Montag, 24. November 2014

[Rezension] Haus der Stummen

Haus der Stummen

John Burnside

256 Seiten

Knaus Verlag

19,99 € 


John Burnside ist einer der faszinierendsten Literaten unserer Zeit, der in seinen Werken immer wieder die Abgründe der menschlichen Natur erkundet. Bereits in seinem ersten Roman zeigt sich Burnsides Meisterschaft: In spannungsgeladenen Sätzen zeichnet er das Porträt eines jungen Mannes, der von maßlosem Forschergeist in den Wahnsinn getrieben wird.


Meine Meinung:

Ein schauerlich-grausiger Einblick in die verdrehte Psyche eines jungen Mannes wird dem Leser hier geboten - ich habe mich in diese Geschichte hineinfallen lassen und war mit jeder gelesenen Seite fasziniert; aber nicht immer auf angenehme Art und Weise ... wen wundert es?!

Um was geht es? Das ist ziemlich schwer im Nachhinein zu beschreiben; während des Lesens erschließt sich einem zwar das grausame Ganze, doch kaum hatte ich das Buch beendet konnte ich etwas dazu sagen. Im Mittelpunkt steht der Ich-Erzähler in Form eines jungen Mannes der in einem alten Herrenhaus nach dem Tod seiner Mutter seine wahnsinnigen Phantasien auslebt. Für ihn aber sind es weniger Phantasien sondern mehr wissenschaftliche Faszinationen. 

Seine Mutter nahm ihn in frühen Jahren bereits mit in den Wald um mit ihm dort tote Tiere aufzustöbern und diese genau zu betrachten; warum das geschieht und überhaupt seine ganze Vergangenheit bleibt in einem undurchschaubaren Nebel hängen und offenbaren sich dem Leser nie komplett. Man dichtet sich einiges hinzu, versucht sich selbst Erklärungen für die nachfolgenden Geschehnisse zu erdichten. Mich störte das kaum; durch die sehr poetisch anmaßende Schreibweise war ich ständig im Lesefluss und konnte nicht aufhören zu lesen.

Nach und nach wird die Geschichte immer absurder - gleich zu Anfang bekommt man mit das der Ich-Erzähler Zwillinge tötet, da sie ihren Zweck nicht erfüllten; so weiß der Leser von Anfang an worauf Burnside in seinem Roman abzielt und ist zum Schluss trotzdem ziemlich erschlagen von den ganzen Ereignissen. Zu viel möchte ich nicht verraten; es würde die Spannung wegnehmen und den Lesespaß trüben. Teilweise war mir alles zu schleppend, ein wenig Pepp hat mir gefehlt, aber Burnside wollte ja auch keinen Thriller schreiben.

Mein Fazit:

Horrormäßiger Grusel, ein abgedrehter Protagonist und ein altes Haus, hinter dessen Mauern sich so einiges ereignet, was dem Leser Gänsehaut bescheren wird - auf eine sehr ruhige Art und Weise. Nichts für zarte Gemüter und Fans von schleichendem Entsetzen. Ein eigenwilliger Roman mit schaurigem Hintergrund. Ich vergebe

4 ( von 5 möglichen ) Buchpunkten!

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