Sonntag, 27. März 2016

[Rezension] Die Unglückseligen

Die Unglückseligen 

Thea Dorn 

560 Seiten

Knaus Verlag

24,99 €

Johanna Mawet ist Molekularbiologin und forscht an Zebrafischen zur Unsterblichkeit von Zellen. Während eines Forschungsaufenthalts in den USA gabelt sie einen merkwürdigen, alterslosen Herrn auf. Je näher sie ihn kennenlernt, desto abstrusere Erfahrungen macht sie mit ihm. Schließlich gibt er sein Geheimnis preis. Er sei der Physiker Johann Wilhelm Ritter, geboren 1776. Starker Tobak für eine Naturwissenschaftlerin von heute. Um seiner vermeintlichen Unsterblichkeit auf die Spur zu kommen, lässt sie seine DNA sequenzieren. 

Als Johannas Kollegen misstrauisch werden, bleibt dem sonderbaren Paar nur eines: die Flucht, dorthin, wo das Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis und schwarze Romantik sich schon immer gerne ein Stelldichein geben - nach Deutschland.

Meine Meinung:

Puh, was soll ich nur über diese Geschichte erzählen? Sie wirbelt seit gestern in meinen Gedanken umher, krallt sich fest und lässt mich nicht mehr los - wie soll ich sie nur bewerten, was kann ich euch darüber erzählen und wie viel Wahrheit steckt in ihr? 


Um was geht es? Es geht um die Unsterblichkeit, das Streben nach einem langen oder gar unendlichen Leben und die Frage: "Wollen wir das überhaupt?" In dieser Geschichte begegnen wir Ritter, welcher nach und nach seine wahre Identität und sein wahres Alter preisgibt. 

Wir begegnen Johanna Mawet, welche als Molekularbiologin in die USA reist, um dort weiter an ihren Forschungsarbeiten zu arbeiten; als diese auf Ritter trifft und hinter sein Geheimnis, seine Unsterblichkeit kommt, will sie diese genau bestimmen und für ihre Forschungszwecke nutzen - doch dies ist leichter gesagt, als getan und das Chaos nimmt seinen Lauf ....


Gleich zu Anfang war ich ein wenig irritiert, wird der Leser sofort mit einer altertümlichen Schreibweise überrascht und in eine Szene hineinkatapultiert, die eher Verwirrung stiftet und so manch anderen Leser direkt zu Beginn abschrecken könnte. Bis ich mich an diese Erzählweise gewöhnt hatte, dauerte es ein wenig, doch dann konnte es mich doch ganz gut unterhalten.

Die Sichtweisen:

Die Geschichte ist in drei Sichtweisen aufgeteilt: Einmal, und wie gerade oben kurz beschrieben, dürfen wir die Handlung aus der Sicht von Ritter erleben, welcher seit einigen Jahrhunderten auf der Erde wandelt und sich dort mehr schlecht als recht zurechtfindet. Dann haben wir Johanna die Molekularbiologin, welche für ihren Job alles tun würde und gerade an der Unsterblichkeitsformel anhand von Zebrafischen und Mäusen tüftelt.

Aber halt! Habe ich  nicht gesagt, drei Sichtweisen? Gut aufgepasst, denn die dritte Sichtweise ist wohl eine der außergewöhnlichsten, der ich seit langem begegnet bin. Denn niemand anders als der Teufel lässt uns am Geschehen teilhaben. Doch nicht nur er beehrt uns, nein im Laufe der Handlung dürfen wir noch die Sicht einer Fledermaus einnehmen und einmal sogar einem Theaterstück beiwohnen.

Wer also sich beschweren möchte, die Geschichte würde nur eintönig verlaufen, wird hier auf Granit beißen, denn eine solch vielschichtige Erzählweise ist mir bisher selten über den Weg gelaufen.

Und da kommen wir schon zum ersten Kritikpunkt:

Irgendwann ( okay, erst zum Schluss hin! ) rauchte mir der Kopf vor lauter unterschiedlichen Schreibweisen, verschiedenen Personen und Blickwinkeln - "Die Unglückseligen" ist kein schnell zu lesender Roman, man muss sich Zeit und Geduld dafür nehmen und es auch mal pausieren, denn sonst kann es den Leser schnell zu viel werden.

Was Thea Dorn sehr gekonnt eingefädelt hat, ist der Drahtseilakt zwischen ihren Protagonisten. Denn das Hauptthema ist "Unsterblichkeit" - Johanna möchte diese erforschen und dem Menschen zugute kommen lassen, Ritter hat davon gehörig die Nase voll und verteufelt sie. Beide Blickwinkel hierzu sind brillant beschrieben und regen den Leser sehr zum Nachdenken an.

Zweiter, kleiner Kritikpunkt:

Auch wenn das Thema noch so sehr interessant ist und auch das Faust-Thema sehr elegant eingebunden wurde, an manchen Stellen war es mir dann doch zu molekularbiologisch bzw. hat Johanna so viel aus ihrer Forschung erzählt, dass es manchmal Seite über Seite nur über die verschiedenen DNA-Stränge und ihre Bedeutung ging.

Ich kam mir ein wenig vor, als wäre ich wieder in der Schule und müsste genau aufpassen, um ja später den genauen Zusammenhang zu verstehen, was das entspannte Lesen ein wenig unentspannt werden hat lassen.

Der Schluss ( Achtung, ein klitzekleinesbisschen Spoilergefahr! )

Damit die Rezension auch irgendwann zum Schluss kommt, möchte ich genau diesen noch ein wenig in den "Schmutz" ziehen, denn mich hat der Abschluss des Buches mehr als nur frustriert. Ohne zu viel zu verraten sei nur gesagt, dass ich nur deshalb bis auf die letzte Seite ausgeharrt habe, um mir einige Fragen beantworten zu lassen.

Doch Thea Dorn konnte mich mit ihrem Schluss nicht so wirklich überzeugen, kam er mir a) dann doch zu schnell, so als ob erzwungenermaßen nun endlich das ganze ein Ende finden musste und b) wurden mir zu wenig Fragen beantwortet, was mich sehr frustriert aus dem Buch hat gehen lassen.

Mein Fazit:

Die ersten 250 Seiten war ich restlos begeistert und die Seiten flogen nur so durch meine Finger, doch dann ging es steil bergab und bis zum Schluss konnte mich die Geschichte nicht mehr so richtig packen. Es war, als ob sich die Autorin in ihrer eigenen Handlung verlaufen hätte und selbst nicht mehr wusste, wohin die Reise gehen sollte.

Schade, denn die Grundidee war doch sehr interessant und meine Gedanken zum Thema "Unsterblichkeit" fuhren Achterbahn in meinem Kopf. Was soll ich noch sagen? Lest es selbst und macht euch ein eigenes Bild davon, ich vergebe

2 1/2 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte!

Und wer jetzt sagt "2 1/2 ist aber keine richtige Wertung - doch ( !! ) denn bis zur Mitte des Buches hat mir die Geschichte ja sehr gut gefallen - deswegen gibt es auch nur die Hälfte der Buchpunkte ;)

Kommentare:

  1. Hey,

    ui, dass Buch steht auf meiner Wunschliste, doch deine Rezi hat mich etwas zum grübeln gebracht. Ich glaube, ich muss noch ein paar Rezensionen lesen gehen, bevor ich mich für dieses Buch von Thea Dorn entscheide.

    Gern bleibe ich hier als Leserin und freue mich auf neue Beiträge von dir.

    Herzliche Grüße

    Nisnis

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  2. Es muesste 3,5-4 (genau 3,62) Punkte geben, weil die Ernuechterung der DNA Analyse erst auf Seite 402 kommt. Dann gehts mit Gott und Teufel steil bergab
    Herzliche Gruesse
    Karl-Heinz VOgel

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