Sonntag, 26. Juli 2015

[Rezension] ZweiundDieselbe

ZweiundDieselbe

Mary E. Pearson

336 Seiten

Fischer KJB

7,99 €

Wie weit würdest du gehen, um einen Menschen zu retten, den du liebst? Körperlich unversehrt, aber ohne Erinnerung erwacht Jenna aus dem Koma. Verzweifelt versucht sie herauszufinden, wer sie einmal war. Denn der Mensch, als den ihre Eltern sie beschreiben, bleibt ihr fremd. Die Spannung verdichtet sich bis ins Unerträgliche, ja fast Klaustrophobische. Denn die Wahrheit, der Jenna Stück für Stück auf die Spur kommt, ist ungeheuerlich: 

Jenna hatte einen furchtbaren Unfall. Ihre Eltern haben alles medizinisch Mögliche getan, um sie am Leben zu erhalten. Doch was von ihr übrig war, waren nicht mehr als zehn Prozent ihres Gehirns. Wie viel Persönlichkeit steckt in diesen zehn Prozent? Wie viel davon ist Jenna? Mit seiner schlichten, poetischen Sprache geht dieser Roman direkt unter die Haut und wirft ethische Fragen auf, die noch lange nachhallen.

Meine Meinung:

Ich habe vor circa 5 Minuten dieses Buch beendet, habe einen riesigen Kloß im Hals und mich umschwirren meine Gedanken. Selten berühren mich Geschichten so nachhaltig, selten denke ich so intensiv über Handlungen nach und versuche mich, in gewisse Situationen hineinzuversetzen. 

Und doch passiert genau das von Zeit zu Zeit und dieser Roman hat es geschafft: Er hat mich mitgenommen, sich in meinem Kopf festgesetzt und wird dort noch länger herumspuken, denn dieses Thema lässt garantiert keinen kalt.

Um was geht es? Jenna erwacht aus einem einjährigen Koma und kann sich kaum an ihr Leben zuvor erinnern. Auch ihre Eltern sind ihr fremd, ihre Erinnerungen sind wie ausgelöscht und auch fühlt Jenna sich irgendwie ... nicht richtig an. Was steckt hinter ihrem ominösen Unfall und warum verhält sich ihre Oma Lily ihr gegenüber so seltsam? 

"Was wäre wenn?" Diese Frage habe ich mir früher gerne gestellt, habe Möglichkeiten durchgespielt und meinen Spaß dabei gehabt, mir vorzustellen was wohl passiert wäre und welche Richtung mein Leben genommen hätte, hätte ich diese oder jene Entscheidung getroffen.

Für Jennas Eltern ist dieses lustige Spiel zur grausamen Wirklichkeit geworden, denn ihre einzige Tochter hatte einen schrecklichen Autounfall und so mussten sie eine Entscheidung treffen, die Jennas Leben um 180 Grad dreht und verändert. 

[ACHTUNG SPOILER!!] Mit einem Serum können sie Jenna komplett wiederherstellen, denn durch den Unfall hat sie solch starke Verletzungen erlitten, dass sie in absehbarer Zeit sterben wird. Dieses Serum umhüllt ihre kompletten Organe und ihr Gehirn mit einer Schicht, die sie rettet und somit quasi unsterblich macht, bzw. ihr eine Lebenserwartung von 200 Jahren schenkt. [ACHTUNG SPOILER!!]

Eine verzweifelte Tat von liebenden Eltern, eine schreckliche Ungewissheit für Jenna und der Leser stellt sich ständig die Frage: Wie würde ich entscheiden? Mary E. Pearson hat für diese Geschichte einen sachlichen Erzählstil gewählt, welcher Jenna zwar etwas blass als Charakter erscheinen lässt, ihre Verzweiflung und Gefühle aber komplett dadurch in den Vordergrund stellt.

Während des kompletten Buches reißt die unheilvolle, bedrückende Stimmung nicht ab. Die Gedanken kreisen um das Thema und eine Keule nach der anderen rast auf den Leser nieder, zerdrückt ihn unter diesem Gewicht und verkeilt sich in dessen Gedankenstrom.

Die Geschichte zeigt auf, was der Wissenschaft und Forschung alles möglich wäre, doch nur ein Gedanken dominierte meinen Kopf: Wollen wir das wirklich? Und wie könnte man jemals die Grenze ziehen zwischen Leben und Tod? 

Ich bin froh, dass die medizinischen Möglichkeiten noch nicht so weit sind, denn eins würde immer hinten runterfallen - und das wäre die Selbstbestimmung über das eigene Leben. Denn wenn man schon im Koma liegt und nur die nächsten Angehörigen die Entscheidungskraft haben, ob sie einen geliebten Menschen retten wollen oder ob sie ihn gehen lassen .... wie würde sich wohl der Großteil entscheiden?

Mein Fazit:

"ZweiundDieselbe" hat mich in seinen Bann gezogen gehabt und mir eine eiskalte Realitätsdusche verpasst. Hat mir aufgezeigt, was wäre wenn und habe festgestellt, dass ich über manche Themen so gar nicht nachdenken möchte - bis sie mir ins Gesicht geschlagen werden und ich darüber nachdenken muss. 

Keine leichte Kost und doch sollte jeder einzelne von euch das gelesen haben, sich seine Gedanken darüber machen und dann entscheiden, ob er diese wegschließen oder noch länger darüber nachdenken möchte. Ich vergebe

5 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte

Kommentare:

  1. Das Buch steht irgendwie schon seit Jahren auf meiner Wunschliste, ist immer mal wieder runter gefallen und jetzt steht es bombenfest wieder drauf, das muss ich einfach lesen!

    Liebe Grüße,
    Katja :)

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  2. Hallo :-) Na jetzt wandert das Buch auf meinem SuB mal ganz weit nach oben, denn nach deiner Rezension bin ich noch neugieriger auf das Buch geworden. Ich bleib dann auch gleich mal als Follower da, denn bei dir gibt es tolle Bücher zu entdecken.
    Liebe Grüße Doreen

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    1. Huhu hallo, das ging ja schnell :) Ich hoffe ich konnte mit meiner Rezension einen kleinen Anstoß geben und es wird bald verschlungen - die Geschichte hat es sowas von verdient ;) Hab dich heute auf Youtube gefunden, Videos geguckt und gleich abonniert, danke für die tollen Videos!

      Liebst, Antonie

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