Donnerstag, 13. August 2015

[Rezension] Perfect Escape

Perfect Escape

Jennifer Brown

384 Seiten

Dtv Verlag

9,95 €

Kendra liebt ihren Bruder Grayson, doch unter seinen Panikattacken und Zwangsneurosen leidet sie seit Jahren. Um Ausgleich bemüht, versucht sie besonders perfekt zu sein. Auf ihr, der Musterschülerin, ruhen alle Hoffnungen der Eltern.


Bis bei Kendra eines Tages die Sicherungen durchbrennen: Sie packt Grayson in ihr altes Auto und haut ab. Nach Kalifornien zu Zoe, ihrer ehemals besten Freundin und Graysons erster Liebe.

Meine Meinung:

Jennifer Brown ist eine Autorin gewesen, welche ich vor diesem Jugendbuch noch nie bewusst wahrgenommen hatte, deren Geschichten einfach an mir vorbeigegangen sind oder mich nicht auf sich aufmerksam gemacht hatten. Welch Fehler ... Denn mit Perfect Escape konnte mich die Autorin mehr als nur überzeugen!

Um was geht es? Kendra ist die perfekte Musterschülerin schlechthin, die Vorzeige-Tochter und in allem was sich macht einfach Spitzenklasse. Ihr Bruder hingegen leidet seit Jahren an Panikattacken und Zwangsneurosen und bringt damit einige Unruhen in die Familie.

Als Kendra eines Tages bei einem schlimmen Vergehen ertappt wird flieht sie und nimmt ihren Bruder auf eine abenteuerliche Reise nach Kalifornien mit. Wird sie es schaffen, ihn von seinen Zwangsneurosen abzulenken bzw. "zu heilen" , um ihm so ein leichteres Leben zu ermöglichen?

Wer glaubt, hier einen Roadtrip-Roman in der Hand zu halten, wie man ihn eben so kennt, der hat sich sowas von getäuscht, denn Jennifer Brown hat dieses Jugendbuch bis oben hin vollgepackt mit Gefühlen, spannenden Charakteren und einer Prise Selbstfindung, denn sie hält ihren Protagonisten den Spiegel vors Gesicht.

"Manchmal muss man gar nicht laut aussprechen, dass man jemanden lieb hat.
Manchmal genügt es, im Schatten dieses Menschen zu stehen und nichts dabei zu finden."

Die Beziehung zwischen Grayson und Kendra bereitete mir oft Gänsehaut, denn ich mag es mir gar nicht vorstellen wie schwer es für beide sein muss, mit Graysons Zwangsneurosen umzugehen. Kendra muss von klein auf deswegen auf viele Dinge verzichten, merkt schnell dass es für ihre Eltern leichter ist, wenn wenigstens sie die perfekte Tochter ist und leidet doch insgeheim unter den Einschränkungen, die das Leben mit ihrem Bruder so mit sich bringen.

Auf der anderen Seite haben wir Grayson, der sich am liebsten in den alten Steinbruch flüchtet, dort die ganzen Steine zählen muss und damit auch nicht aufhören kann, so sehr er das manchmal gerne würde. Er ist gefangen in seiner eigenen Haut, bekommt Tobsuchtsanfälle wenn man ihn vom Zählen abhält und auch sonst hat er es nicht leicht im Leben.


 "Glimmer hat glatte Bruchkanten. Wenn man so einen Stein zerbricht und die beiden Teile aneinanderhält, dann passen sie perfekt zusammen."
"So ähnlich wie wir", flüsterte ich, ohne richtig zu merken, dass ich den Gedanken laut aussprach. Meine Schulter berührte die von meinem Bruder.
"Zerbrochen und ziemlich kaputt, aber nicht zerstört."

Es beginnt ein Road-Trip der ganz besonderen Art, denn Kendra hat nur zwei Ziele vor Augen: Zoe zu besuchen und damit Grayson wieder gerade zu biegen - denn was sie sich am meisten wünscht, ist ein normales Leben. Als Leser zerreißt es einem schier das Herz bei ihren Bemühungen, Graysons Zwangsneurosen kleiner werden zu lassen.

Die Verzweiflung, mit der sie versucht an ihren Bruder emotional heranzukommen und doch immer wieder daran zu scheitern, nur um DANN zu sehen, dass es anderen Menschen anscheinend gelingt und sie sich stets die Frage stellt, ob sie zu hart im Umgang mit seiner Krankheit ist.

Jeder hat sein Päckchen zu tragen und was die beiden so ungemein realistisch gemacht hat für mich, waren ihre Schwächen und Fehler, ihre Verzweiflung und Machtlosigkeit einander gegenüber mit der Krankheit umzugehen und gleichzeitig die bedingungslose Geschwisterliebe.

Mein Fazit:

Ein unscheinbares Jugendbuch mit gewaltiger Durchschlagskraft, welches auf eine zarte Weise von einer unglaublich wichtigen Reise der Geschwister erzählt, wobei hier eher der Weg das Ziel ist, denn während dieses Trips müssen beide sich ihrer Schwächen klar werden, um einander zu verzeihen und den anderen so anzunehmen, wie er nun eben ist. Ich vergebe

5 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte

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