Der Satan schläft nie
Robert Pleyer
280 Seiten
Droemer Knaur
14,99€
Die Hälfte seines Lebens verbrachte Robert Pleyer bei den Zwölf Stämmen, einer radikal-christlichen Sekte, die Gewalt gegenüber Kindern für ein göttliches Gebot hält. Sein Bericht über das Innenleben dieser mysteriösen Gemeinschaft ist eine schockierende Geschichte über religiösen Fundamentalismus mitten in Deutschland.
Meine Meinung:
Interessiert am Thema "Sekten" war ich ja schon immer - doch deutsche Sekten, über die auch noch Bücher geschrieben wurden gibt es sehr wenige. In dieser Geschichte zeigt der Aussteiger Robert Pleyer auf, wie Menschen die eigentlich Zugang zu Gott gesucht haben manipuliert und abhängig gemacht werden und aus eigener Kraft kaum in der Lage sind, dort wieder auszutreten.
Die Zwölf Stämme wurden 1972 in den USA von Elbert Eugene Spriggs gegründet. Sie haben heute 2.500 Mitglieder weltweit, von denen die Hälfte jünger als achtzehn Jahre ist. Der Gründer wird von seinen Anhängern als Apostel bezeichnet und gibt die Lehre für ein urchristliches Leben vor.
Doch was unterscheidet diese Gemeinschaft von anderen?
Innerhalb der "Zwölf Stämme" leben die Mitglieder unter totaler Kontrolle. Es gibt die Ältesten, welche sich um das Wohl der Gemeinschaft kümmern; sie entscheiden wie das verdiente Geld zu verwalten ist, wer wen und vor allem wann heiraten darf ( um überhaupt heiraten zu können müssen Anträge gestellt werden und nach einer 1 Jährigen Probezeit wird entschieden ob geheiratet werden darf ) und ob ein Sektenmitglied es noch würdig ist, in der Gemeinschaft zu leben.

Die Jünger der Zwölf Stämme dürfen nicht selbst entscheiden, wann und wohin sie reisen, wo sie wohnen und wann sie ihre Familien sehen. Sie besitzen kein Privateigentum und der Lohn ihrer Arbeit wird ihnen nicht ausgezahlt. Es ist ihnen verboten, jederzeit das Wort zu ergreifen und zu sagen, was sie denken.Mich hat Roberts Geschichte aufgerüttelt, fassungslos gemacht und zum Nachdenken gebracht. Was veranlasst Menschen, sich solch einer Gruppierung zuzuwenden? Warum machen sie sich abhängig von einer derartigen Gemeinschaft? Ist es eine christliche Glaubensgemeinschaft, die sich nach und nach in eine religiöse Sekte verwandelt hat?
"Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt jeden, den er gern hat ..."
Die Kinder werden von klein auf gezüchtigt; z.B. schon als Baby eng gewickelt in ein Tuch, damit sie sich nicht mehr bewegen können und somit ihr Wille nach und nach gebrochen wird. Auch später sind Schläge mit Weidenruten und Bestrafungen gern gesehen unter den Anhängern und MUSS in der Kindererziehung.

Eltern müssen die unterschiedlichen Phasen der Kindererziehung verstehen: 1. Kontrolle; 2. Erziehung. Wenn Eltern wahrhaft nach Gottes Wort leben, haben sie die Kontrolle über ihre Kinder. Wenn die Kinder nicht gehorchen, habt ihr sie nicht richtig erzogen. Das wichtigste Ziel ist es, die Kinder unter Kontrolle zu bringen. Der Wendepunkt ist erreicht, wenn das Kind die Herrschaft der Eltern anerkennt.
Alles in allem hat das Buch die Sekte von allen Seiten beleuchtet, aufgezeigt und mir gezeigt, wie schnell man in den Händen einer solchen Gemeinschaft gefangen sein kann und wie hilflos man dabei ist; auch wenn man es gar nicht meinen würde.
Kleiner Kritikpunkt: Der Schreibstil hat mich ab und an ein wenig durch das Buch geschleift und es mir an manchen Stellen nicht leicht gemacht, die Geschichte flüssig lesen zu können.
Mein Fazit:
Ein interessanter Bericht über eine deutsche Sekte, die aufgrund ihrer Kindererziehung stark in der Kritik der Öffentlichkeit stand; mit diesem Buch kann sich jeder seine eigene Meinung darüber bilden und die Hintergründe der Gemeinschaft "Zwölf Stämme" kennen lernen.




