Freitag, 24. Januar 2020

[Rezension] Die Wanifen (1) / Seegeist - Rene Anour



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Die Wanifen - Seegeist von Rene Anour

Umfang: 412 Seiten | Genre: Fantasy

Verlag: Tredition | Preis: 14,99 € 



Salzkammergut in grauer Vorzeit

In einem Pfahlbaudorf an den Ufern des Atasees gehen merkwürdige Dinge vor sich. Immer wieder verschwinden Menschen in den Wäldern und kehren nie wieder zurück. Als die junge Ainwa ahnt, dass sie die nächste sein wird, verlässt sie das Dorf, um ihrem Schicksal zu entgehen. Doch in der Tiefe des Urwalds merkt sie, dass sie bereits verfolgt wird.

Meine Meinung:

Ich hätte wohl nie zu diesem Fantasybuch gegriffen, hätte mir der Herzensmensch selbiges nicht als Ebook geschenkt - denn Cover sowie Klappentext erschienen mir im ersten Moment etwas nichtssagend und hätten mich so nie gereizt, einen Blick mehr in die Geschichte zu werfen.

Ein großer Fehler, denn hinter diesen Buchdeckeln verbirgt sich eine ganz zauberhafte, umwerfende Handlung und Charaktere, welche mir schwer ans Herz gewachsen sind.

Doch alles der Reihe nach. Der Einstieg fiel mir ein wenig schwer, denn zu Anfang wird man ein wenig ins kalte Wasser geschmissen und muss sich erst einmal ein wenig einleben in die Welt von Ainwa und ihrem Volk, welches sich Ata nennt. Allerdings verflog mit jeder Seite meine Unsicherheit und die Fragezeichen, die sich in meinem Kopf formten und präsentierte eine detaillierte und fantastische Welt, die von Geistern und Wanifen ( Geisterbeschwörer ) erzählte

Mir gefiel besonders die Mischung aus Fantasy, Sagen/Mythen und dem zeitlichen Setting, welches uns ausnahmsweise mal nicht ins Mittelalter entführt ( wie so oft bei dem Genre ), sondern ins vorzeitliche Salzkammergut, mitten in die Berge und so den Leser eine fast schon märchenhafte Atmosphäre spüren lässt.

René Anour verzauberte mich mit jeder Seite ein wenig mehr und versetzte mich gedanklich komplett in seine Welt, ließ mich den glitzernden Atasee sehen und mit Ainwa auf der Suche nach ihrer Bestimmung durch die dunklen Wälder stolpern.

Ich stand am Rand des Waldes im Schatten der mächtigen Buchen und Tannen und warf einen letzen Blick auf die Pfahlhütten Ataheims zurück. Dort lag alles, was ich mein Leben lang gekannt hatte. Wären die Dinge anders gelaufen, hätte es auch ein guter Ort zum Leben sein können. 
Ich schnaubte verächtlich. Das Schicksal hatte manchmal einen makabren Sinn für Humor. Ich hatte mich vom Mystischen abgekehrt, um jetzt wahrscheinlich von einem blutrünstigen Waldgeist zu Tode gehetzt zu werden.

Eine wahnsinnig schöne bildhafte Sprache trifft auf eine abwechslungsreiche und spannende Handlung, die mich durchgehend fesselte und sich mit wenigen kleinen Abstrichen zu einem grandiosen Lesegenuss entwickelte.

Auch wenn ich so meine Schwierigkeiten mit Ainwa, unserer Hauptprotagonistin, zu Beginn hatte, wuchs sie mir doch im Laufe des Buches immer mehr ans Herz und machte auch im Laufe des Geschichte eine merkliche Veränderung durch, die sie mir sehr viel sympathischer werden ließ.

Generell mochte ich die Art wie der Autor seine Protagonisten zeichnete, denn jeder Einzelne von ihnen blieb mir im Gedächtnis hängen, hatte viel Potenzial eine eigene Geschichte zu bekommen und kaum einer verblasste im Schatten der Hauptpersonen - Hut ab dafür!


Die ganze Welt, welche mich hier in sich gefangen hielt und dessen Geister, Mächte und Magie machten mich an der ein oder anderen Stelle regelrecht sprachlos vor Faszination. 

Ich lese bisher eher seltener im Bereich Fantasy und bin da vielleicht ein wenig schnell zu beeindrucken oder zu befriedigen, aber ich mochte die Vielfalt und die detaillierten Beschreibungen der Geschöpfe und Magie von Ainwas Heimat unglaublich gerne.

"Ein Wanife ist ein Mischwesen. Wir sind in dieser Menschenwelt zu Hause, aber ein Teil von uns ist immer mit der Welt der Geister in Verbindung. Wir sind zwiegespaltene Naturen, hin- und hergerissen zwischen zwei Welten. Ein Wanife zu sein, ist nicht immer leicht. Diese (Geister)Welt ist hier, überall um uns herum, allgegenwärtig und doch von der unseren getrennt wie durch einen dünnen Schleier."

Man merkt, mit wie viel Leidenschaft und Ideenreichtum René Anour an seine Geschichte herangegangen ist, denn es finden sich viele Beschreibungen rund um die Geister, die verschiedenen Fähigkeiten der Wanifen und der ganzen Magie, die diese Welt umhüllt. Genau das erwarte ich von guter Fantasy: 

Neue Welten, andersartige Geschöpfe und Magieformen, denen ich vorher noch nie begegnet bin. 

Ich habe genug von Orks, Elfen, Feen gelesen und auch wenn ich trotzdem gerne davon lese, möchte ich doch Abwechslung geboten bekommen und nicht die ewig gleiche Leier.

Das ist hier mehr als nur gelungen und ich konnte während des Lesens einfach nicht genug Informationen bekommen - ich wollte mehr wissen, mehr erfahren und da waren selbst die knapp 400 Seiten fast zu kurz geraten. ABER es gibt zum Glück noch zwei weitere Bücher in dieser Reihe, welche ich mir zeitnah holen und inhalieren werde und so erhoffe ich mir ganz viele weitere Lesestunden voller Faszination und Magie.

"Du hast mich gefragt, wie das Geisterringen ein Duell auf Leben und Tod sein kann", meinte Kauket. "Hier hast du deine Antwort: Die Geister mögen für uns kämpfen, aber wir teilen ihren Schmerz. Wenn dein Seelengeist im Kampf besiegst ... stirbst du." 

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich dennoch: Mir fällt es ehrlich gesagt ein wenig schwer
einzuschätzen, für welche Altersgruppe diese Geschichte geeignet ist. Auf der einen Seite haben wir unsere Hauptprotagonistin Ainwa, welche mir in ihren Handlungen oft unsicher, leicht zu beeinflussen und impulsiv erschien.

Allerdings wird recht am Anfang des Buches erwähnt, dass sie 18 Jahre alt ist, was in meinen Augen oft nicht zusammenpasste, wenn man ihr Alter und ihr Verhalten gegenüberstellt - ich hätte sie maximal für 14 Jahre gehalten.

Auch das Cover wirkt für mich eher wie für Jugendliche gestaltet und ich würde mir fast wünschen, der Autor würde es ein wenig überarbeiten, denn aufgrund dessen hätte ich mir die Geschichte nie näher angesehen - hier wird viel Potenzial verschenkt.

 Auf der anderen Seite gibt es, gerade zum Ende des Buches, einige Kampfszenen, in welchen es schon brutaler und düsterer zugeht und welche dementsprechend nicht gerade für die jüngeren, ungeübteren Leser/innen geeignet wären. Ich hoffe ihr versteht meinen Zwiespalt; für mich ist es weder eindeutig eine Geschichte für Erwachsene, noch rein für Jugendliche, was es zum weiteren Empfehlen etwas schwieriger macht.

"Vor einem Geist musst du dich besonders in Acht nehmen, Ainwa. Er lebt im Seenland und ist der Einzige seiner Art. Diesem Geist darfst du nie zu nahe kommen. Er ist eine Naturgewalt und hat, am Rande bemerkt, eine große Abneigung gegen alles Menschliche. Wenn du seinen Zorn erregst, wird dir das Weglaufen nichts mehr nützen."
"Was für ein Geist ist das?" - "Er gab deinem Volk seinen Namen." - "Du ... redest von Ata?"

Lange Rede, kurzer Sinn: Möchtet ihr das Buch an jüngere Leser verschenken, klärt vorher einfach kurz ab, ob diese schon mehr Leseerfahrung haben und bereits mehr in diese Richtung gelesen haben - für erwachsene Leser ist es eine uneingeschränkte Empfehlung, dennoch sollte man es mögen, wenn die Protagonisten etwas kindlicher erscheinen.

Mein Fazit:

"Die Wanifen - Seegeist" ist eine Fantasygeschichte, die mich in ihren Bann gezogen hat und kaum aus ihren Fängen ließ - es lohnt sich so sehr, in diese Welt abzutauchen und deren Geheimnisse zu ergründen. Auch wenn hier nicht das Rad neu erfunden wurde ( welche Fantasygeschichte kann das in der heutigen Zeit schon von sich behaupten? ) habe ich mit viel Genuss Ainwa und ihrem Kampf gegen die Geister beigewohnt und werde mich voller Freude auf die nächsten Bände werfen.

Ich wünsche mir für diese Reihe ganz viele begeisterte Leser*innen und dem Autor mehr Aufmerksamkeit, denn es ist wirklich schade, wenn solche Rohdiamanten in der Masse der Bücher untergehen zu drohen und kaum einer darauf stößt. Verschenkt es, lest es selbst und schreibt darüber wenn ihr Lust habt - für mich war es mit eines meiner Jahreshighlights 2019.

Ich vergebe

*~5 von 5 Sterne~*

Freitag, 17. Januar 2020

[(Gast)Rezension] The Body in the Dumb River - George Bellairs



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The Body in the Dumb River von George Bellairs

Umfang: 205 Seiten | Genre: Kriminalroman

Verlag: British Library | Preis: 11,99 € 



'For the most part, the dead man received public sympathy. A decent, hardworking chap, with not an enemy anywhere. People were surprised that anybody should want to kill Jim.' But Jim has been drowned in the Dumb River, near Ely, miles from his Yorkshire home.

His body, clearly dumped in the usually silent (`dumb') waterway, has been discovered before the killer intended - disturbed by a torrential flood. With critical urgency it's up to Superintendent Littlejohn of Scotland Yard to trace the mystery of the unassuming victim's murder to its source, leaving waves of scandal and sensation in his wake as the hidden, salacious dealings of Jim Teasdale begin to surface.

Meine Meinung:

Heute dürft ihr zum ersten Mal in den Genuss einer Gastrezension hier auf meinem Blog kommen - und zwar von keinem anderen als von meinem Herzensmann Jürgen Albers. Neben dem Schreiben ist Lesen seine zweite Leidenschaft und das in einem Tempo, welches mich manchmal ein wenig schwindelig zurücklässt. Und warum dann diese Lese-Empfehlungen verstecken, wenn ich sie euch auch präsentieren kann?

Dementsprechend wird es hier auch öfter eine solche Rezension geben, die meisten wohl im Genre Kriminalroman und Jugendbuch angesiedelt und wir hoffen, ihr könnt auch die ein oder andere Empfehlung für euch mitnehmen und lesetechnisch in ganz andere Gefilde abtauchen.

Lange Rede kurzer Sinn: Hier kommt nun die erste von vielen Gastrezensionen, welche euch heute nach Yorkshire entführt - habt viel Spaß!

Der Kriminalroman “The Body in the Dumb River” erschien erstmalig 1961 in London. Damit liegt das Buch in der Mitte der Schaffensphase des leider heute nur noch wenig beachteten Harold Blundell alias George Bellairs, der zwischen 1941 und den 1970er Jahren insgesamt über 50 Kriminalromane und mehrere Novellen verfasste. Blundell, der bis zu seiner Pensionierung als Bankdirektor arbeitete, war ein umtriebiger Mensch.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagierte er sich in mehreren Ehrenämtern und erhielt u.a. dafür einen Master-Abschluss ehrenhalber der Universität Manchester. Zusätzlich schrieb er zahlreiche Zeitungsartikel, sehr häufig über Frankreich und seine Reisen dorthin. Der in Lancashire geborene Blundell übersiedelte nach dem Ende seiner Berufstätigkeit auf die Isle of Man. Dort starb er im April 1982, nach langer Krankheit, kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag.

In den Fluten eines ansonsten stillen Flüsschens wird während einer heftigen Regenperiode ein Toter geborgen. James Lane, der eher unauffällige Betreiber eines Jahrmarkts-Fahrgeschäftes wurde erstochen. Die Lokalpolizei von Fenshire hat mit den Stürmen und Überschwemmungen alle Hände voll zu tun und so ist man heilfroh, dass sich der zufällig anwesende Detective Superintendent Thomas Littlejohn von New Scotland Yard bereit erklärt, den Fall zu übernehmen. Schnell zeigt sich, dass der scheinbar so harmlose und freundliche Jahrmarktsbeschicker ein Doppelleben geführt hat.

Gleich vorweg: Ich habe das Buch, meinen ersten Bellairs-Krimi, ausgesprochen genossen. 

Seit Längerem lese ich bevorzugt Romane aus der Zeitraum der 1930er, 40er und 50er. Einerseits, weil meine eigenen Romane in diesen Jahrzehnten spielen, aber vor allem aus Interesse an der guten alten Zeit der Verbrechensbekämpfung, in der Kriminalbeamte noch ohne Internet, Computer und DNA-Analyse auskommen mussten.

Dem so genannten ‚Goldene Zeitalter‘ der Kriminalgeschichten wird in letzter Zeit durch Neuerscheinungen der British Library und deutschen Übersetzungen im Klett-Cotta Verlag wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Zu verdanken ist dies auch der Arbeit von Peters Fraser & Dunlop, einer der ältesten und profiliertesten Literaturagenturen Großbritanniens, die u.a. auch die Internetseite zu George Bellairs https://www.georgebellairs.com betreibt.

Die fein ausgearbeiteten Charaktere, mit aufmerksamem Auge in die Umgebung eingepasst, sind die Stärke dieses Kriminalromans. Bellairs ist es gelungen, mit Superintendent Littlejohn einen starken, aber nicht erdrückenden Ermittler zu schaffen. Souveränität und Selbstzweifel sind hier kein Widerspruch, sondern gehören ganz selbstverständlich zur Figur. Auch die anderen Figuren sind liebevoll und glaubhaft charakterisiert. Man merkt, dass Bellairs in seinem Beruf als Bankdirektor sicher mit einer großen Palette an Menschen in Kontakt kam und offenbar ein guter Beobachter war.

Der Plot selbst scheint anfangs relativ einfach gestrickt, schlägt aber immer wieder kleine Haken und bleibt bis zum Ende spannend. Wie häufig bei den Kriminalromanen der ‚Goldenen Ära‘ wird die Spannung nicht durch blutige Szenen und dicke Portionen Gewalt erzeugt, sondern durch fein gestreute Zweifel und die Eigenschaften der Charaktere.

Mein Fazit:

Alles in allem ein absolut gelungener Kriminalroman. Leichte Abzüge in der Bewertung gibt es nur dafür, dass eine Nebenhandlung für meine Begriffe nicht befriedigend abgeschlossen wurde.

~*4 von 5 Sterne*~

Freitag, 10. Januar 2020

[Rezension] Unser Leben in den Wäldern - Marie Darrieussecq




*Werbung / Rezensionsexemplar*

Unser Leben in den Wäldern von Marie Darrieussecq

Umfang: 110 Seiten | Genre: Roman

Verlag: Secession | Preis: 18,00 € 




Unser Leben in den Wäldern führt uns in eine gar nicht so ferne Zukunft, wo wir es vermutlich ganz normal finden werden, dank implantierter Technik ständig »online« zu sein, smart vernetzt mit Wohnung, Verkehrsmitteln, Arbeit und den staatlichen Autoritäten. Was aber geschieht mit uns, wenn wir in einer Gesellschaft leben, in welcher der technische Fortschritt und Turbo-Kapitalismus auf die Spitze getrieben sind? In der Klone uns als lebende Ersatzteillager für Organe
dienen? In der Roboter den Großteil der Arbeit übernehmen? In der die Unterscheidungslinie zwischen KI-Affen und Menschen zu verschwinden droht?

 Ein fulminanter Text, verzweifelt, wütend, geprägt von schwarzem Humor – aus einer Zukunft, die sich erschreckend logisch aus unserer Gegenwart speist.

Meine Meinung:

Auf dieses Buch bin ich über Marlene von ichlesefrauen.de aufmerksam geworden und bin unglaublich froh darüber, denn was sich hier hinter den Buchdeckeln verbirgt, ist ein wahres Kleinod im Bereich Dystopie. Vorweg möchte ich gleich sagen, dass falls ihr euch komplett unwissend in die Geschichte werfen möchtet, dann verzichtet darauf den Klappentext zu lesen, denn dieser nimmt der Handlung doch einiges an Spannung raus und verrät sehr viel über den Verlauf.

Wir erleben alles aus Sicht von Viviane, welche in einem Rebellenversteck im Wald ausharrt und in einem Notizbuch ihre Gedanken festhält, in der Hoffnung, der Nachwelt einen kleinen Einblick in die Geschehnisse zu geben und ihnen damit einen Teil der Wahrheit zu offenbaren. So viel mehr kann ich über den Plot gar nicht schreiben, ohne euch zu viel zu verraten und DAS möchte ich auf gar keinen Fall!
Ich stelle mir vor, das der letzte Wald verschwunden sein wird, wenn der erste Menschenroboter fertiggestellt ist. Berührung der Ziellinie. Fünfzig Jahre. Das werde ich nicht erleben. Ich bin vorher kaputt. Ein Glück, dass ich keine Kinder habe.
Der Roman lebt davon, dass man als Leser Stück für Stück in Vivianes Gedanken eintaucht, ihr altes Leben mit ihr ergründet und die Welt in welcher sie lebt, ein bisschen besser kennen lernt. Eine Welt, in der Roboter, ständiges Online-Sein und totalitäre Überwachung zur Tagesordnung gehören, rebellische Mitbürger wie von Zauberhand verschwinden und Klone für jeden, die es sich leisten können bereit liegen, um neue Organe zur Verfügung zu stellen. 

Am Anfang musste ich mich erst in die springenden, teils wirren und oft durcheinander gehenden Notizen von Viviane einfuchsen, mich an ihr Tempo und ihre Sprache gewöhnen, doch nach nur wenigen Seiten war ich so tief in der Handlung versunken, dass es mir immer leichter fiel ihr zu folgen. Sie erzählt von ihrem alten Beruf als Psychotherapeutin, ihrem Patienten Zero und wie er ihr Leben maßgeblich verändert hat oder mehr ihre Sicht auf die vielen Kleinigkeiten, die dort unbemerkt nisteten und nur darauf warteten, sich auf sie zu stürzen.
Wie macht man das, verschwinden? Wie macht man das? Offline gehen, das wollte ich ja gern tun, aber das bedeutete, man war absolut allein, ohne Geld, ohne Wohnung, denn auch seine Wohnungstür kann man nur öffnen, wenn man online ist. Das vergisst man schnell: in welchem Maße jede unserer Bewegungen im Netz steht, festgehalten und kategorisiert usw. 
Ganz allmählich entwirft Marie Darrieussecq eine sehr eigene Dystopie, nimmt uns an der Hand und zeigt uns, was in Zukunft eventuell Alltag für uns sein könnte und zeichnet dabei eine so düstere, beklemmende Atmosphäre, dass man sich wünscht, es würde nie so weit kommen. Denn was sich in vieler Hinsicht wunderbar anhört, lässt den Leser recht schnell die Nackenhaare sträuben, denn jede Medaille hat zwei Seiten und die dunklere, angelaufene davon ist meist die weniger schöne, welche man versucht zu ignorieren, bis es zu spät ist.

Die Handlung an sich war bis zu einem gewissen Punkt schon vorhersehbar und dann überrannte mich eine Wendung, die ich so gar nicht habe kommen sehen, mit einer Wucht, die mich wirklich schlucken ließ. Und dennoch passte sie sich so perfekt in die Geschichte ein, legte eine noch bedrohlichere Atmosphäre über Vivianes Erzählungen und beendete "Unser Leben in den Wäldern" mit einem wahren Paukenschlag.
Wir sind klein und wirbeln durch den Kosmos, und das Leben, das sie anderswo entdeckt haben, die Wesen, die uns wahrscheinlich irgendwie ähneln, na ja, man weiß es nicht, die sind zu weit weg, wir werden niemals mit ihnen reden. 
Mein Fazit:

Wer eine Wohlfühllektüre sucht, ist hier eindeutig falsch, denn Marie Darrieussecq hält mit düsteren Bildern und einer sprachgewaltigen Dunkelheit nicht hinterm Berg. Und doch ist dieses kurze Buch eine dringende Leseempfehlung für alle, die genug von Schmusi-Busi-Dystopien haben und sich komplett von einer Zukunftsversion vereinnahmen lassen wollen, die den Leser gegen Ende ausspuckt und fassungslos zurücklässt.

*~5 von 5 Sterne~*

Weitere Leseeindrücke findet ihr bei:

Marlene von ichlesefrauen.de lässt euch an ihren Gedanken zu dem Buch teilhaben *KLICK*

Einen herzlichen Dank auch an den Secession Verlag, der mir diese ungewöhnliche Dystopie zugeschickt hat, es war ein grandioses Lesevergnügen!

Sonntag, 5. Januar 2020

[Sonstiges] Lesevorhaben 2020 - Weniger kaufen, mehr englische Bücher lesen ...

Wie schnell ist dieses Jahr nur verflogen? Wie kann es schon der 29.12.2019 sein?! Nur noch wenige Tage trennen uns vom nächsten Jahrzehnt und ich weiß nicht wohin mit meinen ganzen Gefühlen. 

In den letzten 10 Jahren ist privat unendlich viel passiert - meine Tochter wird in knapp einem Monat ein Jahr alt, ich bin im letzten Jahr 3 mal umgezogen und lebe nun so weit weg von meiner Heimat wie bisher noch nie, habe einen Herzensmann gefunden und kann mein ganzes Glück einfach nicht fassen. Wenn es nun 2020 mit einem neuen Beruf ( am liebsten im Buchhandel ) klappt, ist alles perfekt ... also gerne Daumen drücken!

Kommen wir aber nun zu meinen Lesevorhaben für das kommende Jahr und die habe ich mir sehr gut überlegt, denn eigentlich bin ich jemand, der sich an Vorsätzen nur sehr schlecht festhalten kann - doch 2020 soll sich das bezogen auf Bücher, mein Kauf- und Leseverhalten schon ein wenig ändern.

1.) Weniger Bücher kaufen

Jaaa, diesen Vorsatz haben wir uns alle wohl mal genommen ... doch seien wir mal ehrlich: Wer hält bei den ganzen Neuerscheinungen oder günstigen Angeboten diesen schon lange durch? 2019 war ein Jahr des schamlosen Konsumierens von neuen Titeln ( es sind aber auch unendlich viele grandiose Übersetzungen oder Geschichten erschienen, oder?! ), hemmungslosen Kauforgien und leider auch des mal mehr, mal weniger Lesens.
SUB-Regal

Zusammengefasst bedeutet das: 

~*Viele neue Bücher und nicht annähernd so viele davon gelesen, wie ich es manchmal gewollt hätte.*~

Dementsprechend muss ein kleines Kaufverbot her, auch weil ich nächstes Jahr zwar ins zweite Jahr meiner Elternzeit gehe, aber kein Geld mehr dafür bekomme und auch keinen Beruf mehr habe, in den ich zurückkehren kann. Sprich, es muss ein neuer Job her und das Geld muss mehr zusammengehalten werden. 

Allerdings habe ich schon den ein oder anderen Titel im Blick, den ich mir auch gerne gönnen würde - nur eben bedachter und reduzierter. 

Deswegen habe ich mir ein paar Regeln auferlegt:

a) Es müssen FÜNF Bücher gelesen werden, bevor ich mir ein neues Buch gönnen darf / bei Titeln unter 200 Seiten zählen zwei Bücher als ein komplett gelesenes Buch, damit ich mich nicht mit dünnen Geschichten um meine eigene Regel betrüge.

b) Ich habe mir aus jedem Genre zwei Titel in mein SUB-Regal gestellt, welche ich dieses Jahr unbedingt haben wollte und noch nicht gelesen habe - dieser Stapel soll bis Ende 2020 auf jeden Fall gelesen sein.

U-N-D

c) Autor*innen, von denen ich bereits Bücher besitze, müssen erst gelesen werden, bevor neue Titel einziehen dürfen, denn dieses Hamstern von Geschichten soll endlich aufhören und die SUB-Leichen so hoffentlich ein wenig minimieren.

2.) Mehr englische Bücher lesen

Auch diesen Vorsatz habe ich mir bereits mehrmals in den letzten Jahren vorgenommen und bin aus unerfindlichen Gründen immer wieder daran gescheitert. 

Doch da auch der Herzensmann momentan viel im Original liest und wir uns so ein wenig gegenseitig motivieren UND ich in Irland mir auch den ein oder anderen interessanten Titel mitgenommen habe, ist meine Hoffnung groß, dies auch endlich umzusetzen.

Um mir diesen Vorsatz etwas schmackhafter zu machen, habe ich mir bereits die ein oder andere Geschichte auf die Wunschliste gesetzt, die sich ziemlich interessant anhört und welche es bisher noch nicht auf Deutsch zu lesen gibt - allerdings gilt auch hier eine kleine Regel:

a) Es müssen zwei englische Bücher gelesen werden, bevor ein neuer Titel einziehen darf ... was bei meiner momentanen Geschwindigkeit und Konzentration, wohl so alle 3 Monate höchstens passieren wird.

3.) Diverser lesen und #WirlesenFrauen weiterverfolgen

Dieses Jahr nehme ich an zwei Aktionen teil, die mir fast freie Hand lassen bei meiner Titelwahl. 

Einmal ist dies die Diversity-Challenge von Amalia, bei welcher man ganz unkompliziert 5 Bücher innerhalb eines Jahres lesen soll, die Diversity repräsentieren und sichtbarer machen. Wer neugierig geworden ist, HIER findet ihr die Website dazu und HIER eine Linksammlung auf Twitter, bei der ihr eine kleine Übersicht von Büchern findet, die für diese Aktion geeignet sind. 

Zum anderen ist es die Aktion #WirlesenFrauen, welche von Eva ins Leben gerufen wurde und die 2020 in eine zweite Runde gehen soll. Aber auch ohne die Challenge möchte ich generell mehr Geschichten von Autorinnen lesen und so meinen Lesehorizont erweitern und mit neuen Namen spicken, denn die männliche Fraktion behält bei mir in manchen Genre dann doch die Überhand ... aber nach und nach ändert sich das und ich freue mich auf all die neuen Bücher, die ich so für mich entdecken werde. ( Mehr zu dieser Challenge findet ihr HIER 

Das sind meine Lesevorhaben für das Jahr 2020 - mal sehen wie treu ich ihnen bleibe und vor allem bin ich gespannt, wie viele Bücher dieses Jahr neu bei mir einziehen werden. Meine Motivation ist riesengroß, ich habe hier so viele Titel, die ich schon eine halbe Ewigkeit lesen möchte und genau diese Geschichten sollen nun ihre Aufmerksamkeit bekommen. 

Habt ihr Vorsätze für dieses neue Jahr oder gehört ihr eher zu der Fraktion nichts planen bzw. sich nicht zu viel vornehmen? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

Montag, 14. Oktober 2019

[Blogtour] All Hallows Read 2019 - Nora Bendzko und ihre Galgenmärchen


Herzlich Willkommen zu der ersten Station der All Hallows Read Blogtour 2019 auf meinem Blog, welche unter der Führung von Tanja Karmann dieses Jahr zum dritten Mal stattfindet.

Diejenigen unter euch, die den Startbeitrag von Tanja verpasst haben oder sich generell fragen, was dieses "All Hallows Read" wohl sein mag, verlinke ich den Beitrag HIER - wer zu faul ist, auf den Link zu klicken, dem liefere ich eine kleine Zusammenfassung des Ganzen im Nachfolgenden.

Diese Blogtour richtet sich an die Leser, welche zu Halloween noch schaurige Leseempfehlungen benötigen oder auf der Suche nach einem passenden Buchgeschenk sind, welches sie dann zum 31.10 verschenken können und zwar egal an wen:

An Deinen Partner, Deine beste Freundin, Dein Kind. An Deine Nachbarin, Deinen Arbeitskollegen oder einfach einem Fremden auf der Straße.

Doch warum ein Buch an diesem Tag verschenken? Die ursprüngliche Idee dessen stammt von Neil Gaiman und wurde als Inspiration genommen, um diese Blogtour ins Leben zu rufen. Mehr Informationen über die Aktion des Autors findet ihr auf der offiziellen Website http://www.allhallowsread.com/.

Und nun ist es wieder so weit - der Oktober ist im vollen Gange und ihr könnt euch in den nächsten Tagen auf viele spannende, blutige, gruselige und aufregende Buchtipps freuen. 

Und wer ganz aufmerksam die Beiträge verfolgt, kann sogar eines von fünf Buchpaketen gewinnen, die am 31.10 von Tanja auf ihrer Website  verlost werden. Was ihr dafür tun müsst?

Sehenden Auges alle Buchstaben zusammen suchen, die sich in den Blogbeiträgen verstecken, sie in die richtige Reihenfolge bringen und das Lösungswort erraten ... nur dann habt ihr die Chance auf einen Gewinn. Also Augen auf, egal wie viele ihr davon besitzt, und mit ein wenig Glück könnt ihr euch auf neuen Lesestoff freuen.

Aber genug vorweg geredet, nun starten wir endlich mit meinem Beitrag zur Blogtour, auf welchen ich mich diebisch gefreut habe, denn hier möchte ich euch eine Autorin und ihre Werke vorstellen, welche mich letztes Jahr zum ersten Mal richtig das Fürchten gelehrt haben.

Ich heiße Antonie und ich werde euch heute durch die düstere Welt von Nora Bendzko und ihren Galgenmärchen führen. 

Das erste Mal in Berührung gekommen mit einem von Noras Büchern bin ich im Herbst letzten Jahres. Ich durfte "Hexensold" vor Veröffentlichung exklusiv lesen und suchte mir einen herbstlichen, regnerischen Abend im Ohrensessel aus, um nur eben mal einen kleinen Blick in die Geschichte zu werfen. 

Doch was mich da erwartete, zog mich auf eine morbide Art sofort in seinen Bann - ich meinte förmlich zu spüren, wie die ganze Handlung seine Klauen in mich schlug und mich dort in seiner furchtbar trostlosen, grauen Welt verankern wollte, nach meiner Seele griff und mir zeigte, wie wahrer Horror aussah.

Was sich hier vielleicht ein wenig übertrieben anhört, war für mich in dem Moment ( und an einem weiteren Abend, denn die Geschichte las ich an nur zwei Tagen zu Ende ) tatsächlich die vorherrschende Empfindung, denn Nora entführte mich in eine Geschichte voller Grausamkeit, Hoffnungslosigkeit und Elend, dass mir Angst und Bange wurde.

Ich habe schon einiges an Horror gelesen und würde mich eher als abgebrüht bezeichnen, aber diese Bücher schafften es jedes Mal, mich im tiefsten Inneren zu schockieren und mir zu zeigen, dass Horror so viel mehr sein kann, als reines Blutvergießen.

Doch was sind diese "Galgenmärchen" eigentlich?

Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich hierbei um Märchenadaptionen der Gebrüder Grimm - allerdings auf eine ganz neue Art und Weise interpretiert. Sie spielen sich vor der Kulisse des 30 Jährigen Krieges in Europa ab und werden von der Autorin selbst als "dunkelphantastische Thriller-Adaptionen" beschrieben.
Warum dann aber GALGENmärchen? 

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich mir während des Lesens nie die Frage gestellt habe, warum Nora Bendzko ihre Reihe so benennt. Die Bezeichnung Galgen erzeugt in mir eine düstere, unheimliche Atmosphäre, welche sich auch in den Büchern wiederspiegelt und für mich aus diesem Grund passend erschien. Es steckt aber doch ein wenig mehr hinter dieser Benennung und dies soll euch Nora selbst kurz darlegen:

Ich wollte den Tod im Serientitel so präsent haben, wie er es überall während des 30-jährigen Krieges war. Der Galgen kam damals häufig zum Einsatz, so viele Mörder, Ketzer und Hexen, wie es zu richten gab. Und wie der »Galgen« und die »Märchen« im Titel nebeneinander stehen, tun es Realität und Unerklärliches in den einzelnen Geschichten.
Ob bestialischer Mörder, verfluchtes Königshaus oder Menschen, die Tote sehen: Dich erwarten Märchen, wie du sie noch nicht gelesen hast!

Bisher besteht die Reihe aus vier Bänden, wovon zwei eher in die Sparte Kurzgeschichte fallen und welche alle Cover zum Niederknien haben ... wirklich. Leider habe ich bisher nur "Hexensold" und "Kindsräuber" in meinem Bücherregal stehen, aber auch das wird sich bald ändern.

Kleine Information am Rande: Ihr bekommt drei der vier Bücher ganz regulär über die verschiedenen Plattformen zu kaufen, nur "Bärenbrut" könnt ihr exklusiv bei der Autorin selbst über ihre Website erwerben. Der Kauf über sie lohnt sich allemal, denn es gibt auch einige feine Dinge wie z.B. Tassen oder Postkarten zu der Reihe zu kaufen - schaut also nur bei ihr vorbei, wenn euer Geldbeutel diesen Versuchungen gewappnet ist!

Lange Rede, kurzer Sinn. Hier kommen die einzelnen Bücher aufgelistet, chronologisch sieht das dann so aus:


Wolfssucht - Angelehnt an das Grimmsche Märchen "Rotkäppchen" 
( Kurzgeschichte )

Irina musste als Kind mit ansehen, wie ihre Schwester Leonore ermordet wurde. Nur weil Skandar, der Sohn des Jägers, sie beschützte, ist Irina noch am Leben.

Selbst als Erwachsene verfolgen sie die Bilder des brutalen Mordes. In ihrem Dorf fühlt sie sich ausgestoßen. Hinter ihrem Rücken nennt man sie verflucht. Allein Skandar will Irina für sich gewinnen. Als er sein Ziel nicht erreicht, schlägt seine Zuneigung in Gewalt um. Irina muss fliehen.

Doch »es« lauert immer noch da draußen. Im finsteren Wald. Leonores Mörder hat Irina nicht vergessen.

Ihre erneute Begegnung setzt blutige Ereignisse in Gang, die das ganze Dorf ins Verderben zu reißen drohen …



Kindsräuber - Beinhaltet das bekannte Märchen der Gebrüder Grimm "Rumpelstilzchen" 

Prag, 1620: Krieg, Hunger und ein Geist mit dem Namen »Rumpelstilzchen« suchen die Stadt heim. Wo immer er erscheint, verschwindet ein Kind.

Alene, die die Gabe besitzt, die Geister der Toten zu sehen, ist ihm bereits vor einem Jahr begegnet. Nun ist sie selbst schwanger. Gequält von der Angst, ihr Kind verlieren zu können, schlägt sie sich im zerrütteten Prag durch. Aber sie scheint nur ein Spielball höherer Mächte zu sein:

Wieso tritt ihr lang verlorener Kindheitsfreund Patrik Emil wieder in ihr Leben? Warum will er sie zum König von Prag bringen? Alene muss nach Antworten suchen … doch ihr bleiben nur drei Tage. Denn Rumpelstilzchen hat ihren Tod prophezeit.



Bärenbrut - Angelehnt an das Grimmsche Märchen "Der Bärenhäuter"
( Kurzgeschichte )

Nachdem er den Schrecken des Krieges nur knapp entronnen ist, baut er sich als Jäger ein neues Leben auf. Er heiratet, bekommt einen Sohn. Doch die Menschen in seinem Dorf sind ihm gegenüber misstrauisch. Ein Fluch soll auf seiner Familie lasten.

Als seine lang verschollene Mutter wieder auftaucht und ihr der Tod ihres Mannes beigebracht werden muss, brodeln die Gerüchte von damals wieder.

Thorbens Vater sei nicht von einem Bären getötet worden, heißt es. Ein Mensch in Bärenhaut habe die Bluttat begangen … ein Gestaltwandler.



Hexensold - beinhaltet das bekannte Märchen der Gebrüder Grimm "Rapunzel"

»Tanze nicht mit Feen und handle nie mit Hexen.« Elegio kennt diese Warnung, seit er ein kleiner Junge ist. Geboren in eine Familie von Assassinen wächst er im Oberitalien des 17. Jahrhunderts auf. Sein Vater Lysander setzt alles daran, ihn auszubilden. Doch dem sanften Elegio ist Töten zuwider.

Sein Leben ändert sich für immer, als er in den Besitz eines verzauberten Kleides gelangt. Es verwandelt ihn in Rapunzel – eine gefährliche Schönheit. In ihrer Gestalt ist er endlich der Todesengel, den Lysander in ihm sehen will.

Aber sein Vater hat ihn nicht grundlos vor Hexenwerk gewarnt. Mit Rapunzel erwachen Mächte im Land, die einen nie dagewesenen Krieg entfesseln.



Meine Empfehlung für All Hallows Read 2019 - welches Buch könntet IHR verschenken?

Wenn ich mich festlegen müsste, welche dieser Geschichten mein Favorit ist bzw. welchen Band ich euch zum Verschenken empfehlen würde, dann wäre das eindeutig "Hexensold". Selten habe ich eine Märchenadaption gelesen, welche mich so sehr fesselte, in Atem hielt und mir eine stattliche Gänsehaut vor lauter Horror verpasste. Nie zuvor habe ich solch eine Adaption von Rapunzel gelesen, die mich so vom Hocker hauen und begeistern konnte.

Und auch wenn die anderen Teile mich fast ebenso sehr mitnahmen, fehlte ihnen das letzte Fünkchen, welches mich in diesem Band entzündete und in seine Untiefen riss. 

Was Nora so perfekt schafft, ist der Spagat zwischen der reinen Adaption und ihrer ganz eigenen Welt. Zwischen den Zeilen schimmert immer wieder das eigentlicher Märchen hindurch und die markanten Punkte von Rapunzel werden auch erzählt - und dennoch ist es so viel mehr. So viel mehr gewaltiger, gruseliger, unheimlicher und düsterer als ich es jemals erwartet hätte.

Und genau das macht für mich den Reiz der Galgenmärchen aus. Sie sind einzigartig großartig und jedes meiner Worte bringt gar nicht zum Ausdruck, wie sehr ich diese Reihe euch ans Herz legen möchte. Sie passt perfekt in die Zeit um Halloween, wenn die Abende dunkler werden und die Kälte sich langsam über die Welt und in unsere Wohnungen schleicht.

Doch Achtung:

Wenn ihr euch in die Fänge dieser Welten werft, lasst euch eines gesagt sein ... nur die Mutigsten finden wieder einen Weg aus diesen grausamen Märchen hinaus. Die anderen armen Würmer müssen auf ewig ihr Leben dort fristen und dieses Schicksal wünscht ihr nicht einmal eurem ärgsten Feind.

Das war mein Beitrag zur All Hallows Read Blogtour 2019 - ich hoffe, ihr hattet beim Lesen ebenso viel Spaß wie ich beim Schreiben und lest vielleicht sogar selbst in eines von Noras Büchern hinein; wenn ich euch erfolgreich neugierig machen konnte, habe ich alles richtig gemacht!

Morgen geht es auch direkt weiter bei Sonja vom Blog Buchweiser, welche euch mit einem Thriller von Ruth Ware "In a Dark, Dark Wood" aufwartet. Und nicht vergessen: Sammelt fleißig die Buchstaben in den verschiedenen Beiträgen und habt so die Chance auf ein Buchpaket ... es lohnt sich.

Ein großer Dank geht hier nun auch an Tanja Karmann, die es mir ermöglicht hat, bei dieser außergewöhnlichen Blogtour dabei sein zu können. Es war mir eine Freude und auch ich werde mir die verschiedenen Buchtipps zu Gemüte führen, denn ein bisschen Horror hat ja noch nie geschadet *muahahaha*

Sonntag, 15. September 2019

[Rezension] The Silence - Tim Lebbon



*Werbung / Rezensionsexemplar*

The Silence von Tim Lebbon

Umfang: 408 Seiten | Genre: Endzeit

Verlag: Buchheim | Preis:17,99 € 



In der Dunkelheit eines unterirdischen Höhlensystems jagen blinde Kreaturen einzig mit Hilfe ihres Gehörs. Als sie aus ihrem Gefängnis entkommen, schwärmen sie aus und töten alles, was nur den geringsten Laut von sich gibt.

Zu schreien, ja sogar zu flüstern bedeutet den sicheren Tod.

Als die Horden über Europa herfallen, trägt ein britisches Mädchen fieberhaft sämtliche Informationen über sie zusammen. Seit Jahren taub, weiß Ally, was es heißt, in absoluter Stille zu leben. Und dieses Wissen ist bald die einzige Chance für sie und ihre Familie, zu überleben. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach einem abgelegenen Zufluchtsort, um das Ende der Bedrohung abzuwarten.

Doch was für eine Welt wird noch übrig sein, wenn die Vesps sie verlassen haben?

Meine Meinung:

Diese Geschichte war nach langer Zeit mal wieder ein Endzeit-Szenario ganz nach meinem Geschmack. Vorweg sei schon gesagt, dass wir hier ganz ohne schnulzige Liebesgeschichte auskommen, die Idee dahinter mir nicht so abgegriffen erschien wie in manch anderen Büchern und eine Atmosphäre herrschte, die mir mehrmals das Gefühl der kompletten Ausweglosigkeit gab.

Die Handlung fängt relativ ruhig an. Wir lernen Ally und ihre Familie kennen, welche in England leben und den ganz normalen Alltag erleben. Das einzige, was hierbei ein wenig hervor sticht ist die Tatsache, dass Ally seit einem Autounfall ihr Gehör verloren hat und sich mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder per Zeichensprache austauscht.

Da ich mit dieser Thematik nicht vertraut bin, weiß ich nicht, inwiefern Tim Lebbon Allys Taubheit korrekt dargestellt hat, aber für mich wirkte alles stimmig und wenig effekthascherisch - das nur am Rande für meine Rezension erwähnt.

Ally sieht im Fernsehen, wie sich bei der Öffnung eines uralten Höhlensystems in Moldavien seltsame Kreaturen ihren Weg in die Freiheit bahnen und die gesamte Forschungstruppe dort rasch und brutal zur Strecke bringen. Nach dem ersten Schrecken vergisst sie diesen Vorfall vorerst wieder, bis sich immer mehr Berichterstattungen häufen, die von seltsamen Flugwesen berichten, welche Menschen angreifen und töten.

Vielleicht war dies das letzte Mal, dass Jude und ich uns aus Spaß einen Kampf lieferten. Wie so viele bedeutende Meilensteine zog es an uns vorüber, ohne dass wir es bemerkten. Später, in der Erinnerung, nannte ich diese Mahlzeit unseren letzten schönen Moment.
Ich lief nach oben in mein Zimmer und einer grauenhaften, von Lärm erfüllten Zukunft entgegen.

Noch sind die fledermausartigen Vesps, wie diese Kreaturen betitelt werden, eine übersehbare Bedrohung, die dazu weit weg von Ally und ihrer Familie stattfindet. Doch dann gerät alles schneller aus den Fugen, als alle es für möglich gehalten hätten und die einzige Option, welche ihnen bleibt, ist die Flucht.

Bloß, wohin soll man fliehen, wenn man gar nicht weiß, vor was genau man flieht? 

Wir erleben die Geschichte nicht nur aus Allys Sicht, sondern auch aus dem Blickwinkel ihres Vaters Huw. Ich hatte am Anfang des Buches die Befürchtung, dass mich diese beiden Sichtweisen auf Dauer langweilen würden, zeigen sie ja ein und die selbe Familie mit ihren Problemen und Schwierigkeiten auf der Flucht auf. Doch überraschenderweise hatte ich während der gesamten Handlung nicht einmal das Bedürfnis, aus Langweile einen anderen Charakter verfolgen zu wollen.

Nein, hier fließen beide Blickwinkel ineinander über, ohne sich zu überschneiden und präsentierten mir auch gleichzeitig zwei ganz unterschiedliche Gefühlswelten: 

Einmal die jugendliche, manchmal fast kindhafte Welt von Ally, welche gleichzeitig mit den Nachwirkungen des Unfalls und dem Verlust ihres Gehörs zu kämpfen hat und Huws vernunftbestimmte Sicht eines Erwachsenen, der seine Familie einfach nur in Sicherheit bringen möchte inmitten des ganzen Chaos, welches nach und nach in ihrer behüteten Welt ausbricht.
Und das schlimmste an ihnen war ihre Unnatürlichkeit. Es hätte sie einfach nicht geben dürfen. Sie waren wie die Kinderzeichnung eines Monsters, die zum Leben erwacht war, alles Lustige war entfernt worden und nur das Entsetzen und die Widerwärtigkeit blieben übrig.
[...] Sie hatten das natürliche Gleichgewicht erschüttert. Eine Mutation. Eine Plage.
Die Kreaturen, die Vesps, waren in meinen Augen eine ganz neuartige Bedrohung, welcher ich so noch nicht in anderen Endzeitromanen begegnet bin. Ich fand den Grundgedanken unfassbar spannend ( und beunruhigend! ), wie viele solcher unerforschter Höhlensysteme es wohl so auf der Welt geben mag und was darin so kreucht und fleucht ... ähnlich wie in den Tiefen der Ozeane und seien wir mal ehrlich: Ich möchte das gar nicht so genau herausfinden!!

Mit dieser Angst spielt der Autor auf eine sehr perfide Art und Weise und das ziemlich gekonnt. 

Die Vesps werden grob gesagt als katzengroße Fledermäuse beschrieben, welche sich nur an Geräuschen orientieren und im Rudel jagen. Dabei können sie große Entfernungen spielerisch überwinden und sich rasant vermehren, in dem sie in Leichname Eier legen und diese bei Gefahr, bzw. bei einer gewissen Geräuschkulisse, aufplatzen und neue Kreaturen ans Tageslicht entlassen.

Und so erklärt sich auch der Titel, welcher nicht passender sein könnte. Denn wer in dieser apokalyptischen Welt neben den Vesps überleben möchte, muss still sein ... sehr sehr still, denn jegliches Geräusch kann den eigenen Tod bedeuten und dieser gestaltet sich auch nicht ganz so harmlos, wie man eventuell vermuten mag. Dieser Umstand hat mich im Laufe der Handlung zum Nachdenken gebracht, mir einige grausige Szenen beschert und war für mich als Leser oft auch hart an der Grenze zum Erträglichen.

Die Atmosphäre, welcher Tim Lebbon mit jeder weiteren Seite entstehen lässt, war unfassbar bedrückend, lag schwer auf meinen Schultern und ließ mich die Hoffnungslosigkeit mit jeder Faser meines Körpers spüren. Manche Passagen erwischten mich eiskalt, warfen mich in einen Strudel aus Entsetzen und Traurigkeit und befeuerten mein eigenes Gedankenkarussell. Wie grausam können Menschen werden, wenn ihnen nichts anderes übrig bleibt? Was würde ich selbst tun, wenn ich in dieser Situation wäre und meine Familie beschützen müsste?
Mum stand auf. "Wir sollten uns vorbereiten", sagte sie in Zeichensprache. "Vergewissern wir uns, dass wir an alles gedacht haben." Wie können wir an alles denken, wenn wir nichts wissen? frage ich mich. Aber ich holte tief Luft und versuchte, meine Nerven zu beruhigen. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um in Panik zu geraten. Jetzt war der Zeitpunkt, um still zu sein.
Der einzige Kritikpunkt, der sich bei mir mit einem richtigen Paukenschlag einschlich, war die Spannung gegen Ende und der Schluss an sich. Irgendwo auf den letzten 50 Seiten ging die aufgebaute Spannungskurve komplett flöten, sackte ins Unendliche und ließ mich ein wenig ernüchtert zurück. Wo ich noch 1-2 Seiten vorher mit unseren Protagonisten mitgefiebert hatte, klaffte nun ein großes Loch und ich wollte nur noch wissen wie die Geschichte denn nun ihr Ende findet.

Entweder musste hier ein schnelles Ende her ( aus Zeitgründen?) oder der Autor wusste selbst nicht mehr, wo sein roter Faden hin entschwunden war, auf jeden Fall fehlte den letzten Seiten der nötige Thrill, um mich bei Laune zu halten. Die Handlung drehte sich um sich selbst, es gab keinen nennenswerten Fortschritt und dann kam auch noch dieses Ende um die Ecke.

Es hätte nicht offener, nicht ungeklärter und an keiner unpassenderen Stelle sein können und so ließ es mich mit hochgezogenen Augenbrauen unbefriedigt zurück.

Hier hätte ich mir mehr gewünscht, denn die Geschichte und deren Grundidee gefiel mir unfassbar gut, und dieser Schluss wurde dem Ganzen nicht so wirklich gerecht. 

Nach einem Höhenflug folgte für mich an diesem Punkt eine nicht nachvollziehbare Bruchlandung, die mir diesen Endzeitroman im Nachhinein ein wenig vergrätzte. Vielleicht hält der Autor sich einen zweiten Teil in der Hinterhand offen und selbst dann hätte man die Handlung zu einem anderen Zeitpunkt beenden können, ohne den Leser so in der Luft schweben zu lassen.

Mein Fazit:

Eine Geschichte, die mir direkt unter die Haut kroch und noch lange im Gedächtnis hängen blieb. Eine Endzeitstimmung, wie ich sie mir nicht grausiger und brutaler hätte erträumen können und eine Welt, die so sehr im Chaos versinkt, dass es keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Auch wenn der Schluss mich so gar nicht von sich überzeugen konnte, so mochte ich den Weg dorthin unglaublich gerne und flog mit angehaltenem Atem nur so durch die Seiten.

Für Fans von düsteren Geschichten, die einen eiskalt im Nacken packen, ist "The Silence" auf jeden Fall einen Blick mehr wert und wer eher den schnellen Genuss bevorzugt, kann sich die Verfilmung bereits im Kino ansehen.

*~4 von 5 Sterne~*

Ein herzliches Dankeschön an den Buchheim Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar, ich habe mich tierisch darüber gefreut und viele spannende Lesestunden damit verbracht!

Samstag, 7. September 2019

[Blogger empfehlen #5] Stefanie von bellaswonderworld.de

Eine neue Rubrik darf auf meinem Blog einziehen ... ich hoffe, ihr kommt noch hinterher! Die neue Kategorie ( wie ihr im Titel schon erspäht habt ) nennt sich

Blogger empfehlen

und kommt nun wöchentlich jeden Samstag online. Diese Idee entstand ganz nebenbei.

Ich wollte eine  Bloggerin anschreiben und fragen, welche Bücher sie mir denn empfehlen könnte; denn a) bin ich von Natur aus wahnsinnig neugierig und b) stöbere ich unfassbar gerne in Empfehlungen anderer Leseverrückter. Da ich dies aber bei so ziemlich jedem Buchblogger tun könnte und auch nicht ständig auf Twitter nach Empfehlungen fragen wollte, kam mir der Gedanke zu "Blogger empfehlen".

Heute darf ich euch Stefanie von bellaswonderworld.de vorstellen und ihre liebsten Buchempfehlungen. 

Auf den Blog bin ich bei einem Empfehlungsmarathon gestolpert - Jürgen hatte mir einige lesenswerte Blogs geschickt zum Stöbern und ich war sofort angetan von dem Design und der Fülle ( !!!) an Beiträgen von Stefanie. Eine kunterbunte Mischung überrollte mich dort und etliche Titel schlichen sich schon bei dem ersten flüchtigen Stöbern auf meine Wunschliste.

Stefanie schafft es einfach immer gekonnt, ( ob auf ihrem Blog oder auf Instagram ) mich mit kleinen aber feinen Hinweisen neugierig auf eine Geschichte zu machen - ganz egal, ob diese in meinem Wohlfühlgenre liegt oder ein ganzes Stück abseits. 

Durch sie, und einige andere Blogger, habe ich auch die Graphic Novels neu für mich entdecken können und seitdem wandern munter und ungehemmt die Empfehlungen in meinen Warenkorb ... sehr zu dem Leidwesen meines Geldbeutels! 

Romane, Klassiker, Kinderbücher ... alles könnt ihr hier finden und den tollen Rezensionen von Stefanie lauschen. Besonders pfiffig finde ich ihre Trailershow, die man sich etwas weiter unten auf bellaswonderworld.de ansehen kann - generell solltet ihr ihrem Blog einen Besuch abstatten. Doch vorsichtig, hier herrscht Suchtgefahr!

Aber genug gequatscht, hier kommen ihre Empfehlungstitel, ihr schönstes Buch im Regal, ihre größte Enttäuschung UND ein Wunschlistenkandidat. Augen auf und los!

1.) Hi Stefanie, wie wundervoll dass du mir meine Fragen beantwortet hast und ich deine Empfehlungen teilen darf! Was sind denn deine 3 liebsten Toptitel?

Ich bin eine vielseitig interessierte Leserin und da ist es ganz schön schwer, mich auf nur drei Empfehlungen festzulegen. Deshalb habe ich mir überlegt, aus den drei großen Kategorien die mein Leserherz höher schlagen lassen - Klassiker, Fantasy und Gegenwartsliteratur -  je eine Empfehlung auszusprechen.

Klassiker 

1.) "Lieber Daddy-Long-Legs" von Jean Webster ist ein absolut toller Klassiker. In dem Briefroman geht es um das Waisenmädchen Judy Abott, dass durch einen mysteriösen Gönner gefördert wird und dadurch die Chance erhält an einem College zu studieren.

Fantasy 

2.) "Die Brautprinzessin" von William Goldman habe ich 2008 durch das grellpinke Cover zufällig in der Buchhandlung entdeckt und bin immer noch sehr froh um diesen Umstand. 

Die hinreißende  Fantasygeschichte gehört seither nämlich zu meinen liebsten Geschichten.

Gegenwartsliteratur 

3.) "Die Farbe von Milch" von Nell Leyshon spielt sich inmitten des 19. Jahrhunderts ab und hält die berührende Geschichte eines jungen Mädchens bereit, dass die harte Arbeit auf dem Feld gewöhnt ist und mit ihrem eindrucksvollen Wesen immer wieder in der patriarchalen Welt aneckt.

2.) Welches Buch in deinem Regal hat die schönste Aufmachung? (Cover, Gestaltung, Innenleben…)

Hier liefern sich gleich mehrere Bücher ein hartes Rennen. Wenn ich alle Stichpunkte beachte setzt sich die unglaublich schöne Ausgabe von Jane Austens Klassiker "Stolz und Vorurteil" in der blumigen Schmuckausgabe des Coppenrath Verlags, mit den wahnsinnig hübschen Illustrationen von Marjolein Bastin, sowie den zahlreichen kreativen Einlagen zwischen den Buchseiten  und erhält Platz eins.

Dicht gefolgt von den schönen bibliophilen Märchenausgaben wie z. B. "Peter Pan", "Die Schöne und das Biest", "Das Dschungelbuch" etc., die durch das einfallsreiche Designstudio Mina Lima zu etwas ganz Besonderem gemacht wurden und ebenfalls aus dem Coppenrath Verlag stammen, auf Platz zwei.

Auf dem dritten Platz landet "Das Schiff des Theseus" von J. J. Abrams, welches nicht nur durch die besondere Aufmachung sondern auch durch ein spezielles, in sich verschachteltes, Storytelling für ein außergewöhnliches Leseerlebnis sorgt.

3.) Welche Geschichte war lesetechnisch deine größte Enttäuschung?

Ich kenne mich und meinen Lesegeschmack recht gut und daher hatte ich bisher nur wenige Enttäuschungen zu verzeichnen. Am tiefsten sitzt meine Enttäuschung bei "Ein plötzlicher Todesfall" von J. K. Rowling. Nachdem sie mich viele Jahre meiner Jugend mit ihren magischen Harry Potter Büchern begleitete und ich diese auch sehr liebe, war diese Veröffentlichung von ihr einfach nur ein Griff in's Klo. 

Der Höhepunkt der Geschichte spielt sich direkt zu Beginn ab, was folgt ist eine langatmige und gähnend langweilige Story.

4.) Welcher Titel steht ganz oben auf deiner Wunschliste?

Obwohl meine Wunschliste recht lang ist, fällt mir direkt ein Titel ein, der ganz weit oben rangiert. Dabei handelt es sich um den von der griechischen Mytholige angehauchten Roman "Ich bin Circe " von Madeline Miller, der am 30. August im Eisele Verlag erscheinen wird.

Danke Stefanie ( bellaswonderworld.de ), dass du bei dieser Aktion mit dabei warst und mit uns deine Empfehlungen geteilt hast. Du wirst auf immer meine Wunschlisten-Erweiterin bleiben ... keine Angst, ich verzeihe dir :D

Wenn auch DU mit bei meiner Aktion dabei sein möchtest, dann schreib mir doch einfach eine kurze Nachricht unten in die Kommentare. Ich freue mich auf euch, wir lesen uns nächste Woche wieder.
um 10:00:00 

Mittwoch, 4. September 2019

[Rezension] Himmeldonnerglöckchen von Jasmin Zipperling



*Werbung / Rezensionsexemplar*

Himmeldonnerglöckchen von Jasmin Zipperling

Umfang: 76 Seiten | Genre: Kinderbuch

Verlag: Books on Demand | Preis: 16,99 € 




Als angehende Osterhäsin soll Hopsi stillsitzen, die Löffel spitzen und aufpassen. Aber Hopsi schmatzt, wenn sie aufgeregt ist und schlägt viel lieber Purzelbäume.

Aus Versehen landet sie mit dem frechen Wichtel Michi in der Weihnachtswerkstatt. Das ist ein zauberhafter Ort, an dem man den Christbaumschmuck in der Luft fangen muss, Nüsse auf einer Wippe hackt und wo man jede Menge Spaß haben kann.

Schnell fragt sich Hopsi: Himmeldonnerglöckchen! Was spricht dagegen, keine Oster- sondern eine Weihnachtshäsin zu sein?

Meine Meinung:

Eine weihnachtliche Geschichte mit einem Osterhasen Ende August lesen ... geht das? Ja, das geht und zwar ganz ausgezeichnet - denn diese zuckersüße Vorlesegeschichte für Kinder ab 4 Jahren brennt sich ab der ersten Seite in das Leserherz, sodass es völlig egal ist, welche Jahreszeit gerade herrscht.

Als ich auf Twitter mitbekam, dass "Himmeldonnerglöckchen" in den letzten entsteherischen Zügen lag und den Klappentext zum ersten Mal laß, war ich Feuer und Flamme. Ich freute mich riesig auf das Erscheinen von Jasmin Zipperlings Kinderbuch und bekam es prompt vor Erscheinen in einem superniedlichen Paket zugeschickt, was mein Bloggerherz höher schlagen ließ.

Nebst einer wundervollen Tasse, selbstgemachten Zimtsternen (es waren einfach zu wenige *mampf*) und einem handgeschriebenen Brief vom Weihnachtsmann, durfte ich auch ihr Kinderbuch endlich in den Händen halten - und war sofort angetan von den niedlichen Illustrationen und dem schönen Bilderbuchformat.

"Himmeldonnerglöckchen" ist eine zauberhafte Geschichte rund um die Stärkung von kindlichem Selbstvertrauen, über Freundschaften und die schönste Zeit im Jahr: Weihnachten.

Es geht um Hopsi, eine kleine Häsin, die eigentlich dabei ist, eine Osterhäsin zu werden. Ihre große Schwester Hoppeline ist soeben Ober-Osterhäsin geworden und hat nun die Aufgabe, alle anderen Hasen und Häsinnen bis zum nächsten Osterfest in die große Aufgabe des Ostereier-Versteckens einzuweihen und zu trainieren.
Da öffnete sich eine Luke in der Decke. Ein gezwirbelter Lautsprecher erschien und spielte eine feierliche Trompetenmelodie. Die Wichtel verstummten und blickten nach oben. "Liebe Weihnachtshelfer!", kam es aus dem Lautsprecher. "Es ist wieder ein Tag weniger bis Weihnachten!" Lauter Jubel ertönte. Die Engel klatschten begeistert in die Hände, die Wichtel warfen ihre Mützen in die Luft.
Was mir beim Lesen direkt auf den ersten Seiten das Herz schwer gemacht hat, war die Tatsache, wie Hopsi von den anderen Hasenjungs schikaniert und gemobbt wird. Sie möchte einfach nur dazugehören, möchte ihre Aufgabe richtig machen und hat die Angewohnheit, zu Schmatzen wenn sie aufgeregt ist. Doch das ist mit einer der Gründe, warum Lutz und seine Freunde sie veralbern und schlecht machen, was Hopsi sich sehr zu Herzen nimmt.

Hier wird ein sensibles Thema aufgegriffen und gut umgesetzt, auch wenn ich hier beim Vorlesen, wie auch beim Selbstlesen von älteren Kindern, immer das Gespräch und die Erklärung mit dem Kind suchen würde, um darüber altersgerecht zu reden - also quasi begleitendes Lesen. Und wann sollte eine bessere Möglichkeit kommen über Mobbing oder Ausgrenzung zu sprechen, als in dieser Geschichte?
"Willst du auch mal ein Rad schlagen oder einen Purzelbaum machen?" fragte Michi. Hopsi schüttelte den Kopf. "Danke, aber lieber nicht. Die anderen Hasen finden das peinlich." Michi lachte. "Warum interessiert dich die Meinung von anderen?"  
Auf Hopsis Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. Es stimmte: Sie musste gerade keine Eier verstecken, also konnte sie doch ein bisschen toben und laut sein. Ganz heimlich natürlich.
Mit Fortschreiten der Handlung wandelt sich Hopsi vom unsicheren Häschen zu einer Häsin mit einer gewissen Portion Selbstvertrauen und dem Wissen, wie sie sich gegen die anderen Hasen zur Wehr setzen kann.

Besonders gelungen fand ich eben genau diesen Wandel - Hopsi wird in der Weihnachtswerkstatt ermutigt Dinge auszuprobieren, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und sich so zu akzeptieren ( mit allen Macken ), wie sie eben ist. Dabei helfen ihr ihre neu gewonnene Freunde Wichtel Michi und Angelina, welche in der Weihnachtsbäckerei arbeitet. Dort findet Hopsi ihre wahre Berufung und kann nebenbei auch  noch den gemeinen Plätzchendieb stellen, der dort sein Unwesen treibt.
An seiner Stelle erschien ein Männchen mit roten Locken, das prompt über einen Zweig auf dem Waldboden stolperte. Seine grüne Zipfelmütze rutschte ihm dabei vom Kopf. Das Männlein grapschte nach seiner Mütze und setzte sie sich wieder auf. Dabei bimmelte ein Glöckchen, das am Zipfel hing.  [...] 
"Ich heiße Hopsi". Sie deutete mit der Pfote auf ihre Brust. "Und wer bist du?" "Himmeldonnerglöckchen, das siehst du doch. Ich bin Michi und ich bin ein Weihnachtswichtel."
Ich mochte die ganze Atmosphäre in der Weihnachtswerkstatt unglaublich gerne - auch wenn wir erst Anfang September haben, habe ich den kleinen aber feinen Duft von Plätzchen und Tannenzweigen gerochen und mich hineinfallen lassen in diese heimelige Stimmung. Hopsi hilft bei allen möglichen Tätigkeiten dort aus, wie z.B. in der Glasbläserei oder beim Tannenbaum schmücken und so bekommen nicht nur Kinder Lust auf das Weihnachtsfest und auf das Ganze Drumherum.

Während Wichtel Michi einen weihnachtlichen Fluch nach dem anderen von sich gab und mich damit permanent zum Schmunzeln brachte, schlichen sich auch die Illustrationen von Esther Wagner in mein Herz, die das Buch mit dem nötigen weihnachtlichen Flair einhüllten. Und die ganzen Erklärungen, welche es für kindliche Leser einfach macht, manche Begrifflichkeiten besser zu verstehen, kann ich ebenso nur loben - da wurde definitiv mitgedacht!

Mein Fazit:

Zickiger Zuckerguss, was für eine wundervolle und ans Herz gehende Geschichte für Groß und Klein, Alt und Jung. Als Einstimmung fürs Weihnachtsfest oder für alle, die das ganze Jahr über in weihnachtlicher Stimmung sind, ist dies genau das richtige Buch zum Vor- oder Selbstlesen. Aber Achtung:

Während des Lesens kann sich ein akutes Plätzchenverlangen einstellen, also lieber Spekulatius oder andere Weihnachtsknabbereien auf Vorrat haben, damit dieses sofort gestillt werden kann! Optional findet sich hinten im Buch ein Rezept für Zimtsterne, welches ganz verzweifelte Plätzchenopfer direkt nachbacken können.

Alles in allem ist "Himmeldonnerglöckchen" ein ziemlich gelungenes Gesamtwerk, welches mich komplett von sich überzeugen konnte und ich freue mich jetzt schon auf den Tag, an dem ich es meiner kleinen Tochter vorlesen kann!

*~5 von 5 Sterne~*

P. S.: Nächstes Jahr erscheint ein zweiter Band, in welchem Hopsis Abenteuer weitergeht ... ich kann es kaum abwarten!