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Freitag, 1. Januar 2021

[Rezension] The Travelling Bag and other Ghost Storys - Susan Hill



*Rezension*

The Travelling Bag von Susan Hill

Umfang: 192 Seiten | Genre: Gruselroman

Verlag: Profile Books | Preis: 13,94 € 


  
From the foggy streets of Victorian London to the eerie perfection of 1950s suburbia, the everyday is invaded by the evil otherworldly in this unforgettable collection of new ghost stories from the author of The Woman in Black. In the title story, on a murky evening in a warmly lit club off St James, a bishop listens closely as a paranormal detective recounts his most memorable case, one whose horrifying denouement took place in that very building. 

In 'The Front Room', a devoutly Christian mother tries to protect her children from the evil influence of their grandmother, both when she is alive and when she is dead. A lonely boy finds a friend in 'Boy Number 21', but years later he is forced to question the nature of that friendship, and to ask whether ghosts can perish in fires. 

This is Susan Hill at her best, telling characteristically flesh-creeping and startling tales of thwarted ambition, terrifying revenge and supernatural stirrings that will leave readers wide-awake long into the night.

Meine Meinung:

Vor dieser Kurzgeschichten-Sammlung habe ich mich lange herum gedrückt - eigentlich hatte sich der Herzensmann dieses Buch vor einer halben Ewigkeit selbst gekauft und dann stand es ( wie nicht selten nach spontanen Käufen, die man dann irgendwie schnell wieder vergisst nach der ersten Euphorie ) lange Zeit in unserem Bücherregal im Schlafzimmer und wartete darauf, gelesen zu werden. Als ich es mir für das Gruselbingo auf die Liste setzte, wollte ich mir selbst ein wenig Mut machen, es doch endlich mal zu lesen. 

Bei jeder neuen Ziehung für das nächste Bingobuch hatte ich ein wenig Bammel davor, dass es dieses Buch werden könnte, denn ich hatte die Befürchtung, wie eine Schnecke durch die Geschichten zu kriechen und dadurch in eine Leseflaute abzutauchen. Als es dann endlich so weit war und ich es eines Abends dann in die Hand nahm, kratzte ich mein in die Jahre eingerostetes Englisch zusammen und sprang todesmutig zwischen die Buchdeckel. 

Doch all meine Ängste diesbezüglich lösten sich bereits wenige Seiten später in Luft auf, denn auch wenn ich während des kompletten Buches garantiert nicht alles einwandfrei verstanden habe, so zog mich Susan Hill doch beharrlich und unnachgiebig in ihre düsteren, atmosphärischen Geistergeschichten hinein und lehrte mich gewaltig das Gruseln.

Mittwoch, 23. September 2020

[Rezension] Der Fluch von Carrow House - Darcy Coates



*Werbung / Rezensionsexemplar*

Der Fluch von Carrow House von Darcy Coates

Umfang: 416 Seiten | Genre: Horror

Verlag: Festa Verlag | Preis: 14,99 € 


Remy arbeitet als Tourguide in Carrow House. Sie führt Menschen durch das berüchtigte Spukhaus und erzählt ihnen von den Geschehnissen, die sich einst in diesen Mauern zutrugen. Als eine Reisegruppe für eine ganze Woche einen Aufenthalt bucht, um die unheimlichen Phänomene zu untersuchen, hofft Remy, selbst endlich einige zu erleben. Und tatsächlich: Nach einer Séance nimmt die paranormale Energie so weit zu, dass Fenster zerbrechen und gespenstische Erscheinungen durch die Flure schreiten.

Dann stirbt einer der Gäste und Remy zieht die Möglichkeit in Betracht, dass der Geist des einstigen Eigentümers noch in den Hallen weilt: John Carrow. Und der war ein irrer Serienmörder …

Meine Meinung:

Dies war mein viertes Buch beim Gruselbingo und nach den ersten drei eher verhalten gruseligen Geschichten hatte ich mir bei "Der Fluch von Carrow House" ein wenig mehr Gänsehautfeeling gewünscht ... nichtsahnend, dass ich das Grauen frei Haus bekommen würde und der Grusel mich eiskalt verschlingen sollte.

Wir begleiten Remy, welche als Tourguide Führungen durch das sagenumwobene und verspukte Carrow House anbietet. Nach eine dieser Führungen meldet sich ein Teilnehmer bei ihr und bietet Remy ein unwiderstehliches Angebot an; er möchte mit ihr und einigen anderen Gästen zwei Wochen in Carrow House verbringen und dort versuchen, übersinnliche Phänomene aufzuzeichnen. 

Doch was sich als interessante Möglichkeit darstellt, wird schnell zum bitteren Ernst für alle Beteiligten und der Horror senkt sich über die Gruppe, gnadenlos und furchterregend.

Die Handlung steigt direkt mit einer düsteren Atmosphäre ein, welche mir bereits auf den ersten Seiten den ein oder anderen Nervenkitzel bescherte - Darcy Coates versteht es perfekt, eine dichte Stimmung zu erzeugen, die im Laufe der Geschichte immer schwerer auf dem Leser lastet und langsam aber sicher den Spannungsbogen nach oben zu treiben. 

Ist es am Anfang nur der Hauch oder eine leise Ahnung von Horror, der mich zum Atem anhalten brachte, so erwischte es mich später gegen Ende dermaßen kalt, dass ich vorblätterte um das Ende zu lesen und mir so den Grusel erträglicher zu machen.

Montag, 21. September 2020

[Rezension] Wir haben schon immer im Schloss gelebt - Shirley Jackson



*Rezension*

Wir haben schon immer im Schloss gelebt von Shirley Jackson

Umfang: 256 Seiten | Genre: Horror

Verlag: Festa Verlag | Preis: 19,99 € 



Merricat lebt am Rande eines Dorfes im Schloss der Familie Blackwood, nur in Gesellschaft ihrer Schwester Constance und dem wunderlichen Onkel Julian, der an den Rollstuhl gefesselt ist. Alle anderen Familienmitglieder wurden vergiftet.

Merricat liebt die Ruhe im Schloss. Aber seit Constance vor Gericht freigesprochen wurde, den Rest der Familie ermordet zu haben, lässt die Welt den Blackwoods keinen Frieden mehr.
Und als Cousin Charles auftaucht, voller falschem Getue und dem verzweifelten Bedürfnis, an den Inhalt des Familiensafes zu kommen, muss Merricat alles in ihrer Macht Stehende tun, um das Schloss und seine Bewohner vor Schaden zu schützen …

Selbstverständlich ist Shirley Jackson mehr als nur die »Queen of Horror« – sie ist eine der wichtigsten Autorinnen der US-amerikanischen Literatur.

 Meine Meinung:

Shirley Jackson ist ja eine bekannte Größe in der Reihe der Horror-Schriftsteller*innen und begegnet relativ rasch jedem, der sich in diesem Genre umsieht. Darauf habe ich mich beim Gruselbingo sehr gefreut, allerdings etwas verhaltener, denn vor etlichen Jahren habe ich es mit der Diogenes Ausgabe dieses Titels einmal probiert und kam partout nicht in die Geschichte hinein. 

Als ich es vor einigen Tagen also ausgelost bekam, war ich unendlich neugierig auf diesen Klassiker und konnte bereits an einem Abend die Hälfte davon inhalieren - mit größerem Erfolg als damals. Es kann auch daran liegen, dass dies eine neue Übersetzung ist und der Stil von Eva Brunner mir mehr zusagte oder dass ich nun richtig Lust auf das Entdecken dieser Geschichte hatte ... einerlei, ich fing an zu Lesen und war sofort gefangen von dem, was sich mir dort bot. 

Denn wenn Shirley Jackson eines schafft, dann ist es eine dichte Atmosphäre zu schaffen, die von ihren Charakteren und deren Eigenheiten bestimmt wird. Die Handlung an sich, die Erzählweise und das was passiert, passiert ganz unaufgeregt und fast unbemerkt, doch je weiter ich in dem Buch voran schritt, umso mehr packte mich das kalte Grauen. 

Wir begleiten zwei Schwestern, welche mit ihrem Onkel in einem herrschaftlichen Haus leben und sich von dem Rest der Dorfgemeinschaft abschotten und distanzieren, denn ein Unglück vor vielen Jahren innerhalb der Familie trieb einen großen Keil in diese Gesellschaft und brandmarkte die Schwestern auf grausame Weise. Seitdem sind sie Gespött, Schikanen und Beschimpfungen ausgesetzt, welche sie in die Einsamkeit ihres Hauses treiben. 

Doch dann taucht eines Tages ihr entfernter Cousin Charles auf und versucht, die beiden Schwestern gegeneinander auszuspielen.

Ich konnte mir dieses ganze Szenario vor meinem inneren Auge bildlich vorstellen, denn wer einmal in einer kleinen Gemeinde gelebt hat, in der jeder jeden kennt, der weiß wie leicht und schnell so eine Stigmatisierung und Ausgrenzung von einzelnen Personen passieren kann - damals wie heute, wenn auch aus den unterschiedlichsten Gründen. 

Freitag, 5. Juni 2020

[Rezension] Verbena Hexenjagd - Ruth Anne Byrne



*Werbung / Rezensionsexemplar*

Verbena Hexenjagd von Ruth Anne Byrne

Umfang: 270 Seiten | Genre: Jugendbuch

Verlag: Fabulus Verlag | Preis: 17,00 € 



Es ist eine mittelalterlich anmutende Welt, in die uns Ruth A. Byrne entführt; eine Welt des einfachen Land- und Waldlebens, der dörflichen Feste und Wettkämpfe, der Pferdewagen und Bogenschützen, der Heilkräuter und geheimen Elixiere, mit niederen Bauern und tonangebendem Adel. Inquisitoren treten auf, die sich zu Beschützern des wahren Glaubens und der Rechtschaffenheit erklären. Sie, die selbsternannten «Hüter», wollen die alten guten Volksgeister verbannen, Magie ächten und außergewöhnlich begabte Menschen als gefährlich abstempeln.

In dieser Welt lebt Verbena, eine angehende Heilerin, die bei ihrer Ziehmutter in die Lehre geht. Eines Tages entdeckt die 17-Jährige an sich ein magisches Talent: Sie kann sich mit einem Marder verbinden. Diese Gabe macht sie glücklich und zugleich furchtsam, denn fortan muss sie damit rechnen, als Hexe angeklagt zu werden. Dabei würde Verbena zu gern die Freuden, Freundschaften und Verliebtheiten teilen, die ein normales Leben einer jungen Frau zu bieten hat. Sie sucht ihre Fähigkeit zu verbergen, um nicht auf dem Scheiterhaufen zu enden. Als ein junger Mann, der nach einem Raubüberfall schwer verletzt aufgefunden wurde, in die Heilerei gebracht wird, gerät Verbena in eine vertrackte Lage.

Meine Meinung:

Höchstwahrscheinlich wäre mir diese Geschichte nie bewusst über den Weg gelaufen, hätte ich sie nicht bei einem Gewinnspiel auf Instagram entdeckt und mich sofort in das sattgrüne Cover verliebt. Nachdem ich leider nicht die glückliche Gewinnerin war, schrieb mich der Fabulus Verlag direkt an und bot mir an, mir trotzdem ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen, wenn ich denn wollte.

Ich muss vorab gestehen, dass ich von anderen Titeln dieses Verlages bisher eher gemischte bis negative Meinungen gehört hatte und aus dem Grund las ich mir vorher die Leseprobe zu dem Buch durch.

Der locker-leichte Schreibstil konnte mich direkt von sich überzeugen und so sagte ich dem Verlag zu - was ein Glück, denn sonst wäre mir diese bezaubernde Jugendbuch-Geschichte völlig durch die Lappen gegangen. Auch wenn es an der ein oder anderen Stelle ein wenig klischeehaft zuging und mir die Wendung gegen Ende ein kleines Augenrollen abgerungen hat, überwogen für mich doch im Nachhinein die positiven Aspekte, die mitreißende Handlung und die liebevoll gezeichneten Charaktere, welche mich konstant unterhalten konnten.

Wir verfolgen die 17-jährige angehende Heilerin Verbena, welche zur Zeit der Hexenverfolgung bei ihrer Ausbilderin und Ziehmutter Alraune lebt und dort in die Geheimnisse der Heilung und der Magie eingeführt wird. 

Diese Verschmelzung der beiden Themen hat mir viel Spaß bereitet, denn oft überwiegt einer dieser Thematiken in solchen Geschichten und verdrängt dabei nicht selten einige interessante Aspekte, über die ich gerne ausführlicher gelesen hätte.

Samstag, 23. Mai 2020

[(Gast)Rezension] Radio Girls - Sarah-Jane Stratford



*Werbung / Rezensionsexemplar*

Radio Girls von Sarah-Jane Stratford

Umfang: 512 Seiten | Genre: historischer Spionageroman

Verlag: Btb Verlag | Preis: 11,00 € 



London, 1926, der Krieg ist vorbei, die aufregende Energie der Veränderung flirrt durch die Luft. Die junge Amerikanerin Maisie hat einen Job bei dem gerade erst gegründeten Rundfunksender BBC ergattert. Sie ist elektrisiert vom hektischen Tempo, den jungen klugen Mitarbeitern und einschüchternden Chefs. Sie entdeckt ihre Leidenschaft für das Radio und trifft auf die außergewöhnliche Hilda Matheson, die Gründerin des beliebten Talk-Programms, die ihr zur Mentorin wird. Als die beiden jedoch eine schockierende Verschwörung aufdecken, müssen sie sich entscheiden: Wie weit gehen zwei engagierte Journalistinnen für die Wahrheit?

Jürgens Meinung:

Die „Radio Girls“ erschienen zunächst in der New American Library, New York, 2016. Die deutsche Ausgabe, übersetzt von Beate Brammertz, vor wenigen Wochen, am 9. März 2020 bei btb Verlag - Verlagsgruppe Random House.

Dieses Buch verdanke ich, wie so vieles, meiner Liebsten. Nachdem ich wunderbar satt und glücklich aus der Story von „A House of Ghosts“ von William Ryan aufgetaucht war, wollte ich gern noch weiter im Historischen Genre bleiben und - wie der Zufall es will - das sehr gelungene Cover von Radio Girls lachte mich vom SuB an.

„Radio Girls“ spielt im Zeitraum zwischen dem November 1926 und (inklusive Epilog) 1932. Es geht um den Aufstieg und die Entwicklung der staatlichen britischen Rundfunkgesellschaft BBC - British Broadcasting Cooperation. Gegründet eigentlich als ‚Absatzförderungsinstrument‘ der Radiohersteller, wurde die BBC Ende 1926 in eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts umgewandelt.

Hier lässt auch Stratford ihren Roman beginnen. Nicht ohne jedoch der/dem Leser*in mit einem kurzen, rasanten Prolog Appetit zu machen und gleichzeitig zu zeigen: Hier geht es nicht nur um die (ggf. faden) Erinnerungen einer Rundfunksekretärin. Bereits mit diesen knapp 1 ½ Seiten hatte mich die Autorin gecatcht. Das ist schon ein Kunststückchen, aber es ging flott weiter und wir begleiten die Heldin des Romans, Maisie Musgrave, mit klopfendem Herzen zu ihrem Vorstellungstermin in die BBC.

Mittwoch, 29. April 2020

[Rezension] Little Lies / Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht / Megan Miranda



*Werbung / Rezensionsexemplar*

Little Lies / Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht von Megan Miranda

Umfang: 384 Seiten | Genre: psychologischer Spannungsroman

Verlag: Penguin Verlag | Preis: 15,00 € 



Die Journalistin Leah flieht vor ihrem alten Leben: Sie lässt ihre Heimat und ihren Job hinter sich und zieht mit ihrer besten Freundin Emmy in ein altes Haus auf dem Land. Das Zusammenleben klappt gut. Leah arbeitet tagsüber in der Schule, Emmy nachts an einer Rezeption. Doch dann stellt Leah eines Nachts fest, dass sie ihre Freundin seit Tagen nicht gesehen hat. Noch bevor sie Emmy als vermisst melden kann, wird in der Nähe eine brutal misshandelte junge Frau gefunden. Doch die Frau ist nicht Emmy – stattdessen sieht sie Leah zum Verwechseln ähnlich … Muss Leah nicht nur um Emmys, sondern auch ihr eigenes Leben fürchten?

Meine Meinung:

Puh, wie soll ich diese Rezension nur anfangen? Meine Gefühle für diesen psychologischen Spannungsroman ( ja, es ist KEIN Thriller - liebe Verlage, bitte weckt nicht so oft falsche Erwartungen bei euren Lesern! ) sind durchmischt und auch einige Tage nach Beenden des Buches weiß ich nicht wirklich, was ich davon halten soll.

Aber der Reihe nach. Seit Erscheinen hatte ich ein Auge auf diese Geschichte bzw. das Cover geworfen und auch der Klappentext zog mich sofort in seinen Bann. Ich erwartete eine düster aufgeladene Atmosphäre mit einem Plot, der mich in Atem halten sollte - und bekam eine etwas andere Mischung, die ich so nicht vermutet hätte.

Wir begleiten die Journalistin Leah Stevens, welche mit einer alten Freundin namens Emmi einen Neuanfang wagt, weit weg von ihrem alten Job und den damit resultierenden Problemen. Sie fängt als Lehrerin in einer Schule an zu arbeiten, während Emmi nachts als in einem Motel arbeitet.

Doch eines Tages hält die Kleinstadt ein brutaler Überfall in Atem und Leahs Vergangenheit schleicht sich langsam wieder in ihr Leben zurück, während ihre Freundin Emmi plötzlich wie vom Erdboden verschwunden ist - und keiner außer Leah scheint sich an sie zu erinnern ... Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Folgendes wollte ich zu Kyle sagen: Männer wie dich verspeist sie zum Frühstück. [...] Doch solche Geschichten erzählte man nicht. Das Ziel der Geschichte sollte es sein, die Leute dazu zu bewegen, dass sie sich sorgten, die Öffentlichkeit auf deine Seite zu bekommen, sie dazu zu bringen, jeden, den sie geliebt haben, im Gesicht dieser vermissten jungen Frau zu sehen.

All das hätte unglaubliches Potenzial gehabt, wenn da nicht all die vielen störenden Kleinigkeiten gewesen wären, welche wie kleine Kieselsteine unter meiner Fußsohle beständig präsent waren und mich gegen Ende oft dazu getrieben haben, eher in anderen Geschichten zu schmökern, als diese zu beenden.

Samstag, 25. April 2020

[Rezension] Inepu / Die Herren des Schakals - Roxane Bicker



*Werbung / Rezensionsexemplar*

Inepu / Die Herren des Schakals von Roxane Bicker

Umfang: 320 Seiten | Genre: Kriminalroman

Verlag: Hybrid | Preis: 13,90 € 



München, 1889: In der Glyptothek wird eine mysteriöse Maske entwendet, die den Totengott Anubis darstellt, der Kurator ermordet und wie eine altägyptische Mumie drapiert.

Der Direktor des Museums betraut Rosa und Daisy mit diesem Fall, zwei private Ermittlerinnen, ohne die Gendarmerie zu informieren. Um kein Aufsehen zu erregen, sollen sie den Mord aufklären und vor allem die Maske zurückholen. In fünf Tagen findet eine wichtige Ausstellung statt.

Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, in dem die zwei Frauen schauerliche und überraschende Entdeckungen erwarten - und ein Ritual, das Opfer fordert. Ein mystischer Detektiv-Krimi im München des 19. Jahrhunderts.

Meine Meinung:

Zum ersten Mal  gehört von Roxane Bicker und ihrem Debütroman "Inepu" habe ich letztes Jahr auf dem Litcamp in Heidelberg. Leider nur am Rande, denn die Session ( ich glaube, es war speziell eine über Ägyptologie ) selbst konnten wir nicht besuchen und doch hat sich mir ihre Geschichte ins Gedächtnis gebrannt.

Zum zweiten Mal darüber gestolpert bin ich ein paar Monate über Twitter und war sofort wieder Feuer und Flamme, denn das Zusammenspiel aus Kriminalroman, welcher 1889 in München spielt und ihrem eigenen Wissen über die Thematik ( Studium der Ägyptologie, Koptologie und Ur- und Frühgeschichte ) machten mir den Mund wässrig. Und so konnte ich es kaum abwarten, endlich in diese Geschichte eintauchen zu dürfen.

Direkt auf den ersten Seiten entsteht eine dichte und unheimlich mystische Stimmung, die sich durch das ganze Buch zog und mich durchweg gefangen hielt. Auch geht es sehr schnell zur Sache, denn bereits am Anfang wird der Leser Zeuge eines Diebstahls einer wertvollen Maske und eines Mordes an einem Museums-Angestellten, was für mich den perfekten Einstieg in die Geschichte bot und Lust auf mehr machte.

Montag, 27. Januar 2020

[Rezension] Das Ewigkeitsprojekt - Caroline Hofstätter



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Das Ewigkeitsprojekt von Caroline Hofstätter

Umfang: 210 Seiten | Genre: Science Fiction

Verlag: Atlantis | Preis: 12,99 € 




Als Dr. Sarah Berger an einem friedlichen Morgen vor die Tür ihres Hauses tritt, erkennt sie, dass Hills View nicht nur ruhig ist – es ist zu ruhig. Über Nacht sind alle Bewohner verschwunden. Aber wohin? Wie konnte eine ganze Stadt völlig lautlos evakuiert werden und warum haben die Bewohner ihre Häuser penibel aufgeräumt, bevor sie die Stadt verließen?

Als die junge Ärztin erkennt, was hinter den rätselhaften Ereignissen in Hills View steckt, befindet sie sich bereits mitten im Ewigkeitsprojekt. Daraus zu entkommen, wird selbst mit aller wissenschaftlichen Logik nicht einfach, denn die Gesetze der Physik gelten nicht länger und selbst eine Tasse Kaffee ist nicht, was sie zu sein scheint ...

Meine Meinung:

Ich wäre wohl so schnell nicht auf dieses Buch aufmerksam geworden, wenn mich die Autorin Caroline Hofstätter damit nicht auf sehr charmante Art und Weise beglückt hätte - ich hatte auf Twitter meinen Frust über einen Fastgewinn von der Seele geschrieben und sie bot mir direkt an, als kleinen Trost ihr aktuelles Werk zukommen zu lassen. Ich hatte mich riesig gefreut und konnte natürlich bei solch einer netten Anfrage nicht "Nein" sagen und so durfte es noch Ende des Jahres bei mir einziehen.

Ob seines größeren Formats und der knapp 200 Seiten konnte ich die Geschichte relativ schnell wegatmen und das Buch lag mir auch beim Stillen praktisch in der Hand ... gewiss kein Kaufargument für den Großteil von euch, aber für mich in dem Moment ein großer Pluspunkt!

Der Einstieg gestaltete sich flüssig und wie von selbst war ich schon nach wenigen Seiten mitten in den rätselhaften Geschehnissen, an der Seite von Sarah Berger, gefangen. Und die haben es in sich, verdichten sich innerhalb kürzester Zeit zu einer gewaltig spannenden Atmosphäre und ließen mir so kaum die Luft zum Atmen.

Freitag, 10. Januar 2020

[Rezension] Unser Leben in den Wäldern - Marie Darrieussecq




*Werbung / Rezensionsexemplar*

Unser Leben in den Wäldern von Marie Darrieussecq

Umfang: 110 Seiten | Genre: Roman

Verlag: Secession | Preis: 18,00 € 




Unser Leben in den Wäldern führt uns in eine gar nicht so ferne Zukunft, wo wir es vermutlich ganz normal finden werden, dank implantierter Technik ständig »online« zu sein, smart vernetzt mit Wohnung, Verkehrsmitteln, Arbeit und den staatlichen Autoritäten. Was aber geschieht mit uns, wenn wir in einer Gesellschaft leben, in welcher der technische Fortschritt und Turbo-Kapitalismus auf die Spitze getrieben sind? In der Klone uns als lebende Ersatzteillager für Organe
dienen? In der Roboter den Großteil der Arbeit übernehmen? In der die Unterscheidungslinie zwischen KI-Affen und Menschen zu verschwinden droht?

 Ein fulminanter Text, verzweifelt, wütend, geprägt von schwarzem Humor – aus einer Zukunft, die sich erschreckend logisch aus unserer Gegenwart speist.

Meine Meinung:

Auf dieses Buch bin ich über Marlene von ichlesefrauen.de aufmerksam geworden und bin unglaublich froh darüber, denn was sich hier hinter den Buchdeckeln verbirgt, ist ein wahres Kleinod im Bereich Dystopie. Vorweg möchte ich gleich sagen, dass falls ihr euch komplett unwissend in die Geschichte werfen möchtet, dann verzichtet darauf den Klappentext zu lesen, denn dieser nimmt der Handlung doch einiges an Spannung raus und verrät sehr viel über den Verlauf.

Wir erleben alles aus Sicht von Viviane, welche in einem Rebellenversteck im Wald ausharrt und in einem Notizbuch ihre Gedanken festhält, in der Hoffnung, der Nachwelt einen kleinen Einblick in die Geschehnisse zu geben und ihnen damit einen Teil der Wahrheit zu offenbaren. So viel mehr kann ich über den Plot gar nicht schreiben, ohne euch zu viel zu verraten und DAS möchte ich auf gar keinen Fall!
Ich stelle mir vor, das der letzte Wald verschwunden sein wird, wenn der erste Menschenroboter fertiggestellt ist. Berührung der Ziellinie. Fünfzig Jahre. Das werde ich nicht erleben. Ich bin vorher kaputt. Ein Glück, dass ich keine Kinder habe.
Der Roman lebt davon, dass man als Leser Stück für Stück in Vivianes Gedanken eintaucht, ihr altes Leben mit ihr ergründet und die Welt in welcher sie lebt, ein bisschen besser kennen lernt. Eine Welt, in der Roboter, ständiges Online-Sein und totalitäre Überwachung zur Tagesordnung gehören, rebellische Mitbürger wie von Zauberhand verschwinden und Klone für jeden, die es sich leisten können bereit liegen, um neue Organe zur Verfügung zu stellen.

Mittwoch, 4. September 2019

[Rezension] Himmeldonnerglöckchen von Jasmin Zipperling



*Werbung / Rezensionsexemplar*

Himmeldonnerglöckchen von Jasmin Zipperling

Umfang: 76 Seiten | Genre: Kinderbuch

Verlag: Books on Demand | Preis: 16,99 € 




Als angehende Osterhäsin soll Hopsi stillsitzen, die Löffel spitzen und aufpassen. Aber Hopsi schmatzt, wenn sie aufgeregt ist und schlägt viel lieber Purzelbäume.

Aus Versehen landet sie mit dem frechen Wichtel Michi in der Weihnachtswerkstatt. Das ist ein zauberhafter Ort, an dem man den Christbaumschmuck in der Luft fangen muss, Nüsse auf einer Wippe hackt und wo man jede Menge Spaß haben kann.

Schnell fragt sich Hopsi: Himmeldonnerglöckchen! Was spricht dagegen, keine Oster- sondern eine Weihnachtshäsin zu sein?

Meine Meinung:

Eine weihnachtliche Geschichte mit einem Osterhasen Ende August lesen ... geht das? Ja, das geht und zwar ganz ausgezeichnet - denn diese zuckersüße Vorlesegeschichte für Kinder ab 4 Jahren brennt sich ab der ersten Seite in das Leserherz, sodass es völlig egal ist, welche Jahreszeit gerade herrscht.

Als ich auf Twitter mitbekam, dass "Himmeldonnerglöckchen" in den letzten entsteherischen Zügen lag und den Klappentext zum ersten Mal laß, war ich Feuer und Flamme. Ich freute mich riesig auf das Erscheinen von Jasmin Zipperlings Kinderbuch und bekam es prompt vor Erscheinen in einem superniedlichen Paket zugeschickt, was mein Bloggerherz höher schlagen ließ.

Nebst einer wundervollen Tasse, selbstgemachten Zimtsternen (es waren einfach zu wenige *mampf*) und einem handgeschriebenen Brief vom Weihnachtsmann, durfte ich auch ihr Kinderbuch endlich in den Händen halten - und war sofort angetan von den niedlichen Illustrationen und dem schönen Bilderbuchformat.

"Himmeldonnerglöckchen" ist eine zauberhafte Geschichte rund um die Stärkung von kindlichem Selbstvertrauen, über Freundschaften und die schönste Zeit im Jahr: Weihnachten.

Es geht um Hopsi, eine kleine Häsin, die eigentlich dabei ist, eine Osterhäsin zu werden. Ihre große Schwester Hoppeline ist soeben Ober-Osterhäsin geworden und hat nun die Aufgabe, alle anderen Hasen und Häsinnen bis zum nächsten Osterfest in die große Aufgabe des Ostereier-Versteckens einzuweihen und zu trainieren.
Da öffnete sich eine Luke in der Decke. Ein gezwirbelter Lautsprecher erschien und spielte eine feierliche Trompetenmelodie. Die Wichtel verstummten und blickten nach oben. "Liebe Weihnachtshelfer!", kam es aus dem Lautsprecher. "Es ist wieder ein Tag weniger bis Weihnachten!" Lauter Jubel ertönte. Die Engel klatschten begeistert in die Hände, die Wichtel warfen ihre Mützen in die Luft.
Was mir beim Lesen direkt auf den ersten Seiten das Herz schwer gemacht hat, war die Tatsache, wie Hopsi von den anderen Hasenjungs schikaniert und gemobbt wird. Sie möchte einfach nur dazugehören, möchte ihre Aufgabe richtig machen und hat die Angewohnheit, zu Schmatzen wenn sie aufgeregt ist. Doch das ist mit einer der Gründe, warum Lutz und seine Freunde sie veralbern und schlecht machen, was Hopsi sich sehr zu Herzen nimmt.

Hier wird ein sensibles Thema aufgegriffen und gut umgesetzt, auch wenn ich hier beim Vorlesen, wie auch beim Selbstlesen von älteren Kindern, immer das Gespräch und die Erklärung mit dem Kind suchen würde, um darüber altersgerecht zu reden - also quasi begleitendes Lesen. Und wann sollte eine bessere Möglichkeit kommen über Mobbing oder Ausgrenzung zu sprechen, als in dieser Geschichte?
"Willst du auch mal ein Rad schlagen oder einen Purzelbaum machen?" fragte Michi. Hopsi schüttelte den Kopf. "Danke, aber lieber nicht. Die anderen Hasen finden das peinlich." Michi lachte. "Warum interessiert dich die Meinung von anderen?"  
Auf Hopsis Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. Es stimmte: Sie musste gerade keine Eier verstecken, also konnte sie doch ein bisschen toben und laut sein. Ganz heimlich natürlich.
Mit Fortschreiten der Handlung wandelt sich Hopsi vom unsicheren Häschen zu einer Häsin mit einer gewissen Portion Selbstvertrauen und dem Wissen, wie sie sich gegen die anderen Hasen zur Wehr setzen kann.

Besonders gelungen fand ich eben genau diesen Wandel - Hopsi wird in der Weihnachtswerkstatt ermutigt Dinge auszuprobieren, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und sich so zu akzeptieren ( mit allen Macken ), wie sie eben ist. Dabei helfen ihr ihre neu gewonnene Freunde Wichtel Michi und Angelina, welche in der Weihnachtsbäckerei arbeitet. Dort findet Hopsi ihre wahre Berufung und kann nebenbei auch  noch den gemeinen Plätzchendieb stellen, der dort sein Unwesen treibt.
An seiner Stelle erschien ein Männchen mit roten Locken, das prompt über einen Zweig auf dem Waldboden stolperte. Seine grüne Zipfelmütze rutschte ihm dabei vom Kopf. Das Männlein grapschte nach seiner Mütze und setzte sie sich wieder auf. Dabei bimmelte ein Glöckchen, das am Zipfel hing.  [...] 
"Ich heiße Hopsi". Sie deutete mit der Pfote auf ihre Brust. "Und wer bist du?" "Himmeldonnerglöckchen, das siehst du doch. Ich bin Michi und ich bin ein Weihnachtswichtel."
Ich mochte die ganze Atmosphäre in der Weihnachtswerkstatt unglaublich gerne - auch wenn wir erst Anfang September haben, habe ich den kleinen aber feinen Duft von Plätzchen und Tannenzweigen gerochen und mich hineinfallen lassen in diese heimelige Stimmung. Hopsi hilft bei allen möglichen Tätigkeiten dort aus, wie z.B. in der Glasbläserei oder beim Tannenbaum schmücken und so bekommen nicht nur Kinder Lust auf das Weihnachtsfest und auf das Ganze Drumherum.

Während Wichtel Michi einen weihnachtlichen Fluch nach dem anderen von sich gab und mich damit permanent zum Schmunzeln brachte, schlichen sich auch die Illustrationen von Esther Wagner in mein Herz, die das Buch mit dem nötigen weihnachtlichen Flair einhüllten. Und die ganzen Erklärungen, welche es für kindliche Leser einfach macht, manche Begrifflichkeiten besser zu verstehen, kann ich ebenso nur loben - da wurde definitiv mitgedacht!

Mein Fazit:

Zickiger Zuckerguss, was für eine wundervolle und ans Herz gehende Geschichte für Groß und Klein, Alt und Jung. Als Einstimmung fürs Weihnachtsfest oder für alle, die das ganze Jahr über in weihnachtlicher Stimmung sind, ist dies genau das richtige Buch zum Vor- oder Selbstlesen. Aber Achtung:

Während des Lesens kann sich ein akutes Plätzchenverlangen einstellen, also lieber Spekulatius oder andere Weihnachtsknabbereien auf Vorrat haben, damit dieses sofort gestillt werden kann! Optional findet sich hinten im Buch ein Rezept für Zimtsterne, welches ganz verzweifelte Plätzchenopfer direkt nachbacken können.

Alles in allem ist "Himmeldonnerglöckchen" ein ziemlich gelungenes Gesamtwerk, welches mich komplett von sich überzeugen konnte und ich freue mich jetzt schon auf den Tag, an dem ich es meiner kleinen Tochter vorlesen kann!

*~5 von 5 Sterne~*

P. S.: Nächstes Jahr erscheint ein zweiter Band, in welchem Hopsis Abenteuer weitergeht ... ich kann es kaum abwarten!

Montag, 26. August 2019

[Rezension] Girlsplaining - Katja Klengel



*Werbung / Rezension*

Girlsplaining von Katja Klengel

Umfang: 160 Seiten | Genre: Graphic Novel / Comic

Verlag: Reprodukt | Preis: 18,00 € 



Warum haben wir vor dem Wort “Vulva” mehr Angst als vor Voldemort? Müssen wir uns wirklich für unsere Körperbehaarung schämen? Wieso werden im Schulunterricht hauptsächlich männliche Autoren gelesen? Und warum sind die Geschlechterrollen bei Kinderspielzeug immer noch in den 1950er Jahren stecken geblieben?

In ihrer Comic-Kolumne “Girlsplaining” für das Online-Magazin “Broadly” versucht Katja Klengel diesen und weiteren Fragen auf den Grund zu gehen und erforscht dabei mit Humor und schonungsloser Offenheit auch ihre ganz persönlichen Ängste, Sorgen und vermeintlichen Unzulänglichkeiten – und was es bedeutet, im Jahr 2018 eine Frau zu sein.

“Girlsplaining” versammelt auf 160 Seiten die ersten sechs Episoden der Comic-Kolumne im schicken quadratischen Hardcover.

Meine Meinung:

"Girlsplaining" lag nun fast ein halbes Jahr unbeobachtet in meinem Bücherregal, bis ich es nun zur Hand nahm und in einem Atemzug inhalierte .... was nicht sonderlich schwer ist, sollte ich wohl dazu sagen, denn es ist eine kleine, aber umso wichtigere, Sammlung an Comic-Kolumnen von Katja Klengel, die sich sehr schnell lesen lassen und einen Appell an junge Leser*innen beinhalten:

Schämt euch nicht für euren Körper!

In einigen anderen Rezensionen habe ich einen Phrase immer und immer wieder gelesen, welche auch ich loswerden möchte, denn sie spukte mir während dem Lesen unablässig durch den Kopf: Wie gerne hätte ich dieses Buch in meiner Pubertät gelesen, wer weiß, vielleicht wäre ich dann mit vielen angesprochenen Themen komplett anders umgegangen.

"Verstehst du nun? Es gibt keinen falschen Körper. Also sei gut zu deinem." 

"Heisst das, ich soll mich nicht mehr rasieren?" 

"Mach, was immer du willst. Aber tue es nicht, um anderen zu gefallen."

Montag, 19. August 2019

[Rezension] Und dein Leben, dein Leben - Magret Kindermann



*Rezension*

Und dein Leben, dein Leben von Magret Kindermann

Umfang: 112 Seiten | Genre: Novelle

Verlag: Twentysix | Preis: 9,99 € 



»Du bist Schriftstellerin. Dann orchestriere meinen Mord doch fiktiv. Wie würdest du es machen, mh?«
Er trat einen Schritt auf sie zu. Sie wich nicht zurück.
»Es ist ganz leicht«, sagte er. »Man muss nur wissen, wie. Schau.« Er nahm ihre Hand und legte sie sanft auf seine pochende Halsschlagader. Er schwitzte leicht. Mit sanftem Druck führte er sie zu seinem Herzen.

Ein philosophischer Thriller für jeden Mutigen, der sich traut, Angst vor sich selbst zu haben.

Meine Meinung:

Und dein Leben, dein Leben war meine erste Geschichte von Magret Kindermann und so ganz anders, wie ich sie erwartet hatte. Auf 107 Seiten entfaltet sich eine Handlung, die sich wie ein Fiebertraum liest: Atmosphärisch, Heiß und Kalt zugleich und wie ein Wirbelsturm, der beim Lesen durch meinen Kopf und all meine Gedanken durcheinander wirbelte.

Doch von Anfang an - auch wenn ich acht geben muss, was genau ich euch hier verrate, denn ich möchte niemanden die Spannung nehmen. Wir begegnen hier Carmen, einer Schriftstellerin, welche mit ihrem Hund Dexter in einem alten Bootshaus lebt. Umgeben von einem Wald, den See direkt vor ihrer Nase und der Leidenschaft für ihre Bücher, lebt Carmen ein recht normales, wenn auch zurückgezogenes Leben.
"Es zieht mich in seinen Bann, weshalb Menschen so böse sind, wie sie sind. Du siehst das nicht. Du lebst auf der Oberfläche, in der Fassade. Doch so ist das Leben nicht, es ist hässlich und wenn du es einmal erlebt hast, erträgst du die Fassade nicht mehr."
Zumindest hat es den Anschein, doch nach und nach streut die Autorin kleine Arabesken mit in die Geschichte hinein und langsam legt sich ein Hauch von Unwohlsein über den Leser, welchen man auch nach dem Zuklappen des Buches noch zu verspüren scheint.

Carmen als Protagonistin entfaltet sich zusammen mit dem Lauf der Handlung. Zuerst hat man ein
ganz unscheinbares Bild von ihr, was sich wie ein Mosaikbild immer mehr vervollständigt und einen Charakter zu Tage bringt, der unzählige Facetten, schrullige Angewohnheiten und eine ganz eigene Art zu leben hat.

So hat sie z.B. einen Brieffreund namens Otto, welcher in einem amerikanischen Gefängnis sitzt und auf sein Todesurteil wartet oder viel mehr, dessen Vollstreckung. Oder auch die Wahl ihres Zuhauses, des Bootshauses. In dessen Nähe fand sie auf einer Lichtung eine Leiche, ein Fund, welcher sie faszinierte und inspirierte und in ihr die Entscheidung hervorbrachte, das dort gelegene Bootshaus kaufen zu wollen.
Denn der Ort befriedigte ihren Durst nach Horror. Überall sah sie imaginäre Leichen, im Unterholz, am Ufer im seichten Wasser oder auf dem tiefen Grund des Sees, wenn sie mit dem Boot darüberfuhr.

Dienstag, 13. August 2019

[Rezension] Black Box - Jennifer Egan



*Rezension*

Black Box von Jennifer Egan

Umfang: 96 Seiten | Genre: Roman

Verlag: Schöffling & Co. | Preis: 9,95 € 



Für ihren erfolgreichen Roman Der größere Teil der Welt erhielt Jennifer Egan den Pulitzer-Preis und zahlreiche andere Auszeichnungen – nicht zuletzt deshalb, weil sie in ihrem Werk immer wieder mit Erzählweisen experimentiert und verblüffend präzise unser heutiges Lebensgefühl trifft oder sogar Blicke in die Zukunft wagt.

Für ihre neue Geschichte Black Box gibt es noch keine Bezeichnung, denn auch hier betritt sie Neuland: Die Story wurde getwittert und erschien erst, nachdem die Kurznachrichten gesendet waren, gebündelt im New Yorker.
In der festgelegten Zeichenzahl von 140 Zeichen pro Tweet entfaltet Jennifer Egans Text eine ungeheure Explosionskraft. Eine namenlose, auf sich gestellte Frau ist auf einen hochrangigen Verbrecher angesetzt: Ihre Aufzeichnungen entfesseln eine atemberaubende, von Agententhrillern inspirierte Verfolgungsjagd, offenbaren dabei aber auch schonungslos den Umgang mit weiblicher Schönheit und technisch aufgerüsteten Körpern – eben als Black Box.

Meine Meinung:

Durch Marlene von ichlesefrauen.de bin ich auf diesen kleinen und recht unscheinbar aussehenden Roman gestoßen. Mit seinen 89 Seiten, dem schwarzen Buchschnitt und dem farblich passenden Lesebändchen ist es ein wahrer Lesegenuss - allein die Aufmachung macht einiges her und dabei passiert die ganze Magie tief im Inneren, vor den Augen Neugieriger verborgen.

Hinter "Black Box" steckt eine recht interessante Entstehungsgeschichte, die ich an dieser Stelle erzählen möchte und fast auch muss, um den Sog der Handlung genauer erklären zu können. Jennifer Egan twitterte ihre Geschichte Satz für Satz und erst danach erschien der komplette Text gebündelt im New Yorker.

Wer sich mit Twitter auskennt, weiß, dass jeder Tweet nicht mehr als 140 Satzzeichen enthalten darf ( das Buch erschien, bevor die Zeichenzahl auf 280 Zeichen angehoben wurde ) und dementsprechend kurz sind auch die Sätze, denen der Leser in diesem Roman begegnet. Genau das macht den ganzen Reiz aus, denn man spürt mit welcher Achtsamkeit die Autorin sich diesem experimentellen Schreiben gewidmet haben muss.

Für mich waren die meisten Sätze kleine Diamanten, funkelnde Sterne am Himmel, die sich in der Masse zu einem dichten Bild zusammenfügten. Das spannende an diesem Erzählstil war für mich, dass sich teils banale Sätze oder stakkatohafte Gedankengänge der Protagonistin mit malerisch-philosophischen Betrachtungen abwechselte und aus diesem ganzen Strudel entsponn sich nach und nach eine Geschichte, die mich zum Teil an James Bond Filme denken ließ.
Was dich bemerkenswert macht, sind weniger deine Fähigkeiten und Fertigkeiten als dein Mut und deine Entschlossenheit. Zu wissen, dass du eine von Hunderten bist, sollte sich nicht wie eine Herabsetzung anfühlen.  
Heroismus heute heißt, mit etwas zu verschmelzen, das größer ist als man selbst.
Doch um was geht es? Weder auf dem Buchrücken, noch im Klappentext wird auf die eigentliche Handlung eingegangen und so wird man als Leser ins kalte Wasser geworfen und muss sich erst ein wenig zurecht finden. Es geht um eine ganz normale junge Frau, die aus unergründlichen Dingen zur Spionin wird. Sie wird einem reichen Mann zur Seite gestellt als eine seiner "Schönheiten" und soll herausfinden, was für mit was für Geschäften er seinen Reichtum finanziert.

Alles beginnt sehr ruhig, die Agentin lässt den Leser oft teilhaben an den Grundsätzen ihrer Ausbildung und verschleiert dabei doch, aus welchen Gründen sie für diese Mission ausgewählt wurde. Dieser Aspekt bleibt bis zum Ende im Dunkeln, man bekommt hin und wieder Brotkrumen hingeworfen, die einen kleinen Teil des großen Mysteriums erleuchten und mich mit einigen Fragezeichen zum Schluss zurück ließen.

Trotzdem ist dies für mich kein richtiger Kritikpunkt, da die Länge des Romans dies schon im Vorfeld vermuten lässt und so hätte ich mir einfach nur gewünscht, die Autorin hätte diese Geschichte ausführlicher erzählt, um meine Neugierde zu befriedigen.
Denk daran, dass du als derselbe Mensch nach Haus zurückkehren musst, als der du fortgegangen bist. Denk daran, dass man dir versichert hat, dass du nicht mehr derselbe Mensch sein wirst. Denk daran, dass du schon vor deinem Weggang aufgehört hast, dieser Mensch zu sein. 
Denk daran, dass zu viel Denken sinnlos ist.
Mit Verlauf der Handlung steigert sich das Tempo und endet mit einer doch recht unerwarteten Wendung, die dem ganzen ein bisschen James Bond Feeling einhaucht. Am meisten überrascht hat mich der kleine Science-Fiction Aspekt, der wie nebenbei eingestreut wird und über welchen ich gerne mehr gelesen hätte.

Alles in allem ist es Jennifer Egan gelungen, mich gekonnt um den Finger zu wickeln und in keinem Moment zu langweilen. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass diese Art zu Erzählen mich so mitnehmen und abholen könnte, ohne dass ich dabei abschweife oder dem Ganzen überdrüssig werde. Ein mitreißendes erzählerisches Experiment, das mich spielerisch von sich überzeugen konnte.

Mein Fazit:

Eine außergewöhnliche Erzählung, die meiner Meinung nach viel zu wenig beachtet wird und ein Erzählstil, der seinesgleichen sucht. Leser, die gerne über ihren Tellerrand hinaus lesen oder eine ungewöhnliche, aber dennoch spannende und nie langweilig werdende Geschichte suchen, wird hier fündig werden. James Bond Feeling inklusive!

Jennifer Egan wird definitiv zu einer Autorin werden, deren Werke ich mir nun näher ansehen möchte und von denen ich mir erhoffe, dass sie mir ebenso gut gefallen werden wie dieser Roman.

*~5 von 5 Sterne~*

Weitere Leseeindrücke findet ihr bei:

Marlene von ichlesefrauen.de, welche mich mit ihrer Rezension erst auf das Buch aufmerksam gemacht hat *KLICK*

Diese Rezension findet ihr auch bei der Aktion "LinkPARTY" von MonerlsWelt wieder. Eine fabelhafte Aktion für mehr Sichtbarkeit untereinander und mehr Aufmerksamkeit den Rezensionen gegenüber. 

Sonntag, 21. Juli 2019

[Interview] Nicole Seifert - Übersetzerin

Ich darf euch heute Nicole Seifert vorstellen, welche ich für ein Interview gewinnen konnte. Nicole ist freiberufliche Übersetzerin, Bloggerin ( ihr Blog nachtundtagblog.de ) Herausgeberin und Familienmensch.

Quelle: Sabrina Adeline Nagel
Ich muss gestehen, dass ich mich bisher nie so intensiv mit dem Beruf des Übersetzer*in auseinander gesetzt habe. Seit ein paar Jahren habe ich es mir angewöhnt, die Namen der Übersetzer*innen zu googeln, wenn mir der Text besonders gut oder schlecht gefallen hat. Je nachdem merke ich mir die Titel vor auf meiner Wunschliste oder mache einen großen Bogen um weitere Bücher des Übersetzenden.

Und genau aus diesem Grund war ich neugierig, wie es wohl hinter den Kulissen abläuft. Da der Herzensmann Nicole über Twitter schon länger folgte und mir den gedanklichen Stubser in die richtige Richtung gab, schrieb ich sie an und durfte ihr meine Fragen schicken, die ihr nun zu lesen bekommt.

So, jetzt aber genug Vorgeplänkel ... wir starten mit dem Interview, habt viel Spaß!

- Nicole, du bist ein richtiges Multitalent. 

Im Vorfeld für das Interview habe ich mich auf deinem Blog Nacht und Tag gestöbert und gesehen bzw. gelesen, dass du dort einen eigenen Onlinelesekreis ins Leben gerufen hast, mit Begeisterung bloggst, als Herausgeberin und Übersetzerin arbeitest und "nebenbei" auch noch eine Familie hast. 

Wie bekommst du das alles unter einen Hut?

Nicole: Na ja, Multitalent – es liegt ja alles sehr nah beieinander, hat alles mit Literatur zu tun. Manchmal ist schon ein bisschen jonglieren nötig, aber das geht ja allen arbeitenden Eltern so. Was mir hilft:

Ich habe einen klar strukturierten Arbeitstag und liebe das Lesen und Schreiben und Übersetzen, bin also nicht besonders anfällig für Ablenkungen. 

Als Selbständige, deren Schreibtisch zu Hause in meinem Arbeitszimmer steht, kann ich mir meine
unterschiedlichen Projekte so einteilen, wie es Deadlines und Alltagstermine erlauben. Das Bloggen ist für mich sehr überwiegend Spaß, das läuft nebenbei – und wenn mal nicht genug Zeit dafür ist, poste ich eben weniger. Die Arbeit im Haushalt haben mein Mann und ich aufgeteilt, und mein Kind ist schon größer, da bin ich gar nicht mehr so gefragt

Quelle: Sabrina Adeline Nagel
- Heute soll es ja um deinen Beruf als Übersetzerin gehen, den ich mir als Leserin unwahrscheinlich interessant und spannend vorstelle. Magst du uns ein wenig mehr darüber erzählen und Einblick gewähren in deinen beruflichen Alltag?

Nicole: Äußerlich ist der Alltag einer Übersetzerin sehr ruhig und wenig aufregend, aber inhaltlich ist es in der Tat spannend, nicht zuletzt, weil man ständig dazulernt. Wenn man Romane übersetzt, muss man sich immer wieder in unterschiedlichste Dinge einlesen, um detaillierte Beschreibungen von Handwerken, Sportarten, oder Dingen wie Antiquitäten oder Schiffen mit den richtigen Begriffen übersetzen zu können.

Da stoßen normale Wörterbücher an ihre Grenzen, sogar das Internet hilft oft nicht weiter, wenn es konkret und hieb- und stichfest sein soll. Manchmal geht es nicht, ohne Expert*innen ausfindig zu machen. Ich habe an meinem Bildschirm zwei Manuskripte nebeneinanderstehen: das Original, und daneben das deutsche, das ich gerade schreibe. So hangele ich mich dann am Text entlang und schaffe mal drei Seiten am Tag, mal zehn, je nach Zeit und Schwierigkeit des Textes.

Oberstes Ziel ist es, am Ende einen deutschen Text abzugeben, dem man nicht anmerkt, dass er aus einer anderen Sprache übersetzt wurde, der dem Original aber in jeder Hinsicht entspricht, nicht nur inhaltlich. 

Damit sich ein Text am Ende so liest, ist vor allem eine große Sensibilität für die Stilebenen der Sprache nötig. Nach dem Übersetzen wird überarbeitet und gegengelesen, dann geht der Roman ins Lektorat, wo Satz für Satz verglichen wird. Anschließend besprechen die Lektorin und ich die Änderungen und die schwierigen Fälle. Dann geht der Roman ins Korrektorat, was auch noch mal sehr wichtig ist, nicht nur wegen der Einheitlichkeit der Schreibweisen und der Rechtschreibung, sondern auch, weil hier oft noch Übersehenes entdeckt wird.

Freitag, 12. Juli 2019

[Rezension] Die Frauen von Salaga - Ayesha Harruna Attah




*Werbung / Rezensionsexemplar*

Die Frauen von Salaga von Ayesha Harruna Attah

Umfang: 320 Seiten | Genre: historischer Roman

Verlag: Diana Verlag | Preis: 20,00 € 



Westafrika, Ende des 19. Jahrhunderts. Aminah, ein verträumtes junges Mädchen, wird brutal aus ihrem Zuhause gerissen und als Sklavin verkauft. Wurche ist eine privilegierte Frau, doch ihr Vater zwingt sie, eine ungewollte Ehe einzugehen. Als Aminah und Wurche sich auf dem Sklavenmarkt von Salaga begegnen, verbinden sich ihre Schicksale unwiderruflich miteinander.

Beide hadern mit den Grenzen, die ihnen Zeit und Gesellschaft auferlegen. Beide riskieren ihr Leben. Und beide verlieben sich in denselben Mann.

Meine Meinung:

Zu diesem Roman hätte ich von mir selbst aus wohl eher weniger gegriffen, doch in Zuge von #WirlesenFrauen und da der Herzensmann es auch unbedingt lesen wollte, habe ich mich vom wundervoll gestalteten Cover und der Geschichte überzeugen lassen - zum Glück!

Ayesha H. Attah erzählt in dieser Geschichte das Schicksal ihrer Ururgroßmutter, welche wir als Aminah kennen lernen dürfen. Gleichzeitig erleben wir einen zweiten Blickwinkel durch Wurche, eine rebellische Königstochter, die einen enormen Gegenpol zu Aminah darstellt und welche durch "Schriftzeugnisse von Frauen aus afrikanischen Königsfamilien wie Königin Aminah und Yaa Asantewaa in Ghana" inspiriert wurde. ( Zitat aus dem Interview des Diana Verlags mit der Autorin )

Da in der Vorstellung der Autorin im Buch nur kurz beschrieben wurde, dass dieser Roman von ihrer Familiengeschichte handelt, dies aber nicht näher erklärt wurde, wollte ich mehr über diesen Fakt wissen. Dabei bin ich auf ein Interview gestoßen, das der Diana Verlag mit Ayesha H. Attah selbst geführt hat, und dieses kleine Zitat, was die näheren Umstände beleuchtet, wollte ich euch nicht vorenthalten.
"Als ich unseren Familienstammbaum erforscht habe, hat mein Vater erwähnt, dass unsere Vorfahrin, die Mutter seiner Großmutter, nur „die Sklavin“ genannt wurde. Das hat mich neugierig gemacht. Ich wollte mehr wissen, aber er konnte mir nur sagen, dass sie vermutlich aus Mali, Niger oder Burkina Faso kam und sehr helle Haut gehabt haben soll. Ich habe versucht, mehr über sie herauszufinden.  
Meine Familie war diesbezüglich äußerst schweigsam. Letztlich habe ich mich beim Erzählen von Aminahs Geschichte eher auf meine Nachforschungen und das, was in unserer Familie ungesagt geblieben ist, gestützt."

Wie bereits oben erwähnt, verfolgen wir zwei Sichtweisen: Aminah, die in einem kleinen Dorf aufwächst und Wurche, eine privilegierte Königstochter. Zwei ganz unterschiedliche junge Frauen und doch eint sie eine Sache. Sie wollen beide aus ihrer Unterdrückung ausbrechen und sich nicht den Gegebenheiten ihres Landes unterwerfen. Aminah möchte, wie ihr Vater, das Schusterhandwerk erlernen und mit Karawanen in die umliegenden Städte ziehen. Wurche interessiert sich für die Politik ihres Vaters, würde viel lieber schießen und reiten lernen wie ihre Brüder und vor allem politisch etwas verändern im Land.

Recht schnell werden beiden allerdings immer größere Steine in den Weg gelegt und sie begreifen bald, dass Freiheit und Selbstbestimmtheit für Frauen in Westafrika, Ende des 19. Jahrhunderts, noch in weiter Ferne liegt. Was mir hier besonders gut gefallen hat war, dass der Fokus auch auf diesem Thema liegen blieb. Auf dem Klappentext wird zwar eine Liebesgeschichte angeteasert, doch diese bleibt sehr weit im Hintergrund und wird nur gegen Ende des Buches ein wenig mehr ausgeweitet.

Sonntag, 7. Juli 2019

[Interview] Nici Hope, Autorin von "Demon Rookie"

Quelle: Nici Hope
Ich darf euch heute Nici Hope, die Autorin von "Demon Rookie" ( *~HIER~* kommt ihr zu meiner Rezension ), im Interview präsentieren und konnte ihr einige Fragen zu ihrem Debüt, dem Schreiben an sich, einer Hörbuchvertonung und einigem mehr stellen.

Kleiner witziger Fakt am Rande: Nici wohnt quasi direkt bei uns in der Nachbarschaft, aber da wir beide momentan viel um die Ohren haben und ich euch das Interview auch nicht allzu lange vorenthalten wollte, haben wir es noch nicht geschafft, uns zu treffen. Aber das kriegen wir auch irgendwann hin und dann gibt es vielleicht ein kleines Gewinnspiel, wenn ihr mögt .... wer weiß!

Aber jetzt wünsche ich euch erstmal viel Spaß beim Lesen und hoffe natürlich auch, euch damit ein wenig neugierig auf Nici und ihr Debüt machen zu können.

- Dein Debüt "Demon Rookie" erschien Anfang dieses Jahres im Tredition Verlag, über den Autor*innen ihre Bücher selbst verlegen können. Wie lange hat es von der eigentlichen Buchidee bis zur Veröffentlichung gedauert und würdest du dich jederzeit wieder für diesen Weg entscheiden?

Quelle: Nici Hope
Nici: Der ganze Prozess hat gut 1 Jahr gedauert. Dabei hat das Schreiben und Überarbeiten des Textes den Großteil eingenommen. Das Veröffentlichen über Tredition war sehr angenehm und unkompliziert. Vom Hochladen des Buchinnenteils bis zum Gestalten des Covers. Ich bin nicht abgeneigt erneut einen Titel im Selbstverlag rauszubringen.

Mir gefällt es, dass ich dann alles selber bestimmen und machen kann. Ich kann so schneller veröffentlichen und muss nicht auf den Verlag warten. 

Nachteil ist, das man alleine die Kosten für ein Lektorat und Korrektorat tragen oder darauf verzichten muss. Aber ja, sollte eins meiner Werke nicht bei einem Verlag unterkommen oder mir die Zusammenarbeit mit einem Verlag nicht effektiv erscheinen, dann werde ich es wieder tun. Auf jeden Fall!

- Du hast sogar dein Buch selbst eingesprochen und als Hörbuch herausgegeben. Erzähl uns doch ein wenig davon, denn dass ein Selfpublisher sein Werk selbst einspricht, ist ja doch etwas ungewöhnlicher.

Nici: Ich liebe Hörbücher und da war klar: Demon Rookie muss auch als Hörbuch erscheinen. Eine professionelle Produktion wäre allerdings sehr teuer, also habe ich mir kurzer Hand an meinem Schreibtisch ein Minitonstudio eingerichtet und es selbst in die Hand genommen. Das hat richtig Spaß gemacht, nachdem ich mich in das Thema Aufnahme und Schnitt eingearbeitet hatte.

Quelle: Nici Hope
Auf Audible und Deezer könnt ihr in das Buch reinhören oder es herunterladen. Was beim eBook und Printbuch über Plattformen wie Tredition und BOD sehr gut und gewinnbringend läuft, ist aber im Bereich Hörbuch frustrierend. Dort habe ich mit der Plattform Feiyr zusammengearbeitet und bin geschockt, wie wenig man an einem digitalen Hörbuch verdient. Das trübt ein wenig die Freude.

Für 20 verkaufte Hörbücher habe ich gerade mal 1,98€ bekommen d.h. so gerade 10 Cent pro Hörbuch. 

Aufwand und Gewinn passen da nicht wirklich. Für die Folgebände sowie die Neuauflage habe ich jetzt Unterstützung vom Verlag. Hoffe dann läuft es besser. Einsprechen werde ich es weiterhin selbst.

- Bei "Demon Rookie" handelt es ja nicht nur um eine reine Horrorgeschichte, sondern es verstecken sich ebenfalls Themen wie Okkultismus, luzides Träumen und Satanismus in deinem Roman und das nicht zu knapp. Ich hatte das Gefühl, dass du für diese Bereiche nicht einfach "nur" recherchiert hast, sondern dich selbst damit ziemlich gut auskennst. Stimmt das oder bin ich da komplett auf dem Holzweg?

Nici: Da hast du den richtigen Riecher. Ich verschlinge seit Teenagertagen alles zum Thema Okkultismus, Magie und Satanismus. Bin in dem Thema sehr belesen und im Herzen eine kleine satanische Hexe. Viele verbinden das mit falsche Vorstellungen und jeder Menge Vorurteilen. Wer sich aber ernsthaft damit beschäftigt, wird merken, dass diese Philosophie nichts mit Tieropfern und kriminellen Handlungen zu tun hat, so wie es in den Medien dargestellt wird.

Freitag, 19. April 2019

[Challenge] Wir lesen Frauen - eine Lesechallenge

Wir lesen Frauen - was verbirgt sich hinter diesem Motto, dieser Lesechallenge? Eva-Maria Obermann, mit ihrem Blog Schreibtrieb, hat diese wundervolle Idee ins Leben gerufen und ich schließe mich mit Freuden dieser Aufgabe an. Eigentlich ist es ganz einfach:

Innerhalb von 12 Monaten sollen 12 Bücher von 12 oder mehr AutorINNEN gelesen werden.

Doch ist es wirklich so einfach? Wenn ich durch unsere Bibliothek gehe und den Blick schweifen lasse, fällt mir als erstes die Vielfalt unserer Sammlung auf. Alle möglichen Themen, Genre sind vertreten, mal mehr, mal weniger intensiv.

Suche ich allerdings gezielt nach Autorinnen, ist das Ganze schon ein wenig schwieriger. 

Nicht das wir keine Bücher von Frauen besitzen würden, allerdings tummeln sich schon eine Menge mehr männlicher Autoren in unseren Regalen als weibliche Autorinnen. Warum ist das so?

Genau diese Frage möchte ich mit dieser Challenge in Angriff nehmen und dabei nicht nur Bücher von meinem SUB lesen - denn gleichzeitig möchte ich auch wissen: Übersehe ich in gewissen Genre wie Sci-Fi oder Thrillern einfach die weiblichen Schriftstellerinnen rigoros oder blicke ich zu wenig über meinen eigenen Tellerrand hinweg?