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Sonntag, 31. Mai 2020

[Rezension] Gestohlene Erinnerung - Blake Crouch



*Werbung / Rezensionsexemplar*

Gestohlene Erinnerung von Blake Crouch

Umfang: 432 Seiten | Genre: Thriller

Verlag: Goldmann | Preis: 15,00 € 



Der New Yorker Detective Barry Sutton steht vor einem Rätsel: Ein geheimnisvolles Phänomen quält die Menschen mit falschen Erinnerungen und treibt sie damit in den Tod. Auch die Hirnforscherin Helena Smith weiß schon lange um die Macht der Erinnerung.

Um diese zu bewahren, entwickelte sie eine Technologie, die uns unsere kostbarsten Momente noch einmal erleben lässt: den ersten Kuss, die Geburt eines Kindes. Doch nun bedroht ihre Erfindung das Schicksal der Menschheit. Im Kampf gegen einen übermächtigen Gegner versuchen Helena und Barry, eine Katastrophe zu verhindern – aber auch auf die Wirklichkeit ist bald kein Verlass mehr …

Meine Meinung:

Mit „Gestohlener Erinnerung“ hat Blake Crouch erneut einen wissenschaftlichen Science-Fiction-Thriller geschrieben, der unter die Haut geht, die Gedanken rotieren lässt und mich sprachlos zurückließ. Vor einigen Jahren las ich bereits seinen Roman „Dark Matter“ und war auch da schon restlos begeistert.

Dichte Atmosphäre, ein spannender Erzählstrang (der in meinen Erinnerungen nie langatmig war) angenehm gewürzt mit  wissenschaftlichen Fakten, geschickt mit der Handlung verwoben. Das alles macht die wohl einmalige Mischung aus, die Crouch auszeichnet. Doch wo anfangen und wo enden bei der Beschreibung für sein neues Buch?

Es ist eine höchst komplexe Erzählung, die sich mit fortschreitender Handlung vor dem Leser entblättert. 

Man wird von ihr an der Hand genommen und (zum Glück!) setzt sie keinerlei fundiertes Vorwissen für die vorherrschenden Thematiken wie z.B. Hirnforschung oder Zeitreisen voraus. Blake Crouch lässt zwar tief und zum Teil auch sehr detailliert in diese Materie blicken, allerdings verliert man nicht den roten Faden der Geschichte, wenn man gedanklich nicht mitkommt oder die Ausführungen nicht komplett versteht.

Mittwoch, 29. April 2020

[Rezension] Little Lies / Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht / Megan Miranda



*Werbung / Rezensionsexemplar*

Little Lies / Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht von Megan Miranda

Umfang: 384 Seiten | Genre: psychologischer Spannungsroman

Verlag: Penguin Verlag | Preis: 15,00 € 



Die Journalistin Leah flieht vor ihrem alten Leben: Sie lässt ihre Heimat und ihren Job hinter sich und zieht mit ihrer besten Freundin Emmy in ein altes Haus auf dem Land. Das Zusammenleben klappt gut. Leah arbeitet tagsüber in der Schule, Emmy nachts an einer Rezeption. Doch dann stellt Leah eines Nachts fest, dass sie ihre Freundin seit Tagen nicht gesehen hat. Noch bevor sie Emmy als vermisst melden kann, wird in der Nähe eine brutal misshandelte junge Frau gefunden. Doch die Frau ist nicht Emmy – stattdessen sieht sie Leah zum Verwechseln ähnlich … Muss Leah nicht nur um Emmys, sondern auch ihr eigenes Leben fürchten?

Meine Meinung:

Puh, wie soll ich diese Rezension nur anfangen? Meine Gefühle für diesen psychologischen Spannungsroman ( ja, es ist KEIN Thriller - liebe Verlage, bitte weckt nicht so oft falsche Erwartungen bei euren Lesern! ) sind durchmischt und auch einige Tage nach Beenden des Buches weiß ich nicht wirklich, was ich davon halten soll.

Aber der Reihe nach. Seit Erscheinen hatte ich ein Auge auf diese Geschichte bzw. das Cover geworfen und auch der Klappentext zog mich sofort in seinen Bann. Ich erwartete eine düster aufgeladene Atmosphäre mit einem Plot, der mich in Atem halten sollte - und bekam eine etwas andere Mischung, die ich so nicht vermutet hätte.

Wir begleiten die Journalistin Leah Stevens, welche mit einer alten Freundin namens Emmi einen Neuanfang wagt, weit weg von ihrem alten Job und den damit resultierenden Problemen. Sie fängt als Lehrerin in einer Schule an zu arbeiten, während Emmi nachts als in einem Motel arbeitet.

Doch eines Tages hält die Kleinstadt ein brutaler Überfall in Atem und Leahs Vergangenheit schleicht sich langsam wieder in ihr Leben zurück, während ihre Freundin Emmi plötzlich wie vom Erdboden verschwunden ist - und keiner außer Leah scheint sich an sie zu erinnern ... Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Folgendes wollte ich zu Kyle sagen: Männer wie dich verspeist sie zum Frühstück. [...] Doch solche Geschichten erzählte man nicht. Das Ziel der Geschichte sollte es sein, die Leute dazu zu bewegen, dass sie sich sorgten, die Öffentlichkeit auf deine Seite zu bekommen, sie dazu zu bringen, jeden, den sie geliebt haben, im Gesicht dieser vermissten jungen Frau zu sehen.

All das hätte unglaubliches Potenzial gehabt, wenn da nicht all die vielen störenden Kleinigkeiten gewesen wären, welche wie kleine Kieselsteine unter meiner Fußsohle beständig präsent waren und mich gegen Ende oft dazu getrieben haben, eher in anderen Geschichten zu schmökern, als diese zu beenden.

Sonntag, 5. April 2020

[Interview] Roland Hebesberger, Autor von "Abzweigungen"

Ich darf Euch heute Roland Hebesberger vorstellen; sein Debüt "Abzweigungen" habe ich vor einigen Tagen gelesen und ich konnte mich (und meine ungezügelte Neugierde) nicht bremsen, ihn um ein Interview zu bitten. Meine Meinung zu seinem außergewöhnlichen Thriller rund um Cornell Rhode könnt ihr jederzeit HIER nachlesen ... nun aber zu unserem heutigen Gast!

- Hallo Roland, schön das du dich meinen Fragen stellen möchtest. Du hast Ende letzten Jahres dein erstes Buch auf den Markt gebracht und damit auch gleichzeitig den Start einer Thriller-Reihe gesetzt. Die naheliegendste Frage zuerst: Wie kam dir die Idee zu "Abzweigungen" und warum hast du dich für genau dieses Genre entschieden?

Roland: Erstmals vielen Dank für die Chance, mich bei dir präsentieren zu dürfen. Hier muss ich etwas ausholen. Begonnen zu schreiben habe ich mit 15 Jahren mit Fanfictions. Danach war ich sehr erfolgreich unterwegs im virtuellen Serienbereich. Mein Traum als Kind war es, Drehbuchautor zu werden. Das ist natürlich in Österreich sehr schwierig. Ich habe dann in ganz jungen Jahren versucht ein Buch zu schreiben, was mir auch gelang.

Nur logischerweise bin ich bei allen Verlagen abgeblitzt. Es kam eine Frustration auf und ich hörte
auf zu schreiben. Aber Ideen kamen immer wieder und ich habe sie mir notiert und abgelegt. Da meine virtuelle Serie dann auch noch als Hörspiel umgesetzt wurde und diese auf YouTube landete, kam bei mir im letzten Jahr wieder Feuer auf, da ich die ganzen Kommentare gesehen hatte und gemerkt habe, dass es viele Leute gibt, die meine Storys noch immer richtig toll fanden.

Also kramte ich in meinen Notizen herum nach etwas Neuen. 

Und ich fand drei Ideen, die eigentlich recht gut zusammengepasst haben. Und dann habe ich mich einfach dran gesessen und habe die Story Line für „Abzweigungen“ entwickelt. Dabei kamen mir zahlreiche weitere und neue Ideen, die ich mir auch gleich alle notiert habe. Dadurch bemerkte ich, dass es noch immer genug Kreativität in meinem Kopf gab.

Bezüglich Genre! Ich habe im SciFi Bereich angefangen, meine virtuelle Serie war dann so eine Art Action/Thriller Serie und ich bin drauf gekommen, dass mir das noch besser liegt. Deshalb starte ich mit Thriller Geschichten, die sich aber auch etwas mit anderen Genres vermischen können. Da setze ich mir keine Grenzen.

Es kann aber auch möglich sein, dass es zukünftig auch SciFi-Thriller oder Mystery/Horror/Fantasy Geschichten geben kann. Aktuell konzentriere ich mich auf meine Thriller Ideen!

- Du hast dich für eine Veröffentlichung mit myMorawa entschieden, einer Plattform, mit deren Hilfe Autor*innen ihre Bücher selbst publizieren können. Wie lange hat es von der eigentlichen Buchidee bis zur Veröffentlichung gedauert und würdest du dich jederzeit wieder für diesen Weg entscheiden?

Roland: Ich muss hier gleich ein ganz großes Lob an MyMorawa, insbesondere Frau Scherzer, anbringen. Natürlich wäre mir ein Verlag am liebsten gewesen, aber ich wollte nicht wieder Monate damit verbringen, auf Antworten zu warten und dann wieder Absagen zu riskieren. Als ich das Selfpublishing entdeckt habe, war mir klar, dass ich zuerst nach einem heimischen Partner suchen würde. Und da habe ich mit MyMorawa einen ganz tollen Partner gefunden.

Vom ersten Gespräch an waren sie für mich da, beantworteten alle meine Fragen, waren immer hilfsbereit und immer freundlich. Auch nach der Veröffentlichung bieten sie dir tolle Hilfe an. Werbematerial, Buchpräsentationen usw. bieten sie dir ebenfalls an. Der Preis ist überaus fair und man fühlt sich sehr gut aufgehoben. Diesen Schritt würde ich definitiv wieder so machen.

Die Idee hatte ich im Februar 2019, da habe ich mich dann erstmals informiert, wie das Selfpublishing ablaufen würde. Im März habe ich zum Plotten und dann zum Schreiben begonnen, im Juni war ich fertig. Dann kam die Arbeit mit meiner Lektorin, die sehr intensiv und lehrreich war. Ende November war das Skript dann fertig, ebenso das Cover und am 06. Dezember erschien mein Buch! Also ja, ich würde wieder diesen Weg beschreiten!

- Cornell Rhode ist ja ein recht eigener Charakter für sich - wie entstehen deine Charaktere und entwickeln sie sich im Laufe der Geschichte ganz eigenständig bzw in eine andere Richtung als sie zu Anfangs sollten oder hast du da immer die Zügel in der schriftstellerischen Hand? Und wie behältst du den Überblick über deine Protagonisten, ihre Ziele und Wünsche?

Roland: Meine Charaktere sind immer sehr eigen, das hat mir damals bei den virtuellen Serien schon viele Fans, aber auch Hater gebracht. Den Stereotyp sollte es so bei mir nicht geben. Mir ist es sehr wichtig, dass sich meine Charaktere im Zuge der Geschichte verändern, durch das, was sie erlebt haben. Das steht immer im Zentrum der Geschichte. Damit spielt man sehr mit dem Feuer, da man aufpassen muss, dass ein Hauptprotagonist nicht unsympathisch oder uninteressant für den Leser wird. Allerdings hat man dadurch auch die Chance, eine Geschichte richtig spannend und überraschend zu machen. Bei mir ist alles durchgeplant.

Bevor ich den ersten Satz schreibe, auch von einer ganzen Reihe, steht das Ende schon fest. Der Weg dorthin, kann ich dann noch verändern, also das wird dann laufend überarbeitet.

Aber mir muss immer klar sein, wo ein Charakter startet und wo er endet. Einfach so drauf los schreiben geht bei mir nicht. Deshalb ist das Plotten bei mir so wichtig! Außerdem wird bei mir von jedem Charakter ein eigenes Datenblatt angelegt. Dort ist seine komplette Biografie hinterlegt, wie auch sein Stammbaum. Dort vermerke ich mir auch das aussehen, die Charaktereigenschaften, die Schwächen, die Stärken, die Sprache und so weiter. Und das wird immer wieder ergänzt. Wenn ich mir mal nicht mehr sicher bin, wie ein Charakter tickt und wohin er sollte, dann kann ich das Datenblatt davon durchlesen. Ohne diese Notizen wäre ich aufgeschmissen, da mir so viele Ideen durch den Kopf gehen, dass ich dann sicherlich vieles vergessen oder vermischen würde. 

- Wir wollen aber nicht nur über deinen Erstling reden, sondern auch ein wenig über DICH als Autor: Ich habe auf deiner Website gelesen, dass du mit dem Schreiben von Fanfictions zu der Serie Stargate angefangen hast. Woher kam die Lust zum schriftstellerischen Schaffen und wie hast du dich als Autor in der Zeit von 2000 bis jetzt, 20 Jahre später, in deinen Augen weiterentwickelt?

Roland: Wie ich oben schon erwähnt habe, wollte ich immer Drehbuchautor werden. Schon als Kind fielen mir Logikfehler in Serien und Filme auf und überlegte mir, wie man sie besser machen konnten. Dadurch bekam ich immer mehr Ideen zu eigenen Storys. 

Damals gab es das Wort Streaming noch gar nicht. Ich habe mir diese Folgen angeschaut, verstand aber zu wenig. Es gab aber eine Fanseite, die sogenannte „Langinhalte“ über diese Episoden schrieb. Somit konnte ich sie ansehen und danach durchlesen, was dort passierte und verstand alles.

Ich dachte mir, ich könnte eigene „Langinhalte“ zu Stargate schreiben. Das machte ich und es wurden immer mehr, bis ich daraus gleich eine Staffel baute. 

Da ich selbst eine Stargate Fanseite hatte, veröffentliche ich diese dort. Ich bekam eine große Leserschaft und ich wurde informiert, dass man so etwas nicht Langinhalte, sondern Fanfictions nennt. Also schrieb ich ab der dritten Staffel der Serie eine eigene Zeitlinie. Dann wurde ich von VTV und DTV entdeckt, zwei Portale, die sich um virtuelle Serien bemühten und dort sozusagen einen virtuellen Fernsehsender zum Lesen aufbauten. 

Die wollten aber nicht nur Fanfictions, sondern auch eigene Ideen. So entwickelte ich die Agententhriller-Serie „Teen Agent“, die dann auch zum Hörspiel verarbeitet wurde. Ich gewann viele Awards, unter anderem zwei Mal den besten virtuellen Mainwriter, was die größte Auszeichnung war. Durch diese Erfolge kam ich dann auf die Idee, ein Buch zu schreiben, was ich auch tat, aber nirgendwo angenommen wurde.

Dann beendete ich alles. Durch meine Arbeit und anderen Hobbys kam ich auch nicht mehr dazu. Das Schreiben selbst ließ mich also nie los, auch meine Ideen nicht. Öfters habe ich mit Freunden und Familie gesprochen, dass ich irgendwann einmal ein Buch schreiben werde, weil ich wissen will, ob meine Geschichten nur als virtuelle Serie gut waren oder eben auch Romantauglich wären. Und letztes Jahr habe ich mir dann einfach gesagt, jetzt oder nie. Und jetzt gibt es das Buch und es freut mich sehr, dass es so gut ankommt und viele tolle Bewertungen bekam!

Jeder fängt mal klein ein, auch alle Autoren und man muss lernen und sich entwickeln. 

Bei mir lief es vielleicht etwas anders ab, wie bei vielen anderen, doch der Weg ist immer der Gleiche! Und auch durch die Arbeit an Abzweigungen habe ich so viel gelernt, dass ich jetzt im zweiten Buch anwenden kann. Ich hoffe, dass ich dadurch immer besser werde und vielleicht irgendwann für einen Verlag oder eine große Leserschaft interessant werden könnte. Ich habe so viele Ideen und ich würde sie gerne alle schreiben, nur die Zeit und das nötige Kleingeld fehlen dazu!

- Bist du Vollzeit-Schriftsteller oder meisterst du den Spagat zwischen Brotjob und dem Autoren-Dasein? Wenn ja, wie vereinbarst du deinen Beruf mit dem Schreiben und wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Roland: Ich wäre gerne Vollzeit-Schriftsteller, aber es ist bekannt, dass dies nur wenige Autoren sind. Gerade mit dem ersten Buch tut man sich sehr schwer. Ich bin aktuell noch über 5.000 € im Minus beim ersten Buch, also bin ich meilenweit davon entfernt, dass ich als Autor von meinen Büchern leben kann. Ich schreibe auch nicht deshalb, weil ich damit viel Geld verdienen will.

Mein Ziel ist es, Geschichten zu erzählen und den Leuten die Chance geben, in meine Fantasiewelten einsteigen zu können.


Es wäre schön, wenn sich die Bücher selbst finanzieren würden, ansonsten werde ich nicht viele Bücher schreiben können. Ein kleines Taschengeld wäre auch nett. Vollzeit Schriftsteller wäre aber natürlich genial, weil ich dann richtig viele Bücher schreiben könnte. Ideen hätte ich wirklich sehr viele! Also muss ich ganz normal wie jeder andere Arbeiten. Ich stehe in der Früh auf, arbeite meine 10 Stunden am Tag, komme nach Hause und wenn ich die Muse habe, plotte oder schreibe ich.

Am Wochenende bin ich sehr viel unterwegs, da ich auch ehrenamtliche Positionen habe und einen Fanclub führe. Gott sei Dank kann ich sehr schnell tippen und bin ein nachtaktiver Mensch. Deshalb geht sich der Autor auch noch aus. Das Schwierige am Selfpublisher Leben ist eben, dass es mit dem Schreiben nicht getan ist.

Man muss alles selbst vermarkten und noch mehr Zeit investieren. Wie ich das alles in Moment unter einem Hut bekomme, weiß ich selbst nicht. Gerade, weil ich in wenigen Tagen das komplette zweite Buch geschrieben habe. Aber momentan läuft es und ich nutze das aus, so lange es geht. In Zukunft wäre es aber schön, wenn ich mehr Zeit zum Schreiben haben könnte. Doch damit beschäftige ich mich erst, wenn es soweit ist!

- Und eine letzte Frage zum Schluss: Cornell soll ja nicht seinen letzten Auftritt in "Abzweigungen" gehabt haben - wie viele Bände hast du in Planung und kannst du uns über den zweiten Band ein wenig mehr verraten? Was erwartet uns Leser dort? Und schlummern noch mehr Projekte in deinem Kopf bzw. deiner Schreibtischschublade, auf die du uns ein wenig neugierig machen möchtest? 

Roland: Ich habe schon zu meinen Freunden gesagt, als sie sich das Buch geholt haben „It was just the beginning“. An alle Cornell Fans da draußen, ihr müsst euch noch etwas gedulden. Bevor die Fortsetzung zu diesem Roman kommt, folgen noch andere zwei Bücher. Es folgt ein Agenten-Mystery-Thriller, geplant für den Sommer und ein Cyber-Psycho-Thriller, geplant im Winter, in diesem Jahr. Aus all diesen drei Storys sollten Trilogien entstehen.

In meinem Plan sind aber jetzt mal in diesem Thriller Bereich 13-15 Bücher geplant. Ein SciFi-Thriller könnte auch demnächst folgten, daran arbeite ich gerade. Die Fortsetzung zu Abzweigungen ist aktuell mal für Frühjahr 2021 geplant. Versprechen kann ich den Termin hier aber nicht, da ich natürlich als Selfpublisher immer aufs Geld schauen muss. Umso mehr Bücher, dass ich verkaufe, umso schneller kann ich mir Lektorat/Korrektorat/Cover leisten und umso schneller kommen die Bücher raus. Und Projekte habe ich genug.

Ich bedanke mich für das Interview und die Chance mich präsentieren zu dürfen. Meine Hoffnungen liegen bei den Lesern da draußen, dass ihr meinem Buch eine Chance gebt und mir eine ehrliche Rezension gebt. Nur so kann ich mich weiterentwickeln. Und ich verspreche euch, sobald das Budget da ist, folgen die nächsten Bücher. Geschrieben wird bei mir am laufenden Band. Vielen Dank und alles Gute!

Vielen lieben Dank Roland für das interessante und ausführliche Interview! 


Wenn ihr mehr über ihn und seinen Alltag als Autor erfahren wollt, könnt ihr Roland auf Instagram *klick* oder Twitter *hier* ein wenig über die Schulter sehen. 

Dienstag, 24. März 2020

[Rezension] Abzweigungen - Roland Hebesberger




*Werbung / Rezensionsexemplar*

Abzweigungen von Roland Hebesberger

Umfang: 320 Seiten | Genre: Thriller

Verlag: MyMorawa | Preis: 16,99 € 



Welchen Weg gehst du, wenn dein Leben auf der Kippe steht? Wähle weise, es könnte deine letzte Entscheidung sein.

Cornell Rohde, ein gescheiterter Ex-Polizist aus München, baut sich in Salzburg ein neues Leben auf. Es nimmt eine drastische Wendung, als er Zeuge eines mysteriösen Banküberfalls wird. Er versucht, den Geheimnissen hinter dem Verbrechen auf die Spur zu kommen, und gerät in eine Verschwörung, die sein Weltbild ins Wanken bringt. Wem kann er vertrauen, wer sagt die Wahrheit und was steckt hinter dem grellen Licht, das ihn bis in seine Träume verfolgt? Bei einer Verfolgungsjagd quer durch Europa mit neuen Verbündeten kommt Cornell an seine Grenzen. Wird er am Ende die richtige Entscheidung treffen?

Meine Meinung:

"Abzweigungen" ist das Debüt von Roland Hebesberger und damit der erste Teil seiner Thriller-Reihe rund um den Ermittler Cornell Rohde. Auf den Autor und sein Werk bin ich über Twitter aufmerksam geworden, hatte mich in das etwas andere Cover verguckt und als er nach Bloggern suchte, die seinen Thriller lesen wollten, konnte ich nicht an mir halten und musste wissen, was sich hinter seinem Buch verbirgt.

Wir begleiten Cornell Rhode bei dem Versuch, sein Leben nach einigen Niederschlägen wieder in geordnete Bahnen zu führen. Erst wird er bei der Münchner Polizei aufgrund von einigen falsch getroffenen Entscheidungen gekündigt, nur um dann in Salzburg für eine kurze Zeit neues Glück, beruflich wie privat, zu finden und auch dieses wird ihm rasch und harsch entrissen.

Doch damit ist es nicht vorbei - die Unglücksspirale dreht sich weiter für Cornell und wir als Leser müssen dabei zusehen wie er versucht, sich aus diesem ganzen Schlamassel zu retten ... mit mal mehr und mal weniger großem Erfolg.

Ich hatte leider einige Probleme beim Lesen dieser Geschichte. Es fing für mich bereits auf den ersten Seiten beim Schreibstil von Roland Hebesberger an, der so gar nicht meinen Geschmack mit seiner etwas derben und direkten Sprache treffen konnte. Viele seiner Charaktere blieben mir lange wahnsinnig unsympathisch, was zum Teil garantiert gewollt war, allerdings hätte ich mir hier den ein oder anderen Sympathieträger mehr gewünscht.
Es war ein lauer Donnerstagabend, das Wetter war frühlingshaft. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, denn dieser hatte mein Leben verändert. [...] Es war damals elf Jahre her, dass meine Mutter an Krebs gestorben war und ich den Weg meines Vaters gegangen war, der als wahrer Held bei der Münchner Polizei galt. 
Mein Vater war stolz darauf, dass ich schon in jungen Jahren den Verlust wegstecken konnte und meinen Weg ging. Doch dies solltes sich bald ändern.
Cornell selbst kann man mögen oder nicht - mit seiner ihm eigenen ruppigen Art hat er mich an manchen Stellen zum unfreiwillig zum Lachen gebracht, an anderen zum Verzweifeln oder Kopfschütteln ... ein sehr breites Spektrum an Gefühlen brach sich hier bei mir Bahn und auch nach Beenden der Geschichte weiß ich nicht so recht, was ich von ihm halten soll.

Was mich am Lesen hielt, war das Tempo und der Sog, den der Plot mitbrachte und mich so durch die Seiten trug. Langeweile konnte hier zu keinem Zeitpunkt auftauchen, wir als Leser sind immer mitten im Geschehen dabei und werden von einem Ereignis ins nächste mitgerissen. Kleine Verschnaufpausen gönnt uns Roland Hebesberger ab und an, nur um danach wieder seine Protagonisten auf abenteuerliche Art durch die Geschichte zu jagen.

Für meinen Geschmack passierten oft zu viele Dinge gleichzeitig, was dem Ganzen vielmals die Glaubwürdigkeit raubte und Wendungen nach sich zog, die für mich zu sehr aus dem Ärmel geschüttelt waren. Auch wenn der arme Cornell schon genug leiden musste während der Handlung, ging es mir in manchen Momenten zu einfach von der Hand was passierte oder wie sich Zufälle zu Gunsten unseres Protagonisten fügten.

Das Ende war leider auch für mich viel zu viel konstruiert, die expliziten Gewaltszenen hatten mehr Schockpotenzial als Nutzen in meinen Augen und die Auflösung des Ganzen konnte mich so gar nicht von sich überzeugen. Es war wie ein Feuerwerk aus Spannung, was sich am Horizont anbahnte, nur um sich dann enttäuschend platt und wenig nachvollziehbar über den Himmel zu ergießen - James Bond wäre stolz gewesen darauf, nur passte es für mich so gar nicht zur gesamten Geschichte und sorgte für Kopfschütteln meinerseits beim Zuschlagen des Buches.

Mein Fazit:

Dieser Thriller ist eindeutig nicht für jedermanns Geschmack - derbe Sprache, zackige actiongeladene Wendungen und Charaktere, die nicht unbedingt immer sympathisch daherkommen ... all dies und noch einiges mehr erwartet den Leser hinter den Buchdeckeln zu "Abzweigungen". Von mir daher der Tipp: Lest vorher in die Leseprobe hinein, macht euch selbst ein Bild und entscheidet dann, ob ihr dem Debüt von Roland Hebesberger eine Chance gebt.

Ich vergebe

*~2 von 5 Sterne~*

Danke an den Autor und MyMorawa für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares und den netten Austausch auf Twitter!

Dienstag, 23. Juli 2019

[Rezension] The Couple - Araminta Hall




*Werbung / Rezensionsexemplar*

The Couple von Araminta Hall

Umfang: 416 Seiten | Genre: Thriller

Verlag: Heyne | Preis: 9,99 € 



Mike und Verity sind das perfekte Paar. Und um seine Traumfrau glücklich zu machen, hat Mike nicht nur einen gut bezahlten Job angenommen, sondern auch ein wunderschönes Haus gekauft. Er würde alles für sie tun. Auch wenn das bedeutet, dass sie manchmal grausame Spiele spielen.

Doch plötzlich trennt Verity sich von ihm und verliebt sich in einen anderen Mann. Mike wird der Boden unter den Füßen weggerissen. Sie antwortet nicht auf seine Anrufe und auch nicht auf seine Nachrichten. Aber dann wird ihm etwas klar: Ein neues Spiel hat begonnen und er muss Verity nun beweisen, wie weit er wirklich gehen kann …

Meine Meinung:

Thriller - hinter diesem Genre verbirgt sich eine ganze Bandbreite an unterschiedlichsten Geschichten. Ein buntes Durcheinander der verschiedensten Handlungen und Grundideen, überraschenden Wendungen und Settings, bei denen keines wie das andere ist ... na gut, das ist jetzt ein wenig übertrieben, aber ihr versteht, worauf ich hinaus will.

Gerade in den letzten Jahren ist mir besonders aufgefallen, wie breit gefächert das Genre ist und wie die Grenzen zum Spannungsroman oder den Horrorgeschichten immer mehr verschwimmen. Dementsprechend gespannt war ich auf "The Couple".
Worauf basiert Wahrheit? Existiert sie nur in dem, was wir, oft ohne viel zu überlegen, in beiläufig ausgestoßenen Lautfolgen miteinander reden? Oder bedeutet sie nicht, wie ich es vermute, weit mehr als das? 
Nein, sie bildet ganz zweifellos das Fundament unseres gesamten Menschseins. Sie steckt tief in unseren Knochen, in unserem Wesenskern. Und sie verlangt danach, richtig ausgelegt zu werden, denn nur so kann sie ihr tatsächliches Potenzial erreichen.
Das war einer der Thriller, von dem ich mir sehr viel erwartet habe und aufgrund des Klappentextes hoffte, dahinter einen außergewöhnlichen Plot zu finden. Allerdings muss ich gleich vorweg sagen,
dass ich dieses Buch eher in die Richtung psychologischer Spannungsroman einordnen würde. Denn auch wenn der Plot rasant erzählt wurde und mir keine Minute langweilig war, so hielt sich die typische Thrillerhandlung eher im Hintergrund.

Gleich zu Anfang wird der Leser mit einer kleinen Erwähnung vorbereitet auf den Verlauf der Handlung. Denn Mike, welcher uns das ganze Buch hindurch seine Geschichte erzählt, sitzt im Gefängnis und soll all das, was geschehen ist, für seinen Anwalt schriftlich festhalten, den er allerdings für einen rechten Idioten hält.
Offenbar bringen sie einem hier drin widerwillig Respekt entgegen, wenn man jemanden umgebracht hat.
Sofort waren etliche Fragen in meinem Kopf und auch wenn ich diese Art von Teaser nicht so gerne zu Beginn einer Erzählung mag, da sie mir meist zuviel vorweg nimmt, aber hier war dieser Hinweis so klein und fein gestreut, dass ich der Autorin gut verzeihen konnte. Und ebenso schnell wie man in die Geschichte einsteigt, so rasant geht es weiter und ich kam kaum dazu, das Buch aus der Hand zu legen.


Dienstag, 30. April 2019

[Rezension] Der Pakt - Michelle Richmond




*Werbung / Rezensionsexemplar*

Der Pakt von Michelle Richmond

Umfang: 560 Seiten | Genre: Thriller

Verlag: Diana Verlag | Preis: 12,99 € 



Alice und Jake, ein frisch verheiratetes Ehepaar, jung, gutaussehend, erfolgreich. Zur Hochzeit erhalten sie eine Einladung, dem »Pakt« beizutreten, mit dem Ziel, ihre Ehe glücklich und lebendig zu gestalten. Die Grundregeln klingen vernünftig:

Anrufe des Partners immer annehmen. Häufig zusammen verreisen. Geschenke machen. Warum also nicht dabei sein? Doch schon bald ist klar, sie können dem Pakt nicht mehr entkommen, schlimmer noch, die Strafen für Vergehen sind drakonisch. Ein Treueschwur, der zu einem der schlimmsten Albträume wird.

Meine Meinung:

"Der Pakt" ist mit seinen 556 Seiten kein Fliegengewicht eines Thrillers und doch raste ich durch diese Geschichte, die mich auf ihre Art und Weise fesselte, faszinierte und gefangen hielt. Ein Gedankenspiel, welches mich selbst nicht mehr losließ und welches mir sehr oft einen gewaltigen Gänsehautschauer bescherte.

Was wäre, wenn es eine Organisation gäbe, die es sich zur Aufgabe macht, die Ehe zu schützen und das mit allen Mitteln? 

Was wäre, wenn es Richtlinien und Regeln gäbe, an die sich alle verheirateten Paare halten müssten und welche so ausufernd detailliert beschrieben sind, dass sich die Ausführung zu einem wahren Drahtseilakt gestaltet? Was wäre, wenn die minimalste Abweichung von diesen Vorschriften mit harten Strafen und Gefängnisaufenthalten geahndet werden würde?

Mittwoch, 17. April 2019

[Rezension] Das Leben, das wir begraben - Allen Eskens




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Das Leben, das wir begraben von Allen Eskens

Umfang: 416 Seiten | Genre: Thriller

Verlag: Festa Verlag | Preis: 19,99 € 




Der Student Joe Talbert muss fürs College mit einem völlig Fremden ein Interview führen. Dafür sucht er in einem Pflegeheim nach der passenden Person und trifft auf den krebskranken, im Sterben liegenden Carl Iverson.

Doch Iverson ist kein harmloser alter Mann. Er ist ein verurteilter Mörder. Vor 30 Jahren soll er ein Mädchen missbraucht, umgebracht und in seinem Schuppen verbrannt haben. Nach einigen Gesprächen erkennt Joe, dass etwas an dem grausamen Mordfall nicht stimmt. Es gibt zu viele Widersprüche. Joe überkommt eine regelrechte Besessenheit, die Wahrheit herauszufinden … Doch das könnte seinen eigenen Tod bedeuten!

Meine Meinung:

Ich lese bereits seit Jahren Bücher aus dem Festa Verlag - waren es vor zwei Jahren noch die Extrem-Bände, die mich in ihren Bann zogen, sind es mittlerweile weniger die blutigen Geschichten, die mich faszinieren, sondern die Romane mit dem gewissen Etwas an Grusel, Unheimlichkeit und Grausamkeit.

Dementsprechend war ich unglaublich neugierig auf "Das Leben, das wir begraben", denn das hörte sich im ersten Moment für mich so gar nicht nach Festa an ... und wer das übliche Verlagsprogramm kennt, wird wissen von was ich spreche.

Leider lag es erst eine Weile auf meinem SUB, bis ich dazu griff. Ein großer Fehler wie sich rasch herausfinden sollte, denn kaum hatte ich einige Seiten gelesen, konnte ich nicht mehr aufhören. Die Geschichte sog mich regelrecht in sich ein und ließ mich nicht mehr los. Seite um Seite zog an mir vorbei, während ich überlegte, wem ich in diesem Buch trauen kann und wem nicht, wer die Wahrheit erzählt oder wer sich als gekonnter Lügenbaron entpuppt.

"Sie wissen gar nichts über mich", sagte ich. "Sie wissen nicht, wo ich herkomme oder womit ich mich herumschlagen muss. Sie haben keine Ahnung, welche Scheiße ich durchmassen musste, bevor ich hierher gekommen bin. Ob Sie mir ihre Geschichte erzählen, ist Ihre Sache. Das liegt ganz bei Ihnen. Aber wagen Sie es nicht, ein Urteil über mich zu fällen." 
Iverson warf einen Blick auf meine weiß hervortretenden Fingerknöchel, dann sah er mir in die Augen. [...] "Das ist gut", sagte er. "Was ist gut?" "Dass du verstehst, wie falsch es ist, jemanden zu verurteilen, bevor man seine Geschichte kennt."

Ein kurzer Abriss, um was es eigentlich geht: Joe Talbert, ein junger Student, soll für ein Projekt einen alten Menschen interviewen und dessen Lebensgeschichte aufschreiben. Da er keine lebenden Verwandten mehr hat, entschließt er sich in einem Pflegeheim nachzufragen. Dort trifft er auf Carl Iverson, 60 Jahre alt, schwer krebskrank und ein verurteilter Mörder und beschließt aus Zeitnot, ihn für sein Projekt zu interviewen.

Montag, 7. Januar 2019

[Rezension] Denn die Nacht bringt das Meer - Veronika Bicker




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Denn die Nacht bringt das Meer von Veronika Bicker

Umfang: 280 Seiten | Genre: Thriller

Verlag: Acabus | Preis: 14,00 € 




Ein Leuchtturm an der Nordsee – hier versucht Marit, ihrem Alltag zu entfliehen. Doch nachts rauben nicht nur der tosende Sturm und die um den Turm peitschenden Wellen ihr den Schlaf. Sie fühlt sich beobachtet, als würde jemand in dem alten Gemäuer herumschleichen.

Auch werden in ihr düstere Erinnerungen wach. Vor Jahren wäre ihre Tochter Janna hier beinahe ertrunken. Im Dorf trifft sie auf kauzige Küstenbewohner, die von Geistern und Meermännern sprechen. Marit steht vor einem Rätsel: Was hat es mit den vielen ertrunkenen Kindern an diesem Ort auf sich? Warum fuhr Janna damals ganz allein aufs Meer hinaus?
Und dann kommt erneut ein junges Mädchen zu Tode …

Meine Meinung:

Es gibt Themen in Büchern, an welchen ich sehr schwer vorbeigehen kann, ohne neugierig zu werden. Dazu zählen neben Spukhäusern auch eindeutig alle Geschichten rund um Geister und als ich den Klappentext zu "Denn die Nacht bringt das Meer" gelesen habe, wusste ich: Das musst du lesen!

Geister und Meermänner lockten mich zu sich und das Cover, welches passend zum Plot in düsteren Farben gehalten ist, tat sein Übriges.

Auch wenn die Nordsee als Handlungsort nicht meine erste Wahl wäre, war ich doch überrascht wie interessant die Autorin die Mythen und Legenden der Gegend in ihren Thriller verwebte und mich damit die gesamte Lesezeit fesselte.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich etwas Aufwärmzeit mit dem Schreibstil von Veronika Bicker brauchte.

Gerade in den ersten zwei Kapiteln stolperte ich ein wenig in der Art ihrer Beschreibungen und hatte das Gefühl, als ob sie sich selbst erst in ihre Charaktere und den Schauplatz einschreiben musste. Das regulierte sich aber relativ zügig, ich versank immer in der Geschichte und konnte mich komplett auf Marit und ihre Suche nach Antworten, was damals in Nordersiel mit ihrer Tochter passierte, konzentrieren.
Er war kleiner, als sie sich einen richtigen Leuchtturm vorgestellt hatte, etwas gedrungen, wie ein alter Mann, der stur auf dem Deich hockte und nicht daran dachte, sich von dort vertreiben zu lassen. Die Fassade rundherum bestand aus roten Ziegeln, wie bei den meisten Häusern hier in der Gegend, und die Fenster waren erstaunlich groß und modern.
Das Dach strecke sich trotzig dem Wind und den Wolken entgegen und Marit konnte die Glasfenster direkt darunter mehr erahnen als wirklich sehen.

Denn vor vierzehn Jahren wäre Janna, Marits Tochter, fast in der Nordsee ertrunken und bis heute ranken sich um diesen Unfall viele Fragen. 

Dienstag, 27. November 2018

[Interview] Michael Leuchtenberger, Autor von "Caspars Schatten"

Ich darf euch heute Michael Leuchtenberger vorstellen; sein Debüt "Caspars Schatten" habe ich vor einigen Tagen beendet ( HIER kommt ihr zu meiner Rezension )  und konnte mich nicht bremsen, ihn um ein Interview zu bitten.

Warum? Nun ja, ich bin generell ein neugieriger Mensch und wenn sich mir schon die Gelegenheit ergibt, einem Autor Löcher in den Bauch zu fragen, dann ergreife ich diese sehr gerne. Und da Michael auch ganz bereitwillig zusagte, habt ihr hier und jetzt die Möglichkeit, den kreativen Kopf hinter der Geschichte näher kennenzulernen.

Dementsprechend wünsche ich euch nun viel Spaß beim Lesen und hoffe selbstverständlich auch, euch damit ein wenig neugierig auf Michael und VOR ALLEM seinen Roman machen zu können.

- Mit „Caspars Schatten“ hast du dein erstes Buch auf den Buchmarkt gebracht – wie kam dir die Idee zu deinem Debüt? Unsichtbare Naturwesen, Runen, geheimnisvolle Mächte; all das ist ja schon sehr außergewöhnlich und nicht in jedem Thriller zu finden.

Michael: Mich haben schon immer Geschichten besonders fasziniert, die einerseits realistisch sind, andererseits mit übersinnlichen Elementen spielen. Ich war in meiner Jugend ein großer Fan der Serie “Akte X”, mag surreale Filme, lese viel Stephen King und mag die klassischen Schauergeschichten von Edgar Allan Poe oder E.T.A. Hoffmann.

Mit meinem ersten Buch wollte ich gerne auch diese Richtung einschlagen. Reine Krimis und klassische Thriller, wo oft die Ermittler im Mittelpunkt stehen, sind nicht so mein Fall, mit wenigen Ausnahmen.

Zudem mag ich sehr gern Geschichten, die kammerspielartig sind, sich also auf wenige Figuren konzentrieren und wo Ort und Zeit sehr begrenzt sind. Da kann sich eine ungeheure Spannung aufbauen, die mich fasziniert (“Gott des Gemetzels” ist ein bekanntes Beispiel dafür). Auch das war ein Wunsch für mein erstes Buch.

- Welchen Verlauf nahm deine Geschichte während des Schreibprozesses? Hast du sie in einem Rutsch aufgeschrieben oder bist du eher ein selbstkritischer Autor und hast einiges geändert, daran gedrechselt und wieder verworfen?

Michael: Ich habe das Romankonzept in einem Kurs für Kreatives Schreiben entworfen und hatte so einen Fahrplan für die Ausarbeitung, an den ich mich auch gehalten habe. Für mein erstes Buch war das extrem hilfreich.

Es hat mir die Angst davor genommen, niemals fertig zu werden und ich konnte den Roman flüssig zu Ende schreiben.

Sonntag, 25. November 2018

[Rezension] Caspars Schatten - Michael Leuchtenberger



*Werbung - Rezensionsexemplar*

Caspars Schatten von Michael Leuchtenberger

Umfang: 292 Seiten | Genre: Thriller

Verlag: Books on Demand | Preis: 9,99€

*~Kauf mich~* 


David und Miriam werden von ihrem exzentrischen Jugendfreund Caspar zu einer Feier eingeladen. Für die Geschwister beginnt mit dem eigentlich erfreulichen Anlass ein Albtraum.

Caspar ist überzeugt, einen Bund mit unsichtbaren Mächten geschlossen zu haben. Zu spät erkennen David und Miriam, wozu ihr alter Freund wirklich fähig ist...

Meine Meinung:

„Caspars Schatten“ wäre mir von allein wohl gar nicht über den Weg gelaufen, hätte mich der Autor nicht auf Twitter angeschrieben und mir sein Debüt auf liebenswerte Art und Weise schmackhaft gemacht. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an dich Michael und an das BoD-Team, welches mir diesen Thriller zur Verfügung gestellt hat - ich habe mich sehr darüber gefreut.

Gleich zu Beginn, auf den ersten Seiten, umfängt den Leser eine mysteriöse, drohende Stimmung. 

Sie ist nicht wirklich greifbar, umhüllt aber die ganze Handlung und bleibt fortwährend bestehen, während das Unheil sich immer mehr verdichtet und ich atemlos durch die Seiten hetzte.

Dazu muss ich sagen, dass das Böse hierbei immer nebulös bleibt, keine reale Gestalt zugeordnet bekommt, was den Spannungsbogen in meinen Augen immer weiter in die Höhe trieb und einen gewissen Reiz ausübte, denn so wanderten meine eigenen Gedanken umher und erschufen ganz eigene Monster und Unheimlichkeiten.

Im Verlauf des Romans hatte ich oft ein ziemlich ungutes Gefühl, eine Gänsehaut im Nacken und mit Recht die Vermutung, dass das hier kein normaler Geburtstagsbesuch für unsere Hauptprotagonisten David und Miriam werden wird. Die Atmosphäre wird von Seite zu Seite dichter, der Autor schafft es, den Leser langsam aber sicher in wildere Fahrtwasser zu lenken.

Ehe man es sich versieht, steckt man mitten drinnen in einer ganz außergewöhnlichen Geschichte.

Casper  ist ein wahnsinnig interessanter Charakter und gerade deswegen hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle mehr Hintergrundwissen zu ihm und seiner Gabe gewünscht, denn er kann von Kindsbeinen an mit unsichtbaren Naturwesen kommunizieren, worum sich auch schlussendlich die ganze Handlung dreht – das kann ich verraten, ohne euch natürlich zu spoilern, keine Angst!

Ganz ohne Informationen zu den übernatürlichen Geschehnissen lässt uns der Autor nicht, häppchenweise bekommt man mit, was Casper und seine Gefolgschaft für Ziele verfolgen und mit welchen Mitteln sie diese durchsetzen möchten.
Nachdem er eine Weile gedöst hatte, merkte er plötzlich, dass etwas seinen Arm streifte. Kein Grashalm im Wind, kein Insekt. Etwas größeres, das sich kühl anfühlte. Eine Hand? Irgendetwas war neben ihm, über ihm und verdeckte die Sonne. […] 
Dann hörte er eine Stimme, leise, aber doch deutlich. „Caspar“, sagte sie. Der Junge wagte  nicht zu sprechen und blieb erstarrt liegen. Dann sagte die Stimme „Wir freuen uns, wenn du hier bist."
David und Miriam müssen das leider am eigenen Leibe erfahren und erleben dabei ganz unterschiedliche Versionen von Casper und seiner Überredungskunst.Während Miriam sich komplett von seinem Charme einwickeln lässt und somit gefundenes Fressen für die dunklen Mächte und Casper darstellt, versucht David sich und seine Schwester zu retten und riskiert dabei sein eigenes Leben.

Mittwoch, 21. November 2018

[Lese-Einblick #16] Rachesommer und Das rote Adressbuch

Wie ihr vielleicht wisst, bin ich ein großer Fan von Andreas Gruber und seiner Marten S. Sneijder / Sabine Nemez Reihe. Ein wirklich erfrischendes, skurriles Ermittlerduo mit dem gewissen Etwas – und deswegen konnte ich es mir nicht nehmen, eine seiner älteren Reihen anzulesen.

„Rachesommer“  kam vor einiger Zeit in neuem Coverdesign daher und das auch ziemlich schick wie ich finde. Aus diesem Grund rückte diese Geschichte bzw. dieser Reihe wieder ein wenig mehr in mein Gedächtnis und so durfte es bei einem Büchereibesuch direkt mit.

Momentan bin ich gut über die Hälfte des Buches hinweg und ein wenig enttäuscht. Ich mag Andreas Gruber und seinen Schreibstil wahnsinnig gerne – ich war immer sofort im Geschehen mit dabei und konnte zwischen den zwei Perspektiven der Hauptpersonen Walter Pulaski und Evelyn Meyers leicht hin und her wechseln.

Doch was mir fehlt, ist die durchgehende Spannung der Handlung. Mal ist sie mit den Händen regelrecht zu fassen, ich kann das Buch kaum aus der Hand legen und plötzlich kippt die ganze Stimmung, während ich danach fast schon unaufmerksam durch die Seiten blättere.

Schade, denn wie oben erwähnt mag ich seine andere Reihe ungemein gerne und habe vielleicht auch deswegen eine zu große Erwartungshaltung. Eventuell liegt es auch daran, dass das eine seiner älteren Geschichten ist und ich mit dem „neueren“ Gruber eben kompatibler bin … ich kann es beim besten Willen nicht besser beschreiben und bin nun gespannt wie die Ermittlungen weiter voranschreiten, denn eines ist sicher: Aufgeben ist keine Option!

Freitag, 1. April 2016

[Rezension] Vor ihren Augen - Mary Louise Kelly

Vor ihren Augen

Mary Louise Kelly

411 Seiten

Goldmann Verlag

9,99 €

Das Leben meint es gut mit Caroline Cashion. Die 34-jährige Dozentin für französische Literatur ist hübsch, intelligent und beliebt. Doch dann wird bei einer Routineuntersuchung in ihrem Nacken eine Kugel entdeckt. Caroline ist fassungslos. Als sie ihre Eltern darauf anspricht, eröffnen diese ihr die ungeheuerliche Wahrheit: Caroline ist adoptiert. 

Ihre leiblichen Eltern wurden ermordet, Caroline selbst überlebte die Tat schwer verletzt. Den Mörder hat man nie gefasst – und die Kugel nie aus Carolines Körper entfernt. Nun ist sie das wichtigste Indiz, um den Täter zu überführen. Womit Caroline in tödlicher Gefahr schwebt ...

Meine Meinung:

Wie ihr in den letzten Monaten bzw. seit Anfang des Jahres mitbekommen habt, lese ich zurzeit sehr wenige Thriller. Warum ist das so? Es könnte daran liegen, dass sich die Kurzbeschreibungen der gängigen Verlage jedes Mal gleich lesen lassen und mich nicht zwingend vom Hocker hauen. Ich bin quasi gesättigt und lese zurzeit nur noch auf Empfehlungen Thriller oder greife zu Neuerscheinungen von mir bekannten Autoren.

Und auch bei "Vor ihren Augen" dachte ich zuerst, es wäre wieder einer dieser 08/15 Thriller, die es gerade wie Sand am Meer zu geben scheint - oder ich lese einfach nur die falschen Bücher. Jedenfalls wäre es eine Schande gewesen, hätte ich diesen kleinen Rohdiamanten übersehen, denn was Mary Louise Kelly hier vorgelegt hat, konnte mich seit langem endlich wieder restlos begeistern.



Um was geht es? Caroline Cashion ist Dozentin für französische Literatur, lebt von einem Tag in den nächsten und hat ein recht sorgenfreies, ungebundenes Leben. Als sie eines Tages wegen einer Routineuntersuchung einen Ganzkörperscan erhält, finden die Ärzte etwas seltsames in ihrem Nacken: Eine Kugel.

Caroline kann sich keinen Reim auf diesen Fund machen und konfrontiert ihre Eltern damit. Diese sehen sich gezwungen, ihr ein lang gehütetes Geheimnis zu verraten: Sie wurde als Kind adoptiert, ihre Eltern ermordet und der Mörder nie gefasst. Dies stellt Carolines Leben gehörig auf den Kopf und bald muss sie um ihr eigenes Leben fürchten ....


Ich weiß, ich weiß, aufmerksame Leser meiner Rezensionen werden gleich wieder stöhnen und sagen "Fang jetzt bloß nicht wieder vom Anfang an!". ABER für mich persönlich sind die ersten 20 Seiten eines Buches sehr wichtig, denn diese entscheiden ob ich einer Geschichte eine Chance gebe oder nicht. Aus diesem Grund schreibe ich bei jeder Rezension etwas über den Anfang und meinen Eindruck darüber, denn wenn diese Seiten mich nicht packen und überzeugen ... dann lese ich erst gar nicht weiter.

ALSO, gleich die ersten Seiten konnte mich packen und überzeugen, denn die Autorin hat einen sehr flüssigen und ansprechenden Schreibstil und auch Caroline war mich von Anfang an sympathisch.

Wie sich herausstellt, war ich mein ganzes Leben lang gerannt, ich hatte es bloß nie gemerkt. Lassen Sie mich erzählen, wie es sich anfühlt. Lassen Sie mich Ihnen etwas über Angst erzählen.

Mary Louise Kelly fackelt nicht lange und lässt schon auf den ersten 50 Seiten einen riesigen Spannungsbogen entstehen, welcher durch viele Enthüllungen und Entdeckungen stetig wächst - hallo, die Seiten flogen mir nur so um die Ohren und ich wurde von einer Szene in die nächste katapultiert!

Aufgeteilt ist "Vor ihren Augen" in sieben Teile, welche jeweils von der Stadt handeln, in welcher sich unsere Protagonistin eben aufhält. Langweile kommt bei diesem Thriller ganz ganz selten vor; natürlich schleichen sich bei knapp 400 Seiten auch kleine Passagen ein, die auch hätten ausgelassen werden können; aber alles in allem habe ich ständig mitgefiebert, mitgeraten und lag doch zum Schluss ( GANZ zum Schluss! ) falsch mit meiner Vermutung.

Du glaubst die Menschen zu kennen, bei denen du aufgewachsen bist, die dir das ganze Leben zur Seite standen. Doch wie sich herausstellt, kanntest du ihre Gedanken nicht.
Jeder Mensch hat Geheimnisse - nicht  nur Dinge, die er dir nicht verrät, sondern er hütet auch Geheimnisse über dich. Und alle hoffen, dass du sie nie erfährst.

Ihr merkt, ich schreibe ein wenig um den heißen Brei herum, aber ich möchte euch einfach nicht zu viel von dieser actionreichen Handlung vorwegnehmen, was der eigentliche Klappentext des Buches meiner Meinung nach schon tut - er verrät zu viel. Aber gut, ändern kann man das ja auch nicht, doch wer spoilerfrei durch die Geschichte möchte, lässt die Augen davon!

Was ich allerdings noch verraten kann, ist die unglaubliche Charakterentwicklung von Caroline. Ist sie anfänglich ein wenig naiv und unscheinbar, entwickelt sie sich im Laufe der Geschichte zu einer toughen und fast schon kriminellen Frau, welche man nicht mehr so leicht beeinflussen kann und die weiß, was sie kann und will.

Eine klitzekleine Anmerkung noch zum Schluss des Buches: Nicht jedem wird dieser Schluss gefallen, doch gerade weil er so war, wie er war, konnte er mich restlos überzeugen! ICH hätte mir kein besseres Ende wünschen können und hoffe, dass es euch genauso gehen wird.

Mein Fazit:

Wer nach einem spannenden und gut durchdachten Thriller sucht, wird hier bei "Vor ihren Augen" definitiv fündig werden. Eine actionreiche Handlung und viele unerwartete Plottwists haben mir viele schöne Lesestunden beschert und hoffe, dass dies nicht das letzte Buch der Autorin in diesem Genre gewesen ist. Ich vergebe

5 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte!

Freitag, 11. Dezember 2015

[Rezension] Pretty Girls - Karin Slaughter

Pretty Girls

Karin Slaughter

400 Seiten

HarperCollins

19,90 €

 März 1991. Nach einer Party kehrt die 19-jährige Julia nicht nach Hause zurück. Die eher halbherzig geführten Ermittlungen laufen ins Leere. Eine Leiche wird nie gefunden. Weder die Eltern noch die beiden Schwestern der Vermissten  werden je mit dem Verlust fertig. Vierundzwanzig Jahre später erschüttert eine brutale Mordserie den amerikanischen Bundesstaat Georgia. 

Und die frisch verwitwete Claire ist vollkommen verstört, als sie im Nachlass ihres verstorbenen Mannes brutales Filmmaterial findet, in dem Menschen ganz offensichtlich vor der Kamera auf grausame Weise ermordet werden. Eines der Opfer glaubt sie zu erkennen. Doch was hatte ihr verstorbener Mann damit zu tun? Wer war der Mensch wirklich, den sie über zwanzig Jahre zu kennen glaubte? Claire begibt sich auf eine lebensgefährliche Spurensuche, die sie immer dichter an eine unfassbare Wahrheit führt. Und an den eigenen Abgrund.

Meine Meinung:

Das war meine erste Slaughter - so unfassbar sich das jetzt anhört, aber seit Jahren verkaufe ich ihre Thriller und habe selbst noch keinen gelesen. Und was soll ich sagen? Es hat mir so mittelprächtig gefallen, aber trotzdem werde ich noch einen anderen Thriller von ihr lesen, denn es kann natürlich auch an der Übersetzung gelegen haben, die mir einfach nicht zugesagt hat. Naja, lange Rede kurzer Sinn, hier kommt meine Rezension:

Um was geht es? 1991 verschwindet die 19-jährige Julia auf dem Nachhauseweg. Ihre Familie, insbesondere ihr Vater, suchen verzweifelt nach ihr, doch ihre Bemühungen verlaufen ins Leere. Vierundzwanzig Jahre später muss Claire mit ansehen, wie ihr Ehemann vor ihren Augen erstochen wird - doch was darauf folgt, hätte sie sich nie vorstellen können: 

Sie findet brutales Filmmaterial auf dem Rechner ihres Mannes Paul und erkennt nach und nach, dass sie ihren Mann in Wahrheit nie gekannt hat. Wird Claire herausfinden, wer Paul wirklich war oder wird es sie ihr Leben kosten?

Karen Slaughter versteht es zwar, ihre Leser mit spannenden Passagen zu verwirren und am Lesen zu halten, aber für mich war das ganze Katz und Maus Spiel doch etwas zu verworren und zu konstruiert. Ich habe schon viele Thriller gelesen und lasse mir viele Handlungsverläufe eingehen, doch bei dieser Geschichte war ich nur eins: Sehr verwirrt. 

Wir haben drei verschiedenen Sichtweisen auf die Geschehnisse: Einmal als Hauptstrang Claire, die uns durch den Hauptteil der Geschichte lotst und mir Anfangs unheimlich unsympathisch war - was aber von der Autorin; zumindest denke ich das; beabsichtigt war. 

Dann haben wir Lydia, deren Rolle wir nach und nach erfahren und deren Handlungsstrang sehr bald mit Claires kollidiert. DAS hat mir sehr gut gefallen, die beiden haben für mich eine explosive und geniale Mischung dargestellt und ich hätte mir gewünscht, diese Konstellation von Anfang an gehabt zu haben - denn dann hätte das ganze mehr Feuer gehabt.

Und dann ist da noch die unbekannte Erzählerstimme, die in Tagebuchform um ein Mädchen namens Julia trauert, eben diese Julia, die im Mai 1991 auf unerklärliche Art und Weise verschwand. In diesen Passagen merkt man die Verzweiflung des Schreibers, was mir sehr gut gefallen hat und mal eine etwas andere Sichtweise aufgezeigt hat.

Doch für mich waren die größten Schwachstellen a) die Länge, denn zum Teil hat sich die Geschichte wiiirrkkklllliiicchhh arg gezogen und meiner Meinung nach hätten locker 150 Seiten weniger auch gelangt und b) die verworrene Erzählstruktur, die mich so manches Mal an den Rand des Wahnsinns getrieben hat.

Mein Fazit:

Mehr fällt mir zu "Pretty Girls" tatsächlich nicht ein, der Schluss war dann doch wieder mehr nach meinem Geschmack und konnte mich begeistern - warum nicht das ganze Buch hindurch so? Wie gesagt, Karen Slaughter wird noch die ein oder andere Chance von mir bekommen und ich bin schon jetzt gespannt, wie mir ihre anderen Thriller so gefallen werden. Ich vergebe

2 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte!

Dienstag, 13. Oktober 2015

[Rezension] Im Auge des Mörders - Hünnebeck Marcus

Im Auge des Mörders

Marcus Hünnebeck

350 Seiten

Egmont LYX Verlag

9,99 €

Ein Serientäter vergeht sich auf grausame Weise an Frauen. Zuerst dringt er in ihre Wohnungen ein und vergewaltigt sie. Ein paar Wochen später verschafft er sich erneut Zugriff auf seine Opfer und tötet sie – egal, wie gut sie von der Polizei bewacht werden. 

Als die Journalistin Eva Haller in ihrem erfolgreichen Blog der Kölner Polizei vorwirft, nicht genug zum Schutz der Frauen unternommen zu haben, gerät sie selbst ins Visier des Täters. Statt an die Polizei wendet sie sich jedoch an einen Mann, den sie im Zuge ihrer Recherchen kennengelernt hat: den Leibwächter.

Meine Meinung:

Ich bin auf diesen Thriller mehr oder weniger durch Zufall gestoßen, denn mit ihm wurde eine Blogtour beworben, an der ich gerne teilnehmen wollte - und bei diesem Klappentext verständlich oder? Auch die Leseprobe hatte mich bereits in ihren Bann gezogen und dann wurde ich auch noch für die Blogtour ausgewählt, mehr Glück konnte ich also nicht haben.

Aber um was geht es? Ein gewitzter Serientäter hält die Polizei in Atem: Erst vergewaltigt er Frauen auf brutale Art und Weise, lässt sie traumatisiert zurück und dringt Wochen später wieder in ihre Wohnungen ein, um sie endgültig zu töten. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, an denen man seine Identität ermitteln könnte und so leben die übrigen Opfer in Angst und Schrecken vor ihm.

Mitten in den Ermittlungen zu einem aktuellen Mordfall an eben einer dieser Opfer meldet sich die Journalistin Eva Haller mittels ihrem Blogs zu Wort und kritisiert die Polizei, nicht genug getan zu haben, um diese Verbrechen zu unterbinden. Dadurch gerät sie in das Visier des Täters und muss bald um ihr Leben bangen ....

Marcus Hünnebeck gestaltet den Einstieg in seinen Thriller sehr spannungsreich, denn gleich das erste Kapitel bzw. der Prolog widmet sich einem der überlebenden Opfer, welches in einer Schutzwohnung ( bewacht von Polizisten ) angegriffen und getötet wird.

Hierbei wird dem Leser sehr schnell klar, wie klug der Täter vorgeht, wie gnadenlos er ist und wie wenig Hoffnung es gibt, seinem Treiben zu entkommen.Während des gesamten Buches behält der Autor die Spannung bei, eine thrillige Szene jagt die nächste und gleichzeitig erfährt man viel über das Leben bzw. den Beruf eines Personenschützers. 

Denn Eva Haller angiert sich eben solch einen, nachdem sie den Täter durch ihre Blogbeiträge auf sich aufmerksam gemacht hat und die Jagd auf sie eröffnet wurde. Während man atemlos eine Seite nach der anderen umblättert und mit ihr bangt, bauscht sich die Handlung immer mehr auf,bis sie in einem fulminanten Ende ... naja, endet. 

Ganz ehrlich: Ich hatte mir mehr von diesem Thriller erwartet, aber WAS ich mir quasi mehr gewünscht hätte, was mir gefehlt hat, dass kann ich eigentlich kaum beschreiben. Irgendwie bin ich unbefriedigt aus dieser Geschichte gegangen, sie ist mir nicht im Gedächtnis geblieben und das Ende war so ganz anders, als wie ich es erwartet hatte. 

Mein Fazit:

- Durchweg spannungsgeladene Handlung

- Gnadenloser und kluger Täter, der die Polizei an der Nase herumführt

- Eva Haller, die in sein Visier gerät und sich versucht mit Hilfe eines Personenschützers seinen Angriffen zu entgehen

- Fulminantes, aber doch unbefriedigendes Ende - anders als erwartet

Wer einen Thriller sucht, der sich schnell und spannend lesen lässt, wird hier fündig werden. Interessantes Element dabei ist der Personenschützer, welcher mir in anderen Thrillern bisher noch nicht so oft über den Weg gelaufen ist. 

Aber keine unbedingte Empfehlung, da das Ende nicht ganz nach meinem Geschmack war - lest am besten selbst und entscheidet, ob euch "Im Auge des Mörders" zusagt. Ich vergebe

3 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte!

Freitag, 18. September 2015

[Rezension] Skalpelltanz - Jenny Milewski


Skalpelltanz

Jenny Milewski

400 Seiten

Heyne Verlag

12,99 €

Carl Cederfeldt ist Chirurg. Und Mörder. Sein Instrument ist das Rasiermesser. Zum Glück ist er kein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern der Fantasie des Horrorautors Jonas Lerman entsprungen, umstrittener Star der schwedischen Literaturszene. Die Figur des Carl Cederfeldt hat ihn reich gemacht. 

Aber Lerman hat genug von Blut und Gewalt und beschließt, kein weiteres Cederfeldt-Buch mehr zu schreiben. Doch so einfach ist das nicht. Lerman kann mit dem Schreiben nicht aufhören, und in seiner Umgebung geschehen plötzlich mehrere grausame Morde an jungen Mädchen. Begangen mit einem Rasiermesser. Präzise und brutal. Genau so, wie Carl Cederfeldt vorgehen würde. Zum Glück ist er kein Mensch aus Fleisch und Blut ...

Meine Meinung:

Dieser Thriller musste ja bei Erscheinen viel Kritik einstecken und genau aus diesem Grund war ich sehr gespannt .... würde mir die Geschichte gefallen oder wartete doch ein schwacher Plot auf mich?!? Gleich vorweg sei gesagt:

Ich verstehe wenn dieser Thriller nicht bei allen Lesern gut ankommt, denn er ist schon etwas spezieller und genau dieses pikante Etwas hat ihn für mich so interessant und spannend gemacht.

Um was geht es? Jonas Lerman ist Thriller-Autor der Etwas anderen Sorte, denn mit seinen Büchern rund um Carl Cederfeldt mischt er die schwedische Literaturszene gehörig auf. Die makaberen Morde seines Chirurgen stehen dabei im Vordergrund und nun soll ein weiterer Teil geschrieben werden. Der Autor möchte aber aus dem Genre heraus, etwas komplett neues schreiben und widmet sich so einem anderem Expose.

Doch so schnell kommt er von Carl aber nicht los, denn ein innerer Drang den er nicht bekämpfen kann treibt ihn wieder zurück zu ihm. Und plötzlich ereignen sich die brutalen Morde aus seiner Feder in seinem Umfeld, im realen Leben. Noch während er am Schreiben ist … Und schon bald kann Jonas Lerman nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden.

Der Schreibstil von Jenny Milewski konnte mich von Anfang bis Ende überzeugen, auch wenn der Start etwas ruhig und schwach war. Im Laufe des Buches nimmt dieser dann nämlich an Fahrt auf und bis zur letzten Seite habe ich an meinen Fingernägeln geknabbert.

Natürlich gab es ab und zu ein paar Schwachstellen, aber die haben mir das Lesen nicht so madig gemacht wie so manch anderem Leser. Die Autorin ist auf eine so komplett andere Art an diesen Thriller herangegangen und konnte mich damit komplett abholen.

Auch Jonas Lerman als Charakter ist sehr eigen, zu Beginn noch sehr unsympathisch und unzufrieden mit seinem bisherigen Leben. Das ändert sich während dem Buch auch nicht so sehr, doch man fängt an ihn als Mensch zu akzeptieren und seine schrulligen Eigenarten irgendwie hinzunehmen.

So ist er z.B. eifersüchtig auf Carl, denn dieser steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit ... und er als Autor eben nicht so sehr. Die ganzen Fans und Journalisten wollen mit ihm immer nur über seine Romanfigur sprechen, analysieren seine Texte und stellen Vermutungen über die schreckliche Kindheit von Carl an - und ER, Jonas Lerman, bleibt im Hintergrund stehen, muss dort ein Schattensein fristen.

Ab einem gewissen Punkt nimmt "Skalpelltanz" dann richtig an Fahrt auf, reißt den Leser in seinen Sog und lässt einen atemlos zurück. Manche Szenen sind schon sehr heftig und werden dem Einsteiger-Thriller-Leser doch sehr auf den Magen schlagen, es ist also nichts für schwache Nerven! 

Doch genau das hat für mich die Atmosphäre der Geschichte ausgemacht, denn auch Jonas Lerman geizt nicht gerade mit Blut und Ekelszenen in seinen Horror-Romanen.

Auch wenn mich der Schluss nicht ganz rumbekommen hat, so habe ich diesen außergewöhnlichen ( und auch recht horrormäßigen ) Thriller an einem Nachmittag aufgesogen und mit Jonas den schlimmsten Schrecken eines Horror-Autoren durchlebt: Die eigene Romanfigur erwacht zum Leben. Wenn das mal nicht der Stoff ist, mit dem Alpträume gewebt werden!

Mein Fazit:

- Milewski kann mit ihrem Schreibstil überzeugen, die Geschichte besticht durch unterschwelligen Horror

- Jonas Lerman ist kein wirklich sympathischer Charakter und doch findet man ihn auf seine Art und Weise interessant

- Nichts für schwache Nerven, denn manche Szenen haben es in sich

- Schluss ist nicht ganz so spannend, die Durchsetzung des ganzen Plots hingegen schon

Als Leser sollte man ohne jegliche Erwartung an diesen Thriller herangehen und dann wird man sich vielleicht auf die Geschichte ohne wenn und aber einlassen können. Perfekt für die nahenden Herbsttage und die Fans von mystisch-horror-thrilligen Büchern! 

Gebt "Skalpelltanz" eine Chance und seht selbst, ob es euch überzeugen kann - ich für meinen Fall warte sehnsüchtig auf die nächste Thriller-Idee der Autorin. Ich vergebe

4 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte!

Samstag, 5. September 2015

[Rezension] 40 Stunden - Kathrin Lange

40 Stunden

Kathrin Lange

416 Seiten

Blanvalet Verlag

9,99 €

Als Faris Iskander – Ermittler einer Sondereinheit für religiös motivierte Verbrechen – ein Video erhält, in dem ein Mann ans Kreuz geschlagen wird, ahnt er nicht, dass dies der Beginn eines wahren Alptraums ist. Denn ihm bleiben nur 40 Stunden, um das Opfer zu finden. Versagt er, wird der Täter überall in Berlin Bomben zünden. 

Während Zehntausende von Menschen nichtsahnend den ökumenischen Kirchentag feiern, stellt sich Faris dem Wettlauf gegen die Zeit. Als er plötzlich eine Verbindung zu einem früheren Fall findet, muss er feststellen, dass der Täter ihm näher ist, als er es jemals für möglich gehalten hätte.

Meine Meinung:

Ich stecke ja mitten in einer fetten und andauernden Leseflaute. Kaum lese ich 100 Seiten in einem Buch lege ich es wieder weg und widme mich dem nächsten. Ich hatte die Hoffnung auf baldige Rettung meiner Leselust schon fast aufgegeben, als ich gestern Nachmittag nach diesem Thriller gegriffen habe - und die 400 Seiten in einem Leserausch durcheilt habe.

Doch um was geht es? Faris Iskander ist eigentlich Hauptkommissar einer Sondereinheit für religiös motivierte Verbrechen, doch im Moment ist er suspendiert aufgrund eines Anschlages, bei dem er knapp mit dem Leben davonkam. 

Als er eines Tages ein mysteriöses Video geschickt bekommt und ein Unbekannter mit ihm Kontakt aufnimmt wird ihm klar, dass diese Suspendierung nicht lange anhalten wird, denn dieser fordert ihn zu einem Katz- und Maus-Spiel auf. Er soll innerhalb von 40 Stunden einen gekreuzigten Mann finden, ansonsten zündet der Unbekannte mehrere Bomben in Berlin während eines ökonomischen Abendmahls im Berliner Olympiastadium. 

Faris macht sich umgehend an die Ermittlung und muss bald feststellen, dass der Anrufer ihm immer einen Schritt voraus ist. Wird er es rechtzeitig schaffen, diesen Fall zu lösen? ....

Was ist passiert? Warum diese Begeisterung? 

1.) Kathrin Lange hat ein Talent den Leser durch Cliffhanger am Lesen zu halten. 2. ) Faris als Ermittler ist auf der einen Seite der typische Ermittler ( allein und verbittert ) und doch hatte er das gewisse Etwas, was ihn mir so nahe gebracht hat. UND 3.) Kann man mich immer als Leser gewinnen wenn man einen Plot hat, der einen dazu verleitet ganz nervös zu werden und vor lauter Spannung anfängt, Fingernägel zu knabbern.

Die Stimmung innerhalb des Thrillers war seitenweise richtig bedrückend, denn Faris Iskander trägt eine riesige Schuld ( seiner Meinung nach ) mit sich herum. 

Er denkt ER wäre Schuld an einem Anschlag vor 10 Monaten, bei dem sich ein Familienvater in einem Museum in die Luft gesprengt hat und etliche Menschen mit in den Tod riss. Und dieses Traumata beherrscht Faris, macht ihn teilweise handlungsunfähig und dünnhäutiger.

Ohne makaber klingen zu wollen möchte ich behaupten, dass aber genau diese Atmosphäre das ganze Buch getragen hat, denn auch als Leser kommt man um die beklemmende Stimmung und seine Anspannung nicht herum. Dadurch fiebert der Leser mehr bei den Ermittlungen mit, man erwartet ständig einen Ausraster von Seiten Faris - doch ob dieser kommt und wenn ja wie, das müsst ihr selbst lesen.

Kam Spannung auf? Oder hast du dich gelangweilt?

Die Spannung kam nicht zu kurz und für Langeweile fehlte eindeutig die Zeit! Ständig tappte ich im Dunkeln was meine Vermutungen rund um das Motiv und den unbekannten Anrufer anging; in der Mitte des Buches machte sich einmal kurz ein kleiner Verdacht in mir breit, den ich aber schnell wieder abschüttelte - hätte ich ihn bloß festgehalten, denn am Schluss stellte er sich als richtig heraus! 

Die wechselnden Sichtweisen machten das Ganze dann umso interessanter, denn man verfolgte nicht nur Faris Iskander als Protagonist, sondern auch Alexander ( anfangs bleibt diese Person noch sehr nebulös ) und später noch andere kurze Sichtweisen von wichtigen Nebencharakteren. 

Das rundete die herzzerreißende Spannung für mich komplett ab und versetzte mir an einigen Stellen Gänsehaut, denn meine Nerven waren ab einem gewissen Zeitpunkt kaum mehr vorhanden und ich wollte nur noch wissen wer der Täter war.

Fazit:

- Faris Iskander ist nicht der typische Ermittler und gerade deshalb einen Blick mehr wert. Dass er dann auch noch während seiner Suspendierung einen Fall übernehmen muss, wird ihm fast zum Verhängnis

- Religiös motivierte Anschläge suchen Berlin heim und es bleiben 40 Stunden um den Täter zu schnappen

- Verschiedene Sichtweisen machen es dem Leser leicht in die Handlung einzutauchen und vor lauter Spannung die Füße nicht still halten zu können

- Eine düstere Atmosphäre, ein skrupelloser Täter und eine Leseempfehlung von meiner Seite aus ... was soll ich noch mehr sagen?

Für alle die einen gut durchdachten Thriller für die regnerischen Herbsttage suchen. Ich habe ihn in "40 Stunden" gefunden und kann kaum erwarten den zweiten Teil in die Hände zu bekommen. Ich vergebe

5 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte

P.S.: Lotta, falls du die Rezension liest ( oder ich dich drauf stoße :D ): Habe mich mal an einem etwas anderen Fazit versucht ;) Du weißt warum :*