Donnerstag, 23. April 2015

[Rezension] Blitzbirke

Blitzbirke

Lisa Kreißler

208 Seiten

Mairisch Verlag

17,90 € 

Kurz vor seinem 30. Hochzeitstag fällt Eddas Vater vom Pferd. Zwar bricht er sich bloß ein paar Rippen, doch seine älteste Tochter, die sogleich aus Leipzig anreist, wittert Unheil. Ihr neuer Freund Hans, ein schweigsamer Maler, begleitet sie. Er scheint ebenso aus der Zeit gefallen zu sein wie das niedersächsische Heimatdorf Odinsgrund mit seinen Seltsamkeiten: 

Dort fährt ein freundlicher Riese Motorrad, die Mutter nimmt Betrunkenen Blut ab, aus dem Acker wachsen Muscheln, und ob der Hund wirklich ein Hund ist, muss sich erst noch rausstellen. Kein Wunder also, dass dieser Ort Edda beeinflusst und ihre Wahrnehmung verändert. Denn auch, wenn es allen um sie herum gut geht, meint sie immerzu, ein Unglück herannahen zu spüren.

Meine Meinung:

Blitzbirke ist ein außergewöhnlicher Roman wie ich ihn selten in meinem Leserleben erlebt habe. Die Geschichte lebt nicht von ihrer Spannung, von ihrer Schnelligkeit oder ihrer Emotionalität - nein,sie hat ihr ganz eigenes Tempo, Protagonisten die ein besonderes Eigenleben entwickeln und den Leser so in ihren Bann ziehen.

Um was geht es? Das ist eine ziemlich gute Frage, denn ab und zu hatte ich überhaupt keine Ahnung mehr um was es sich hier eigentlich dreht. Teilweise war der Roman sehr abstrakt, so seltsam und eigen, dass ich den roten Faden verloren habe. Aber für euch fasse ich es ganz kurz zusammen und erzähle euch das Grundgerüst:

Edda kehrt nach einiger Zeit nach Hause, nach Odinsgrund zurück, nachdem ihr Vater Oskar bei einem Reitunfall das Krankenhausbett hüten muss. Zusammen mit ihrem Freund Hans, ihrer Schwester Skadi und ihrer Mutter taucht sie wieder ein in ihre Vergangenheit, in vergangene Zeiten und erkundet ihre Kindheit auf ein neues.

Während dem Lesen kam es mir ab und zu vor als würde ich das alles erleben, als wäre ich Edda und hätte genau dieses Leben gelebt; die Autorin schafft es perfekt die Figuren so zu inszenieren, dass sie einem wie gute alte Freunde vorkommen. Auf der anderen Seite verrennt sie sich oft in märchenhaften Formulierungen, in abstrusen Ideen und seltsamen Handlungssträngen, die dem Leser so gar nicht im Kontext plausibel erscheinen.


Am Tag meiner Geburt machte mein Vater auf dem Weg vom Krankenhaus zum Besäufnis im hauseigenen Partykeller einen Umweg über die Baumschule und kaufte eine kleine Birke. 


[ ... ] 

Mitten auf der Rasenfläche in ausreichender Entfernung zur Blitzbirke; Blitzbirke deshalb, weil sie sich sogar vom Einschlag eines gigantischen Blitzes anstandslos erholte. 

Nach und nach merkt man ebenfalls das Eddas Familie mehr versteckt als am Anfang vermutet. So richtig durchblicken konnte ich nicht, doch die kleinen feinen Anspielungen machten das ganze zu einem Gedankenexperiment - ich überlegte was wohl alles passiert sein könnte und das machte auch den besonderen Charme dieser Geschichte aus. Skadis vermasselter Selbstmord, Mutters Depressionen und eine Ehe, die auf dem Prüfstand (?! ) steht ... all das hat mich beschäftigt.

Mein Fazit:

Die Autorin kann zweifelslos schreiben, doch für mich waren manche Stellen so unklar, dass es mich in der Handlung richtig gehend gestört hat. Trotzdem war ich während des Lesens in einer ganz eigenen Welt, habe sie mit Edda erkundet und durch ihre Augen erlebt - auch wenn es manchmal zu sehr abschweifte. Ich vergebe deswegen

3 1/2 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte

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