich völlig gefangen nehmen, hat mich in seinen Sog gezogen und ich war völlig verschmolzen mit dieser Geschichte.

Um was geht es? Bei einer Marsexpedition wird Mark Watney von seinem Team getrennt, er wird von den anderen für tot gehalten und sie brechen ohne ihn wieder Richtung Heimat auf. Doch Mark ist nicht tot und muss sich nun dieser neuen Situation stellen: 

Allein auf dem Mars, ohne genügend Nahrung und unzureichender Ausrüstung. Ohne Möglichkeit, irgendjemand zu erreichen und die NASA auf sein Überleben aufmerksam zu machen. Die allerschlechteste Nachricht aber ist: Die nächste Expedition wird erst in drei Jahren auf den Mars kommen und damit beginnt ein fast unmöglicher Überlebenskampf.

Mark Watney war mir von Anfang an ein unheimlich sympathischer Charakter, welcher mich in regelmäßigen Abständen mehr als nur zum Lachen brachte mit seinem sehr eigenen Humor, den man fast schon als Galgenhumor bezeichnen könnte. Er ist nicht der typische Held wie man ihn sich als Leser immer wünscht; nein, er ist der Antiheld schlechthin. 

Mark ist Botaniker und Bordmechaniker, zwei Fähigkeiten die ihm mehr als nur ein bisschen auf dem Mars zugutekommen und ihn oftmals vor dem sicheren Tod retten. Und er ist mit solch einem Überlebenswillen ausgestattet, mit einem solch großen Improvisationstalent ausgestattet, dass ich als Leser mehrmals meinen Hut vor ihm gezogen habe. 

Er muss während der gesamten Geschichte so herbe Schläge einstecken, so oft an seine Grenzen gehen und doch schafft er es immer wieder nach vorne zu sehen und an sein Ziel zu denken: Lebend wieder auf die Erde zu kommen. Und das machte ihn in meinen Augen zu einem solch starken Charakter, der mir auch tagelang nach Lesen noch im Kopf herumspukte.

Die Handlung an sich ist sehr vielfältig:

Wir erleben Mark bei seinem Überlebenskampf, gleichzeitig aber auch dürfen wir seine Teamkollegen begleiten und ihre Sichtweise verfolgen UND dann ist da noch die NASA mit ihren Mitarbeitern, welche fieberhaft an der Rettung von Mark Watney arbeiten. Gerade diese vielen Perspektiven haben mich überraschend am Lesen gehalten, ich wurde so durch die Geschichte geleitet und kann nichts schlechtes darüber sagen.

Während des Lesens ging mir sehr oft der Gedanke durch den Kopf, was wohl in der Realität bei solch einem Notfall passieren würde - wie schnell wüssten wir normalen Bürger Bescheid? Ist dieses eine Leben diese ganze Anstrengung wert oder vertuscht man das ganze lieber? Auch diese Fragen wurden nach und nach im Buch behandelt, als hätte der Autor in meinen Kopf hinein gesehen. Top!

Kleines Manko, welches ich aber großzügigster Weise einfach überlesen habe ( denn dafür war die ganze Geschichte einfach ZU interessant ) waren die vielen technischen Details rund um die ganzen Sachen, die Mark sich so zusammenbaute. Anfänglich habe ich sie noch mitgelesen und versucht zu verstehen, aber gegen Ende habe ich sie weggelassen - mir doch egal wie er es schafft, Hauptsache er überlebt!

Und zu guter letzt inszeniert Andy Weir ein großartiges, fulminantes und genau richtiges Finale. Wo andere Autoren zuviel oder zu dramatisch beschreiben, die wichtigen Details aussparen und sich in etwas verrennen, da schreibt der Autor ein Finale locker flockig aus der Hüfte, dass man wahnsinnig werden kann. Einfach grandios.

Mein Fazit:

Lange Rede, kurzer Sinn: Wer sich nur ein wenig für diese Thematik interessiert oder den Trailer für gut befunden hat, der wird an diesem Buch mehr als nur seine wahre Freude finden. Lest es, denn da entgeht euch sonst ein Meisterwerk! Ich vergebe

5 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte


Donnerstag, 2. Juli 2015

[Rezension] Am Anfang war die Schuld

Am Anfang war die Schuld

Jane Shemilt

448 Seiten

Blanvalet Verlag

14,99 €

Jenny Malcom ist sich sicher, alles im Griff zu haben. Ihren Job als Ärztin, ihre Rolle als Mutter von drei Teenagern und ihre Ehe. Alles läuft perfekt. Bis zu dem Abend, an dem ihre fünfzehnjährige Tochter nicht nach Hause kommt. Bange Stunden des Hoffens folgen, bis klar wird: Naomi ist spurlos verschwunden. 

Und plötzlich bricht Jennys perfekt organisiertes Leben zusammen. Während die Ermittlungen der Polizei auf Hochtouren laufen, steht die Familie Malcom vor den Trümmern ihres Lebens. Und Jenny beginnt zu ahnen, dass sie ihre Tochter doch nicht so gut kannte, wie sie immer gedacht hat …

Meine Meinung:

Der Klappentext dieses Thriller hatte sofort meine Aufmerksamkeit erregt und eine Frage kam in mir hoch "Kennen wir immer den Menschen mit dem wir zusammenleben SO perfekt? Oder gibt es etwas, was er uns verheimlicht?" Ich war gefesselt und wollte endlich wissen was mit Jennys Tochter Naomi passiert ist. Doch konnte diese Geschichte mich überzeugen? Gleich mehr dazu.

Um was geht es? Jenny Malcom ist eine richtige Vorzeigemutter, sie jongliert mit ihrem anstrengenden Beruf als Ärztin, ist nebenbei Mutter von drei Kindern und schafft es, ihre Ehe am Laufen zu halten ... zumindest glaubt sie das. Eines Abends kommt ihre Tochter Naomi nicht mehr nach Hause und die nervenaufreibende Suche nach ihr beginnt.

Jenny gibt die Hoffnung nicht auf, ermittelt teilweise auf eigene Faust und muss dabei lernen, dass sie ihre Tochter doch nicht so gut kannte wie sie dachte und ihre perfekte Welt bekommt die ersten Risse. Wird sie Naomi jemals wieder in die Arme schließen können?

Der Schreibstil war spannend und gut zu lesen - anfänglich flog ich nur so durch das Buch und konnte es kaum beiseite legen. Der Leser erlebt die Geschichte aus Jennys Sicht; abwechselnd aus der Gegenwart erzählt, in der sie Naomi wie verzweifelt sucht und einmal aus Sicht der Zeit kurz vor ihrem Verschwinden.

Und nach und nach erfährt man immer mehr über das scheinbar glückliche und gut funktionierende Familienleben der Malcoms .... Jenny zerbricht an der Suche nach ihrer Tochter, ihr Mann verheimlicht ihr etwas und auch ihre beiden Söhne schweigen - was wissen sie und wo ist Naomi?

Die Charaktere waren mir alles andere als sympathisch, jeder kreiste nur um sich selbst und wenn etwas nicht klappte, wurde dem anderen der schwarze Peter zugeschoben. Jenny zerbricht am ungewissen Schicksal ihrer Tochter und was machen ihre Söhne? Sie erzählen ihr brühwarm von der neuen Freundin ihres Mannes und streuen damit reichlich Salz in die Wunden - hallo?!

Auch die Handlung kam nicht so richtig in die Puschen. Es wird viel um den heißen Brei herum erzählt, die eigentliche Suche verschwindet unter Nebensächlichkeiten und Alltagstrara, nur um dann auf einmal wieder voll aufzublühen und dem Leser einen Fakt nach dem anderen ins Gesicht zu schlagen.

Dadurch wurde das Lesevergnügen teilweise sogar langweilig, den roten Faden verlor man allerdings nie ... denn soviel passierte im Endeffekt dann ja auch nicht. Leider ist mir sehr wenig von der eigentlichen Geschichte im Gedächtnis geblieben und das heißt ja einiges; von einem soliden Thriller erwarte ich viel viel mehr und auch das Ende war für mich nicht optimal.

Mein Fazit:

Ein zäher Thriller mit einer grandiosen Grundidee und einer langwierigen Ausführung. Für Einsteiger in das Genre auf jeden Fall einen Blick wert, für hartgesottene Fans des richtigen Hardcore-Thriller eher eine Enttäuschung bzw. nichts bahnbrechend neues. Ich vergebe

1 1/2 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte