Samstag, 16. Januar 2021

[Rezension] Ronja Räubertochter - Astrid Lindgren



Rezension

Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren

Umfang: 240 Seiten Genre: Kinderklassiker

Verlag: OetingerPreis: 15,00 € 


Mitten im Wald, zwischen Räubern, Graugnomen und Wilddruden, wächst Ronja, die Tochter des Räuberhauptmanns Mattis, auf. Eines Tages trifft sie auf ihren Streifzügen Birk, den Räubersohn aus der verfeindeten Sippe von Borka. Und als die Eltern den beiden verbieten, Freunde zu sein, fliehen Ronja und Birk in die Wälder …

Meine Meinung:

Lang lang ist es her, dass ich ein Buch von Astrid Lindgren gelesen habe - ich glaube fast (wenn mein Gedächtnis mich nicht trügt), dass ich behaupten kann, selbst noch nie eine ihrer Geschichten entdeckt zu haben, sondern ihnen bisher ausschließlich beim Vorlesen mit meiner Mama begegnet bin.

Und wie toll meine Mama vorlesen konnte ... da wurden die verschiedensten Stimmen ausgepackt, die Stimmung aus dem Buch förmlich in mein Kinderzimmer gezogen und die buntesten Bilder in meine Fantasie gepflanzt. Was waren das für schöne, gemütliche Stunden damals, eingekuschelt mit einer heißen Schokolade diesen Geschichten lauschen zu dürfen. 

Ach ja, ein wenig wehmütig wird mir da ums Herz, aber ich hoffe, diese Zeiten irgendwann mit meiner eigenen Tochter wieder erleben zu dürfen, sie durch die unterschiedlichsten Bücher in fremde Welten entführen zu können und dort gemeinsam Abenteuer mit ihr bestreiten zu dürfen - was für eine schöne Vorstellung.

Doch genug von meinen Kindheitserinnerungen, zurück zu Ronja und ihren Abenteuern im Mattiswald. Beim Sortieren meiner Bücher fiel mir dieses Werk von Lindgren schon unendlich oft in die Hände, Anfang 2019 hatte ich es mal kurz angelesen und dann nicht mehr weiterverfolgt, doch Ende letzten Jahres war es endlich soweit: 

Die Geschichte rief mich zu sich und ich versank augenblicklich in der rauen, wilden und ungestümen Welt der Ronja Räubertochter.

Mittwoch, 13. Januar 2021

[Rezension] Vergeltung - Robert Harris



Rezension

Vergeltung von Robert Harris

Umfang: 368 Seiten | Genre: Spionagethriller

Verlag: Heyne | Preis: 22,00 € 



November 1944. Das Deutsche Reich steht vor der Niederlage. In einer Großoffensive setzt es seine modernste Waffe ein – die V2. Tausende dieser ballistischen Raketen mit schwerem Sprengkopf werden auf England abgeschossen. Radar und Aufklärer können sie nicht orten – wie aus dem Nichts stürzen sie mit Überschallgeschwindigkeit auf London herab.

Der Ingenieur Rudi Graf hat mit seinem Freund Wernher von Braun einst davon geträumt, einmal eine Rakete zum Mond zu schicken. Jetzt findet er sich im besetzten Holland wieder, wo er die technische Aufsicht über die Abschüsse hat.

Kay Caton-Walsh, Offizierin im Frauenhilfsdienst der britischen Luftwaffe, entkommt einem V2-Einschlag nur knapp. Als kurz darauf 160 Menschen von einer der Raketen getötet werden, vor allem Frauen und Kinder, meldet sie sich freiwillig zu einer lebensgefährlichen Mission. Zusammen mit Kameradinnen wird sie im befreiten Belgien abgesetzt. Dort sollen sie die mobilen Startplätze ausfindig machen und zerstören. 

Meine Meinung:

Nachdem mich "Der zweite Schlaf" 2019 absolut für sich begeistern konnte, war meine Leselust auf einen weiteren Roman von Robert Harris immens hoch - und wie so viele Vorsätze versank auch dieser erst einmal in den Tiefen meiner Bücherregale. Ein Mangel an Büchern von Robert Harris herrscht hier zwar eindeutig nicht, dafür sorgen alleine die vielen Bücherschränke in der Umgebung und doch griff ich eine ganze Weile zu anderen Geschichten. 

Als 2020 nun der neue Harris erschien und ich ihn in unserer Bücherei erblickte, schnappte ich ihn mir kurzerhand. Lange musste er auch nicht warten, zu groß war meine Neugierde, auch wenn das Thema mich nicht 100% ansprach. Wie so oft wirft Robert Harris uns in die Zeit rund um den zweiten Weltkrieg bzw. dessen baldiges Ende hinein und spielt auch in diesem Roman mit zwei Sichtweisen: 

Auf der einen Seite begleiten wir den deutschen Ingenieur Rudi Graf, welcher im besetzen Holland maßgeblich für die Entwicklung und Funktionalität der V2 Raketen zuständig ist, welche Deutschland den Sieg bringen sollen. Auf der anderen Seite erleben wir mit Kay Caton-Walsh, einer Offizierin der britischen Luftwaffe, einen Wettlauf gegen die Zeit und die Bombardierung ihres Landes, welcher sie bald an ihre eigenen Grenzen und darüber hinaus bringt.

Ich mag den Schreibstil und die Art, wie Harris seine Bücher aufzieht generell sehr gerne - seine Protagonisten sind zwar meist keine überaus einzigartige Charaktere, aber dennoch bleiben sie mir gut im Gedächtnis hängen und machen mich neugierig auf ihre Geschichte. Auch in "Vergeltung" rauschte ich bis circa Mitte des Buches durch die Seiten und hangelte mich von Kapitelcliffhanger zu Kapitelcliffhanger. Doch dann ließ er merklich nach, fokussierte sich sehr stark auf sein Hauptthema der V2 Raketen und zuckelte nur noch durch die Handlung, was mich ein wenig ernüchtert zurückließ.

Freitag, 1. Januar 2021

[Rezension] The Travelling Bag and other Ghost Storys - Susan Hill



*Rezension*

The Travelling Bag von Susan Hill

Umfang: 192 Seiten | Genre: Gruselroman

Verlag: Profile Books | Preis: 13,94 € 


  
From the foggy streets of Victorian London to the eerie perfection of 1950s suburbia, the everyday is invaded by the evil otherworldly in this unforgettable collection of new ghost stories from the author of The Woman in Black. In the title story, on a murky evening in a warmly lit club off St James, a bishop listens closely as a paranormal detective recounts his most memorable case, one whose horrifying denouement took place in that very building. 

In 'The Front Room', a devoutly Christian mother tries to protect her children from the evil influence of their grandmother, both when she is alive and when she is dead. A lonely boy finds a friend in 'Boy Number 21', but years later he is forced to question the nature of that friendship, and to ask whether ghosts can perish in fires. 

This is Susan Hill at her best, telling characteristically flesh-creeping and startling tales of thwarted ambition, terrifying revenge and supernatural stirrings that will leave readers wide-awake long into the night.

Meine Meinung:

Vor dieser Kurzgeschichten-Sammlung habe ich mich lange herum gedrückt - eigentlich hatte sich der Herzensmann dieses Buch vor einer halben Ewigkeit selbst gekauft und dann stand es ( wie nicht selten nach spontanen Käufen, die man dann irgendwie schnell wieder vergisst nach der ersten Euphorie ) lange Zeit in unserem Bücherregal im Schlafzimmer und wartete darauf, gelesen zu werden. Als ich es mir für das Gruselbingo auf die Liste setzte, wollte ich mir selbst ein wenig Mut machen, es doch endlich mal zu lesen. 

Bei jeder neuen Ziehung für das nächste Bingobuch hatte ich ein wenig Bammel davor, dass es dieses Buch werden könnte, denn ich hatte die Befürchtung, wie eine Schnecke durch die Geschichten zu kriechen und dadurch in eine Leseflaute abzutauchen. Als es dann endlich so weit war und ich es eines Abends dann in die Hand nahm, kratzte ich mein in die Jahre eingerostetes Englisch zusammen und sprang todesmutig zwischen die Buchdeckel. 

Doch all meine Ängste diesbezüglich lösten sich bereits wenige Seiten später in Luft auf, denn auch wenn ich während des kompletten Buches garantiert nicht alles einwandfrei verstanden habe, so zog mich Susan Hill doch beharrlich und unnachgiebig in ihre düsteren, atmosphärischen Geistergeschichten hinein und lehrte mich gewaltig das Gruseln.

Freitag, 16. Oktober 2020

[(Gast)Rezension] Der dunkle Bote - Alex Beer



*Rezension*

Der dunkle Bote von Alex Beer

Umfang: 400 SeitenGenre: Kriminalroman

Verlag: Limes VerlagPreis: 20,00 €



Wien im November 1920: Ein unerwarteter Kälteeinbruch hat die Ernten vernichtet, jeder dritte Mann ist arbeitslos, und das organisierte Verbrechen hat Hochkonjunktur. Doch der Mordfall, der jetzt die Stadt erschüttert, übertrifft alles bislang Dagewesene: Ein Toter wird bizarr zugerichtet und von einer Eisschicht bedeckt aufgefunden. Kurz darauf taucht ein Bekennerschreiben auf. 

Kriminalinspektor August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter ermitteln – und das ist nicht das einzige Rätsel, das sie zu lösen haben, denn noch haben sie Xaver Koch nicht aufgespürt, den Mann, der Emmerichs Lebensgefährtin entführt hat und der sich als gefährlicher Gegner entpuppt ...

Jürgens Meinung:

Ich gebe ja zu, ein Cover-Junkie zu sein. Gefällt mir ein Cover, bin ich schnell offen für ein Buch. Gefällt mir das Cover nicht oder gehört es deutlich zu den aktuellen Trends (z.B. Frauenrücken vor Gebäudekulisse), hat es der Klappentext noch schwerer, mich zu überzeugen. Die Hardcover-Ausgabe, die ich gelesen habe, hüllt sich in reduziertes schwarz-weiß, lediglich der Titel ist in gelb gehalten. Motiv und Gestaltung passen gut in die Zeit und zur Handlung, ohne aufdringlich zu sein.

‚Der dunkle Bote‘ ist bereits Band 3 der ‚August-Emmerich-Reihe‘ und ich habe die beiden Vorgängerbände nicht gelesen. Der Limes-Verlag gibt an, man könne alle Bände auch für sich lesen und ich kann das bestätigen. Obwohl die Nebenhandlung zum Verschwinden von Emmerichs Lebensgefährtin Luise aus den früheren Bänden fortgeführt wird, fehlt keine wichtige Information.

Bereits mit den nur zwei Seiten des ersten Kapitels hatte mich Alex Beer in ihre Geschichte gezogen. Relativ zügig nahm der Fall Fahrt auf. Eine wohlig-unangenehme Stimmung hüllte mich ein und sollte mich bis fast zum Ende begleiten. Die Autorin schafft es, mit wenigen, klug platzierten und zugleich undramatischen Worten und Sätzen durchgehend ein Klima drückender Kälte und Hoffnungslosigkeit zu zeichnen. 

Dabei erreicht die Beklemmung der Lesenden nie das Maß klassischer Noir fiction. Obwohl das Setting - eine von allgemeiner Kriminalität, Neid und Korruption geprägte Gesellschaft - dies zulassen würde, führt Alex Beer die Lesenden sehr geschickt an der Grenzlinie entlang. 

Die ‚Lichter der Hoffnung‘ verschwinden sozusagen nie ganz aus dem Blickfeld und bei aller Brutalität der Morde verliert sich Beer - für meinen Geschmack - nie zu sehr in blutigen Details. 

Bis hierhin also eine absolut gelungene Konstruktion. Leider muss ich jetzt einige Abstriche machen, wenn es um die Charaktere geht. August Emmerich, obwohl erfahrener und durchaus nicht unintelligenter Kriminalbeamter ‚verläuft‘ sich in Aktionen, die eher Anfängerniveau sind. Dies geschieht insbesondere in der Nebenhandlung seiner verschwundenen Lebensgefährtin Luise. Mehrere der dort agierenden Figuren: Emmerich selbst, Xaver Koch, sein Gegenspieler und Luise wirkten für mich überzeichnet. Emmerich in einer Form tapsiger Naivität, Xaver Koch als allwissender, diabolischer Erzschurke und bei Luise … ja, bei Luise wollte ich beständig aufstöhnen „Ach Luise!“. 

Ihre Handlungen (oder besser ‚Nicht-Handlungen‘) passen so gar nicht zum Bild einer dreifachen Mutter, die ihre Familie durch sechs Kriegs- und Nachkriegsjahre manövriert hat. Wie die Bösartigkeit Kochs, wirkte ihre Hilflosigkeit auf mich überzeichnet. 

Von der Nebenhandlung abgesehen, führt ‚Der dunkle Bote‘ die Lesenden zielsicher in die dunklen Abgründe der maladen Stadt Wien. Der Spannungsbogen wird mit großer Professionalität exakt gezogen. Nie hatte ich, auf den fast 400 Seiten des Buches, das Gefühl, den Kontakt zur Story zu verlieren oder durch langweilige Abschnitte ablenkbar zu werden. 

Alles in allem, sollte man meinen, also ein sehr empfehlenswertes Buch. Ja, fast. Denn das Ende, die Auflösung der Geschichte, weist einzelne Logik-Lücken auf. 

Der ‚Schlussstein‘, um es so zu nennen, das zentrale Element der Lösung, würde deutlich besser in einen Fantasy-Roman passen. Ob die Autorin dieses Element vielleicht eher als Allegorie verstanden wissen will, kann ich nicht beurteilen. Auch wenn ich fantastischen Elementen in Kriminalromanen nicht grundsätzlich abgeneigt bin, ließ mich dies etwas ratlos zurück. 

Jürgens Fazit:

Trotzdem noch einmal: Eine spannend erzählte, atmosphärisch dichte Story aus einer dunklen Zeit. Von den vorgenannten Kritikpunkten abgesehen, eine empfehlenswerte Lektüre. Ich vergebe

~*3 ( von 5 ) Sterne*~

Mittwoch, 23. September 2020

[Rezension] Der Fluch von Carrow House - Darcy Coates



*Werbung / Rezensionsexemplar*

Der Fluch von Carrow House von Darcy Coates

Umfang: 416 Seiten | Genre: Horror

Verlag: Festa Verlag | Preis: 14,99 € 


Remy arbeitet als Tourguide in Carrow House. Sie führt Menschen durch das berüchtigte Spukhaus und erzählt ihnen von den Geschehnissen, die sich einst in diesen Mauern zutrugen. Als eine Reisegruppe für eine ganze Woche einen Aufenthalt bucht, um die unheimlichen Phänomene zu untersuchen, hofft Remy, selbst endlich einige zu erleben. Und tatsächlich: Nach einer Séance nimmt die paranormale Energie so weit zu, dass Fenster zerbrechen und gespenstische Erscheinungen durch die Flure schreiten.

Dann stirbt einer der Gäste und Remy zieht die Möglichkeit in Betracht, dass der Geist des einstigen Eigentümers noch in den Hallen weilt: John Carrow. Und der war ein irrer Serienmörder …

Meine Meinung:

Dies war mein viertes Buch beim Gruselbingo und nach den ersten drei eher verhalten gruseligen Geschichten hatte ich mir bei "Der Fluch von Carrow House" ein wenig mehr Gänsehautfeeling gewünscht ... nichtsahnend, dass ich das Grauen frei Haus bekommen würde und der Grusel mich eiskalt verschlingen sollte.

Wir begleiten Remy, welche als Tourguide Führungen durch das sagenumwobene und verspukte Carrow House anbietet. Nach eine dieser Führungen meldet sich ein Teilnehmer bei ihr und bietet Remy ein unwiderstehliches Angebot an; er möchte mit ihr und einigen anderen Gästen zwei Wochen in Carrow House verbringen und dort versuchen, übersinnliche Phänomene aufzuzeichnen. 

Doch was sich als interessante Möglichkeit darstellt, wird schnell zum bitteren Ernst für alle Beteiligten und der Horror senkt sich über die Gruppe, gnadenlos und furchterregend.

Die Handlung steigt direkt mit einer düsteren Atmosphäre ein, welche mir bereits auf den ersten Seiten den ein oder anderen Nervenkitzel bescherte - Darcy Coates versteht es perfekt, eine dichte Stimmung zu erzeugen, die im Laufe der Geschichte immer schwerer auf dem Leser lastet und langsam aber sicher den Spannungsbogen nach oben zu treiben. 

Ist es am Anfang nur der Hauch oder eine leise Ahnung von Horror, der mich zum Atem anhalten brachte, so erwischte es mich später gegen Ende dermaßen kalt, dass ich vorblätterte um das Ende zu lesen und mir so den Grusel erträglicher zu machen.

Montag, 21. September 2020

[Rezension] Wir haben schon immer im Schloss gelebt - Shirley Jackson



*Rezension*

Wir haben schon immer im Schloss gelebt von Shirley Jackson

Umfang: 256 Seiten | Genre: Horror

Verlag: Festa Verlag | Preis: 19,99 € 



Merricat lebt am Rande eines Dorfes im Schloss der Familie Blackwood, nur in Gesellschaft ihrer Schwester Constance und dem wunderlichen Onkel Julian, der an den Rollstuhl gefesselt ist. Alle anderen Familienmitglieder wurden vergiftet.

Merricat liebt die Ruhe im Schloss. Aber seit Constance vor Gericht freigesprochen wurde, den Rest der Familie ermordet zu haben, lässt die Welt den Blackwoods keinen Frieden mehr.
Und als Cousin Charles auftaucht, voller falschem Getue und dem verzweifelten Bedürfnis, an den Inhalt des Familiensafes zu kommen, muss Merricat alles in ihrer Macht Stehende tun, um das Schloss und seine Bewohner vor Schaden zu schützen …

Selbstverständlich ist Shirley Jackson mehr als nur die »Queen of Horror« – sie ist eine der wichtigsten Autorinnen der US-amerikanischen Literatur.

 Meine Meinung:

Shirley Jackson ist ja eine bekannte Größe in der Reihe der Horror-Schriftsteller*innen und begegnet relativ rasch jedem, der sich in diesem Genre umsieht. Darauf habe ich mich beim Gruselbingo sehr gefreut, allerdings etwas verhaltener, denn vor etlichen Jahren habe ich es mit der Diogenes Ausgabe dieses Titels einmal probiert und kam partout nicht in die Geschichte hinein. 

Als ich es vor einigen Tagen also ausgelost bekam, war ich unendlich neugierig auf diesen Klassiker und konnte bereits an einem Abend die Hälfte davon inhalieren - mit größerem Erfolg als damals. Es kann auch daran liegen, dass dies eine neue Übersetzung ist und der Stil von Eva Brunner mir mehr zusagte oder dass ich nun richtig Lust auf das Entdecken dieser Geschichte hatte ... einerlei, ich fing an zu Lesen und war sofort gefangen von dem, was sich mir dort bot. 

Denn wenn Shirley Jackson eines schafft, dann ist es eine dichte Atmosphäre zu schaffen, die von ihren Charakteren und deren Eigenheiten bestimmt wird. Die Handlung an sich, die Erzählweise und das was passiert, passiert ganz unaufgeregt und fast unbemerkt, doch je weiter ich in dem Buch voran schritt, umso mehr packte mich das kalte Grauen. 

Wir begleiten zwei Schwestern, welche mit ihrem Onkel in einem herrschaftlichen Haus leben und sich von dem Rest der Dorfgemeinschaft abschotten und distanzieren, denn ein Unglück vor vielen Jahren innerhalb der Familie trieb einen großen Keil in diese Gesellschaft und brandmarkte die Schwestern auf grausame Weise. Seitdem sind sie Gespött, Schikanen und Beschimpfungen ausgesetzt, welche sie in die Einsamkeit ihres Hauses treiben. 

Doch dann taucht eines Tages ihr entfernter Cousin Charles auf und versucht, die beiden Schwestern gegeneinander auszuspielen.

Ich konnte mir dieses ganze Szenario vor meinem inneren Auge bildlich vorstellen, denn wer einmal in einer kleinen Gemeinde gelebt hat, in der jeder jeden kennt, der weiß wie leicht und schnell so eine Stigmatisierung und Ausgrenzung von einzelnen Personen passieren kann - damals wie heute, wenn auch aus den unterschiedlichsten Gründen. 

Samstag, 19. September 2020

[Rezension] Nightmare Alley - William Lindsay Gresham



*Rezension*

Nightmare Alley von William Lindsay Gresham

Umfang: 512 Seiten | Genre: Horror

Verlag: Festa Verlag | Preis: 22,99 € 



Grotesk, dunkel und bizarr. Definitiv ein Leckerbissen für Noir-Fans Stanton Carlisle lernt die schmutzigen Tricks der Jahrmärkte und wird zum skrupellosen Gauner. Er gibt sich als spiritueller Guru aus, um die Reichen und Schwachen auszunehmen. Doch sein Spiel der Täuschungen und Lügen treibt ihn geradewegs in die Albtraumgasse …

Mit effektiver Atmosphäre und außergewöhnlicher Prosa geschrieben, ist Nightmare Alley mehr als ein großes Drama: Stantons entschlossener Aufstieg und der unvermeidliche Sturz ins Verderben ist die röntgenscharfe Durchleuchtung des »american dream«.

 Meine Meinung:

Auf mein zweites Buch im Gruselbingo war ich ganz besonders gespannt, denn auch diese Geschichte wartete nun schon etwas länger geduldig auf ihren Einsatz und aufgrund der vielen Seiten schreckte sie mich immer ein wenig ab. Aber nun hatte ich keine Ausrede mehr und warf gespannt einen Blick zwischen die Buchseiten. 

Das "Nightmare Alley" bereits 74 Jahre auf dem Buckel hat, merkte ich während des Lesens kein einziges Mal -  William L. Gresham ( bzw. die Übersetzung von Christian Veit Eschenfelder u. Anja Heidböhmer ) schaffte es mit einer Leichtigkeit, mich in seine Erzählung einzusaugen und dort etliche Seiten lang festzuhalten .. genau genommen über 500 Seiten. 

Die Ernüchterung folgte relativ schnell, denn aufgrund des Covers und der Beschreibung hatte ich im Vorfeld gedacht, die Handlung würde sich rund um einen Jahrmarkt und seiner Attraktionen bewegen, doch dies ist nicht durchgehend der Fall. Unser Hauptprotagonist Stanton Carlisle ist ein Haudegen sondergleichen, eine unruhige Seele mit der wir im Laufe der Geschichte einige Überraschungen erleben und selten lange an einem Ort verweilen.

Während wir also Stantons Leben begleiten, entwickelt sich der kleine unsichere Junge zu einem forschen, selbstsicheren Mann, der sich der Kunst der Illusion und Geisterbeschwörung verschrieben hat - meist zu seinen eigenen Gunsten ausgelegt und immer mit einem Auge auf der Suche nach dem großen Geld und einer Bühne, die seinem Ego gerecht wird. 

Donnerstag, 17. September 2020

[Rezension] Im Garten Numen - Erik R. Andara


*Rezension*

Im Garten Numen von Erik. A. Andara

Umfang: 236 Seiten | Genre: subtiler Horror

Verlag: NightTrain Verlag | Preis: auf Anfrage



Als Simon Heymanns drogenkranke Tochter unter mysteriösen Umständen aus einer kirchlichen Therapieeinrichtung im Waldviertel verschwindet, weiß er sich nicht anders zu helfen, als selbst in das verlassene Dorf zu fahren, um dort nach ihr zu suchen. Dabei entdeckt er vergessen geglaubte Wege, die geradewegs in die Finsternis führen, und die mit seiner eigenen bewegten Vergangenheit in Verbindung stehen. Wege, von denen er gewünscht hätte, sie niemals wieder betreten zu müssen.

Meine Meinung:

Anfang September habe ich mich Gabriela vom Blog "Buchperlenblog" angeschlossen, ein Gruselbingo zu spielen. Wir haben uns 9 Titel ausgesucht, welche wir bis Halloween gelesen haben möchten und lassen unsere Lektüre nach Beenden eines Buches auslosen, um so ein klein wenig mehr Spannung und Spaß an dieser Challenge zu haben.

"Im Garten Numen" war meine erste Geschichte bei diesem Bingo und eines der Bücher, die hier schon eine geraume Zeit darauf wartete, gelesen zu werden. Erschienen bei einem ganz kleinen Verlag und limitiert hatte ich es damals über Conny von "Pinkanemone" gefunden und sofort geordert beim Autoren selbst - doch wie es meist so ist, geriet es erst einmal in Vergessenheit.

Umso neugieriger war ich nun auf den Inhalt und stürzte mich mit großer Vorfreude zwischen die Seiten. Es brauchte einige Zeit, bis ich mit dem Schreibstil von Andara warm wurde; irgendwie kam ich ständig aus dem Lesefluss heraus und bis zur Hälfte nicht so richtig in die Geschichte hinein, kann aber gar nicht so recht erklären warum.