Dienstag, 13. November 2018

[Rezension] Totenfang - Simon Beckett



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Totenfang von Simon Beckett

Umfang: 560 Seiten | Genre: Kriminalroman

Verlag: Wunderlich | Preis: 22,95 € 



Die Gezeiten spülen einen Toten auf eine schlammige Sandbank in den Backwaters, einem abgelegenen Mündungsgebiet in Essex. Die Wasserleiche ist stark verwest, Hände und Füße fehlen. Das Gesicht ist nicht mehr zu erkennen. Trotzdem glaubt die Polizei zu wissen, um wen es sich handelt: Ein junger Mann aus dem Ort ist seit Wochen verschwunden, alles deutet auf Selbstmord hin.

Doch dem forensischen Anthropologen David Hunter kommen Zweifel, als am nächsten Tag ein Fuß geborgen wird. Denn der gehört zu einer anderen Leiche, da ist er sich sicher. Kurz darauf treibt ein weiterer Toter im Wasser ...

Meine Meinung:

Letztes Jahr fing meine Begeisterung für David Hunter an – aus irgendeinem Grund packte mich damals plötzlich die Lust auf Simon Becketts Reihe und kurzerhand kaufte ich mir günstig den ersten Teil „Chemie des Todes“. Es dauerte zwar ein wenig, bis ich mich komplett in Becketts Schreibstil eingefunden hatte, doch dann konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.

In Rekordzeit verschlang ich auch die anderen vier Teile, fieberte mit großer Erwartung dem fünften Fall von David Hunter „Totenfang“ entgegen. Doch es sollte noch einige Zeit dauern, bis ich Seite an Seite mit dem charismatischen Ermittler einen neuen Fall lösen konnte

… und nun war es soweit: Ich lieh mir vor einigen Tagen in unserer kleinen Stadtteilbücherei den Band aus und fing direkt an zu lesen.

Jetzt sitze ich hier, bin ein wenig ratlos was ich alles in meine Rezension packen soll und ein Gefühl ist dabei ganz vorne mit dabei: Enttäuschung.

Für meinen Geschmack gab es in diesem Krimi zu viel von so ziemlich allem. 

Samstag, 30. September 2017

[Gedankenbrei #1] Bücher die mich berühren

Gedankenbrei #1 - was das sein soll? Ihr kennt ja meine Rubrik "Redestoff", unter welcher ich all die kleinen Themenbereiche unterbringe, die mir so im Kopf umherspuken.

Dort bemühe ich mich auch recht geordnet, sortiert und knackig alles unterzubringen. Doch es gibt eben auch Gedanken, gerade wenn sie buchbezogen sind, die mir sehr ungeordnet durch den Kopf fliegen, welche ich aber trotzdem sehr gerne mit euch teilen möchte.

Und sei es nur, um sie einmal aufgeschrieben zu haben. Aus diesem Grund würde ich den Gedankenbrei #1 sehr gerne ausprobieren. Wie oft ich hier etwas dazu schreiben werde oder ob das ganz spontan kommt, kann ich euch jetzt noch nicht sagen. Es wird auch garantiert keine Rubrik für jeden von euch sein, aber das muss es ja auch nicht.

Meine Meinung, meine Gefühle, meine Gedanken - das soll hier Platz finden und wie ein kleines Tagebuch funktionieren.

Lange Rede, kurzer Sinn: Hier werden ganz chaotisch, unsortiert und durcheinander meine Gedanken zu bestimmten Themenbereichen stehen, viel Spaß damit. 

Bücher die mich berühren

Bücher die mich als Leser berühren, die mich mit sich reißen und mein Innerste nach Außen kehren - DAS sind Geschichten die mich gefangen nehmen. Das sind Lesestunden, die ich weinend auf der Couch verbringe, völlig vereinnahmt von den Charakteren, der Atmosphäre und ihrem Werdegang. Bücher welche mir eine Gänsehaut verschaffen und die immer wiederkehrt, sobald ich daran denke.

Eines dieser Bücher war dieses Jahr "Ein wenig Leben" von Yanagihara für mich. Wenn ich mir meine markierten Stellen wieder ansehe, durch das Buch blättere und an diese unglaublich dichte Geschichte denke überläuft mich ein feiner Gänsehautschauer. 

Selten habe ich beim Lesen so viel gefühlt - es gab Passagen, nach denen ich auf meinem Bett lag und den Kopf so voller Gedanken hatte, das ich nur die Decke im Zimmer anstarren konnte. Da waren so unendlich viele fremde Gefühle in mir, mein Herz lief über vor Weltschmerz und ich wusste nicht wohin mit mir.


"Mit jedem Jahr schwand sein Anrecht darauf, sich menschlich nennen zu dürfen; mit jedem Jahr war er weniger Mensch. Doch es kümmerte ihn nicht länger; er konnte nicht zulassen, das es ihn kümmerte."


Die Geschichte ist rau, gespickt mit dem puren Leben. Sie hat kein Blatt vor den Mund genommen, war hart und oft auch widerlich - sie hat sich mein Herz gegriffen und es Stück für Stück auseinander genommen. JA, es hatte unangenehme Themen. JA, es war tragisch, es war traurig und grausam. Es war wie das Leben selbst und voller Wendungen, die mir den Atem genommen haben. 

Ich wünschte ich könnte mehr solcher Geschichten entdecken, mehr solcher Momente sammeln und aufbewahren, denn das sind die Bücher, an welche ich noch nach Jahren zurückdenke. Die Romane, deren Sätze ich fast schon auswendig kenne und sie mit farbigem Stift umkreist habe.
Deren Buchrücken völlig durchgebogen sind, deren Seiten abgegriffen sind und auf denen sich manchmal auch ein paar trockene Tränen finden, wenn man nur nah genug herantritt.

Mittwoch, 20. September 2017

[Lese-Einblick #15] Miles & Niles - Hirnzellen im Hinterhalt

Jungs zum Lesen zu bringen oder am Lesen zu halten ist so eine Sache für sich. Da gibt es diejenigen, welche alles verschlingen was ihnen in die Finger kommt und dann gibt es die, welche ganz gerne mal lesen würden, aber nichts gscheites finden.

Deswegen bin ich immer wieder auf der Suche nach neuem Empfehlungsstoff für verzweifelte Mütter, geschenksuchende Omas oder die jungen Herrschaften selbst, die mit kritischem Blick vor einem stehen und irgendwie nicht über den Weg trauen.

"Miles & Niles" hat mich nie so richtig angemacht, bis mir die Verlagsvertreterin davon vorgeschwärmt hat ( gut, sie hat auch gesagt dass sich diese Geschichte überall ziemlich gut verkauft und ich bitte euch: Geld ist Geld, aber da muss auch natürlich eine schöne Handlung dabei sein, da hilft alles nix! ) und nun endlich habe ich mich auf gemacht dieses Buch zu erkunden.


Und was soll ich sagen? Isch bin bejeistert! 

Von Anfang an war ich am Lachen, Schmunzeln und Kichern, das Autoren-Duo haut einen Wortwitz nach dem anderen heraus, ohne bemüht zu wirken.


Doch um was geht es? Miles ist auf seiner alten Schule ein berühmt berüchtigter Streichespieler gewesen, keiner konnte ihm das Wasser reichen und nun passiert das für ihn unfassbare: Seine Mutter zieht mit ihm in eine neue kleine Stadt um und Miles muss sich in seiner neuen Schule neu profilieren. Als was ist klar: Erneut als Trickser!

Jedoch hat Miles nicht damit gerechnet, dass die Yawnee Valley Akademie für Wissenschaft und Kunst bereits seinen Meister im Streiche spielen gefunden hat - und der ist unglaublich gut. Das kann Miles natürlich nicht auf sich sitzen lassen und ein erbitterter Krieg bricht zwischen den beiden aus ....


Die comicartigen Zeichnungen lockern den Text auf fast jeder Seite wunderbar auf und schaffen so ein unvergleichliches Leseerlebnis. Bisher kann mich das Buch nur positiv überraschen und wenn es so weitergeht wird dies eine meiner neuen Lieblingsempfehlungen - gerade für Jungs die gerne Gregs Tagebuch oder Tom Gates gelesen haben ( obwohl hier eindeutig mehr Fließtext zum Lesen ist! ) oder generell ein humorvolle Geschichte erleben möchten.


Also wer mich sucht: Ich schaue Miles & Niles gerade beim Streiche spielen über die Schulter und amüsiere mich köstlich dabei, bis später! 

Montag, 11. September 2017

[Redestoff #18] Wer bin ich eigentlich - ?

Hallo ihr Lieben da draußen vor den Bildschirmen,

lange lange habt ihr nichts mehr von mir gehört und das OBWOHL ich so unendlich viele gute Bücher gelesen habe, aber es war wie eine kleine Schreibblockade: Ich habe Wort um Wort aneinandergereiht und war einfach so gar nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Meist habe ich dann frustriert den Laptop zugeklappt, war sauer auf mich und meine eigene Unfähigkeit.

Aber darum soll es heute gar nicht gehen, das nur als kleines Zwischenupdate warum hier so lange Funkstille war. Vielleicht sprudeln ja demnächst die Worte wieder, wer weiß? Nein, heute soll es um ein ganz anderes Thema, ein sehr eigenes Thema gehen, das mir schon seit WOCHEN durch den Kopf schwirrt - immer wieder hat es sich in meine Gedanken verirrt, mir kleine Stromschläge verpasst. Gestern gab es dann eine Situation die den Ausschlag für den heutigen Artikel gegeben hat und jetzt sitze ich hier, bereit meinen ganzes Gedankenchaos auf euch loszulassen.

Vorab sei gesagt: Das ist kein strukturierter Artikel über den ich mir ewig den Kopf zerbrechen möchte oder an dessen Formulierungen ich endlos lange feilen werde - nein, das ist für mich eine Art mal ein Thema aufzuschreiben ( und damit endlich aus dem Kopf zu verbannen! ), wie es mir durch die Gedanken schießt und das eben ungefiltert. Also keine Perfektion erwarten, ja?! ;-)

SO lange genug um den heißen Brei geredet, hier mein Problem: Wer bin ich eigentlich?


Wie wer bin ich eigentlich? Was will sie denn damit jetzt sagen? Du bist, wer du bist! ... Ja natürlich, nur ist das für MICH eben nicht so einfach. Um den richtigen Einstieg dazu zu finden nur kurz eine Situation angerissen die mich dazu verdonnert hat, das hier jetzt zu schreiben. 

Ich wollte nur kurz auf eine Nachricht antworten, wollte dabei aber ein Thema anschneiden, was mich da schon länger in Gedanken verfolgt hatte. Nur wie es demjenigen schreiben? 
Also habe ich losgetippt, mir den Satz durchgelesen, wieder gelöscht, wieder geschrieben, umformuliert und das über garantiert 10 Minuten. Und warum?

Freitag, 1. September 2017

[Abgebrochen #17] Rock my Heart - Darüber müssen wir reden!

Dieses [Abgebrochen] wird ein klein wenig anders ausfallen als sonst, denn ich muss mit euch definitiv über gewisse Punkte in dieser Geschichte reden, die mir extrem aufgefallen sind und die ich nicht unkommentiert lassen möchte.

Vorab muss ich ein klein wenig ausholen: 

Ich lese sehr gerne New Adult, erotisch angehauchte Romane oder auch dramatische Liebesgeschichten, dementsprechend habe ich schon so einiges aus diesem Genre-Bereich kennen gelernt. Es gibt natürlich oft Dinge in dieser Art von Büchern, die mir auffallen, die mich nerven oder in den Wahnsinn treiben, aber darüber kann ich eigentlich die meiste Zeit ganz gut drüber hinweg sehen.

ABER auch jetzt bei "Rock my Heart" ( genauso wie damals bei "Paper Princess" ) kommt ein Kritikpunkt auf den nächsten, ein Klischee reiht sich hinter das andere an und die Protagonistin ist ein Paradebeispiel dafür, wie junge Frauen in diesen Geschichten meiner Meinung nach eher weniger dargestellt werden sollten.

Eine kurze Zusammenfassung des Inhaltes bekommt ihr natürlich nun auch:


Rowan ist seit drei Jahren glücklich mit ihrem Freund Brady zusammen, doch ein Abend stellt ihr Liebe auf eine harte Probe. Auf einem Rockkonzert, dass Rowan mit ihrer besten Freundin Dee besucht sieht sie Brady ein anderes Mädchen küssen - für sie bricht eine Welt zusammen. Sie flüchtet sich nach draußen und trifft dort auf den Leadsänger der Band, Adam Everest. Rowan lässt sich zu einem Kuss hinreißen, doch danach steht ihr ganzes Leben Kopf ....


So ein wenig ungeordnet meine Kritikpunkte bisher:

1.) Rowan lässt sich hier unfassbar von ihrer besten Freundin beeinflussen ja fast manipulieren - sie zieht Klamotten an, in denen sie sich sehr unwohlt fühlt und wie eine Prostituierte aussieht ( Zitat aus dem Buch! ). Sie lässt sich von Dee sagen wie sie mit der Fremdgeh-Situation ihres Freundes Brady umzugehen hat, obwohl sie sich dabei eigentlich ganz anders entscheiden würde und und und.

>>  Mir ist bewusst das man sich gerade als junges Mädchen sehr oft von Freunden beraten lässt, deren Meinung gerne annimmt und auch mal Sachen tut, die man hinterher bereut - ABER ich finde es so schade, dass gerade in so einer Geschichte die weibliche Hauptperson bisher so gar keine eigene Persönlichkeit zeigt, sich fast schon "benutzen" lässt und sich dagegen nicht irgendwie wehrt.

Mittwoch, 23. August 2017

[Rezension] Babydoll - Hollie Overton

Babydoll

Hollie Overton

352 Seiten

Goldmann Verlag

15,00 €

Lily Risers neues Leben beginnt an einem kalten Winterabend: Nur mit einem dünnen Schlafanzug bekleidet tritt sie vor die Tür, drückt ihre Tochter an sich – und rennt los. Weg von dem Haus im Wald, weg von dem Mann, der sie acht Jahre lang gefangen hielt. Dem Vater ihrer Tochter Sky, dem Mann, der an diesem Abend zum ersten Mal einen Fehler machte, als er vergaß, die Tür zu verriegeln. Doch schnell wird klar, dass es für Lily kein Zurück zur Normalität gibt ...

Meine Meinung:

Als ich "Babydoll" in die Hand genommen habe wollte ich damit eigentlich nur meine Thriller-Laune befriedigen -große Erwartungen hatte ich an die Geschichte kaum. Doch dann die Überraschung: Die Handlung hatte mich von den ersten Seiten komplett gefesselt, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und las so schnell ich konnte.

Was mir besonders gut gefiel war die Grundidee, denn hier begleiten wir Lily, welche mit ihrer Tochter nach acht langen Jahren vor ihrem Entführer fliehen konnte und nun wieder in ihr altes Leben eintaucht, welches natürlich sehr viel anders ist als vor ihrer Entführung.

Und hier spielt die Autorin eine Trumpfkarte aus, die mich quasi durch die Geschichte gescheucht hat: Als Leser erfahren wir aus den mehreren Sichtweisen wie die unterschiedlichsten Personen mit dieser Situation umgehen und was sie dabei fühlen und denken.
Wir erfahren dabei einiges aus Lilys Sichtweise, aber dürfen auch ihrer Mutter Eve über die Schultern schauen, mit ihrer Schwester Abby mitleiden UND ihrem charismatisch-widerlichen Entführer Rick bei seinen Selbstbeweihräucherungen zur Seite stehen.

Gerade diese Vielfalt und die einzelnen Persönlichkeiten haben mich unwahrscheinlich neugierig gemacht, haben mich durch die Geschichte getrieben und meine Neugierde nie ganz befriedigt. Wie schon im Lese-Eindruck beschrieben hatte ich jedes Mal das Gefühl einen Autounfall zu betrachten:

Ich wollte immer mehr wissen, wollte erfahren wie es Lily in der Gefangenschaft ging, was sie erlebt hat und wie ihre Familie mit der Ungewissheit gelebt hat und ihr Leben weiterführte. Und diese ganze Zeit hatte ich ein unglaublich SCHLECHTES Gewissen dabei, denn auch wenn es eine fiktive Geschichte ist und nichts davon wirklich passiert ist, hatte ich das Gefühl mich an diesem Unglück nicht satt lesen zu können.

Hollie Overton hat hier ganze Arbeit geleistet muss ich sagen!

Aber auch die komplette Handlung war unglaublich durchdacht, mit kleinen spannenden Cliffhängern gesät und wurde generell NIE langweilig. Wer hier allerdings einen actionreichen Psychothriller sucht sollte mit anderen Erwartungen an "Babydoll" rangehen, denn wie auch schon der Verlag richtig auf dem Cover vermerkt hat ist dies ein Roman.

Es sollte wirklich mal eine Zwischenbezeichnung für diese Sorte Geschichte geben: Die, welche kein reiner Thriller sind, da zu wenig Psycho-Action-Blut-Gemetzel enthalten ist und die, die aber auch kein reiner Roman sind, da sie zu viel Spannung enthalten -liebe Verlage, HILFE! 

Fazit:

Ein fabelhaftes Debüt mit großem Überraschungseffekt, authentischen Charakteren und einem Ende, mit dem ich sehr gut leben konnte. Große Empfehlung!

Dienstag, 15. August 2017

[Lese-Einblick #14] Babydoll

Wer kennt sie nicht, die typischen Entführungsthriller? Meist dreht sich die Handlung um das Auffinden der verschwundenen Person oder deren Flucht aus der Gefangenschaft, ein wenig Nachgeplänkel und dann ist die Geschichte oft auch schon zu Ende.

"Babydoll" fängt da an, wo diese Bücher enden. Denn hier begleiten wir Lily und ihre Tochter Sky, welchen die Flucht aufgrund einer kleinen Unachtsamkeit ihres Entführers gelingt. Der Leser verfolgt nun aus verschiedenen Sichtweisen das ganze "Danach" - wie Lily nach acht Jahren wieder nach Hause kommt, ihre Familie zerrüttet vorfindet und natürlich was sich in den Jahren in Lilys Abwesenheit ereignet hat.

Hollie Overton hat hier eine sehr beklemmende Atmosphäre erschaffen, die mich beim Lesen mehrmals hat schlucken lassen. Gut gefällt mir bisher, dass die Autorin es sich auch erlaubt, unsympathische Charaktere in die Geschichte einfließen zu lassen und nicht nur eine heile Welt präsentiert.

Denn wenn ein geliebter Mensch eine solch lange Zeit ungeklärter Weise verschwunden ist und nun plötzlich wieder in das Leben eintritt, dann kann mir niemand erzählen dass dies bei den Angehörigen keine Spuren hinterlassen hat und sofort wieder mit einem normalen Alltag weitergemacht wird.

Nein, da gibt es Wunden und Streitthemen, da ist Verunsicherung und Wut vorhanden und ganz gewiss eine Hilflosigkeit, welche die Autorin sehr feinfühlig und gezielt in die Handlung eingestreut hat. Aber auch die Sichtweise des Entführers, der von Anfang an bekannt ist, und seine Motivation hinter Lilys Entführung und seine Gedankengänge, all dies zu verfolgen und Einsicht zu nehmen ist gewissermaßen wie ein Autounfall: 

Sonntag, 23. Juli 2017

[Rezension] Crossroads - Jürgen Albers

Crossroads

Jürgen Albers

616 Seiten

CreateSpace Independent Publishing

15,99 €

Juni 1940: Der Frühsommer erstrahlt über der britischen Kanalinsel Guernsey. Für den erfahrenen Londoner Inspektor Charles Norcott scheinen die beschaulichen Inseln im Ärmelkanal keine Herausforderung bereit zu halten. Doch das freundliche Sonnenlicht ist trügerisch und beleuchtet die Leiche einer jungen Frau. Kaum haben die Ermittlungen begonnen, als sich bereits neues Unglück zusammenbraut. 

Meine Meinung:

Mit seinen 616 Seiten ist "Crossroads" ein Schwergewicht von einem Krimi! Doch die Handlung braucht diese Fülle auch, denn neben den klassischen Ermittlungen rund um den Mörder hat Jürgen Albers auch sehr viel Kriegsgeschehnen in seinem Roman verarbeitet, was für mich unglaublich interessant zu Lesen war.

Denn die deutschen Truppen fallen auf Guernsey ein und bringen das Inselleben gehörig durcheinander. Schon zuvor erlebt der Leser schleichend den Kriegsbeginn: Schleichend wird die Nahrung rationiert, viele Leute fliehen von Guernsey bzw. werden evakuiert, die ersten deutschen Flieger kreisen über der Insel und verbreiten Angst und Schrecken.

Und gerade das hat "Crossroads" das gewisse Etwas verliehen, aber eben auch seine Länge bestimmt. Natürlich waren mal ein paar längere Passagen dabei ( gerade zum Ende hin ), die mich und mein Gedächtnis sehr gefordert haben, denn irgendwann ist SO VIEL los und unendlich viele Personen beteiligt, dass man leicht den Überblick verlieren kann, aber das war nur ein minimaler Störfaktor.

Die meiste Zeit bin ich durch die Geschichte gerast, hab an der Seite von Inspektor Norcott ermittelt und ihn mit seiner ganzen Art und Weise lieben gelernt. Wenn er auch zu Anfangs sehr unnahbar erscheint, taut er während der Handlung immer mehr auf und hat mich vorallem mit seinem grenzenlosen Optimismus und seiner Verbissenheit sehr beeindruckt!

Auch der ( für mich ) ungewöhnlichere Handlungsort Guernsey bzw. St. Peter Port hat es mir irgendwann sehr angetan gehabt und ich musste mir Bilder davon ergoogeln, denn Jürgen Albers hatte mich dann doch sehr neugierig gemacht - und was soll ich sagen? Jetzt will ich da Urlaub machen!



Fazit:

Eine unglaublich spannender und gehaltvoller, klassischer Kriminalroman, der das gewisse Etwas besitzt. Wer gerne etwas länger liest und eine durchdachte, vielschichtige Geschichte sucht ist hier genau richtig - große Empfehlung! HIER zu kaufen.