Posts mit dem Label Interview werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Interview werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 5. April 2020

[Interview] Roland Hebesberger, Autor von "Abzweigungen"

Ich darf Euch heute Roland Hebesberger vorstellen; sein Debüt "Abzweigungen" habe ich vor einigen Tagen gelesen und ich konnte mich (und meine ungezügelte Neugierde) nicht bremsen, ihn um ein Interview zu bitten. Meine Meinung zu seinem außergewöhnlichen Thriller rund um Cornell Rhode könnt ihr jederzeit HIER nachlesen ... nun aber zu unserem heutigen Gast!

- Hallo Roland, schön das du dich meinen Fragen stellen möchtest. Du hast Ende letzten Jahres dein erstes Buch auf den Markt gebracht und damit auch gleichzeitig den Start einer Thriller-Reihe gesetzt. Die naheliegendste Frage zuerst: Wie kam dir die Idee zu "Abzweigungen" und warum hast du dich für genau dieses Genre entschieden?

Roland: Erstmals vielen Dank für die Chance, mich bei dir präsentieren zu dürfen. Hier muss ich etwas ausholen. Begonnen zu schreiben habe ich mit 15 Jahren mit Fanfictions. Danach war ich sehr erfolgreich unterwegs im virtuellen Serienbereich. Mein Traum als Kind war es, Drehbuchautor zu werden. Das ist natürlich in Österreich sehr schwierig. Ich habe dann in ganz jungen Jahren versucht ein Buch zu schreiben, was mir auch gelang.

Nur logischerweise bin ich bei allen Verlagen abgeblitzt. Es kam eine Frustration auf und ich hörte
auf zu schreiben. Aber Ideen kamen immer wieder und ich habe sie mir notiert und abgelegt. Da meine virtuelle Serie dann auch noch als Hörspiel umgesetzt wurde und diese auf YouTube landete, kam bei mir im letzten Jahr wieder Feuer auf, da ich die ganzen Kommentare gesehen hatte und gemerkt habe, dass es viele Leute gibt, die meine Storys noch immer richtig toll fanden.

Also kramte ich in meinen Notizen herum nach etwas Neuen. 

Und ich fand drei Ideen, die eigentlich recht gut zusammengepasst haben. Und dann habe ich mich einfach dran gesessen und habe die Story Line für „Abzweigungen“ entwickelt. Dabei kamen mir zahlreiche weitere und neue Ideen, die ich mir auch gleich alle notiert habe. Dadurch bemerkte ich, dass es noch immer genug Kreativität in meinem Kopf gab.

Bezüglich Genre! Ich habe im SciFi Bereich angefangen, meine virtuelle Serie war dann so eine Art Action/Thriller Serie und ich bin drauf gekommen, dass mir das noch besser liegt. Deshalb starte ich mit Thriller Geschichten, die sich aber auch etwas mit anderen Genres vermischen können. Da setze ich mir keine Grenzen.

Es kann aber auch möglich sein, dass es zukünftig auch SciFi-Thriller oder Mystery/Horror/Fantasy Geschichten geben kann. Aktuell konzentriere ich mich auf meine Thriller Ideen!

- Du hast dich für eine Veröffentlichung mit myMorawa entschieden, einer Plattform, mit deren Hilfe Autor*innen ihre Bücher selbst publizieren können. Wie lange hat es von der eigentlichen Buchidee bis zur Veröffentlichung gedauert und würdest du dich jederzeit wieder für diesen Weg entscheiden?

Roland: Ich muss hier gleich ein ganz großes Lob an MyMorawa, insbesondere Frau Scherzer, anbringen. Natürlich wäre mir ein Verlag am liebsten gewesen, aber ich wollte nicht wieder Monate damit verbringen, auf Antworten zu warten und dann wieder Absagen zu riskieren. Als ich das Selfpublishing entdeckt habe, war mir klar, dass ich zuerst nach einem heimischen Partner suchen würde. Und da habe ich mit MyMorawa einen ganz tollen Partner gefunden.

Vom ersten Gespräch an waren sie für mich da, beantworteten alle meine Fragen, waren immer hilfsbereit und immer freundlich. Auch nach der Veröffentlichung bieten sie dir tolle Hilfe an. Werbematerial, Buchpräsentationen usw. bieten sie dir ebenfalls an. Der Preis ist überaus fair und man fühlt sich sehr gut aufgehoben. Diesen Schritt würde ich definitiv wieder so machen.

Die Idee hatte ich im Februar 2019, da habe ich mich dann erstmals informiert, wie das Selfpublishing ablaufen würde. Im März habe ich zum Plotten und dann zum Schreiben begonnen, im Juni war ich fertig. Dann kam die Arbeit mit meiner Lektorin, die sehr intensiv und lehrreich war. Ende November war das Skript dann fertig, ebenso das Cover und am 06. Dezember erschien mein Buch! Also ja, ich würde wieder diesen Weg beschreiten!

- Cornell Rhode ist ja ein recht eigener Charakter für sich - wie entstehen deine Charaktere und entwickeln sie sich im Laufe der Geschichte ganz eigenständig bzw in eine andere Richtung als sie zu Anfangs sollten oder hast du da immer die Zügel in der schriftstellerischen Hand? Und wie behältst du den Überblick über deine Protagonisten, ihre Ziele und Wünsche?

Roland: Meine Charaktere sind immer sehr eigen, das hat mir damals bei den virtuellen Serien schon viele Fans, aber auch Hater gebracht. Den Stereotyp sollte es so bei mir nicht geben. Mir ist es sehr wichtig, dass sich meine Charaktere im Zuge der Geschichte verändern, durch das, was sie erlebt haben. Das steht immer im Zentrum der Geschichte. Damit spielt man sehr mit dem Feuer, da man aufpassen muss, dass ein Hauptprotagonist nicht unsympathisch oder uninteressant für den Leser wird. Allerdings hat man dadurch auch die Chance, eine Geschichte richtig spannend und überraschend zu machen. Bei mir ist alles durchgeplant.

Bevor ich den ersten Satz schreibe, auch von einer ganzen Reihe, steht das Ende schon fest. Der Weg dorthin, kann ich dann noch verändern, also das wird dann laufend überarbeitet.

Aber mir muss immer klar sein, wo ein Charakter startet und wo er endet. Einfach so drauf los schreiben geht bei mir nicht. Deshalb ist das Plotten bei mir so wichtig! Außerdem wird bei mir von jedem Charakter ein eigenes Datenblatt angelegt. Dort ist seine komplette Biografie hinterlegt, wie auch sein Stammbaum. Dort vermerke ich mir auch das aussehen, die Charaktereigenschaften, die Schwächen, die Stärken, die Sprache und so weiter. Und das wird immer wieder ergänzt. Wenn ich mir mal nicht mehr sicher bin, wie ein Charakter tickt und wohin er sollte, dann kann ich das Datenblatt davon durchlesen. Ohne diese Notizen wäre ich aufgeschmissen, da mir so viele Ideen durch den Kopf gehen, dass ich dann sicherlich vieles vergessen oder vermischen würde. 

- Wir wollen aber nicht nur über deinen Erstling reden, sondern auch ein wenig über DICH als Autor: Ich habe auf deiner Website gelesen, dass du mit dem Schreiben von Fanfictions zu der Serie Stargate angefangen hast. Woher kam die Lust zum schriftstellerischen Schaffen und wie hast du dich als Autor in der Zeit von 2000 bis jetzt, 20 Jahre später, in deinen Augen weiterentwickelt?

Roland: Wie ich oben schon erwähnt habe, wollte ich immer Drehbuchautor werden. Schon als Kind fielen mir Logikfehler in Serien und Filme auf und überlegte mir, wie man sie besser machen konnten. Dadurch bekam ich immer mehr Ideen zu eigenen Storys. 

Damals gab es das Wort Streaming noch gar nicht. Ich habe mir diese Folgen angeschaut, verstand aber zu wenig. Es gab aber eine Fanseite, die sogenannte „Langinhalte“ über diese Episoden schrieb. Somit konnte ich sie ansehen und danach durchlesen, was dort passierte und verstand alles.

Ich dachte mir, ich könnte eigene „Langinhalte“ zu Stargate schreiben. Das machte ich und es wurden immer mehr, bis ich daraus gleich eine Staffel baute. 

Da ich selbst eine Stargate Fanseite hatte, veröffentliche ich diese dort. Ich bekam eine große Leserschaft und ich wurde informiert, dass man so etwas nicht Langinhalte, sondern Fanfictions nennt. Also schrieb ich ab der dritten Staffel der Serie eine eigene Zeitlinie. Dann wurde ich von VTV und DTV entdeckt, zwei Portale, die sich um virtuelle Serien bemühten und dort sozusagen einen virtuellen Fernsehsender zum Lesen aufbauten. 

Die wollten aber nicht nur Fanfictions, sondern auch eigene Ideen. So entwickelte ich die Agententhriller-Serie „Teen Agent“, die dann auch zum Hörspiel verarbeitet wurde. Ich gewann viele Awards, unter anderem zwei Mal den besten virtuellen Mainwriter, was die größte Auszeichnung war. Durch diese Erfolge kam ich dann auf die Idee, ein Buch zu schreiben, was ich auch tat, aber nirgendwo angenommen wurde.

Dann beendete ich alles. Durch meine Arbeit und anderen Hobbys kam ich auch nicht mehr dazu. Das Schreiben selbst ließ mich also nie los, auch meine Ideen nicht. Öfters habe ich mit Freunden und Familie gesprochen, dass ich irgendwann einmal ein Buch schreiben werde, weil ich wissen will, ob meine Geschichten nur als virtuelle Serie gut waren oder eben auch Romantauglich wären. Und letztes Jahr habe ich mir dann einfach gesagt, jetzt oder nie. Und jetzt gibt es das Buch und es freut mich sehr, dass es so gut ankommt und viele tolle Bewertungen bekam!

Jeder fängt mal klein ein, auch alle Autoren und man muss lernen und sich entwickeln. 

Bei mir lief es vielleicht etwas anders ab, wie bei vielen anderen, doch der Weg ist immer der Gleiche! Und auch durch die Arbeit an Abzweigungen habe ich so viel gelernt, dass ich jetzt im zweiten Buch anwenden kann. Ich hoffe, dass ich dadurch immer besser werde und vielleicht irgendwann für einen Verlag oder eine große Leserschaft interessant werden könnte. Ich habe so viele Ideen und ich würde sie gerne alle schreiben, nur die Zeit und das nötige Kleingeld fehlen dazu!

- Bist du Vollzeit-Schriftsteller oder meisterst du den Spagat zwischen Brotjob und dem Autoren-Dasein? Wenn ja, wie vereinbarst du deinen Beruf mit dem Schreiben und wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Roland: Ich wäre gerne Vollzeit-Schriftsteller, aber es ist bekannt, dass dies nur wenige Autoren sind. Gerade mit dem ersten Buch tut man sich sehr schwer. Ich bin aktuell noch über 5.000 € im Minus beim ersten Buch, also bin ich meilenweit davon entfernt, dass ich als Autor von meinen Büchern leben kann. Ich schreibe auch nicht deshalb, weil ich damit viel Geld verdienen will.

Mein Ziel ist es, Geschichten zu erzählen und den Leuten die Chance geben, in meine Fantasiewelten einsteigen zu können.


Es wäre schön, wenn sich die Bücher selbst finanzieren würden, ansonsten werde ich nicht viele Bücher schreiben können. Ein kleines Taschengeld wäre auch nett. Vollzeit Schriftsteller wäre aber natürlich genial, weil ich dann richtig viele Bücher schreiben könnte. Ideen hätte ich wirklich sehr viele! Also muss ich ganz normal wie jeder andere Arbeiten. Ich stehe in der Früh auf, arbeite meine 10 Stunden am Tag, komme nach Hause und wenn ich die Muse habe, plotte oder schreibe ich.

Am Wochenende bin ich sehr viel unterwegs, da ich auch ehrenamtliche Positionen habe und einen Fanclub führe. Gott sei Dank kann ich sehr schnell tippen und bin ein nachtaktiver Mensch. Deshalb geht sich der Autor auch noch aus. Das Schwierige am Selfpublisher Leben ist eben, dass es mit dem Schreiben nicht getan ist.

Man muss alles selbst vermarkten und noch mehr Zeit investieren. Wie ich das alles in Moment unter einem Hut bekomme, weiß ich selbst nicht. Gerade, weil ich in wenigen Tagen das komplette zweite Buch geschrieben habe. Aber momentan läuft es und ich nutze das aus, so lange es geht. In Zukunft wäre es aber schön, wenn ich mehr Zeit zum Schreiben haben könnte. Doch damit beschäftige ich mich erst, wenn es soweit ist!

- Und eine letzte Frage zum Schluss: Cornell soll ja nicht seinen letzten Auftritt in "Abzweigungen" gehabt haben - wie viele Bände hast du in Planung und kannst du uns über den zweiten Band ein wenig mehr verraten? Was erwartet uns Leser dort? Und schlummern noch mehr Projekte in deinem Kopf bzw. deiner Schreibtischschublade, auf die du uns ein wenig neugierig machen möchtest? 

Roland: Ich habe schon zu meinen Freunden gesagt, als sie sich das Buch geholt haben „It was just the beginning“. An alle Cornell Fans da draußen, ihr müsst euch noch etwas gedulden. Bevor die Fortsetzung zu diesem Roman kommt, folgen noch andere zwei Bücher. Es folgt ein Agenten-Mystery-Thriller, geplant für den Sommer und ein Cyber-Psycho-Thriller, geplant im Winter, in diesem Jahr. Aus all diesen drei Storys sollten Trilogien entstehen.

In meinem Plan sind aber jetzt mal in diesem Thriller Bereich 13-15 Bücher geplant. Ein SciFi-Thriller könnte auch demnächst folgten, daran arbeite ich gerade. Die Fortsetzung zu Abzweigungen ist aktuell mal für Frühjahr 2021 geplant. Versprechen kann ich den Termin hier aber nicht, da ich natürlich als Selfpublisher immer aufs Geld schauen muss. Umso mehr Bücher, dass ich verkaufe, umso schneller kann ich mir Lektorat/Korrektorat/Cover leisten und umso schneller kommen die Bücher raus. Und Projekte habe ich genug.

Ich bedanke mich für das Interview und die Chance mich präsentieren zu dürfen. Meine Hoffnungen liegen bei den Lesern da draußen, dass ihr meinem Buch eine Chance gebt und mir eine ehrliche Rezension gebt. Nur so kann ich mich weiterentwickeln. Und ich verspreche euch, sobald das Budget da ist, folgen die nächsten Bücher. Geschrieben wird bei mir am laufenden Band. Vielen Dank und alles Gute!

Vielen lieben Dank Roland für das interessante und ausführliche Interview! 


Wenn ihr mehr über ihn und seinen Alltag als Autor erfahren wollt, könnt ihr Roland auf Instagram *klick* oder Twitter *hier* ein wenig über die Schulter sehen. 

Sonntag, 21. Juli 2019

[Interview] Nicole Seifert - Übersetzerin

Ich darf euch heute Nicole Seifert vorstellen, welche ich für ein Interview gewinnen konnte. Nicole ist freiberufliche Übersetzerin, Bloggerin ( ihr Blog nachtundtagblog.de ) Herausgeberin und Familienmensch.

Quelle: Sabrina Adeline Nagel
Ich muss gestehen, dass ich mich bisher nie so intensiv mit dem Beruf des Übersetzer*in auseinander gesetzt habe. Seit ein paar Jahren habe ich es mir angewöhnt, die Namen der Übersetzer*innen zu googeln, wenn mir der Text besonders gut oder schlecht gefallen hat. Je nachdem merke ich mir die Titel vor auf meiner Wunschliste oder mache einen großen Bogen um weitere Bücher des Übersetzenden.

Und genau aus diesem Grund war ich neugierig, wie es wohl hinter den Kulissen abläuft. Da der Herzensmann Nicole über Twitter schon länger folgte und mir den gedanklichen Stubser in die richtige Richtung gab, schrieb ich sie an und durfte ihr meine Fragen schicken, die ihr nun zu lesen bekommt.

So, jetzt aber genug Vorgeplänkel ... wir starten mit dem Interview, habt viel Spaß!

- Nicole, du bist ein richtiges Multitalent. 

Im Vorfeld für das Interview habe ich mich auf deinem Blog Nacht und Tag gestöbert und gesehen bzw. gelesen, dass du dort einen eigenen Onlinelesekreis ins Leben gerufen hast, mit Begeisterung bloggst, als Herausgeberin und Übersetzerin arbeitest und "nebenbei" auch noch eine Familie hast. 

Wie bekommst du das alles unter einen Hut?

Nicole: Na ja, Multitalent – es liegt ja alles sehr nah beieinander, hat alles mit Literatur zu tun. Manchmal ist schon ein bisschen jonglieren nötig, aber das geht ja allen arbeitenden Eltern so. Was mir hilft:

Ich habe einen klar strukturierten Arbeitstag und liebe das Lesen und Schreiben und Übersetzen, bin also nicht besonders anfällig für Ablenkungen. 

Als Selbständige, deren Schreibtisch zu Hause in meinem Arbeitszimmer steht, kann ich mir meine
unterschiedlichen Projekte so einteilen, wie es Deadlines und Alltagstermine erlauben. Das Bloggen ist für mich sehr überwiegend Spaß, das läuft nebenbei – und wenn mal nicht genug Zeit dafür ist, poste ich eben weniger. Die Arbeit im Haushalt haben mein Mann und ich aufgeteilt, und mein Kind ist schon größer, da bin ich gar nicht mehr so gefragt

Quelle: Sabrina Adeline Nagel
- Heute soll es ja um deinen Beruf als Übersetzerin gehen, den ich mir als Leserin unwahrscheinlich interessant und spannend vorstelle. Magst du uns ein wenig mehr darüber erzählen und Einblick gewähren in deinen beruflichen Alltag?

Nicole: Äußerlich ist der Alltag einer Übersetzerin sehr ruhig und wenig aufregend, aber inhaltlich ist es in der Tat spannend, nicht zuletzt, weil man ständig dazulernt. Wenn man Romane übersetzt, muss man sich immer wieder in unterschiedlichste Dinge einlesen, um detaillierte Beschreibungen von Handwerken, Sportarten, oder Dingen wie Antiquitäten oder Schiffen mit den richtigen Begriffen übersetzen zu können.

Da stoßen normale Wörterbücher an ihre Grenzen, sogar das Internet hilft oft nicht weiter, wenn es konkret und hieb- und stichfest sein soll. Manchmal geht es nicht, ohne Expert*innen ausfindig zu machen. Ich habe an meinem Bildschirm zwei Manuskripte nebeneinanderstehen: das Original, und daneben das deutsche, das ich gerade schreibe. So hangele ich mich dann am Text entlang und schaffe mal drei Seiten am Tag, mal zehn, je nach Zeit und Schwierigkeit des Textes.

Oberstes Ziel ist es, am Ende einen deutschen Text abzugeben, dem man nicht anmerkt, dass er aus einer anderen Sprache übersetzt wurde, der dem Original aber in jeder Hinsicht entspricht, nicht nur inhaltlich. 

Damit sich ein Text am Ende so liest, ist vor allem eine große Sensibilität für die Stilebenen der Sprache nötig. Nach dem Übersetzen wird überarbeitet und gegengelesen, dann geht der Roman ins Lektorat, wo Satz für Satz verglichen wird. Anschließend besprechen die Lektorin und ich die Änderungen und die schwierigen Fälle. Dann geht der Roman ins Korrektorat, was auch noch mal sehr wichtig ist, nicht nur wegen der Einheitlichkeit der Schreibweisen und der Rechtschreibung, sondern auch, weil hier oft noch Übersehenes entdeckt wird.

Sonntag, 7. Juli 2019

[Interview] Nici Hope, Autorin von "Demon Rookie"

Quelle: Nici Hope
Ich darf euch heute Nici Hope, die Autorin von "Demon Rookie" ( *~HIER~* kommt ihr zu meiner Rezension ), im Interview präsentieren und konnte ihr einige Fragen zu ihrem Debüt, dem Schreiben an sich, einer Hörbuchvertonung und einigem mehr stellen.

Kleiner witziger Fakt am Rande: Nici wohnt quasi direkt bei uns in der Nachbarschaft, aber da wir beide momentan viel um die Ohren haben und ich euch das Interview auch nicht allzu lange vorenthalten wollte, haben wir es noch nicht geschafft, uns zu treffen. Aber das kriegen wir auch irgendwann hin und dann gibt es vielleicht ein kleines Gewinnspiel, wenn ihr mögt .... wer weiß!

Aber jetzt wünsche ich euch erstmal viel Spaß beim Lesen und hoffe natürlich auch, euch damit ein wenig neugierig auf Nici und ihr Debüt machen zu können.

- Dein Debüt "Demon Rookie" erschien Anfang dieses Jahres im Tredition Verlag, über den Autor*innen ihre Bücher selbst verlegen können. Wie lange hat es von der eigentlichen Buchidee bis zur Veröffentlichung gedauert und würdest du dich jederzeit wieder für diesen Weg entscheiden?

Quelle: Nici Hope
Nici: Der ganze Prozess hat gut 1 Jahr gedauert. Dabei hat das Schreiben und Überarbeiten des Textes den Großteil eingenommen. Das Veröffentlichen über Tredition war sehr angenehm und unkompliziert. Vom Hochladen des Buchinnenteils bis zum Gestalten des Covers. Ich bin nicht abgeneigt erneut einen Titel im Selbstverlag rauszubringen.

Mir gefällt es, dass ich dann alles selber bestimmen und machen kann. Ich kann so schneller veröffentlichen und muss nicht auf den Verlag warten. 

Nachteil ist, das man alleine die Kosten für ein Lektorat und Korrektorat tragen oder darauf verzichten muss. Aber ja, sollte eins meiner Werke nicht bei einem Verlag unterkommen oder mir die Zusammenarbeit mit einem Verlag nicht effektiv erscheinen, dann werde ich es wieder tun. Auf jeden Fall!

- Du hast sogar dein Buch selbst eingesprochen und als Hörbuch herausgegeben. Erzähl uns doch ein wenig davon, denn dass ein Selfpublisher sein Werk selbst einspricht, ist ja doch etwas ungewöhnlicher.

Nici: Ich liebe Hörbücher und da war klar: Demon Rookie muss auch als Hörbuch erscheinen. Eine professionelle Produktion wäre allerdings sehr teuer, also habe ich mir kurzer Hand an meinem Schreibtisch ein Minitonstudio eingerichtet und es selbst in die Hand genommen. Das hat richtig Spaß gemacht, nachdem ich mich in das Thema Aufnahme und Schnitt eingearbeitet hatte.

Quelle: Nici Hope
Auf Audible und Deezer könnt ihr in das Buch reinhören oder es herunterladen. Was beim eBook und Printbuch über Plattformen wie Tredition und BOD sehr gut und gewinnbringend läuft, ist aber im Bereich Hörbuch frustrierend. Dort habe ich mit der Plattform Feiyr zusammengearbeitet und bin geschockt, wie wenig man an einem digitalen Hörbuch verdient. Das trübt ein wenig die Freude.

Für 20 verkaufte Hörbücher habe ich gerade mal 1,98€ bekommen d.h. so gerade 10 Cent pro Hörbuch. 

Aufwand und Gewinn passen da nicht wirklich. Für die Folgebände sowie die Neuauflage habe ich jetzt Unterstützung vom Verlag. Hoffe dann läuft es besser. Einsprechen werde ich es weiterhin selbst.

- Bei "Demon Rookie" handelt es ja nicht nur um eine reine Horrorgeschichte, sondern es verstecken sich ebenfalls Themen wie Okkultismus, luzides Träumen und Satanismus in deinem Roman und das nicht zu knapp. Ich hatte das Gefühl, dass du für diese Bereiche nicht einfach "nur" recherchiert hast, sondern dich selbst damit ziemlich gut auskennst. Stimmt das oder bin ich da komplett auf dem Holzweg?

Nici: Da hast du den richtigen Riecher. Ich verschlinge seit Teenagertagen alles zum Thema Okkultismus, Magie und Satanismus. Bin in dem Thema sehr belesen und im Herzen eine kleine satanische Hexe. Viele verbinden das mit falsche Vorstellungen und jeder Menge Vorurteilen. Wer sich aber ernsthaft damit beschäftigt, wird merken, dass diese Philosophie nichts mit Tieropfern und kriminellen Handlungen zu tun hat, so wie es in den Medien dargestellt wird.

Dienstag, 27. November 2018

[Interview] Michael Leuchtenberger, Autor von "Caspars Schatten"

Ich darf euch heute Michael Leuchtenberger vorstellen; sein Debüt "Caspars Schatten" habe ich vor einigen Tagen beendet ( HIER kommt ihr zu meiner Rezension )  und konnte mich nicht bremsen, ihn um ein Interview zu bitten.

Warum? Nun ja, ich bin generell ein neugieriger Mensch und wenn sich mir schon die Gelegenheit ergibt, einem Autor Löcher in den Bauch zu fragen, dann ergreife ich diese sehr gerne. Und da Michael auch ganz bereitwillig zusagte, habt ihr hier und jetzt die Möglichkeit, den kreativen Kopf hinter der Geschichte näher kennenzulernen.

Dementsprechend wünsche ich euch nun viel Spaß beim Lesen und hoffe selbstverständlich auch, euch damit ein wenig neugierig auf Michael und VOR ALLEM seinen Roman machen zu können.

- Mit „Caspars Schatten“ hast du dein erstes Buch auf den Buchmarkt gebracht – wie kam dir die Idee zu deinem Debüt? Unsichtbare Naturwesen, Runen, geheimnisvolle Mächte; all das ist ja schon sehr außergewöhnlich und nicht in jedem Thriller zu finden.

Michael: Mich haben schon immer Geschichten besonders fasziniert, die einerseits realistisch sind, andererseits mit übersinnlichen Elementen spielen. Ich war in meiner Jugend ein großer Fan der Serie “Akte X”, mag surreale Filme, lese viel Stephen King und mag die klassischen Schauergeschichten von Edgar Allan Poe oder E.T.A. Hoffmann.

Mit meinem ersten Buch wollte ich gerne auch diese Richtung einschlagen. Reine Krimis und klassische Thriller, wo oft die Ermittler im Mittelpunkt stehen, sind nicht so mein Fall, mit wenigen Ausnahmen.

Zudem mag ich sehr gern Geschichten, die kammerspielartig sind, sich also auf wenige Figuren konzentrieren und wo Ort und Zeit sehr begrenzt sind. Da kann sich eine ungeheure Spannung aufbauen, die mich fasziniert (“Gott des Gemetzels” ist ein bekanntes Beispiel dafür). Auch das war ein Wunsch für mein erstes Buch.

- Welchen Verlauf nahm deine Geschichte während des Schreibprozesses? Hast du sie in einem Rutsch aufgeschrieben oder bist du eher ein selbstkritischer Autor und hast einiges geändert, daran gedrechselt und wieder verworfen?

Michael: Ich habe das Romankonzept in einem Kurs für Kreatives Schreiben entworfen und hatte so einen Fahrplan für die Ausarbeitung, an den ich mich auch gehalten habe. Für mein erstes Buch war das extrem hilfreich.

Es hat mir die Angst davor genommen, niemals fertig zu werden und ich konnte den Roman flüssig zu Ende schreiben.

Dienstag, 19. Januar 2016

[Themenwoche #1] Tag 2: Interview mit Angela Kirchner


Hallihallo meine Lieben!


Ich freue mich, dass ihr auch an Tag 2 mit von der Partie seid. Dieser Tag steht ganz unter dem Stern "Löchern wir Angela und schauen, was dabei herauskommt" oder optional "Interview mit Angela Kirchner" ... hihihihi.

Mit Freude hatte ich mir Fragen aus den Fingern gesaugt, die natürlich auf der einen Seite euch interessieren könnten und auf der anderen Seite euch die Autorin hinter dem Buch näher bringen.

DENN nicht nur ihr Roman ist ein Blick mehr wert, sondern auch Gela selbst.

Heute erfahrt ihr unter anderem wie "Über den Dächern wir zwei" entstanden ist, was die Autorin inspiriert und was ihre All-Time-Favorites unter Büchern sind.

Bühne frei für Angela Kirchner! 

Hallo Angela, herzlich Willkommen auf meinem Blog.  Ich freue mich sehr, dass du dir die Zeit nimmst und mir meine Fragen beantwortest, legen wir gleich los! 

1.) Erzähl uns ein wenig was von dir – was sollten meine Leser über dich wissen?

Angela: Hallo, liebe Antonie! Hallo, liebe Leser!
Erst einmal vielen Dank, dass ihr euch ein paar Minuten Zeit für mich nehmen möchtet. Das ehrt mich wirklich sehr.

Also, ich bin Angela, 33 Jahre alt, Ehefrau meines Weltkönigs, Mama eines zweijährigen Wunderprinzen und Frauchen eines vierjährigen durchgeknallten Labradorrüden, der nicht umsonst den Namen Poopsie trägt. Ich schreibe, seit ich dreizehn bin, aber die meiste Zeit kürzere Geschichten, Szenen und Dialoge, die mir so in den Kopf gekommen sind (die Fanfiction lasse ich jetzt lieber mal weg).

„Über den Dächern wir zwei“ ist der erste Roman, den ich vollendet habe, und ich freue mich, ihn nun endlich in die Welt hinauslassen zu dürfen!

2.) Wie kam dir die Idee zu „Über den Dächern wir zwei“? Gerade bei Liebesgeschichten stelle ich es mir ja schwer vor, etwas „neues“ zu Papier zu bringen, nachdem es bereits so viele solche Geschichten schon gibt.

Angela: Ehrlich gesagt, hatte ich die Story überhaupt nicht geplant. 

Als ich damals auf dem Portal von Oetinger34 zugelassen wurde, habe ich gerade an einer Fantasy-Geschichte geschrieben, die in einer völlig anderen Welt spielt. Aber leider hatte ich mich zu dem Zeitpunkt auch gerade übel festgeschrieben. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte mit den Figuren, mit dem Plot. 

Also habe ich mich lieber auf die nächste Einsendeaufgabe für meinen Schreibkurs Kinder-/Jugendbuch gestürzt. Ich sollte einen Dialog schreiben, der in einem Jugendbuch vorkommen könnte, und so ist die zweite Dachszene zwischen Mina und Theo entstanden. Komischerweise flutschte es bei dieser Story sofort wie geschmiert, ich hatte gleich eine Vorgeschichte im Kopf und viele Ideen, wie es weitergehen könnte.

Ich habe „Über den Dächern wir zwei“ anfangs gar nicht unter der Prämisse geschrieben, das Ergebnis eines Tages veröffentlichen zu wollen. Die Figuren waren einfach da, sie haben einfach agiert, und ich habe zugehört und mitgeschrieben.

3.) Wer ist dir während dem Schreiben mehr ans Herz gewachsen: Theo oder Mina? 

Angela: Hm, schwierig. Die Geschichte wird ja aus Minas Sicht erzählt. Ich wollte die Veränderungen beschreiben, die in ihr stattfinden, und deshalb liegt sie mir natürlich sehr am Herzen. 

Ich mag ihre spröde, oft etwas unbeholfene Art. 

Aber Theo hat so einen tollen Humor, er steht so herrlich über den Dingen und – hach, Theo ist eben Theo, und dafür liebe ich ihn.

4.) Wie entwickelst du deine Charaktere? Und wie behältst du den Überblick über sie - Flipchart oder Notizen?

Angela: Anfangs habe ich auf Karteikarten geschrieben, aber das wurden mit der Zeit dann doch recht viele. Irgendwann während des Schreibens bin ich glücklicherweise über befreundete Autoren auf das Schreibprogramm Scrivener gestoßen (Scrivener for President by the way!), das unter anderem auch großartige Vorlagen für Charakter-Skizzen mitbringt. 

Seitdem nutze ich nur noch die. Entwickelt werden die Figuren üblicherweise beim Putzen, Gassigehen oder anderen irre anspruchsvollen Tätigkeiten, die es meinen Gedanken erlauben, auf Reisen zu gehen. ;)

5.) Für wen speziell hast dein neues Buch geschrieben, wen möchtest du damit erreichen bzw. ab welchem Alter würdest du es empfehlen?

Angela: Geschrieben habe ich es wie gesagt anfangs eher für mich. Als sich auf dem Portal von Oetinger34 eine Junior-Lektorin gefunden hat, die mich unterstützen wollte, habe ich eine Weile vor allem für sie und meine beiden Testleser geschrieben. 

Sobald die Geschichte dann fertig war und wir uns ans Überarbeiten gemacht haben, wusste ich: „Okay, für Kinder ist das definitiv nichts. Wohl eher für Jugendliche ab 13 Jahren.“
Und aufgrund der weiblichen Perspektive dürfte die Geschichte auch vor allem ein weibliches Publikum ansprechen.

6.) Wird es eine Fortsetzung zu „Über den Dächern wir zwei“ geben? Ich persönlich würde mir ja von ganzem Herzen eine wünschen, das Ende kam viiieelll zu schnell!

Angela: Oh, danke! Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie glücklich mich das macht! <3

Eine Fortsetzung ist aktuell zwar nicht geplant, doch sag niemals nie. 

Die Vorgeschichte ist im Grunde ja bereits erzählt, da könnte ich mir höchstens ein, zwei Kurzgeschichten vorstellen, die das Ganze ein wenig besser ausleuchten. Ich hatte da sogar schon ein paar Ideen, für deren Umsetzung ich allerdings die Meinung der Leser von „Über den Dächern wir zwei“ bräuchte. Mal sehen, was sich da machen lässt.

Ein direkter Nachfolger – och, Lust darauf hätte ich auf jeden Fall. Ich will jetzt nicht spoilern, aber es gibt ja durchaus die ein oder andere offene Frage am Ende.

7.) Du bist ja am 28.01 bei Hugendubel in Würzburg und stellst dort dein neues Buch vor – hast du schon etwas Lampenfieber? ;) Wie bereitest du dich auf diese Buchvorstellung vor, ist es deine erste?

Angela: Lampenfieber?! Ich würde es eher ‚höllische Angst‘ nennen! :D

Nein, mal ehrlich. Ich freue mich riesig auf die Veranstaltung, aber ich habe trotzdem einen Heidenrespekt davor. Es ist tatsächlich meine erste Buchvorstellung, und ich weiß nicht, was mich erwartet. Ein paar liebe Freundinnen haben sich schon angemeldet, zwei von ihnen nehmen sogar eine mehrstündige Anreise in Kauf. 

Das ist schon irre und macht mich verlegen und stolz zugleich. Momentan fühlt es sich allerdings mehr so an, als würde ich das alles für jemand anderen organisieren. Ziemlich surreal.

8.) So genug von deinem aktuellen Buch geredet, hast du schon ein neues Projekt in der Hinterhand und kannst/darfst uns schon ein wenig mehr verraten?

Angela: Sogar schon mehrere! Da wartet noch immer die Fantasy-Geschichte, mit der ich auf Oetinger34 gestartet bin. Dann eine weitere Contemporary-Story mit leicht mystischen Einschüben. 

Mein aktuelles Hauptprojekt handelt jedoch von einem jungen Mann, der das Pech auf Lebenszeit gepachtet hat und plötzlich ein Held sein soll. Mir gefallen Geschichten von Antihelden, die ihre Situation mit einer ordentlichen Prise Humor zu meistern wissen. Und genau so etwas möchte ich gerne schreiben. Ich hoffe, es gelingt mir.

9.) Eine Frage, die mich bei jedem Autor brennend interessiert, ist: Wie kommst du zu deinen Ideen? Was inspiriert dich und lässt in deinem Kopf gerade diese eine Geschichte entstehen?

Angela: Oh, da gibt es eine ganze Menge. 

Ich liebe zum Beispiel Marvel-Filme, die Figuren sind so unglaublich gut gezeichnet und in den Plot eingebettet, das grenzt für mich schon an Magie. Auch Serien wie „Pushing Daisies“, „Suits“, „Gotham“ oder gut gemachte Animes inspirieren mich immer wieder. Am wichtigsten sind mir dabei die Dialoge. Wenn die nicht stimmen oder ins Leere führen, schalte ich ab. 

Eine weitere unerschöpfliche Quelle von Ideen sind Bilder. Seit ich auf Twitter und Instagram unterwegs bin, folge ich mehr Illustratoren als Autoren, und ich schaue mir auch auf Pinterest immer gerne Storyboards zu Romanen an. Das ist so spannend!

Mit Bildern kann man Stimmungen hervorragend transportieren und wiedergeben. Wenn ich irgendwann mal so gut schreiben kann, dass in den Köpfen der Leser solche Bilder entstehen, bin ich meinem Ziel ein großes Stück näher gekommen.

10.) Zeige uns doch mal deinen Schreibplatz! Oder beschreibe ihn uns – was macht ihn für dich zur idealen Inspirationsquelle?

Angela: Mein Schreibplatz ist momentan leider noch sehr unaufregend, aber ich hoffe, das ändert sich bald. Ich möchte irgendwann mal einen richtig großen Schreibtisch mit Platz für meine Lexika, Duden und Notizbücher. 

Du weißt schon, so einen alten Holztisch mit Schubladen und Gebrauchsspuren. Das wäre toll!

Unentbehrlich sind für mich meine Pinnwand, meine Prokrastinier-Freunde und der Blick auf mein Buchregal. Sobald meine Gedanken sich festfressen, beschäftige ich mich kurz damit. Das hilft mir, die Konzentration wiederzufinden.

11.) Als Buchhändlerin brennt mir natürlich eine Frage besonders zwischen den Fingern: Was liest du privat? Und wenn du 5 deiner All-Time-Favoriten benennen müsstest, welche wären das?

Angela: Puh, ich bin ja selbst Buchhändlerin, und da fällt es verdammt schwer, mich auf bestimmte Werke festzulegen. Aber ich versuch mal mein Glück.

- Auf jeden Fall muss ich hier fast alles von Cassandra Clare angeben. Ich mag ihren Schreibstil, ihre Figurenzeichnung und Plotentwicklung sehr. So bildhaft und packend. Sie ist wirklich ein großes Vorbild für mich als Autorin.

- Die „Bartimäus“-Reihe von Jonathan Stroud gefällt mir auch sehr gut. Hier haben wir meine Liebe zu Antihelden-Romanen (wie auch bei „Artemis Fowl“ oder „Johannes Cabal“).

P.G. Wodehouse. Oh ja, Wodehouse. Toller Humor!
- John Green. Gott, der Kerl kann schreiben.

Marisha Pessl hat mich mit ihren beiden Romanen extrem tief beeindruckt. Ich muss zugeben, ich habe bei beiden im Nachhinein gegoogelt, ob und wenn ja, wie viel Wahrheit hinter ihren Geschichten steckt.

Hier fehlen noch soooo viele. Oscar Wilde ist klasse, Charles Dickens, Patrick Rothfuss, Kristin Cashore, Markus Zusak, John Niven, Eoin Colfer … Ja, ich hör ja schon auf. *hüstel*

12.) Wie sieht denn so ein typischer Tag für dich aus wenn du dich nur dem Schreiben widmest?

Angela: Die sind leider sehr, sehr selten, weil es einfach zu viel außen rum zu tun gibt. Aber wenn ich mir tatsächlich einmal den Luxus gönnen und einen Tag nur dem Schreiben widmen kann, dann fange ich morgens nach dem Gassi an und schreibe, bis der Prinz aus dem Kindergarten kommt. 

Das sind dann etwa drei Stunden am Stück. Und sobald er abends im Bett ist, nehme ich mir noch einmal zwei, drei Stunden Zeit.

Wäre toll, wenn es solche Tage in Zukunft öfter geben würde. 

13.) Gibt es etwas, das du zum Schreiben dringend benötigst? Hast du ein Ritual?

Angela: Kaffee! :D

Ohne Kaffee läuft bei mir gar nichts. Ein richtiges Ritual habe ich allerdings nicht. Manchmal brauche ich Musik zum Schreiben, manchmal lenkt mich bereits der kleinste Ton von der Geschichte ab. 

Und Schokolade schadet auch nie. Oder Kekse.

14.) Was möchtest du deinen Lesern mit auf den Weg geben?

Angela: Danke an jeden, der Mina und Theo eine Chance gibt, ihre Geschichte zu erzählen. Danke für jede Meinung und Rückmeldung, egal ob positiv oder negativ. 

Und zu guter Letzt: Neil (Gaiman) knows best! :)

Freitag, 7. August 2015

[Interview] Leonie Lastella

Hallihallo ihr Lieben da draußen vor den Bildschirmen!

Heute möchte ich euch eine Autorin des bookshouse Verlages vorstellen, sie mit Fragen löchern und hoffe, dass ihr euch gleich danach mal eine Leseprobe schnappt und in ihre Thriller Reihe hineinlest - denn es lohnt sich wirklich!

Es handelt sich hierbei um Leonie Lastella. Aufmerksam geworden bin ich auf sie durch ihr erstes Buch "In Licht und Dunkelheit", welches mir gar nicht so gut gefallen hatte. Doch mit ihren Thrillern rund um den Ermittler Hans und ihrer unheimlich guten Plotideen konnte sie mich schließlich überzeugen und heute fiebere ich jedem Roman von ihr entgegen.

So, genug erzählt, Bühne frei für Leonie Lastella!


Hallo Leonie und herzlich willkommen auf meinem Blog! Ich freue mich sehr, dass du dir die Zeit genommen hast und mir ein paar Fragen beantwortest – legen wir gleich mal los! 

Liebe Antonie,  sehr gern beantworte ich deine Fragen und habe mich über die Anfrage sehr gefreut. Dann will ich mal fix zu der Beantwortung hüpfen.

1.) Ich bin ja ein großer Fan deiner Thriller-Reihe und habe beide Bände mit Begeisterung gelesen.
Wie kommst du nur auf solche Plotideen? 

Was inspiriert dich zu solchen Geschichten? Gerade bei deinem aktuellen Thriller „2 x 3 Meter Finsternis“ gab es ja einige recht brutale Szenen und Gänsehautmomente.

Gerade bei den Thrillern, aber auch bei den Liebesromanen sind es oft Begebenheiten oder Schlagzeilen, die den ersten Nährboden für eine Idee geben. Daraus entwickelt sich dann ein Expose, nachdem ich es viele Tage im Kopf hin und her gedreht habe.

Beim Schreiben kommt dann der Feinschliff. Das führt oft dazu, dass sich das Endresultat sehr weit vom Exposé entfernt. Manchmal schwierig für die Verlage, aber so wird es am Ende ein besseres Buch.

Viele meiner Kollegen/innen plotten alles bis ins letzte Detail durch, was sehr viel Zeit spart und einen tollen Überblick schafft. Ich bewundere das und wünsche mir meistens in etwa in der Mitte des Manuskripts, dass ich das auch könnte, aber so funktioniert das bei mir leider nicht.

2.) Auch Hannes als Ermittler habe ich sehr ins Herz geschlossen, er war mir von Anfang an sympathisch. Wie erschaffst du solche Charaktere und wie behältst du den Überblick über sie?

Für die Charaktere gucke ich sehr genau, welche Eigenschaften die Geschichte braucht und suche mir die passenden aus meinem Umfeld zusammen. Ich rekonstruiere sozusagen einen Charakter aus vielen winzigen Teilen der Personen in meinem Umfeld. Das kann die Kassiererin beim Aldi um die Ecke sein, aber auch Familie, Freunde oder Zufallsbekanntschaften.

Einen Menschen eins zu eins wiedergeben, das mache ich in der Regel nicht. ( Es sei denn derjenige kommt extrem gut dabei weg ;-)) Den Überblick zu behalten ist im Grund nicht schwer. Man lernt die Charaktere beim Schreiben so gut kennen, wie man meistens nicht einmal die besten Freunde kennt und man gewinnt sie fast genauso lieb.

Und deswegen würfelt man sie dann auch nicht durcheinander. Außerdem schreibe ich immer nur an ein bis zwei Geschichten gleichzeitig. Die Anzahl der Charaktere hält sich also in Grenzen. Trotzdem halte ich die wesentlichen Dinge zusätzlich in einer Datei fest, wo ich im Notfall nachsehen kann.

3.) Mein erster Roman, den ich von dir gelesen habe war „In Licht und Dunkelheit“. Dieser handelt ja von einem jungen Mann, welcher seine Freundin auf tragische Art und Weise verliert und nach Afrika geht, um dort mit ihrer Beziehung und ihrem Tod abzuschließen. 

Deine jetzigen beiden Bücher stehen ja im krassen Gegensatz zu dieser Geschichte. Warum der Wechsel zum Thriller Genre?

Im Prinzip war es kein Wechsel. Ich habe schon immer beides geschrieben. Ich mag es je nach Laune rosa Glitzer Liebe oder eben blutigen Thrill zu schreiben. Nur ein Genre würde mir nicht reichen. Vor In Licht und Dunkelheit habe ich schon einen Thriller geschrieben. Und während ich die
Finsternis Bände geschrieben habe, habe ich zwei Liebesromane geschrieben. 

Dass derzeit nur Thriller von mir erscheinen ist dem Umstand geschuldet, dass ich diese bereits an den Bookshouse Verlag verkauft hatte. Die Liebesromane nicht. Diese wurden jetzt durch meine neue Agentin an den Fischer Verlag verkauft. Bei einem so großen Verlag gibt es in etwa 2 Jahre Vorlaufzeit. Dadurch gibt es so eine monstermäßig große Lücke bei meinen Liebesroman Veröffentlichungen.

Der nächste wird erst im Frühjahr 2017 erscheinen. Das ist schade, aber danach wird es dann hoffentlich keine langen Wartezeiten mehr geben.

4.) Wie kamst du zum Schreiben und wann wusstest du, dass du den Beruf des Schriftstellers ausüben wolltest?

Ich hatte schon immer eine besondere Affinität zum Schreiben und Lesen. Früher fuhren wir mit zwei riesigen Kisten voller Bücher in den Urlaub. Eine logistische Meisterleistung meines Papas und meine Schwester, meine Mutter und ich haben alle verschlungen. Außerdem schrieb ich immer schon kleine Geschichten. 

Natürlich wusste ich da noch nicht, dass ich mal Schriftstellerin werden wollte. Die Idee, dass ich gern ein Buch schreiben wollte kam erstmals 2011. Aber auch da war es nur Hobby. Relativ schnell wurde mir dann klar, dass ich mehr wollte. Da kam das erste mal der Traum an die Oberfläche, es als Autorin schaffen zu wollen. Aber das war es dann auch - Ein Traum. 

Ich hatte Familie, einen Mann, der nicht besonders Lese-affin war, drei kleine Kinder. Autorin sein zu wollen braucht viel Zeit, Aufopferung und Durchhaltevermögen. Dazu jede Menge kreativen Freiraum und Hingabe, dazu Talent, Handwerk und jede Menge Glück. Mir fehlte damals alles davon. Leider.

Ich glaube in diesen kreativen Berufen, wo man nie weiß, wenn ich das jetzt mache verdiene ich genau 2000 brutto und alles ist schick, braucht es oft einen Schubs von Außen. Es ist mehr als würde man in kaltes Wasser springen und wer macht das schon, solange man sich in der Komfortzone befindet.

Ich habe das schon vielfach gehört. Ehekrise, plötzliche Arbeitslosigkeit, Verluste, Krankheit sind nur einige mögliche Dinge, die vielen meiner Kolleginnen den Absprung geebnet haben. Bei mir war es die Trennung meines Mannes. Ich wusste, dass ich es jetzt machen muss oder eben nie mehr und ich wollte es unbedingt.

Dann folgten zwei Jahre, in denen ich mich tot gearbeitet habe, damit ich genügend finanzielles Polster hatte. Ich wollte mir ein Jahr Zeit nehmen, um zu sehen, ob ich es schaffen kann. Das Jahr fing im Oktober an. Im November bin ich bei meiner Wunschagentur unter gekommen und im Februar hatte ich die Zusage des Fischer Verlags. Ich hoffe sehr, dass es so weiter geht. ;-)

5.) Der Bookshouse Verlag war mir bis vor 2 Jahren ja kaum ein Begriff. Wie kamst du zu diesem Verlag und was macht ihn für dich zu etwas besonderem?

Auf den Bookshouse Verlag bin ich über eine Kollegin aufmerksam geworden, die vorher ebenfalls mit mir in einem sehr kleinen Verlag veröffentlicht hat. Sie hat mir davon erzählt und die Bookshousler kamen sehr enthusiastisch und innovativ daher. Das hat mir imponiert. Mir hat das familiäre gefallen und das ist auch heute noch, was den Verlag auszeichnet.

Zu etwas Besonderem für mich wurde der Bookshouse Verlag dadurch, dass sie mir die Möglichkeit gegeben haben den nächsten Schritt auf meinem Weg zu gehen. Viele deutsche Verlage trauen sich, ohne dass eine Agentur( die ich damals nicht hatte) dahinter steht, nicht an unbekannte Autoren heran. Das macht es für junge Autoren extrem schwer, Fuß zu fassen. Bookshouse hat mir diesen Schritt ermöglicht und dafür bin ich sehr dankbar.

6.) Kann man dich dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse antreffen? Wie findest du solche Messen bzw. Veranstaltungen oder  bist du eher der scheue Typ?

Ich werde dieses Jahr auf der Messe sein. Ich reise Donnerstag an und bin dann Freitag und Sonntag auf der Messe. Dort werde ich mich mit meiner Lektorin von Fischer, hoffentlich einigen Bloggerinnen und Freunden treffen. Ich liebe solche Veranstaltungen. Wann sonst ist man von so vielen Büchern, Buchbegeisterten und Verlagen umgeben?

Ich wünschte nur manchmal, dass ich häufiger weg könnte. Ich muss aber immer sehen, dass ich meine drei Jungs untergebracht bekomme. Allerdings habe ich mir für nächstes Jahr vorgenommen nicht nur die FBM zu besuchen, sondern auch die LLC, die Leipziger Buchmesse und die Frankfurter.

Zusammen mit dem Delia Treffen in Iserlohn sind das dann vier fixe Termine. Mal sehen, ob das wirklich alles so hinhaut, wie ich mir das vorstelle. Wirst du auch da sein? Ich hoffe, man kann sich vielleicht auf einen Kaffee treffen. ;-)

7.) Als Buchhändlerin brennt mir natürlich eine Frage besonders zwischen den Fingern: Was liest du privat? Und wenn du 5 deiner All-Time-Favoriten benennen müsstest, welche wären das?

Oh, das ist so schwer. Also Genremässig sehr viel Liebe und Thriller, aber auch New Adult, Young Adult und Dystopien. Richtig schwer tue ich mich nur mit Historie und reinen Krimis.

Alltimer wären bei mir auf jeden Fall:

Die unendliche Geschichte, Übergang Triologie ( Justin Cronin ) , Vollendet Triologie ( Neil Shusterman) , Nach dem Sommer Trilologie ( Maggie Stiefvater ) und alle Bücher von Joy Fielding. I

Ich weiß, dass war jetzt etwas geschummelt, weil Trilogien eigentlich ja nicht als ein Buch zählen und alles von Joy Fielding wohl auch nicht als ein Buch durchgeht, aber ...

8.) Zeige uns doch mal deinen Schreibplatz! Oder beschreibe ihn uns – was macht ihn für dich zur idealen Inspirationsquelle?

Meinen Schreibplatz macht aus, dass ich keinen habe. Ich schreibe tatsächlich überall. Meistens auf dem Sofa. Aber auch am Tisch, auf dem Boden, im Garten. Ich habe gar keinen Schreibtisch und ich schreibe auch, wenn neben mir acht Kinder durch mein Wohnzimmer toben.

Für die wenigen Szenen, für die ich Ruhe brauche, gibt es dann ja die Nacht. Ich hänge dir mal ein Foto meines Sofas an, wo das meiste meiner Arbeit entsteht.


9.) Langsam kommen wir zum Ende – woran arbeitest du aktuell? Wieder an einem Thriller oder wechselst du erneut das Genre?

Wie gesagt, derzeit wieder an einem Thriller. Zwischen 2x3 Meter Finsternis und dem, was ich jetzt mache, habe ich den bereits unter Vertrag befindlichen All Age Liebesroman für Fischer fertig gemacht und auch den nächsten Liebesroman hiervon gibt es schon, der hoffentlich auch ein schönes zu Hause findet.

Außerdem habe ich eine Kurzgeschichte geschrieben, die derzeit unter den besten 10 des NordMOrdAwards 2015 ist und im November erfahre ich dann bei der Preisverleihung, ob es für das Treppchen gereicht hat. Aktuell beende ischreibe an einem weiteren Thriller, der über die Agentur ein zu Hause finden soll.
ch also den Liebesroman und

Es wird kein Nachfolger von den Finsternis- Bänden, aber die Art des Thrillers wird gleich bleiben. Nur wird man dieses Mal eine andere Ermittlergruppe begleiten, aber ich verspreche, dass die Fälle gleich blutig bleiben.

Das war ein schönes Interview mit ganz tollen Fragen. Danke dafür Antonie.

   liebe Leonie für die ausführlichen Antworten! Ich finde es ja immer wieder interessant, den Autor hinter seinen Büchern kennen zu lernen, seine Motivation für diesen Beruf zu verstehen und dadurch auch ein kleines bisschen näher an seinen Romanen zu sein - wie geht es euch da?

Mit wem würdet IHR gerne mal ein Interview führen, bzw. welches Interview würdet ihr gerne hier als nächstes lesen? Schreibt es mir in die Kommentare!

Donnerstag, 10. Juli 2014

[Interview] M.P.Anderfeldt "Nur zehn Tage"

Hallo ihr Bücherwürmer da draußen!

Ich darf heute M. P. Anderfeldt auf meinem Blog begrüßen; darüber freue ich mich wirklich besonders, denn wie ihr wisst bin ich durch Zufall auf seinen Roman "Nur zehn Tage" gestoßen worden und habe es verschlungen! Und nun zu den Fragen:

Danke für die Einladung, Antonie. 

1. Wie kam dir die Idee zu deinem Buch "Nur zehn Tage?"

Ich wollte eine Situation für eine Geschichte schaffen, die extrem, aber trotzdem glaubhaft ist. Erst habe ich an eine Klassenfahrt gedacht, aber in Deutschland kann man eben kaum tagelang verloren gehen … irgendwie kam ich dann am Ende auf das Setting von "Nur zehn Tage".  Erst während des Schreibens sind mir dann Parallelen zu Klassikern wie "Robinson Crusoe" und "Der Herr der Fliegen" aufgefallen.
Ich habe mir dann noch Sorgen gemacht, ob ein Flugzeug einfach so verschwinden kann und dazu rauf und runter recherchiert. Kaum war ich fertig, ging der Fall mit der verschwundenen Boeing 777 durch die Nachrichten … 

2. An manchen Stellen hat mich die Handlung schon ein wenig .. erschreckt z.B. als die Mädchen langsam anfangen "durchzudrehen" - was für eine Stimmung wolltest du damit übermitteln?

Ich habe mir überlegt, wie sich Menschen verhalten, wenn sie davon ausgehen, dass sie vielleicht gar nicht gerettet werden, also sehr lange auf der Insel bleiben. Ich glaube, das ist nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt.

3. Wie entwickelst du deine Charaktere? Und wie behältst du den Überblick über sie - Flipchart oder Notizen? ;-)

Ich wollte die Figuren so konstruieren, wie sie auch wirklich an einer deutschen Schule vorkommen könnten. Auf den ersten Blick sieht alles nach Friede, Freude, Eierkuchen aus, aber unter der Oberfläche gibt es jede Menge Konflikte.

Bei der Geschichte habe ich zum ersten Mal ein Mindmapping-Programm benutzt (VUE heißt das übrigens). Das gibt einen guten Überblick über die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander. Ursprünglich gab es noch ganz andere Charaktere, bis ich gemerkt habe, dass die nutzlos sind, deswegen habe ich sie gestrichen. Es waren auch mal Jungs auf der Insel, aber die haben nur gestört ;-)

4. Was war zuerst da - die Idee bzw. das Grundsetting der Geschichte oder die Charaktere?

Midori war schon sehr früh da, ein paar Sätze (z.B. "Warum bist du eigentlich immer so kalt und ironisch?") habe ich auch direkt aus meiner Schulzeit übernommen. Ich wollte die Protagonistin so anlegen, dass man sie erst nicht leiden kann, dann aber langsam versteht, warum sie so geworden ist. Auch die anderen Charaktere habe ich versucht, so zu beschreiben, dass keiner "einfach nur böse" ist, sondern durch seine Motivation verständlich bleibt.
Die Geschichte kam nach den Charakteren. Eigentlich habe ich die Personen auf der Insel nur "aufeinander losgelassen" und geschaut, was passiert. Manches hat mich selbst überrascht. Wenn man einen Roman schreibt, ist man oft nicht mehr Herr der Situation, die Figuren entwickeln tatsächlich so eine Art Eigenleben.

5. Dein Roman endet ja doch relativ schnell und abrupt, zumindest ging es mir beim Lesen so. Ist denn eine Fortsetzung geplant oder steht das noch in den Sternen?

Das habe ich jetzt schon öfter gehört … das Ende kommt so abrupt, weil ich das Gefühl hatte, dass die Geschichte erzählt ist. Es schien mir unnötig, noch die Begrüßung durch die Angehörigen zu beschreiben. Andererseits gibt mir das wirklich die Chance, weiter zu erzählen. Und das habe ich auch fest vor :-) 

6. Du hast ja noch weitere Bücher geschrieben; was für Themen werden denn dort aufgegriffen? 

Ziemlich unterschiedliche eigentlich. Ich habe eine Art Mystery-Geschichte geschrieben, die in Japan spielt und einen historischen Roman, der sich mit der Schlacht um Okinawa (Japan) im zweiten Weltkrieg beschäftigt. Ziemlich viel Japan, stelle ich fest.

7. Wie bist du zum Schreiben gekommen bzw. wolltest du schon immer Schriftsteller werden?

Nach zwei öden Semestern Jura habe ich etwas studiert, von dem ich dachte, dass es mir Spaß macht: Amerikanistik, Psychologie und Spanisch. Das ging so lange gut, bis ich mit der Uni fertig war, denn danach wusste ich nicht wusste, was ich werden soll. Also bin ich Werbetexter geworden. Immerhin habe ich dadurch eine gewisse Routine beim Schreiben und Geschichten erzählen (ein Funk- oder TV-Spot ist ja auch eine kleine Geschichte).
Seitdem ich "frei" arbeite, habe ich etwas Zeit, meine eigenen Sachen zu schreiben. Das macht mir großen Spaß. 

8. Wie seht denn so ein typischer Tag für dich aus wenn du dich nur dem Schreiben widmest?

Wenn ich also nicht in irgendeiner Werbeagentur sitze, oder sonstwie gebucht bin, sitze ich an meinem Laptop und schreibe. Zumindest rede ich mir das ein – ich vertue nämlich viel zu viel Zeit in Facebook und wenn ich mal etwas recherchiere, versumpfe ich stundenlang in Wikipedia. Alle paar Minuten hole ich mir außerdem einen Kaffee oder einen grünen Tee. Ab und zu reiße ich mich dann am Riemen und schreibe ein paar Zeilen.
Es wäre vielleicht sinnvoll, wenn ein Sklavenaufseher mit Peitsche hinter mir stünde und aufpasst, dass ich auch arbeite.

9. Zeig uns doch deinen Schreibplatz oder beschreib ihn für uns :)

Idealerweise schreibe ich im Garten. Darum schicke ich das mal als Bild mit. Ansonsten sitze ich in einem winzigen Arbeitszimmer, eingeklemmt zwischen Billy-Regalen auf beiden Seiten. Manchmal gehe ich auch in die Bücherei zum Schreiben, da gibt es noch weniger Ablenkungen.

10. Geistern momentan noch weitere Ideen für Romane in deinem Kopf und dürfen wir uns bald auf neuen Lesestoff freuen?

Ich hoffe doch sehr, dass da noch mehr kommt. Ideen habe ich immer jede Menge. Ich schreibe gerade an einer Fantasy-Geschichte, die (hoffentlich, ich bemühe mich) auch für jüngere Leser geeignet ist. Eine Novelle ist fertig und harrt der Veröffentlichung. Und dann muss ich mich natürlich auch an die Fortsetzung von "Nur zehn Tage" machen …

Nochmal ein ganz dickes, großes  an M. P. Anderfeldt und hoffentlich konnte ich euch so seinen Roman schmackhaft machen UND gleichzeitig ihn als Autor näher bringen!

Mittwoch, 19. Februar 2014

[Interview] Melanie Raabe "Die Hässlichen"

Hallo ihr alle da draußen vor den Bildschirmen!! 

Wie versprochen bekommt ihr das Interview von Melanie Raabe zu Gesicht - ich muss gleich dazu sagen, dass mir die Autorin beim E-Mails schreiben sofort sympathisch war; großer Pluspunkt von meiner Seite. Wer sie einmal live erleben möchte, muss zur Leipziger Buchmesse fahren - dort wird Melanie Raabe eine kleine Lesung abhalten.

UND Danke, dass ihr alle so super viele Kommentare unter meine Rezension geschrieben habt - ihr seid die Besten!

Aber jetzt Bühne frei für Melanie Raabe:

1. Erstmal großes Lob an dein E-Book "Die Hässlichen" - mir hat es sehr gut gefallen und ich hoffe, dass sich noch mehr Leser dafür finden werden! Aber nun zu der ersten Frage: Die Geschichte dreht sich ja um das heutige Schönheitsideal und das, was das mit gerade jungen Menschen anstellen kann. Wie bist du auf die Idee für dein Debütroman gekommen?

Vielen lieben Dank! Da kamen verschiedene Dinge zusammen. Tatsächlich war ich gerade auf der Suche nach einem Thema für eine Reportage. Zu der Zeit - es ist einige Jahre her, dass ich das Buch geschrieben habe - waren social media noch spannender und neuer als jetzt und ich habe über ausgefallene Internet-Communities recherchiert.

Dabei kam mir die Community "beautiful people" unter, eine Community allein für besonders schöne Menschen - oder solche, die sich dafür halten. Das fand ich irgendwie ziemlich bescheuert, ausgrenzend - uncool eben. Aus irgendeinem Grund kam mein Autorenhirn dann darauf, das Ganze umzudrehen:

Was wäre, wenn es einen Club für besonders hässliche Menschen gäbe, der das Hässlichsein exklusiv und cool macht und das Ideal dessen, was angesagt und erstrebsam ist, vollkommen auf den Kopf stellt?

2. Ich persönlich finde den Unterschied zwischen den beiden Hauptcharakteren Helena und Claire sehr einprägsam - wie kommst du auf solche Charaktere bzw. wie entwickelst du sie?

Ich wollte vor allem eine Geschichte über Freundschaft und über zwischenmenschliche Beziehungen erzählen, daher waren mir die Charaktere sehr wichtig. Bei der Entwicklung gehe ich super intuitiv und nicht sehr geplant vor. Ich interessiere mich sehr für Menschen, ich höre sehr aufmerksam zu, wenn mir jemand etwas erzählt, ich liebe Interviews, Biographien... Ich kann mich gut in andere Menschen hineinversetzen - ich mag Menschen. 

So kann ich mir auch immer gut vorstellen, wie eine Person sich in einer bestimmten Situation verhalten würde. Ich lasse da beim Schreiben eine ganz organische Entwicklung zu. Ich plane nicht alles vorher, sondern ich experimentiere und gucke, was passiert. Und irgendwann sind die Figuren dann rund und ich weiß intuitiv, wie sie ticken. Da muss ich dann nicht mehr überlegen, welchen Musikgeschmack ein Mädchen wie Claire hat - vollkommen klar, dass sie Björk hört etc. Für mich hat diese Vorgehensweise bei den "Hässlichen" ganz gut funktioniert. :-)

3. Bei manchen Szenen im Buch haben sich mir ganz schön die Nackenhaare aufgestellt - vor allem bei den Schilderungen der Perfomances von Helena - wie z.B. dicke Menschen von Models mit Mousse a Chocolate beschmissen werden - wie bist du auf diese Ideen gekommen? 

Da habe ich mich tatsächlich auf dem Papier als Konzept- bzw. Performance-Künstlerin ausgetobt. Ich interessiere mich ziemlich für diese Kunstform und habe mich zu der Zeit, als ich "Die Hässlichen" geschrieben habe, viel mit der Künstlerin Marina Abramovic befasst, die sehr viele abgefahrene Performances gemacht hat und das bis heute tut. Ich habe dann einfach Aktionen gebrainstormt, die - da sie ja von Helena kamen, für die Aufmerksamkeit zu bekommen das Wichtigste ist - möglichst plakativ und krass sein sollten.



4. Für wen speziell hast du "Die Hässlichen" geschrieben, wen möchtest du damit erreichen bzw. ab welchem Alter würdest du es empfehlen?

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich kein spezielles Publikum im Kopf hatte. Ich habe an keinen Markt, an keine Zielgruppe gedacht. Als die Grundidee einmal da war, musste ich das Buch einfach schreiben. Auf jeden Fall habe ich im Nachhinein aber den Eindruck, dass ein erwachsenes Publikum besser mit dem Buch klar kommt, als ein sehr jugendliches - aber vielleicht bin ich mit meinen nicht mehr ganz so jugendlichen 32 da auch einfach näher dran. ;-)

5. Gerade das Ende, welches ich natürlich nicht verraten möchte, kam für mich sehr abrupt - ist dir da die "Luft ausgegangen" oder hast du dir die Möglichkeit für einen Folgeband offen gelassen?

Nee, es wird keinen Folgeband geben, denn die Geschichte und das Thema sind für mich ausgereizt und zuende erzählt. Ich habe bewusst ein offenes, aber suggestives Ende gewählt, um dem Leser die Möglichkeit zu lassen, sich selbst vorzustellen, für wen es gut und für wen es schlecht endet. 

Nur Bastian habe ich frühzeitig aus der zu diesem Punkt selbstzerstörerischen Gruppe rausgeholt, um anzudeuten, dass zumindest er keinen Schaden nimmt. Ich hatte von Anfang an eine Schwäche für Bastian, er ist eine Mischung aus verschiedenen Menschen, die ich sehr mag und irgendwie habe ich ihn instinktiv beschützt. Ich bin sicher, dass es Bastian gut geht. Helena und Claire hingegen... wer weiß!? ;-)

6. Du provozierst in deinem Buch ja doch sehr und kritisierst das Schönheitsideal - was ist denn deine persönliche Meinung zu dem Ganzen?

Mir ging es gar nicht darum, das Schönheitsideal zu kritisieren. Meine Figuren tun das, nicht ich. Diese Trennung finde ich sehr wichtig. Für mich sind "Die Hässlichen" ein Buch über Freundschaft, über den Sog einer Gruppe, über Subkultur, über Kunst und natürlich auch über schön vs. hässlich. Aber dem "Schönheitswahn" stehe ich ziemlich entspannt gegenüber.

Jeder soll an seinem Körper tun oder lassen, was er oder sie selbst will. Aber mit Betonung auf selbst. Von Werbung und Co sollte sich niemand diktieren lassen, wie er auszusehen hat. Es mag platt klingen, aber die Geschmäcker sind verschieden. Ich persönlich stehe auf Vielfalt und fände es langweilig, wenn plötzlich alle Frauen aussähen wie Gisele Bündchen und keine mehr wie Lupita Nyongo oder Beth Ditto oder Judi Dench oder Du oder ich oderoderoder.

7. Und zum Schluss noch eine Frage: Hast du bereits ein neues Buchprojekt in Arbeit und wenn ja, um welches Thema soll es sich dieses Mal handeln?  

Habe ich! Momentan arbeite ich an einem Krimi! :-)

Mir persönlich geht die ganze Geschichte rund um "Die Hässlichen" nicht mehr aus dem Kopf - ich finde, Mel Raabe hat ein sehr wichtiges Thema angesprochen und mich sehr zum Nachdenken bewegt. Wenn das ein Buch mit mir macht, dann bin ich richtig gehend begeistert und deswegen wollte ich euch auch mit einem kleinen Interview überraschen.

Nochmal ein dickes DANKE an dich Melanie Raabe für das tolle Interview und ich hoffe, euch hat es gefallen!