Samstag, 4. Juni 2016

[Rezension] Romeo und Julia

Romeo und Julia

William Shakespeare

124 Seiten

Hofenberg Digital

Übersetzung von August Wilhelm Schlegel

0,00 € als Ebook

»Romeo und Julia« ist eine Tragödie, neben »Hamlet« die bekannteste und beliebteste, die Shakespeare je geschrieben hat. Romeo und Julia, die tragisch Verliebten, gehören zwei verfeindeten Familien an, den Montagues und Capulets, die verhindern, dass sie ihre Liebe offen leben. Heimlich lassen sie sich trauen. 

Meine Meinung:

Jaaaa, diese Rezension bedarf wohl einiger Vorinformationen :D Jeder kennt sie: Die Geschichte rund um Romeo und Julia. Ich habe diese Tragödie in allerlei Form zu mir genommen. Als Verfilmung, Hörspiel, Theaterstück ... nur gelesen hatte ich es noch nicht. 

Und jetzt gab mir die Veröffentlichung einer Adaption von Romeo und Julia einen guten Grund dazu, mein Gedächtnis nochmals aufzufrischen. - "Luca und Allegra" von Stefanie Hasse.

Also habe ich mir kurzerhand im Urlaub diese Version als Ebook geladen. Vielleicht ist es nicht die beste Übersetzung gewesen, aber das war mir dann auch schon recht egal.
Im Nachhinein betrachtet eine leicht unbedachte Entscheidung, aber ich werde es mir auf jeden Fall in einer anderen Übersetzung nochmals zu Gemüte führen, denn diese Fassung konnte mich nicht so ganz von sich überzeugen.

Um was geht es?  Darauf verzichte ich dieses Mal, denn wer die Geschichte rund um Romeo und Julia noch nicht kennen sollte, dem möchte ich hier nicht zu viel vorweg nehmen. Allerdings sollte man dann auch darauf verzichten, meine Rezension zu lesen, denn hier werde ich garantiert spoilern!

Eine Capulet? O Himmel! Mein Herz und mein Leben sind unwiderbringlich in der Gewalt meiner Feindin.

Wie soll ich meine Rezension nur beginnen? Vielleicht damit, dass mein Erinnerungsvermögen mich sehr im Stich gelassen hatte. Denn meine Version von Romeo und Julia hatte ich ja so komplett ... anders im Kopf. Wer zur Hölle war bitte Rosalinde?! Warum kann ich mich nicht an sie erinnern :D? 

Doch dabei blieb es nicht. Auch dass Romeo und Julias Liebesgeschichte überaus schnell von statten ging und die beiden sich nach dem ersten Kuss unsterblich ineinander verlieben, nicht mehr ohne einander können und heimlich heiraten wollen, obwohl die beiden Familien verfeindet sind - da hatte ich eine romantischere Vorstellung im Kopf, wie auch immer die sich in meine Gedanken schleichen konnte.

Daran sind dann doch wohl die Verfilmungen schuld, die diese ganze Geschichte ein wenig rosiger und ausgeschmückter präsentieren, als wie es dann im Buch zur Sache geht bzw. Shakespeare das Ganze darstellen wollte. Allerdings wollte ich Romeo und Julia an einigen Stellen schon gehörig die Leviten lesen, benahmen sie sich doch eher wie pubertierende Jugendliche.

Erst ist Romeo unsterblich in Rosalinde verliebt, dann sieht er Julia und lässt Rosalinde wie eine heiße Kartoffel fallen - typisch Mann! Julia lässt sich von seinem Gerede natürlich bezirzen und ist danach der festen Überzeugung ihre wahre Liebe ( nach einem Kuss ) gefunden zu haben - wurscht, was Mama und Papa sagen, jetzt wird heimlich geheiratet, denn Romeo ist ja ihr Traummann! ...
Ähm, ja. Aber das nur am Rande bemerkt :)) ( Achtung, Ironie! )

O Himmel! der, den ich einig lieben kan, ist der, den ich einzig hassen sollte -- zu früh gesehn, eh ich ihn kannte und zu spät erkannt; was für eine seltsame Mißgeburt ist meine Liebe -- ich liebe -- meinen verhaßtesten Feind.

Auch die Übersetzung ( wie bereits oben erwähnt ) hatte so ihre Tücken. Gewisse Stellen wurden hier  nicht übersetzt, entweder aus Gründen der englischen Reime d.h. im Original reimten sich gewisse Stellen, was ins Deutsche so aber nicht übersetzt werden konnte beziehungsweise der Übersetzer ließ diese Stellen einfach aus und/oder vermerkte im Text, was hier im Englischen stand und warum die Übersetzung hier eben so schwierig sei.

Fand ich ein wenig schade, denn ich hätte sehr gerne mehr von Mercutio und seiner ( anscheinend ) humorvollen Seite erfahren / gelesen, denn genau diese Stellen traf es meistens in der Übersetzung und sie wurden ausgelassen.

Oder aber aus anderen Gründen. Einmal z.B. wurde eine Textzeile von Julias Mutter nicht übersetzt, da man der festen Überzeugung war, dass dies nicht Shakespeare selbst geschrieben hatte, sondern die Schauspieler sollten einige Zeilen selbst gedichtet haben, um ihrer Figur "Ecken und Kanten" zu geben. 

Das war ein kleiner Wehmutstropfen, aber die Quintessenz war ja doch die gleiche und ich kann nicht behaupten, um die Grundgeschichte beraubt worden zu sein. Kennt ihr vielleicht eine bessere Übersetzung? Zu welcher würdet ihr mir raten?!

Ich bin natürlich kein Experte, möchte hier keine fundierte Rezension abgeben, sondern euch an meinen Gefühlen beim Lesen teilhaben lassen. 

Was mir im Nachhinein jetzt auch im Kopf schwirrt sind die Umstände zur damaligen Zeit - wieso,weshalb, warum Shakespeare es genauso geschrieben hat, wie er es eben getan hat. Da möchte ich mich in nächster Zeit schlau machen, denn das interessiert mich wirklich wahnsinnig.

Romeo. Möchtest du dein Herz wieder zurücknehmen? Warum das, meine Liebe? 
Juliette. Nur damit ich dirs noch einmal geben könnte -- und doch, was wünsch ich mir damit, als was ich schon habe? Meine Zärtlichkeit ist so grenzenlos als die See, meine Liebe so tief; je mehr ich dir gebe, je mehr ich habe, denn beyde sind unerschöpflich.

Mein Fazit:

Und trotzdem bleibt Romeo und Julia eine Liebesgeschichte, welche für mich nicht tragisch-schöner sein könnte. Ein wenig kitschig und dramatisch, aber doch eindringlich und einfühlsam. Ich habe es genossen, diese Geschichte nochmals zu lesen und habe mich in diesen blumigen Schreibstil von Shakespeare verliebt ... in Zukunft werde ich versuchen, einige seiner Werke zu lesen. 

UND ich bin nun bereit, "Luca und Allegra" zu lesen - wenn nur ein paar Leser es genauso wie ich halten und die Originalfassung vorweg lesen ist doch auch was Gutes getan, denn Klassiker können auch Spaß machen .. meist dann, wenn man sie freiwillig und aus eigenen Stücken liest ;-)

Für diese Übersetzung vergebe ich 

3 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte, da es doch einige Kritikpunkte gab und mir diese Liebesgeschichte doch an gewissen Stellen zu "kitschig-tragisch" war - wisst ihr, was ich meine?

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